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Die aktuellen Projekte teilen sich bei mir unter “9 mm”, “Schattengrenzen” (Mystery-Triller/ Horror), “Die Stadt der Maschinenmagie” (High Fantasy/ Steam-Fantasy) und “Das Gewicht einer Seele” (Steampunk) auf.

Die Stadt der Machinenmagie – Textauszüge

Hallo ihr Lieben,

dieses Mal habe ichz ein paar Textauszüge aus dem ersten Buch für euch … und auch einen aus dem 2. Band 😉

Kapitel 1 – Blutiger Staub
Als der Säbel gegen Schwert und Parierdolch prallte, schoss scharfer Schmerz durch Gwenaels Handgelenke und explodierte in den Ellbogen. Sein Gegner hatte den Schwung, den er aus dem Galopp mitbrachte, voll ausgenutzt. Ein ungesundes Knirschen begleitete den Schlag. Gwenaels Finger fühlten sich taub an. Zumindest konnte er seine Waffen halten – noch. Er krampfte die Faust um das schweißfeuchte Leder und lenkte den Schlag ab. Der Griff seines Schwertes geriet ins Rutschen. Wie lange war er noch in der Lage zu kämpfen?
Glücklicherweise nahm der Pareshi keine weitere Notiz von ihm. Er jagte durch das Heer und hackte blindwütig mit seinem Schwert um sich. Sinnlos, ihm nachzusetzen.
Er musste sich vorbereiten. Die nächsten Gegner kamen bereits auf ihren Pferden angesprengt. Auf dem harten, sandigen Boden suchte er nach festem Stand.
Sein Atem ging stoßweise. Das Tuch vor Mund und Nase machte es unmöglich, tief Luft zu holen. Er sog nur speichelfeuchten Stoff ein, in dem sich aufgewirbelter Sand und Dreck gefangen hatten.
Ihm wurde heiß, zugleich kühlten seine Finger aus. In seinen Ohren gewann das Rauschen des Blutes an Kraft, sodass es den Lärm der Schlacht übertönte. Für einen Moment engte sich Gwenaels Sicht ein. Lichter flackerten vor seinen Augen, und Schwärze rann in seine Wahrnehmung des Schlachtfeldes.
Was war das?
Erschrocken blinzelte er, bis sich das Bild klärte. Zurück blieb ein hohes, anhaltendes Pfeifen, das sich in seinen Ohren sammelte, zusammenzog und ausdehnte.
Jemand rammte ihn schräg von vorn in die Seite. Ein Tritt. Der Stiefel tat in den Rippen weh, ungeachtet des Kürras.
Gwenael spannte sich instinktiv und versuchte sich abzufangen, doch es war zu spät. Der Boden kam auf ihn zu. Er rollte sich schwerfällig über die Schulter ab.
Im gleichen Moment mischte sich das Trommeln von Hufen in den Kampflärm und schlug in heftigen Druckwellen über ihn hinweg. Ein dumpfer Knall erklang und wurde fortgerissen. Das Pferd brach in sich zusammen und zerschmetterte seinen Reiter.
Das war nah, viel zu nah.
Gwenael kam unsicher auf die Füße. Die Welt drehte sich, pendelte, fand kein Gleichgewicht mehr. Er versteifte sich, bis der Boden aufhörte zu schwanken und nur noch unter dem Stampfen von vielen Hufen bebte.
Der Geruch nach Blut, Fäkalien, Tier und Schweiß überwältigte ihn. Sein Magen zog sich zu einem steinernen Klumpen zusammen.
Dicht neben ihm setzte Orins helle, riesenhafte Gestalt über den toten Pferdeleib. In seiner Hand lag eine der langrohrigen, doppelzügigen Jagdbüchsen. Rauch kräuselte sich aus dem Lauf und wurde von der Druckwelle der heranrasenden Reiterattacke davongerissen.
„Danke, Orin …“
Rufe – rasche Warnungen, die sich wie ein Lauffeuer ausbreiteten – gellten in der vertrauten Sprache Valvermonts von vorn und von links. Unter dem Rauschen seines Blutes, seinem Keuchen und dem Hämmern seines Herzens begriff er deren Sinn kaum. Was war geschehen?
Orin rammte ihm die Faust gegen den Oberarm. Der Hieb raubte Gwenael beinah das Gleichgewicht. Taumelnd fing er sich.
Orins fahle Augen waren vor Entsetzen geweitet. „Gwen, sie überrennen uns!“
Durchbruch!
Für einen Moment glaubte Gwenael, dass sein Herz aussetzte. Eisiger Schrecken kroch ihm in die Glieder und flutete seinen Verstand.
Er versteifte sich. Der Schock lieferte neue Kraft, keine Zeit für Erschöpfung. Er musste seine Leute sammeln, sich zurückziehen und den Posten aufgeben. Es brachte nichts, sie in einem sinnlosen Kampf um eine tote Grenzzone zu opfern. Sie konnten nicht mehr gewinnen. Dafür waren sie viel zu wenige.
„Rückzug!“ Gwenaels Stimme wurde von dem verfluchten Tuch bis zur Unkenntlichkeit gedämpft. Er riss es sich von den Lippen. „Rückzug!“
Schemenhaft nahm er zwischen den Reitern seine Soldaten wahr, die sich wehrten. Die Dummen, die Helden, wurden niedergeritten, von Säbeln und Bolzen niedergestreckt. Die Klugen verschwanden. Sein Ruf wurde durch die Reihen weitergetragen, nicht mehr als ein undeutliches Echo.
Er presste die Kiefer aufeinander. Sand knirschte zwischen seinen Zähnen. Seine Nase trocknete aus. Er war einfach nicht für diese Gegend geschaffen, nicht wie die Pareshi.
Sie lebten in dieser Einöde, hatten sich an die Umgebung angepasst und ihr General Nandhi war ein weiser, geschickter Mann. Er nutzte das Klima und die örtlichen Gegebenheiten, trieb Gwenaels kleines Heer aus der Sicherheit der Berge in die Steppe. Er wusste, dass Valvermonts Soldaten keine Rückendeckung aus Sarina zu erwarten hatten. Hier konnte er sie aufreiben.
Insgeheim zollte Gwenael ihm und seinen Offizieren Respekt. Kein noch so gut aufeinander eingespieltes Heer konnte der schieren Masse, die der General zur Verfügung hatte, widerstehen. Er führte Unmengen unerfahrener Krieger in die Schlacht. Sie reagierten unkontrollierbar und hysterisch, nicht geordnet. So beschäftigte Nandhi den Gegner, während seine Berufssoldaten die Versorgungszüge überfielen und aufrieben. Er bestimmte zweifelsohne das Schlachtfeld, ordnete es neu, um im passenden Moment seine Elite-Reiter zu schicken.
Gwenael verlor die Gedanken, als der nächste Reiter auf ihn eindrang. Eine Klinge schnitt durch die staubige Luft. Rasch wich er dem Angriff aus, nur um einen von unten geführten, ungeschickten Schlag gegen den Bauch des Pferdes anzusetzen. Das Tier tänzelte instinktiv zur Seite. Sein Reiter dagegen hatte scheinbar keinerlei Ahnung, was er tat. Er hackte mit dem Säbel nach unten und rammte dem aufgeregten Tier die Fersen in die Flanken.
Glücklicherweise gehorchte es ihm nicht.
Das Pferd bäumte sich auf. Eine bessere Chance würde sich Gwenael nicht bieten. Er tauchte unter dessen Leib hindurch und schlitzte den Bauch auf. Mit einem fast menschlichen Laut warf sich das Pferd herum. Der Sattelgurt schnitt in die Wunde. Blut und Därme quollen hervor. Sein Reiter konnte sich nicht mehr halten. Er stürzte, nur um einen Moment später von seinem Ross begraben zu werden.
Mitleid für Mann und Pferd? Dazu blieb Gwenael keine Zeit.
„Gwen!“
Orin drehte sich mitten in der Bewegung zu ihm um. Was immer er in der Hand gehalten hatte, es traf Gwenael vor der Brust. Sofort ließ er Schwert und Dolch fallen und griff zu. Erst jetzt wurde ihm bewusst, was der Priester ihm gereicht hatte – sein Gewehr. Eine Ladung hatte es noch.
Die nächste Welle Reiter zog in irrer Geschwindigkeit an ihnen vorbei. Der Boden bebte. Hufe wirbelten Brocken steinharter, ausgedörrter Erde auf.
Seine Sicht veränderte sich. Sonnenlicht fiel durch aufgewirbelten Staub. Sandige Schleier hinterließen ein unwirkliches Bild über dem Schlachtfeld. Gerüstete Schatten prallten bei ihrem Rückzug erneut aufeinander, während Reiter alles auf dem Boden Kämpfende niedermähten. Sie achteten nicht darauf, ob es ihre eigenen Landsleute waren.
Einer von ihnen war halb wahnsinnig in seinem Blutrausch. Er kannte kein Maß mehr und erschlug alles, was ihm in den Weg kam. Ein Berserker!
Gwenael riss die Waffe hoch, lud durch, zielte und drückte den zweiten Zug ab. Der Rückstoß traf hart gegen seine Schulter. Durch die Panzerung spürte er dennoch nur den Aufprall, keinen Schmerz. Blassblaues Feuer flammte vor der Mündung auf.
Pferd und Reiter stürzten in einen Pulk Soldaten mit den staubigen, blutverspritzten Brustpanzern Valvermonts. Sofort schloss sich die Masse über ihnen.
Gwenael wechselte die Waffe in die Linke, um mit der Rechten sein Schwert aufzuheben. Gewehre waren fremdartig, monströs und grausam, denn sie töteten weitaus schneller und heftiger als Armbrüste und Bögen. Die Streuwirkung riss nicht nur eine Person in den Tod, sondern auch alle umstehenden.
Trotzdem …
Blaues Mündungsfeuer flammte auf, ganz nah. Im gleichen Augenblick verzehrte weißglühender Schmerz sein Bewusstsein. Getroffen. Etwas hatte ihn getroffen. Wo, ließ sich nicht lokalisieren. Alles tat weh.
Er rang nach Luft. Die Schmerzen peitschten auf und schnürten ihm den Hals zusammen. Seine Brust wollte sich nicht füllen …
Die Welt kippte. Der Aufprall drang nur schwach durch den Nebel seiner Empfindungen.
Rüstung und Geschosse bohrten sich durch Stoff und Haut. Vor seinen Augen tanzten Lichtreflexe, die in gleißender Helligkeit die Schlacht verbrannten, bis lediglich blendendes Weiß übrig blieb. Das hohe Pfeifen brandete zu neuer Gewalt auf, raubte jeden Eindruck, überschwemmte die Realität. Der Laut füllte seinen Kopf, ließ ihn schweben, bis er nichts mehr empfand.
Wenn der Tod nur so gnädig blieb.
Gwenael sank in sich zusammen. Die leichte Bewegung zerschnitt ihn innerlich und trieb ihn an den Rand der Bewusstlosigkeit. Aber der Schmerz ebbte nicht ab. Bohrend manifestierte er sich irgendwo zwischen Verstand und Leib. Jeder Atemzug riss tiefere Wunden. Die Splitter bohrten sich in seine Eingeweide. Flüssige Lava rann durch seine Kehle. Magensäure mischte sich mit Galle und Blut. Er würgte.
Sollte es das gewesen sein? Unrühmliches Leben, elender Tod.
Taubheit kroch in seine Finger. Mit der Finsternis kam die Kälte, die Betäubung, das Nichts.

Kapitel 6 – Begegnungen
Jaleel hielt nichts mehr in der Nähe der Wache. Die fahlen Augen des Orcs hatten sich in seinen Kopf gefressen. Selbst mit geschlossenen Lidern sah er sie vor sich. Sie verfolgten ihn.
Nachdem er die besseren Straßen des Künstlerviertels hinter sich gelassen und die engen Seitengassen der Weststadt erreicht hatte, ließ der Druck nach. Er gab die Flucht auf und verfiel in einen schnellen Schritt. Bis hierher konnte ihm dieser Kerl nicht folgen.
Schweißpolster hatten sich zwischen seinen Beinen gebildet. Die Haut fühlte sich schmierig an. Hemd und Stiefel rieben. Erst jetzt nahm er sein rasendes Herz und seine Atemlosigkeit wahr. Der Stahlring, der sich bisher um seinen Brustkorb gespannt hatte, dehnte sich. Obwohl er zügig ging, konnte er wieder Luft holen.
Schließlich wurde er langsamer und blieb stehen. Wo befand er sich eigentlich? Im ersten Moment kam ihm die Umgebung fremd vor. Rechts und links der Gasse erhoben sich steinerne Wände. Das allgegenwärtige Bild des Fachwerks fehlte. Schatten fingen sich dazwischen und tauchten den Weg in ein dämmriges Licht.
Bei seiner kopflosen Flucht hatte Jaleel die Orientierung verloren.
Dicht vor ihm kreuzte eine Straße, in die etwas mehr Licht fiel. Er ging weiter, blieb an der Hausecke stehen und sah sich um. Die Straße stieg steil an und verlor sich zwischen den aufeinander zusinkenden Hauswänden. Stufen überbrückten Höhenunterschiede: die Klippentreppe.
Die charakteristischen Aromen von feuchtem Mauerwerk und Schimmel hingen zwischen den hohen, schlecht verputzten Wänden. Der Meereswind erreichte die Gassen nicht.
Das Licht nahm ab. Mit einem Mal wurde es kühler.
Verwundert hob Jaleel den Kopf. Über ihm hatte sich eine dichte, undurchdringliche Wolkendecke zusammengezogen. Sie hing erschreckend tief. War sie es, die ihn schwitzen und keuchen ließ?
Wärme und nahender Regen drückten die Gerüche auf die Stadt herab, bis sie zu einer beinah stofflichen Schicht komprimiert wurden. Es konnte nicht mehr lang dauern, bis das nächste Gewitter niederging.
Auf seinen Armen richteten sich die Härchen auf. In der Luft knisterte es. Dumpfes Grollen drang vom Meer herüber und brach sich in den Gassen. Der erste Tropfen traf seine Stirn, direkt zwischen die Hörner.
Jaleel sah zu Boden. Die Kopfsteine waren noch hell vom Staub. Nein, der nächste dicke Tropfen zerplatzte auf dem Stein und ergoss winzige Spritzer über das ausgetrocknete Moos und das dürre Gras in den Fugen. Da der nächste – und noch einer. Es wurden immer mehr, immer schneller fiel der Regen herab.
Rasch schlug er den Kragen hoch. Das Gefühl des Wassers, das über seinen Hals in sein Hemd sickerte, das beständige Reiben des groben Stoffes unter dem feuchten Leder, bescherte ihm eine Gänsehaut. Er begann zu frieren. Blieb nur zu hoffen, dass sein Körper nicht auskühlte. Ganz davon abgesehen war es während eines Gewitters zwischen den eng stehenden Gebäuden nicht ungefährlich. Wenn der Blitz einschlug oder der Sturm die Schindeln herab fegte, wurde es unangenehm.
Um ihn mischte sich das silbrig helle Rauschen des Wassers in das Wispern und Murmeln, die Gesprächsfetzen, das Geschrei und die alltäglichen Geräusche aus den Häusern. Laute ohne Richtung, ohne Gesichter. Dennoch waren sie da. Unheimlich eigentlich, denn es war fast niemand unterwegs.
Ganz in der Nähe betrieb Alain sein „Atelier“, ihren gemeinsamen Treffpunkt. Dann war seine Flucht doch nicht ganz so kopflos gewesen.
Er kam unangekündigt und konnte noch nicht viel vorweisen. Bisher hatte er zu wenig Informationen über den Commandanten gesammelt, um Alain zufriedenzustellen. Nach der Begegnung mit R’Coan und Chabod stellte sich die Frage, ob er überhaupt an diesem Auftrag weiterarbeiten wollte. Auf die Aussicht, dem Orc erneut zu begegnen, konnte er gut verzichten. Allerdings zahlte Alain gut. Geld konnte er brauchen und sei es nur, um sich eine gewisse Sicherheit zu erkaufen.
Tief in ihm regte sich ein leises Ziehen, eine warnende Stimme. Dieser Denkansatz hatte ihm schon mehrfach Schwierigkeiten bereitet.
Ärgerlich biss er sich auf die Lippe, bis ein scharfer Schmerz einsetzte.
Der Regen begann langsam unangenehm zu werden. Auf einer der Treppen, unter zwei Stützbögen, die die Wände davon abhielten, aufeinander zuzusacken, stellte er sich unter. Silbrige, immer dichter werdende Schleier prasselten herab. Das Wasser rann an den schmutzigen Fassaden herab und suchte sich in Bächen seinen Weg über die Bruchsteinwand ihm gegenüber. Gräser bogen sich in den Fugen, während kleine Moosbetten ausgespült wurden und über das Pflaster in die Rinne rutschten, die die Treppe flankierte.
Innerhalb kurzer Zeit würde ein Sturzbach schmutziger Brühe von der Klippe schießen und in den Auffangkanal laufen. Aller Dreck, der aufgeweichte Putz mancher Häuser, die alten, geborstenen Schindeln, die Fäkalien und der Müll schossen zu Tal und in die Wasserrinnen zum Meer.
Jaleel fröstelte. Wind kam nicht auf. Dennoch kühlte die Luft aus. Das lag sicher an der Wetter- und Klimamanipulation. Was hatten die Magier nur getan?
Eine ständig warme Enklave mitten in einem ursprünglich kalten Gebiet konnte einfach nicht richtig sein. Irgendwann würde sich ihr Eingreifen in das Wetter rächen, nicht nur am Rand der Wärmezone, wo es permanent stürmte und der Schiffsverkehr zur Höllenfahrt wurde. Ein einzelner heller Blitz zerriss Jaleels Gedanken.
Der folgende Donnerschlag ließ die Wände beben. Nasser Staub und Spinnweben rieselten aus dem Sturz herab.
In den fast stofflichen Schatten und dem grauen Zwielicht hatte sich ein Riss in der Fuge zur Bruchsteinwand gebildet. Muffig schimmeliger Sand bröselte heraus, wurde vom Regen ausgespült.
Er musste schlucken. Vielleicht war es doch klüger, sofort zu Alain zu gehen.
Die rauchig grauen Wolken hingen inzwischen tief über den Häusern an der Klippe. Blitze zuckten nieder, mal näher, mal etwas weiter entfernt. Teils schlugen sie mit Urgewalt in die Stadt ein, sodass die Erschütterung den Boden zittern ließ. Schreie und Rauchsäulen kündeten von den entstandenen Schäden.
Jaleel sah nicht hin und hörte nicht zu. Mit gesenktem Kopf und vor der Brust verschränkten Armen eilte er die Stufen hinauf zur nächsten Rampe an der Steilstrecke und der folgenden Quergasse.
Etwas bewegte sich am Rande seiner Wahrnehmung, im gleichen Augenblick stieß er gegen eine junge Frau. Sie taumelte. Das Haar hing in Strähnen unter ihrem Häubchen hervor. Rasch fing sie sich wieder. Ein Hauch von Ärger huschte über ihr Gesicht, bevor sie den ausgefransten Weidenkorb enger an sich drückte und weiterlief. Zeitversetzt folgte ihr der schwache Geruch nach gekochtem Kohl und Kartoffeln, der sich in den von Ozon mischte.
Wie weit war es noch zu Alain? Hoffentlich hatte er sich heute früh entschlossen, ins Atelier zu gehen, um zu malen. Bis ins Villenviertel würde Jaleel es bei diesem Wetter kaum schaffen.
Ein Blitz ging gleißend hell in der Hohlgasse nieder. Obwohl er die Augen zusammenkniff, malte eine Geisterhand die weißen Verästelungen hinter seinen Lidern nach. Er sah ihren Tanz auf dem regennassen Pflaster und roch die eigenartig brandigen Aromen. Es knisterte. Etwas zog an ihm, in ihm. In der gleichen Sekunde rollte ein Donnerschlag über ihn hinweg ins Tal. Jaleel bebte. In der ersten Sekunde konnte er sich kaum bewegen. Er wagte nicht, die Augen zu öffnen. In seinem Magen flackerte eine Feuerlohe.
Als er die Lider hob, hatte sich eine Wand in eigenartigem Muster rußschwarz verfärbt. Der Boden qualmte leicht, wo der Blitz sein Ziel gefunden hatte.
Plötzlich spürte Jaleel seinen Herzschlag deutlicher denn je. In einem Bogen umging er die Stelle und lief zur nächsten Kreuzung. Er musste sich orientieren. Irgendwo hier war es, Alain wohnte im Dachgeschoss.
Nachdenklich schaute er sich um. Man konnte diesen Abschnitt der Treppe von Alains Fenster aus sehen – die Treppe und … Er drehte sich im Kreis. Genau, das Gebäude lag mit dem turm- und minarettgekrönten Prunkpalais der Mutter des Prinzen auf einer Höhe. Selbst von hier ließen sich die blaugoldenen Mauern erkennen. Die fünf schlanken Türme ragten hoch über die Stadt hinaus. Mit ausgreifenden Schritten eilte er die enge Treppe hinauf.
Wasser troff aus seinem Zopf auf die Holzdielen. Die dunklen Flecken wirkten in dem schummrigen Licht des Treppenhauses wie geronnenes Blut. Hemd und Hose scheuerten. Durch die dumpfe Wärme begann seine Haut zu jucken. Jaleel unterdrückte den Reiz zu kratzen.
Mit einer Hand strich er sich die nassen Strähnen aus dem Gesicht und wischte sich das Wasser aus den Augen.
Der typische Geruch nach angegammeltem Ei, Öl und verschiedenen Pflanzen mischte sich mit dem Gestank des Gebäudes. Ein Hauch schweren Parfums lag in der Luft. Es roch nach Reichtum in der Gosse.
Alain war da. Er konnte ihn hinter der Tür hören.
Jaleel zögerte und fragte sich, ob er anklopfen sollte. Der Blitz und die Nässe waren ein gutes Argument, um in ein Tête-à-tête zu platzen, befand er. Kurzentschlossen hob er die Faust und hämmerte gegen das Türblatt.
Schnelle Schritte näherten sich der Tür. Alain öffnete. Er trug seine farbverspritzte Malerschürze.
Jaleel atmete innerlich auf und musterte das ernste Gesicht seines Freundes. Gefühlsregungen ließen sich auf seinen glatten Zügen nicht feststellen. Kam er doch ungünstig? Sein Mund wurde trocken.
Alain empfing hier nicht ausschließlich Modelle, zahlende Kunden und unseriöse Geschäftspartner, sondern auch seine Gespielen. So hielt er das Haus seiner Familie sauber. Bis auf die vielen Gerüchte gab es nichts, wodurch man auf unehrenhafte „Treffen“ schließen konnte.
„Störe ich?“
Alain wischte sich die verschmierten Finger notdürftig an der Schürze ab und trat zur Seite. Eine Einladung.
Durch die Fenster fiel kaum Licht. Das Gewitter war weitergezogen. Nun ging nur noch dichter, grauer Regen nieder. Bei der schwachen Beleuchtung konnte Alain nicht malen. Dazu war es trotz der Kerzen und Lampen zu dunkel. Sie verströmten den angenehmen Geruch nach heißem Petroleum und flüssigem Wachs.
Auf einem kleinen Kanonenofen brodelte Wasser. Die Schäfte von Pinseln ragten in die Luft. Leinwände lehnten an der Nordwand, auf zwei Staffeleien standen angefangene Gemälde. Waren es noch die gleichen wie vor drei Tagen? Alain gab ihm nicht die Möglichkeit, einen Blick darauf zu erhaschen.
Mit einer Kopfbewegung wies er zu dem Diwan.
Von dort kam der Parfumgeruch, vermischt mit etwas anderem. Der Eindruck von zwei Körpern, Schweiß und Sperma hing in der Luft. Er hatte wieder einmal mit irgendwem geschlafen, gerade eben erst.
Diese Vorstellung fühlte sich falsch an. Das Echo eines schwachen Stichs drängte in Jaleels Herz. Nein, auf dem Diwan wollte er nicht sitzen.
Alain schüttelte seine schulterlangen Locken, die sich aus dem Zopf gelöst hatten, zurück und nickte zu dem grob zusammengezimmerten Holzregal an der Nordwand. „Nimm dir ein paar saubere Tücher und trockne dich ab.“
In seinen Worten schwang ein leicht gereizter Unterton mit. Scheinbar störte er doch.
Jaleel regte sich nicht. Er musterte den jüngeren Chabod-Bruder.
Bei seinem Anblick verwirrten sich seine Gedanken. Die Wirklichkeit stand Kopf. Er wusste, dass er Alain nie ganz für sich haben konnte, aber er wollte ihn. Dieser Mann war schön, unheimlich schön. Ein wundervoller Körper, ein edles, harmonisches Gesicht, dunkles Haar und beinah schwarze, von dichten Wimpern überschattete Augen, die beim Sex brannten.
„Erwartest du jemand … neuen?“ Jaleel bemühte sich bewusst, abfällig zu klingen. Vermutlich prallte es an Alains Dickfelligkeit ab, aber er sollte spüren, dass er verantwortungslos mit seinen körperlichen Zuwendungen umging. Es gab auch Bettgefährten, die sich dabei in ihn verliebten.
Tatsächlich reagierte Alain nicht. Er sah an Jaleel vorbei.
„Störe ich dich beim Abarbeiten deiner Liebschaften?“, hakte er nach.
Scheinbar war Jaleel einer Antwort nicht wert. Alain schwieg, verzog nicht einmal das Gesicht.
Das unangenehme Gefühl nahm zu.
Jaleel drehte sich zum Ofen um. Die Wärme, die er verströmte, half gegen das klamme Kribbeln. Er starrte in den Topf auf der Heizplatte. Auf der brodelnden Wasseroberfläche hatte sich eine helle Schmierschicht gebildet, die an öligen Seifenschaum erinnerte und unschöne Spritzer an den Holzschäften zurückließ.
„Kochst du die Pinsel aus?“ Das Thema war unverfänglich und hinterließ kein ungutes Gefühl.
Alain nickte. Er goss sich aus einer Tonkaraffe etwas Öl in die Hände und verteilte es auf seinen farbverspritzten Unterarmen. Mit einem trockenen Tuch rieb er die festen Reste ab.
Normalerweise war Alain nicht so wortkarg. Seltsam, irgendwie wirkte er heute nicht so schillernd und beeindruckend wie gewöhnlich. Der Glanz, der ihn normalerweise umgab, fehlte. Sein Haar wirkte stumpf, ungekämmt und ungewaschen. Auch seine Kleidung verströmte unangenehme Gerüche, die darauf schließen ließen, dass er darin gearbeitet, gegessen, geschlafen und Sex gehabt hatte.
„Ich habe heute deinen Bruder kennengelernt“, trieb Jaleel das Gespräch voran.
Angesichts seiner Betonung hob Alain ruckartig den Kopf. Seine dunklen Augen waren rot geädert und feucht von dem Alkohol, der als schwaches Restaroma in der Luft hing.
„Gwen?“
„Wie viele Brüder hast du sonst noch?“
Alain zuckte gelangweilt mit den Schultern. „Und? Was hältst du von ihm?“
Es schien ihn nicht zu interessieren. Warum fragte er dann überhaupt?
Jaleel suchte die richtigen Worte. „Er ist anders als du, sehr …“
„Militärisch?“, fiel ihm Alain ins Wort.
Seine harsche Art störte Jaleel. Er hatte den Eindruck, dass Alain ihn abwimmeln wollte. Wen erwartete er? Jaleel kniff die Augen zu Schlitzen zusammen und beobachtete seinen Freund.
Alain warf das Tuch von sich und ließ sich auf den Diwan fallen, streckte die Beine weit von sich und verschränkte die Hände im Nacken. Über seine Züge huschte ein Hauch von Entspannung. Er gähnte ungeniert und senkte die Lider.
„Weiter“, forderte er ihn auf.
Jaleel zog die Brauen zusammen. „Ihr scheint nicht viele Gemeinsamkeiten zu haben.“
Alain lachte freudlos auf. „Gwen und ich sind uns in nichts ähnlich.“
Das mochte stimmen. Erneut musterte Jaleel ihn, dieses Mal mit dem Bild seines älteren Bruders vor Augen.
Die Unterschiede betrafen nicht in erster Linie das Aussehen, eine Familienähnlichkeit war vorhanden. Alain war ein interessanter, weltoffener und gutaussehender Müßiggänger – solange er keinen besonderen Zweck verfolgte oder sich der Malerei hingab. Es lag in seiner Persönlichkeit. Gwenael Chabod war verschlossener und zugleich auf eine ganz andere Art offen als Alain; ein überkorrekter, zurückhaltender Mann.
Jaleel löste sich vom Ofen und ließ sich doch neben seinem Freund sinken. Das Laken über dem durchgesessenen Diwan roch stark nach Sperma. Ob Alain zuletzt Frauen oder Herrenbesuch gehabt hatte, wollte er lieber nicht genau wissen. Eifersucht brannte sich von seiner Brust in seine Eingeweide. Sie hatten hier oft miteinander geschlafen. Unschön zu wissen, dass Alain es auf demselben Diwan mit anderen trieb.
Eine Feuerlohe ballte sich in seinem Magen, gestützt von dem Ärger, der Eifersucht und dem Ziehen in seiner Brust.
Sie waren kein Paar, erinnerte er sich. Sicher störte sich Alain auch nicht daran, wenn Jaleel sich die Zeit mit anderen Männern vertrieb.
Aber er wollte nicht.
Wie dumm musste man sein, sich freiwillig diesen Gefühlen auszusetzen? Warum nicht einfach genießen, was Alain ihm gab und alle anderen Sorgen von einem anderen beseitigen lassen? Es gab so viele Männer, die gelegentlichen Sex wollten und die Gefahr eines Parhurbisses gern auf sich nahmen, nur um das leidenschaftliche Feuer in sich zu spüren. Alain taugte nichts, war ein lüsterner Bastard und Intrigant. Ein solcher Mann war nicht dafür vorgesehen zu lieben, aber er verströmte Lust und übertrat gesellschaftliche Verbote. Allein deshalb wollte Jaleel ihn.
Das Brennen in seinem Magen sagte etwas Anderes.
Bevor er das Gefühl gedanklich erfassen konnte, lag Alains Hand auf seiner. Jaleel bemerkte die vernebelte Lust in seinem Blick, während er ihm aufs Gemächt starrte. Es fühlte sich an wie eine Berührung, das Tasten von Fingern, die federleicht über die pulsierende Linie seines Gliedes strichen.
In Jaleels Lenden zog es.
Trotz allem war Alains Gesicht eine unbewegliche Maske. Darin lag weder Leidenschaft noch unstillbare Gier, eher Langeweile. Sex als Freizeitbeschäftigung bis zur nächsten wirklichen Herausforderung?
Der Gedanke sackte ab, zog einen Schleier aus Kälte mit sich und drückte erstickend gegen Jaleels Kehlkopf.
In diesen hübschen Zügen lag wirklich nichts. Alain wollte sich nicht einmal wirklich vergnügen, aber scheinbar fiel ihm nichts Besseres ein. Mit einer Hand knetete er sein Glied durch Leder und Stoff.
Dann stemmte er sich hoch, streifte die Schürze ab und ließ sie fallen. In seiner Hose regte sich nichts – zumindest nicht sichtbar. Trotzdem löste er Schnallen und Band, die den Latz hielten. Der schwere, fleckige Stoff fiel zur Seite. Polsterung und verschmutzte Unterwäsche kamen zum Vorschein. Sein Glied hing nicht weniger verdrückt und blassrosa herunter.
Jaleel keuchte. „Was wird das?“
Wollte sich dieses bornierte Arschloch etwa von ihm vorbereiten lassen, um seinen Schwanz in irgendeine reiche Schlampe oder einen hochwohlgeborenen Arsch zu schieben?
Die Feuerlohe explodierte in ihm und verbrannte ihn innerlich. Mit der Wut kochte Magensäure hoch.
Was war er für Alain, sein kostenfreier Stricher? Hatte er das in den Jahren zuvor etwa auch schon so gehandhabt?
Er fühlte sich benutzt. Handlanger, Bettgefährte, Informant und Dieb. Alles für Alain.
Fassungslos beobachtete er, wie Alain ihm sein schlaffes Glied entgegenhielt.
Jaleel zog die Lippen über seine Fangzähne zurück und knurrte. „Vergiss es. Ich bin nicht dein Zeitvertreib …“
Alain lächelte matt. „Aber mein Liebhaber. Und ich denke, ich kann durchaus verlangen, meine Freizeit mit dir im Bett zu verbringen.“ Jaleel fing seinen herausfordernden, lasziven Blick auf.
„Bist du verrückt?“ Kopfschüttelnd rutschte er zur Seite und erhob sich. „Nein, Alain, das kannst du vergessen. Ich mache es nicht mit dir, wenn ich es nicht will.“
Er schob sich zwischen Alain und dem Ofen vorbei zur Tür. Angesichts des zweifelhaften Vergnügens von Alains Gesellschaft waren Blitzschlag oder Lungenentzündung die besseren Alternativen – zumindest ließen sie seinen Stolz unangetastet.
An der Tür wandte er sich um. Alain hatte sich wieder angezogen. Er wirkte verärgert.
Sollte er doch. So, wie er sich das vorstellte, funktionierte ihre Partnerschaft nicht.
„Ich bin nicht dazu da, dich wieder in Stimmung zu bringen, nachdem du dich mit anderen verausgabt hast“, merkte Jaleel an, bevor er das Atelier verließ.

Die Stadt der Maschinenmagie II – Die blaue Phiole (Arbeitstitel)

Kapitel 1 – Illusionsgrenze
Gwenael! Jaleel hatte das Gefühl, seinen Freund laut nach ihm rufen zu hören. Er fuhr aus seinem Versteck auf, nur um sofort wieder den Kopf einzuziehen und sich eng gegen die Hauswand zu drängen. Mit heftig pochendem Herz beobachtete er den Diener, der gegen das Licht der Terrasse kaum mehr als ein Schattenriss war. Der Mann musste mindestens zwei Köpfe größer sein als Jaleel selbst.
So leise er konnte, kauerte er sich in den Schatten hinter der Hausecke, den Rücken fest gegen die Wand gedrückt. Mit der dunklen Kleidung verschmolz er hoffentlich mit seinem Umfeld. Kies knirschte unter langsamen, schweren Schritten. Sein Herz schlug beinah schmerzhaft hart. Er konnte dank seines ausgetrockneten Halses kaum atmen. Die feuchte Mauer verströmte unangenehme Wärme, als lehne er an etwas Lebendigem. Das Erdreich hingegen war klamm und kalt. Mühsam verdrängte er die Vorstellung eines gewaltigen Monsters, dass einfach nur das Aussehen eines Gebäudes angenommen hatte, um willfährige Opfer anzulocken. Mit dem Handrücken wischte er sich schweißnasse Strähnen aus der Stirn.
Etwas raschelte. Alle Härchen auf seinen Unterarmen richteten sich auf. Aus zusammengekniffenen Augen verfolgte er die Bewegungen der Blumen. Das elende Katzenvieh trieb sich im Unterholz herum und suchte die Ratte. In Abständen erklang immer wieder ihr Grollen und Fauchen. Es hörte sich bedrohlich an. Wie lang würde es dauern, bis der Diener oder das Tier ihn aufgespürt hatten?
Nervös leckte er sich über die Lippen. Er brauchte ein besseres Versteck. Vorsichtig spähte er zwischen Ästen und Blättern hindurch, nur um sofort wieder den Kopf einzuziehen.
Der starrte in seine Richtung, verharrte. Hatte er Jaleel bemerkt? Hoffentlich nicht. Jaleel wagte nicht, auch nur tief Luft zu holen. Aus brennenden Augen starrte er den Mann an. Wahrscheinlich handelte es sich bei ihm um einen Orc oder Troll. Beiden Völkern sagte der Volksmund nach, dass sie bei Nacht nur geringfügig schlechter sehen konnten, als bei Tag. Jaleel wollte hierfür keine Beweisführung antreten.  So gut er konnte verharrte er in seiner Position und hielt die Luft an.
Sicher war ihr Eindringen nicht unbemerkt geblieben, schließlich gehörte das Anwesen einer Magierin. Ihm gefiel der Gedanke ausgeliefert zu sein gar nicht. Aber was konnte er jetzt noch dagegen unternehmen? Wahrscheinlich hatte Desirée sie mit Vorsatz hierher geführt.
In seinem Magen brannte blanke Wut, durchstoßen von erstickender Angst um Gwenael. Wie konnte er seinem Freund helfen?
Der Diener trat vom Weg in die dichten Blumenrabatten. Er neigte sich vor, kniff die Augen zusammen und starrte in die Schatten …
Sicher hatte er ihn entdeckt! Jaleel spürte eisige Schauder durch seinen Körper rasen. Alles in ihm drängte danach zu fliehen, zugleich wusste er, dass das die dümmste Idee überhaupt war. Mit aller Gewalt zwang er sich, ruhig zu bleiben. Plötzlich richtete sich der Diener auf und drehte sich ab.
Jaleel wurde schwindelig. Feinen Stiche in seinem Kiefer sagten ihm, wie sehr er sich verspannt hatte. Langsam löste er seine Muskeln und atmete tief ein. Der entsetzlich schale Gestank der Blütenbüsche rann bittersüß durch Nase und Kehle. In seinem Magen entstand ein flaues Gefühl. Zu allem Überfluss erwachte dumpfer, schwach pochender Kopfschmerz, der sich hinter seiner Stirn auszubreiten begannen. Unsicher blinzelte er und massierte seine Schläfen.
Jetzt sah er den Diener von hinten. Der Mann war entsetzlich groß. Er vermittelte den Eindruck, aus seinem Wams zu platzen und die eigentlich weit geschnittenen Ärmel des Hemdes zu sprengen.
Licht fiel von oben auf den Kiesweg. Durch das schwache Flackern der Flammen, schien es auf den weißen Steinchen zu tanzen. Er glaubte fast Muster darin zu erkennen, die ihn schwindeln ließen. Jaleel blinzelte die Illusion fort.
Er wollte beobachten, wissen ob Gaëlle seine Freunde entdeckt hatte, musste Hilfe holen … draußen standen … Solda… wer? Zäh wie Sirup zerfloss der Gedanke. Jaleel sank zurück an die Wand und schloss die Augen. Dieser Geruch. Schwer atmend löste er den Kragen und fächelte sich Luft zu. Es half nicht. Jaleel würgte. Plötzlich begannen Mauer und Boden zu beben.
Unfug!
Wahrscheinlich ein Zeichen von Schwäche. Seine Beine knickten ein. Er fing sich mühsam ab. Im gleichen Moment zuckte ein einzelner, harter Stoß durch die Erde. Jaleel stürzte. Der kurze Schmerz von Wurzeln unter seinen Knien und Steinchen in seinen Handflächen, riss ein Loch in den betäubenden Nebel. Der süße Geruch betäubte ihn! Gaëlle brauchte ganz sicher keine weitere Absicherung, nur die Blumen. Er würgte den schalen Geschmack hinaus und spie aus, bevor er Tuch und Hand vor den Mund presste. Wahrscheinlich half das nur bedingt, aber jetzt wusste er um die Gefahr. Er musste seine Chance nutzen, bevor sein sich Geist erneut umwölkte. Rasch federte er auf die Füße. Der Weg zu Gwenael und Desirée war ihm durch die Magierin versperrt. Er konnte den Beiden nicht helfen. Jaleel blieb nur die Möglichkeit Franquin zu alarmieren. Der Capitaine und seine Leute überwachten schließlich die Umgebung. Mit der Unterstützung von stark bewaffneten Soldaten bestand die Aussicht mehr ausrichten. Jaleel wandte sich ab und drängte sich in die Schatten. Vorsichtig schob er sich an der Wand entlang, darauf bedacht so flach wie möglich zu atmen.
Licht, Fauchen und Rufe blieben hinter ihm zurück. Nach einer Weile sah Jaleel sich um. Stille Finsternis umfing ihn. Irritiert löste er sich und an der dunklen, verwitterten Fassade hinauf. Schwach erkannte er im Restlicht der Stadt karge, verfilzte Rankgewächse, die das Mauerwerk überzogen und durchdrangen. Der Eindruck von etwas altem, Lebendem gewann an Stärke. Für Jaleel wirkten die holzigen Stränge wie wulstige Adern unter papierdünner Haut. Handelte es sich schon wieder um eine Illusion, ausgelöst durch die Blumen? Er kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich. Das Bild blieb. Um sicher zu gehen ritzte er seine Zunge an einem Zahn. Aber der Schmerz war klar und echt. Das hier konnte also nur die Wirklichkeit sein. Blieb nur die Frage, was er von der Mauer aus gesehen hatte. Das hier jedenfalls nicht. Er wandte sich ab. Um ihn herum stand das Gras fast bis zu seiner Hüfte und das Gebüsch wirkte dicht verfilzt. In einiger Entfernung standen alte Gebäude an die dunkle, überwucherte Mauer geschmiegt. Sicher waren es Remise und Stall, oder Gesindehäuser, Schuppen, was reiche Leute eben für ihre Dienerschaft und das Gerät bauen ließen. Aber auch das wirkte, soweit er es in dem schlechten Licht ausmachen konnte, verfallen. Er rieb sich Stirn und Schläfen. Vermochte Magie eine Illusion zu erschaffen, die Menschen glauben ließ, eine prächtige Villa vor sich zu haben? Hilflos strich er sich über die Schläfen. Langsam keimte Zweifel auf. Er befand sich schon eine Weile auf dem Gelände, die Blüten hatten also Zeit genug seine Wahrnehmung zu beeinflussen. Vielleicht spielte die Illusion mit Kindheitsängsten und zeigte ihm leere Anwesen, Bauten, in denen Menschen grausam gestorben waren. Kriegsruinen … Diese Angst verfolgte ihn seit seiner Kindheit. Er presste die Lippen aufeinander. Tief in ihm keimte der Wunsch auf, dass die schöne Villa doch Wirklichkeit war. Hilflos ballte er die Fäuste. Diese verdammte Zauberin spielte mit ihm und veränderte seine Wahrnehmung! Er musste sich fangen um diese Beeinflussung endgültig abzustreifen. Wie sollte er sonst die Wirklichkeit erkennen?
Schwer rang er nach Luft, schloss die Augen und wartete. Das Rauschen seines eigenen Blutes schwoll an. Er hörte seine eigenen Atemzüge beinah unnatürlich laut und sein eigener Herzschlag sandte Erschütterungen durch seinen Körper, die sich mit dumpfen Schlägen aus seinem Schädel befreien wollten. In seinem Magen sammelte sich Schwere, die ihn aus dem Gleichgewicht reißen wollte … Trocken schluckte er und presste die geballte Faust auf seine Bauchdecke. Ein Kribbeln rann unter seiner Haut entlang. Instinktiv fuhr er mit den Nägeln über Handrücken und Arm. Aber das Gefühl ließ sich nicht greifen, weil es tiefer lag, irgendwo in seinem Gewebe. Jaleel begann sich in seinem eigenen Körper unwohl zu fühlen. War das nicht beinah das gleiche Gefühl, wenn er einen magischen Gegenstand berührte? Wollte Gaëlle seinen Körper etwa übernehmen? Unter dem schieren Gedanken zuckte er zusammen. Fort, so weit weg wie es nur möglich war!

Freut euch auf mehr 😉
Beim nächsten Beitrag gibt es auch die Personenliste – auch wenn ich da sehr vorsichtig sein muss … Spoilergefahr, ihr wisst schon ;p

Glossar zu “Night’s End” und “Die Stadt der Maschinenmagie”

Bei verdammt viele Lesern kam der Wunsch nach einem brauchbaren Glossar und einer Karte zu meiner Fantasy-Welt Äos. Tut mir unendlich leid, dass ich das immer habe unter den Tisch fallen lassen. Aber da gerade der zweite Band zu “Die Stadt der Maschinenmagie” im Lektorat ist und ich bei Simon Rhys Beck (DeadSoft) nachgefragt habe, ob er an der Vorgeschichte, dem ursprünglichen “Night’s End” Interesse hat, lade ich endlich mal das Glossar (das für beide Reihe Gültigkeit hat) hoch; inklusive der Karte.

Glossar:

A

Äos – Name der Welt

B

Blutberge – Bewaldete Sandsteinberge im Osten und Norden um Valvermont. Die Berge haben ihren Namen wegen des roten Gesteins in der Sonne.

Avatar – Personifikation eines Gottes auf Äos

C

Cellérière – Oberin (Mutter Oberin)

Conseiller Judiciaire – Justitiar

D

Daoan-Mond – Der größte der drei Monde, ein weißer, bei vollem stand sehr lichtintensiver Mond. Zumeist stehen die zwei anderen Monde vor ihm und nehmen etwas von der Helligkeit.

Drachenprinzen – Die Drachenprinzen des Nordens sind zumeist silberne oder weiße Drachen, deren Blut vermischt ist mit einer anderen hohen Rasse wie den Elf oder Orcs.

Die Drachenprinzen des Südens sind schwarze Drachen und haben sich ausschließlich mit schwarzen Elfen gepaart. Aus jeder Mischung entstammen besondere Männer und Frauen, deren Stärken in der Kriegsführung, Diplomatie oder Magie liegen. Das allein adelt sie unter ihresgleichen und gibt ihnen Anrechte auf die Regentschaft.

Drachlinge – Kleine Drachen, die stark magisch/ psyonisch veranlagt sind und die Fähigkeiten haben, sich mit einem Zauberer zu einer geistigen Vereinigung zu zwingen. Durch diese Partnerschaft weiß ein Teil des Gespanns immer, was der andere denkt, fühlt oder macht, selbst über Entfernungen hin.

Drachlinge teilen sich farblich unterschiedlich auf. Weibchen haben rotgoldene Schuppen, Männchen grüngoldene, Neutren blausilberne. Die Neutren haben die Veranlagung sehr schnell extrem Dick zu werden, fressen auch mehr als ihre Artgenossen, besitzen aber auch das stärkste magische Potential. Sie sind extrem selten.

In der Größe sind sie gleich zu einer normalen Hauskatze und haben noch einmal genauso lange Schwänze und Hälse, die ein Drittel ihrer Körperlänge ausmachen. Die Flügel tragen sie immer nur kurze Zeit. Im Gewicht liegen sie zwischen 2 und 7 Kilo.

E

Eisenberge – Kaltes, sehr weitläufiges Hochgebirge, in dem viele Erze abgetragen werden können. Viele Völker haben dort kleine Dörfer, in denen Erze abgebaut oder verarbeitet werden können. Zu einem sehr großen Teil gehört diese ertragreiche Gegend dem Norden.

F

Feline – Gestaltwandler, die einer eigenen Rasse angehören. Im Gegensatz zu Werwesen aller Arten handelt es sich bei ihnen nicht um eine Krankheit mit Ansteckungsgefahr.

Gerüchten zufolge sollen Feline als ein Unter-Produkt der Ratten entstanden sein, Wesen, die für die Metamorphose zwischen Humanoid und Tier idealer waren. Ihnen fehlt die Resistenz der Ratten, ihre Langlebigkeit und Kraft, aber sie können sich normal vermehren und sind gesellschaftlich anerkannt, denn sie besitzen eine humanoide Zweitform.

Freistadt (Valvermont) – Weder an das Kaiserreich, noch an andere Reiche gebundene Städte, die eine eigene Regierung haben.

G

Gismonda – Warme, aber politisch sehr schwache Insel im Meer, auf einer Höhe mit Valvermont und einem Teil der nördlichen Ausläufer des Kaiserreiches.

Glaube – nach dem großen Krieg vor 250 Jahren ist der Glaube an Avatare (von den Göttern gesandte Entitäten, die sie durchaus fleischlich auf Äos vertreten), stark gestört. Während des Krieges wurde bekannt dass die sogenannten Avatare nichts als einfache Lebewesen sind, die entweder von Natur aus langlebig sind oder von Seiten des einen einzigen wirklichen Gottes durch andere, mit dem gleichen Potential gesegnete Personen ausgetauscht worden sind, sobald sie ihren Sinn und ihre Befähigungen verloren.

Es gibt fast keine Glaubensverbreitung zu den Göttern. Die Kirchen wurden in vielen Fällen nicht wieder aufgebaut und die Avatare erlitten teils schreckliche Schicksale.

Priester werden generell ungern gesehen, nur im Zusammenhang mit Heilung und Unterstützung auf dem Schlachtfeld dürfen sie noch offiziell dienen. In manchen Landstrichen, außerhalb großer Städte, verschwinden immer wieder heilige Frauen und Männer spurlos. Selten werden solche Fälle ernsthaft aufgenommen und verfolgt.

Götter – die dreizehn Götter und die fünf Elementare stellten sich im Lauf des Krieges als besonders starke Priester, langlebige Geschöpfe oder Begünstigte heraus. Die Entitäten entsprachen in erster Linie bestimmten Gesetzmäßigkeiten wie Leben und Tod, Zeit, Chaos, Ordnung, etc. Ein paar entsprachen positiven Dingen wie Schutz, Glück und Kreativität, andere negativen wie Krieg und Verrat oder vollkommen wertungsfreien wie Magie.

Die fünf Elementare waren Feuer, Wasser, Erde Luft und Leere, wovon das letzte sich als das einzig relevante erwies.

Auch heute leben die Avatare noch unter den Bewohnern von Äos, nur werden sie weder verehrt noch machen sie sonderlich viel Aufsehen um ihre Person. Zumeist lassen sie sich nichts anmerken und verschweigen ihre Vergangenheit vollständig.

Trotz allem zählen zu ihnen Aycolén Amaro, Lysander (Luca-Seraphin Verladis) und die Zwergin Alrine Bergan.

Keiner von ihnen sehnt sich nach der alten Zeit. Sie leben vielleicht auch nicht still unter den anderen, aber zumindest lassen sie der jungen Generation den Vortritt und beobachten ihr Vorankommen in eine neue Zeit.

Graue Pentakel – Magierorden

Grauroben – Gildenmagier

Greifer

Großmarkt

H

Handwerkerviertel

Hafenviertel

Hochstraße/ Hochstadt

I

J

K

Kalesh – ein durch Magie zerstörtes Wüstenkönigreich, die Heimat des Prinzen Mesalla und der trostloseste aber heftig umkämpfteste Ort an der Südspitze Äos.

Kalesh liegt zwischen Paresh und Rouijin.

Weshalb dieser sandig steinige Ort so begehrt ist, weiß kaum jemand. Wahrscheinlich hat selbst Paresh über die Jahrhunderte vergessen, was ihnen an diesem Streifen kargen Landes so wichtig ist.

Katakomben

Klimazone Valvermont/ Maiden Haven – Durch die erzwungene Aufrechterhaltung des beständig frühlingshaft warmen, teils sommerlichen Klimas (durch Magie) hat sich an den Rändern der Magiegrenze (Grenzgebiet Valvermont/ Kesh) eine sehr raue Zone gebildet. Stürme, Regen und Sturmfluten sind normal. Besonders schlimm hat es den nah gelegenen Grenzhafen Maiden Haven ereilt. Das Meer weißt hier extreme Strömungen auf, die das Anfahren des für Sarina wirtschaftswichtigen Handelshafens zu einem Selbstmordkommando machen kann. Viele Seefahrer umsegeln diese Gegend in weitem Bogen. Kein anderer Hafen hat diese Probleme, was an der Hitze/ Kälte liegt, den beiden Extremklimazonen. Verlässt man Valvermont, so kommt man automatisch in eine schöne, wilde und sehr kalt zerklüftete Gegend, die noch sehr deutlich wiederspiegelt, dass die Nordlande nicht besonders weit entfernt liegen.

Mesalla lässt nach fünf Jahrhunderten Veränderung des Wetters allmählich wieder die normalen Wetterbedingungen in Valvermont einziehen, was zur Folge hat, dass es teilweise unglaublich heiß wird, oft regnet und ein anschließender Temperatursturz kommt, der sich meistens innerhalb eines einzigen Tages fängt.

Die Naturmagier und Priester Valvermonts haben permanent große Magieaufwendungen aufzubringen, weshalb sie zu den Spitzenverdienern der Stadt gehören. Die meisten sterben allerdings sehr jung und an Entkräftung.

Hintergrund für diesen massiven Eingriff in die Natur ist der wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekt. In Valvermont lassen sich durch das hervorgerufene Klima bestimmte Pflanzen züchten, die einzigartig sind, das gilt auch für bestimmte Tierrassen. Der Wirtschaftszweig ist fest etabliert und für die Stadt lebenswichtig. Das bedingt auch, dass Valvermont den höchst möglichen Bestand aktiver Magieanwender sein eigenen nennen kann, ein Schutz, den Mesalla nie missen wollen würde, denn damit ist diese vergleichsweise (zu Sarina und den Nordlanden) kleine Freistadt nahezu uneinnehmbar und wirtschaftlich (finanziell) vollkommen autark.

Das Klima hat zusätzlich viele Siedler angezogen und vereint einen nicht zu verachtenden Anteil des Gesamtvermögens von Äos auf engem Raum.

Fällt all das weg, verliert Valvermont Aufmerksamkeit, Ansehen, Wirtschaftsstärke und Bedeutung. Mesalla steckt also in einer Zwangslage.

Künstlerviertel

L

Labyrinth – Der Ort der Vergessenen, wie die Dichter ihn überromantisiert nennen. Es ist ein verwilderter Teil der Stadt, der von einem Dickicht aus mit den Häusern verwachsenen Bäumen, eingebrochenen Ruinen und dem Todesring – einer unbewohnten Ruinenzone aus alten Häusern, die noch aus der zeit des Elfenkönigreichs Valvermont stammen und von Untoten aller Art bewohnt werden – geschützt wird.

Im Labyrinth wurden – auf Befehl Mesallas – schon vor Jahrhunderten Schwerverbrecher, Berufsverbrecher, Behinderte, Degenerierte und Seuchenkranke abgeliefert. Was wie vollkommener Wahnsinn wirkt, hat System. Herr über das Labyrinth ist der elfischer Priester Justin D’Arc, ein Verfluchter (Vampir), der paradoxerweise das reine Leben in sich trägt. Genaugenommen ist der Ort also nichts anderes als der Vorläufer des Zentralgefängnisses und des Irrenhauses, mit dem unterschied, dass sich die Bewohner dort frei im Rahmen des Gebietes bewegen können.

Über die Jahrhunderte haben die Nachfahren der Inhaftierten Familien gegründet und dort eine eigenständige Gesellschaft gebildet. Die, die dort leben haben sich nie etwas zu schulden kommen lassen, sind aber aufgrund ihrer Abstammung dazu verurteilt über alle Generationen das Schicksal ihrer Vorväter zu teilen. Der Unmut ist groß gegen den Prinz und all die, die im Licht und in Freiheit leben dürfen, weswegen die „rechtschaffenen“ Bürger der Stadt diese Gegend fürchten und meiden.

M

Maiden Haven – Kleine Hafenstadt an der Westküste, sehr dicht an den Grenzen Valvermonts, dennoch nördlichste Provinz Sarinas. Durch die klimatischen Veränderungen der freien Handelsstadt schwer von Flutwellen und Stürmen gebeutelt.

Maître – die Bezeichnung eines Meisters egal in welchem Berufszweig.

Magie (arkane Magie) –  Formulare, erlernte Zauberei, die nichts mit natürlicher, eigener Magie einzelner Rassen zu tun hat. Anhand von Büchern, mathematischen Formeln, Bannkreisen und Materialkomponenten kann jeder, dessen Intelligenz dazu ausreicht, sich die Worte, Gesten und “Zutaten” zu merken, Magie aus der Umwelt, der Welt, den Elementen und den Lebewesen gewinnen und für sich nutzen.

Grundvoraussetzung allerdings ist, dass man lesen und schreiben kann.

Einigen, wenigen Rassen ist es nicht möglich aus sich heraus Magie zu gewinnen und zu nutzen. Für sie war der ursprüngliche Gedanke der Orden.

Leider nutzen zu viele die eigentlich sehr einfache Option des Lernens, ohne zu realisieren, dass sie damit die in sich existente Zauberkraft zerstören können. Das Formulare Anwenden geht gegen jede natürliche Entstehung eines Zaubers und macht es nach einer Zeit sogar unmöglich noch eigenständig Magie zu nutzen.

Die arkane Magie greift auf feste Schulen zurück, die sich stark untereinander abgrenzen.

Nekromantie, Beschwörung, Kampf, Illusion, Erkenntnismagie, etc.

Magie (Natürliche Magie) – Das Gegenteil der Formularen Magie. Aus der Rasse ergibt sich die Art des Bindens der Magie in eine bestimmte Form. Elfen, Seraphs, Celestial, Zwerge, Trolle, Drachen und Orcs sind Rassen, die aus sich heraus zaubern können. Die Magie findet anhand dessen, was die Person kennt, erlernt hat und wie sie denkt und fühlt, eine Ausdrucksform, die sich manchmal stark von der Formularen Zauberei unterscheidet, schon weil sie vereinfacht wird, verkompliziert, ohne Komponenten funktioniert, dafür aber mit mehr Gesten. Der Beitritt in einen Orden kann die Magie einer Person vollkommen vernichten und derjenige lernt etwas, das gegen seine Natur geht.

Bei natürlicher Magieanwendung verwischen die Schulen der Zauberei und bilden ganz eigene und neue Mischformen.

Luca hat daraus seine Zauberträger erschaffen, die schwarzen Schmetterlinge, die sich auf seinen Wunsch oder Befehl hin gegen seine Gegner erheben.

Magie (Naturzauberei) – Darunter fasst sich die ganze Palette der druidischen oder kräuterkundigen Magie zusammen. Die Personen, die so naturverbunden sind, dass sie mit Hilfe von Erde, Tieren und Pflanzen Zauber wirken können, sind mehr als selten und leben zurückgezogen in der Einöde oder Wildnis. Solche Männer und Frauen sind zumeist sehr einfach und beherrschen weder das Lesen noch das Schrieben. Aber ihre Sinne sind wesentlich wacher und offener für das Wesentliche, das Leben und das Land. Sie erlangen ihre Kräfte zumeist, weil sie selbst mehr ein Teil der Wildnis sind und die Zivilisation meiden.

Magie (Priesterliche Magie) – Die Zauber hängen von den Dreizehn Göttern und den fünf Elementen ab. Zumeist unterseht die Art der Magie mit dem Avatar eines Gottes. In vielerlei Form sind es Gebete, Wünsche, Ritaulgesänge und Tänze. Alle bewegt sich stark im Rahmen dessen, was der Gott und sein Avatar vorgeben. Einige Überschneidungen zu der Naturzauberei und der natürlichen Magie gibt es allerdings. In ihrem grundsätzlichen Wesen aber unterscheidet sich die priesterliche Magie Grundlegend von der arkanen und der natürlichen. So zum Beispiel hat ein Priester auch nicht immer einen gleichbleibenden Zufluss von Magie zu erwarten. Es hängt vieles davon ab, wie gut er seinem Gott dient, sich den Regeln und Rieten unterwirft und welche Erfolge er im Volk zu verzeichnen hat, wenn er die Interessen seiner Kirche vertritt.

Priester sind im Generellen sehr von den Launen ihrer Götter abhängig.

Magie (Psi-Kräfte) – Lediglich eine Hand voll Personen besitzt die erweiterten geistigen Fähigkeiten, die vollkommen Wortlos sind, keine Komponenten brauchen und keine Zauberkreise. Einzig die Drachlinge haben diese Fähigkeiten natürlich angeboren. So können sie untereinander kommunizieren, ohne zu sprechen, die Elemente aus sich und ihrer Umwelt ziehen und sich sogar gegen die Götter zur Wehr setzen.

Magie (des Landes) – Drachen nutzen diese Art der Zauberei sehr gerne, weil es einfacher ist und sie nicht schwächt. Leider laugt es die Welt stark aus und macht blühende Länder zu Wüsten. Kalesh ist das Beispiel schlechthin für die Ausbeutung der Erdkräfte. Ein Ort, wenn er von sich aus, oder durch bestimmte, sehr schwerwiegende Ereignisse eine hohe magische Konzentration besitzt, ist ein starker Anzugspunkt für Drachen. Sie nutzen diese Kräfte weidlich aus, bis der Platz zerstört ist.

Magie – Zaubersänger/ Zaubertänzer – Sie sind eine Abspaltung natürlicher Magier, die ihre Formeln in ihren Gesang oder Tanz zu binden vermögen. Aber im Gegensatz zu den Magiern haben sie die Möglichkeit den Geist anderer zu beeinflussen, Könige zu Bettlern zu degradieren und der Schönheit in allen Formen zu huldigen. Ihre Grazie und ihre Anmut beeinflusst die Kraft ihrer Zauber stark. Je schöner und edler ein Vortrag ist, desto perfekter stellt sich das Ergebnis ihrer Zauber ein. Justin ist ein Meister dieser Zauberart. Allerdings liegen auch Lucas Stärken eher darin. Gesang und Tanz, das Spiel von Flöte und Laute besitzt bei ihm weitaus mehr Kraft als die Formulare Magie. Die Idee der Schmetterlinge stammt aus solch einem Prinzip.

Maiden Haven – Kleine Hafenstadt an der Westküste, sehr dicht an den Grenzen Valvermonts. Durch die klimatischen Veränderungen der freien Handelsstadt schwer von Flutwellen und Stürmen gebeutelt.

Mechanik – ist die „neue Magie“ wie einige sagen. Stück um Stück verändern ideenreiche Männer und Frauen die festgesetzten Regeln der Welt, in dem sie mit ihren Erfindungen ständig neue Dinge erschaffen, die die tägliche Arbeit erleichtern, Generälen neue Waffen in die Hände geben und durch den Bau der Fabriken das Stadtklima vergiften. Im gleichen Maß, in dem die Mechanik das Leben erleichtert, verschlechtern sich die sozialen Zustände. Aber die wenigsten merken etwas davon, denn mechanische Tiere, dampfbetriebene Maschinen und fliegende Schiffe nehmen die Aufmerksamkeit aller gefangen.

Mimétisme – eine Kreatur die einen räumlichen Gegenstand zu imitieren in der Lage ist. Diese Wesen jagen in der Gestalt einer Kiste, Truhe, Schatulle oder eines kleinen Unterstandes oder Hauses. Seltener nehmen Mimétismen die Form von etwas Lebendigem an. Wie eine Mimétisme tatsächlich aussieht, ob und wie sie sich bewegt, ist nur bruchstückhaft überliefert. Die wenigsten Opfer überleben einen solchen angriff. Wenn es ihnen klar wird, hat die Mimétisme bereits Kleider, Waffen und Haut angelöst und ist in der ersten Phase der Verdauung.

Morgue – Leichenhallen, die in besonders kühlen Kellergewölben angelegt werden.

Mundane – Lebewesen ohne magische Talente.

N

Night’s End -Kleines Dorf in den Blutbergen, das eine zentrale Rolle im Geschehen der Welt spielt

Nordlande/ Valverde – Zusammenschluss der stark zerrütteten Nordregion. Die Siedler setzen sich vorwiegend aus Elfen, Orcs, Trollen und Drachenvölkern zusammen.

Die meisten, kaum mehr zu rettenden Schäden in Politik und Wirtschaft gehen auf die Verräterin Aki Valstroem zurück, die einstmalig erster Ritterin des Reiches, Avatar des Todes und ehemalige Königin. Orin stammt aus ihrer Kronstadt und ist entfernt mit ihr verwandt.

O

Oger – Wenige von den Riesen leben noch auf Äos, und zumeist findet man sie in der Gesellschaft der Drachen. Sie waren einst die Herren der Berge, starke und Machtvolle Zauberer, die sich weit über die Künste und das Wissen ihrer kleineren Cousins, die Trolle, erhoben. Aber die Legenden sagen, dass sie den Göttern zu nah kamen und sie fast vollkommen von der Welt getilgt wurden.

Opalelfen – Rund 700 Jahre liegt es zurück, dass die Opalelfen verschwanden und mit ihnen die letzten Überreste ihrer dekadenten Kultur. Ihr Geheimnisvolles dahinscheiden ist nie überliefert worden. Es gibt nur noch zwei Opalelfen, die darüber eine Aussage treffen können, Justin D’Arc, der Herr über das Labyrinth ist und sein Neffe Eeliath.

Beide sprechen nie über diesen Teil ihrer Vergangenheit. Eeliath wurde in Sarina geboren und hat nichts davon erlebt und Justin schweigt eisern darüber. Er ist so weit gegangen, sich einen anderen Namen und eine neue Identität zuzulegen, um alle Erinnerungen auf ewig zu begraben. Wenige Eingeweihte wissen, dass er bis heute in den Resten seines Palastes lebt und ein Hochadeliger ist, aber jenseits des Labyrinths ist über ihn nicht viel bekannt

Orc – ein Überbegriff für die meisten großwüchsigen, missgestalteten Männer und Frauen, die einst zu den Elfen Zählten. Ihr deutlichstes Rassenmerkmal sind die immens großen, herausstehenden Unterkieferhauer, die im schlimmsten Fall Fingerlang wachsen können.

Dieses Volk hat aus seiner Verunstaltung eine Kunstform geschaffen, besondere Zahnverzierungen, Gravuren, Aufsätze aus Gold und Silber, mit und ohne Edelsteinen. Zusätzlich gehören sie zu den reinlichsten Rassen, besonders was ihre Zahnhygiene betrifft.

Generell sind Orcs ausnehmend sehnig und muskulös. Einige von ihnen können aber nur schwer ihr ursprüngliches Elfenblut verleugnen. In diesem Fall sehen sie grotesken Elfenabbildern mit zu lang geratenen Gliedmaßen ähnlich.

P

Paresh – ein heißes, überwiegend von Wasser umgebenes Königreich mit besonderen Klimabedingungen. Es gibt starke Regenzeiten, in denen der südliche Teil des Landes einem Morast gleicht. In der Folgezeit ist die Luft so feuchtheiß, dass viele Personen an Atemnot und Überlastung sterben.

Die Trockenzeit wiederum birgt andere Tücken, unter anderem Dürre. Einige Gebiete die an Kalesh und Sarina stoßen, sind davon auch betroffen.

Dahla, die Hauptstadt Pareshs wurde auf einer Insel in einem See errichtet. Brücken führen vom Festland darauf zu. sie ist ein Bollwerk nach innen und außen. Gerüchten zufolge leben etliche Bürger unfrei, wie Gefangene im Inneren. Anderen Aussagen nach soll Dahla ein Juwel der südlichen Baukunst sein, in dem nur ausgewählte Bürger, Berater und Soldaten leben.

Genaugenommen ist Dahla nichts anderes als ein gigantischer Palastkomplex, der sich als Stadt tarnt und alle Formen Bediensteter mit einschließt.

Parhur – Lebewesen mit Dämonenblut, was sich in der einen oder anderen sichtbaren Form ausdrückt. Bei einigen zeigen sich Hornansätze, Reißzähne, ein scharfes Gebiss, vollständig rote oder schwarze Augen, im schlimmsten Fall verkrüppelte Flügelansätze, fauliger Körpergeruch oder einen Schwanzfortsatz.

Der größte Teil aller Parhur stammt aus den heißen Gebieten Äos’ nah Sarina, Paresh, Kalesh oder der Wüste.

Sie sind dem Element Feuer geweiht und beten deren Avatar an, beherrschen aber in den seltensten Fällen irgendeine Art der Magie. Ihnen fehlen die meisten besonderen Fähigkeiten, die reinblütige Dämonen besitzen.

Die Gesellschaft keines Landes sieht Parhur sonderlich gern. Zumeist leben sie in kleinen Enklaven am Rand der Gesellschaft, oft als einfache Arbeiter, Bauern und Handwerker.

Wenn ein Parhur aus dem Rahmen des Gesetzes fällt, nutzt er gern seinen schlechten Volksruf aus, um Angst und Schrecken zu verbreiten oder die Gefährlichkeit seines Namens zu untermauern.

Q

R

Rattenmenschen – Rasse von riesenhaften, nahezu unsterblichen, humanoiden Ratten. Sie sind Konstrukte, geschaffen aus Magie und Alchemie, die Vorläufer der Automaten mit selbstständigen Gedanken und Gefühlen.

Durch ihre robuste Natur sind sie nahezu unverwundbar, aber normalerweise nicht in der Lage sich zu vermehren. Einzige Ausnahme ist Sisikazev Viz Cyan, die einzige Ratte, die geboren wurde und offen in Valvermont lebt. Sie stellt den ersten Capitaine der Leibgarde des Prinzen und ist ihm treu ergeben.

Rouijin

S

Sarina

Seraph – Luftgeborene oder auch die Unglücksboten. Sie sind eine Rasse von Gestaltwandlern, die im Rahmen ihres Alters alle Altersstufen annehmen können und in der Lage sind, ihr Geschlecht zu ändern. Sie sind in der Lage ihre Flügel aus ihrem Körper heraus zu befreien und zu nutzen. Ihre natürliche Gestalt ist schwarz und mit besonders dichter, dicker Haut versehen, die einen flexiblen Schutz bietet. Magie gehört zu ihren angeborenen Fähigkeiten.

Durch Aberglaube und ihren schlechten Ruf waren sie über Jahrhunderte gezwungen ihre Gestalt hinter einer anderen Rasse zu verbergen. Dieser üble Leumund entstammt in erster Linie der Annahme, dass ihnen selbst nie Glück beschieden ist und sie deshalb andere ins Unheil reißen.

Südstadt

T

Todesring – ein um das Labyrinth existenter Ring von mehreren Straßenzügen, in denen es keinerlei Leben gibt. Man sagt, die lebenden Toten wandelten dort.

Auffällig nur, dass die Häuser in einem seit Jahrhunderten anhaltend nutzbaren Zustand sind.

Mutproben von Kindern und Jugendlichen führten meistens dazu, dass diese nie wieder zurückkehrten.

Trolle – Nach dem Krieg haben sie ihr zurückgezogenes Leben, in den Bergen und Grenzländern zwischen den Nordlanden und Valvermont, aber auch Paresh und Sarina aufgegeben. Sie bewahren das Geheimnis um die Oger tief in den Legenden ihres Volkes. Sie gelten als Humanoidenfresser, sind aber in vielen Fällen sogar Vegetarier. Ein paar von ihnen forcieren die Trennung zu anderen Völkern, weil die Dekadenz der Zivilisation ihren im Krieg erschütterten Glauben an ihre Götter zusätzlich angreift und sie den Gedanken leben, dass die Existenz in Städten den Fluss ihrer natürlichen Magie stark hemmt. Sie stellen viele Druiden, Hexen und Naturpriester, aber genauso viele starke natürliche Magier, die in ihrer konzentrierten Lebensweise meist weitaus effektiver als arkane Zauberkundige sind. Die Weisheit des Volksglaubens ist nicht zu unterschätzen. Hat auch einmal ein Troll einem anderen Wesen seine Treue geschworen, so wird keine Macht der Welt diesen Bund je wieder lösen können.

Die Mehrheit der Trolle lebt allerdings in der Zivilisation und stellt ausgezeichnete Händler, weltoffene, herzliche Männer und Frauen, die für ihre Gastfreundschaft und ihre Fähigkeit zu feilschen berühmt sind.

Diese Trolle sind besonders magiearm, aber sie wissen den Kontakt zu anderen Rassen nicht nur zu schätzen sondern ziehen all ihre Kraft aus der Kommunikation und dem lebendigen Miteinander. Leider werden diese Geschöpfe selten älter als 50 bis 80 Jahre alt.

U

Universitätsviertel

V

Valverde

Valvermont – Die Freistadt Valvermont liegt an der westlichen Küste, zwischen dem Kaiserreich und den Nordlanden. Nördlich und östlich wird sie umfasst von den Blutbergen, die in die Eisenberge übergehen. Ein großer Teil der beiden Gebirge ist Hoheitsgebiet des Nordens, geht aber in den Südausläufern in das Gebiet des Kaisers über. Im Umkreis von 100 Meilen gehören das Land und die Orte noch zu Valvermont.

Night’s End, das östlich in den Gebirgswäldern der Blutberge liegt, ist noch Teil von Valvermont.

Die Stadt ist unter der Regentschaft von Prinz Mesalla, der sie vor etwas über 150 Jahren in seinen Besitz brachte, indem er die Nachfahren des damaligen Königs kurzerhand absetzen ließ und via Notstandsgesetzen die Regentschaft übernahm. Das vormalige, durch Inzest kränkelnde Herrscherhaus würde in ein dauerhaftes Exil auf die Halbinsel Gismonda verbannt.

Seit Mesalla, der einer der schwarzen Drachenprinzen aus Kalesh ist, die Herrschaft übernahm, brachte er die zerrüttete und finanziell schwache Stadt zu neuem Glanz und Wohlstand.

Er führt die Stadt eiserner Hand, aber auch gewitzt und diplomatisch perfekt taktierend.

In Valvermont sammelten sich, durch den plötzlichen Wohlstand, viele Magierorden, die Mesalla nur zu bereitwillig zu seinem Gesamtkonzept hinzufügte. Mit Hilfe der Zauberei aller Arten, hält er ein ausgewogenes Klima, in dem alles an wichtigen Früchten und Getreide wächst und gedeiht.

Die Stadt selbst, teilt sich unterschiedliche Bezirke auf.

Südstadt, Universitätsviertel, Hafen, Patrizierviertel (Oberstadt), Handwerkerviertel, Künstlerviertel, Labyrinth. Alles ist um den Großmarkt und den Regierungspalast, bzw. das Theater angeordnet.

Jeder einzelne Stadtteil hat noch einmal eigene, kleinere Marktplätze und die Meisten haben Sammelbrunnen, aus denen sie ihr Trinkwasser beziehen. Allerdings haben der Palast und die Oberstadt eigene Pumpenanlagen, um direkt aus der großen, unterirdischen Kaverne unter der Stadt ihr Wasser in die Häuser hinein zu verlegen.

Unter dem Labyrinth, dem Ort der Ausgestoßenen und Verbrecher, gibt es die unterirdische Kristallstadt.

Dass die Stadt eigentlich von drei Männern regiert wird, ist außerhalb Valvermonts nicht bekannt.

Mesalla beherrscht die Stadt in ihrer Gesamtheit, Justin D’Arc ist der Herr des Labyrinths und Nicodemus der Herrscher der Kristallstadt. Mesalla verlässt sich sehr auf die Meinung der beiden Männer. Gemeinsam bilden sie die Regierung Valvermonts.

Villenviertel/ Oberstadt

W

X

Y

Z

Zehntag – Äos hat eine zehntägige Woche mit Tagen, die umgerechnet 20 Stunden lang sind. Die Stundeneinteilung wird von den drei Monden und ihrem trägen Zyklus bestimmt.

Zeitrechnung – Auf Äos hat eine Stunde hundert Minuten, ein Tag zwanzig Stunden und eine Woche zehn Tage (Zehntag).

Diese Rechnung macht sich am Sonnen-/ Mondlauf fest, der von dem größten der Monde bestimmt wird.

Zwerge – Aufgrund ihrer Kraft und der geringen Größe, sind Zwerge zumeist benachteiligt, wenn es um das Bardengeschäft geht, aber die besten und mitreißendsten Balladen (mit Tendenz zum Gassenhauer) stammen aus den Federn der Zwerge. Auch sagt man, sie seien keine guten Diebe. Das stimmt allerdings nicht ganz. Einige sind hervorragende Langfinger und ihre Qualitäten im Versetzen von Waren ist auch nicht zu unterschätzen. Allerdings arbeiten die meisten von ihnen in angesehenen Berufen als Handwerker, Händler oder Soldaten. Sie sind in ihrem Denken und Handeln oftmals wesentlich naturverbundener als Elfen, die sich gerne von der Dekadenz tragen lassen. Unter ihnen finden sich oft auch in Dörfern Bauern, Viehzüchter und Dorfvorsteher. Ihnen steht die Magie auf besondere Weise offen. Sie zaubern wie Priester, erwirken aber etwas Magierartiges als Effekt.

Sie sind freundlich und rau in ihrem Wesen und leben gerne mit anderen Rassen zusammen, allerdings meiden sie Seraphin.

Karte Äos
Karte Äos

Der “neue” Rebell erscheint April 2018

Heute habe ich von HOMO Littera das neue Cover bekommen, den Link des Verlages und die Sicherheit, dass das Buch in Kürze erscheinen soll. Ich muss sagen, ich bin echt froh darüber, besonders weil Juliane mir auf QUEER gelesen das Okay gegeben hat, das Buch vorzustellen.
Natürlich liegt mein Fokus auf dem angekündigten Ausschnitt aus “Mord ohne Leiche” (Steampunk-Krimi / lesbian), aber ein paar Minuten bekommt auch der Rebell 🙂
Hier der neue Klappentext:
Ein Blick hinter die Spiegel reicht, und dein Leben wird sich für immer verändern …

Der Rebell ©HOMO Littera 2018

Der 16-jährige Oliver und seine jüngeren Brüder Christian und Michael überleben nur knapp ein Massaker. Ihr Vater ermordet nicht nur ihre Mutter, sondern auch zwei weitere Geschwister. Das Motiv scheint auf der Hand zu liegen: Untreue. Aber Oliver will daran nicht glauben, insbesondere, als auf Christian ein weiterer Anschlag verübt wird. Unter Verdacht steht ihr Großvater, der einzige angebliche Verwandte, der ihre Vormundschaft übernehmen soll. In seinem Haus werden mehrere Tote gefunden, doch die Leichen liegen bereits seit 70 Jahren dort. Die Fälle scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, allerdings will Oliver nicht an Zufälle glauben. Gemeinsam mit dem unerfahrenen Kommissar Daniel Kuhn und dem überreizten Matthias Habicht versucht er Parallelen in den Fällen zu finden. Doch schon bald wird klar, dass sie trotz Polizeischutzes nicht sicher sind, denn ihre Gegner scheinen nicht unter den Lebenden zu weilen …

Und ein Stückchen Leseprobe:
Ihr hysterisches Lachen endete in ersticktem Röcheln.
Die folgende Stille versetzte Oliver in abgrundtiefes Entsetzen. Nur das Geräusch von Metall, das Knochen zersplitterte, drang zu ihm. Das Monster zerfleischte sie. Der Anblick brannte sich in seinen Verstand. Er stöhnte. Seine Knie zitterten, zugleich fühlte sich sein Körper an, als würde Lava durch seine Adern strömen. Mit hämmerndem Herzen kauerte er sich tiefer unter die Anrichte und presste seine Fäuste auf die Ohren. Er biss auf seine Unterlippe und schmeckte Blut. Ihm wurde schwindelig. Mühsam zwang er sich zur Ruhe. Er musste fliehen, die Polizei rufen, doch er konnte sich nicht regen. Alles in ihm wehrte sich gegen den Anblick, die Geräusche und den Geruch. Er wagte nicht einmal, ins Wohnzimmer zu spähen – aber er musste, jetzt sofort, bevor auch er starb.
Vorsichtig sah er über die Küchenplatte. Noch immer rammte dieser Wahnsinnige sein Messer in ihren Leib. Deutlich hörte er, wie die Spitze sich in den Boden bohrte. Der Körper seiner Mutter lag vor der Terrassentür. Ihr Blut tränkte den hellen Teppich. Sein Vater kauerte wie ein Nachtmahr über der Masse aus zerschnittenem Gewebe und zerhackten Knochen. Er hob sich deutlich gegen die hellen Gardinen ab. Schwarzgrauer Dunst kräuselte sich um ihn. Stammte der von der brennenden Zigarette seiner Mutter?
Oliver reckte sich vorsichtig. Die Schwaden waren zu dunkel. Oder täuschte er sich? Mit bibbernden Fingern klammerte er sich an die Küchenplatte. Er würgte. Sein Vater, oder wer immer dieses Wesen sein mochte, hatte den Verstand verloren. Er war kein Mensch mehr.
Als dieser die Waffe hochriss, spritzte Blut auf Glas und Gardinen.
Olivers Mageninhalt schoss hoch. Er stieß ein unartikuliertes Geräusch aus und presste die Kiefer aufeinander. Doch zu spät – er erbrach sich. Schwäche breitete sich in ihm aus. Er musste weg, aber seine Muskeln protestierten. Unsicher kroch er aus seinem Versteck, rappelte sich auf und eilte in den Flur hinaus. Flucht war die einzige Chance, wollte er überleben. Obwohl er keine Schuhe trug, kamen ihm seine Schritte viel zu laut vor. Sein Vater würde ihn hören, und er wäre tot, bevor er die Haustür erreichte.
Ein Wutschrei, vermischt mit entsetzlicher Verzweiflung drang aus dem Wohnzimmer. Einen Herzschlag später vernahm er den schweren Gang seines Vaters – er war nicht mehr er selbst, hörte ihm nicht mehr zu. Dem durchtrainierten, cholerischen Mann hatte er auch nichts entgegenzusetzen. Nur Schnelligkeit konnte ihn jetzt retten.
Die Kisten und Koffer seiner Mutter standen noch im Flur. Seine Flucht wurde zu einem einzigen Ausweichmanöver. Verflucht! Genauso gut hätte der Ausgang einen Kilometer entfernt sein können.
„Olli …“ Die weinerliche Stimme seiner kleinen Schwester drang aus dem ersten Stock.
Elli? Sein Herz verkrampfte sich. Er konnte nicht fortlaufen, solange seine kleinen Geschwister noch im Haus waren. In seiner sinnlosen Raserei kannte sein Vater weder Freund noch Feind. Er würde vor den Zwillingen und Marc nicht Halt machen, ganz zu schweigen von Elli, die er hasste.
Oliver blickte nach vorne. Ihn trennten noch fünf oder sechs Schritte von der Haustür.
„Olli!“ In Ellis hysterischem Quietschen lag panische Angst, das Entsetzen, das auch er verspürte. Er musste seine Brüder und Elli in Sicherheit bringen. Abrupt änderte er seine Richtung und rutschte weg. Mit rudernden Armen kämpfte er um sein Gleichgewicht, stürzte aber auf ein Knie. Schmerz zuckte durch sein Bein.
„Chris, Micha …“, keuchte er und sah sich um.
Über den Wohnzimmerteppich huschten bizarre Schatten, schwere Schritte näherten sich.
Olivers Herz raste. Hass und Verzweiflung vereinte sich im Gebrüll seines Vaters. Die Stimme klang fremd. Begriff er, was er getan hatte?
Sicher nicht. Dieses Tier hatte keine Gefühle.
Oliver schauderte. Er versuchte, auf die Füße zu kommen, aber sein verletztes Knie gab unter der Belastung seines Körpers nach. Ein scharfer Stich trieb ihm Tränen in die Augen. Ärgerlich biss er die Zähne zusammen. Beim Boxen hatte er mehr weggesteckt.
Sein Atem stockte. Wie ein gestaltgewordener Albtraum stand sein Vater im Türrahmen des Wohnzimmers. Die weißen Manschetten an seinem Hemd waren rot verfärbt. Von seinen Händen troff Blut auf den Boden. Als er den Arm hob, umwehten ihn Rauchschleier.
Plötzlich zuckte sein Kopf hoch. Oliver fuhr zusammen und wich zurück. Trocken schluckte er, aber in seiner Kehle saß ein Kloß. Instinktiv drängte er sich in den Schatten zwischen Garderobe und Treppe. Aus phosphoreszierenden Augen starrte sein Vater in den Flur. Im nächsten Moment verengte er sie zu Schlitzen. Eisiger Schrecken breitete sich in Oliver aus. Hatte er ihn entdeckt? Mit einer geschmeidigen Geste strich sich sein Vater durch Bart und Haar. Tränen spülten helle Spuren in den schmierig roten Film auf seiner Wange und verliehen ihm einen maskenhaften Ausdruck. In der Rechten hielt er das lange Jagdmesser. Rauch kroch an seinem Arm herab und umwaberte die Klinge. Er schmetterte die Glastür gegen die Wand, Tausend Splitter fegten über die Fliesen.
„Vater …“ Oliver wich zur Treppe zurück.
Einen grotesken Moment entspannte sich die maskenhafte Mimik seines Vaters, die entstellten Züge erschlafften. Es hatte den Anschein, als würde er den Griff um die Waffe lockern. Regte sich doch ein Hauch Menschlichkeit in ihm?
„Olli!“, hallte es wieder von oben.
Elli, schweig!, schrie Oliver in Gedanken.
Das Gesicht seines Vaters verzerrte sich erneut. In seinem Blick glomm Erkennen, als hätte er begriffen, was der eigentliche Grund seiner verzehrenden Wut war: Elli!
„Lauf, Elli!“, rief Oliver.
Splitter knirschten unter den Sohlen seines Vaters. Oliver spürte seine Nerven bis in die Fingerspitzen elektrisieren. Entsetzt fuhr er herum. Abermals explodierte betäubender Schmerz in seinem Knie. Er humpelte, so schnell er konnte, die Stufen hinauf.
„Micha, Chris, bringt Elli und Marc raus!“
Die Holzkonstruktion bebte unter ihm. Vater!
Oliver nahm sich nicht die Zeit, zurückzusehen. „Raus hier!“
Er hörte Ellis hysterisches Weinen. Von den Zwillingen vernahm er keinen Laut. Tränen der Verzweiflung rannen über sein Gesicht. Sein Vater holte ihn unweigerlich ein, und seine Geschwister verließen sich blind auf ihn. Mit beiden Händen zog er sich am Geländer hoch. Die Luft brannte in seinem ausgetrockneten Hals, sengte durch seine Lungen. In einer Seite erwachte stechender Schmerz. Hinter sich hörte er keuchende Atemzüge. Gleich hatte sein Vater ihn eingeholt.
Oliver versuchte zu rennen, aber sein Bein protestierte. Er presste die Zähne aufeinander und ignorierte sein Knie, da sein Vorsprung schmolz. Das Monster war direkt hinter ihm. Etwas Kaltes fuhr ihm in derselben Sekunde über Schulter und Rücken. Er hetzte über die letzte Stufe, glitt aus und fiel.
„Scheiße.“
Oliver rollte zur Seite. Sein Vater war über ihm. Der Dolch kratzte unkontrolliert über das Holz und zog eine tiefe Furche in den Lack. Ohne nachzudenken, riss Oliver seinen Ellbogen hoch, und das Messer polterte ein paar Stufen hinab. Ein brutaler Hieb traf ihn unter dem Auge, sein Kopf schlug hart auf den Boden. Im letzten Augenblick konnte er sich dem Griff seines Vaters entwinden, rutschte dadurch aber über den Treppenabsatz, dessen Kante sich in seine Wirbel bohrte. Eine Faust traf ihn gegen die Brust und trieb ihm alle Luft aus den Lungen. Lichtblitze zuckten hinter seinen Lidern. Er erwartete die nächsten Schläge, die ihm sämtliche Knochen brechen würden, doch sie blieben aus.
Die Treppe bebte stattdessen erneut.
Oliver stemmte sich hoch. Ein paar Stufen unter ihm lauerte sein Vater, sprungbereit, das Messer wieder in der Hand. Ein unmenschliches Grollen drang aus seiner Kehle. Oliver wollte zurückweichen, aber sein Körper versagte. Das Monster würde von unten zustoßen und ihn vom Bauch bis zur Kehle aufschlitzen. Sein Vater duckte sich bereits wie ein Panther vor dem todbringenden Sprung.
Weg!
Nein, er musste sich wehren, ihn die Stufen hinabstoßen!
Jetzt oder nie.
Oliver klammerte sich an das Geländer und zog die Beine an. In diesem Moment stürzte sich sein Vater auf ihn. Er trat mit aller Kraft zu. Sein Vater stolperte rückwärts, kämpfte um sein Gleichgewicht und fiel die Treppe hinunter.
Oliver rutschte in den Gang zurück, quälte sich auf die Füße und lehnte sich zitternd an die Wand. Außer Gefahr waren seine Geschwister und er noch lange nicht. Die Konstitution seines Vaters überstieg seine bei Weitem. Was würde passieren, wenn dieser Irre hier oben ankäme? Er wollte sich davon keine Vorstellung machen.
Unter den wuchtigen Tritten seines Vaters bebte die Holz-Stahl-Konstruktion abermals.
Oliver blickte nach unten und fuhr zusammen. Sein Vater stürmte wieder herauf, die Klinge stichbereit . In seinen Augen lag nicht das geringste Erkennen.
Olivers Herz zog sich zusammen. Leben oder sterben? Die Antwort stand außer Frage. Er würde nicht kampflos aufgeben.
In direktem Stoß zuckte die Klinge Sekunden später in seine Richtung. So nicht! Bei der heftigen Attacke bot ihm das Monstrum eine offene Angriffsfläche. Oliver stützte sich am Geländer ab, nahm Schwung und rammte ihm erneut beide Füße vor die Brust. Betäubender Schmerz schoss durch seine Beine und den Rücken. Wieder polterte es, als der Irre die Stufen hinabtaumelte. Oliver wurde schwarz vor Augen. Hinter seinen Lidern flimmerte grauer Nebel, der sich kaum wegblinzeln ließ. Doch dafür hatte er keine Zeit.
Gott, wenn es dich gibt, hilf uns!, bat er stumm.
Angestrengt kniff er die Lider zusammen und zwang seine Erschöpfung zurück. . Als er die Augen öffnete, gewann die Wirklichkeit wieder Konturen. Das Messer hatte eine dunkle Spur kleiner Spritzer auf den Stufen hinterlassen und lag weiter unten. Eine Bewegung lenkte Olivers Aufmerksamkeit jedoch um. In den Schatten wogten Nebel auf, als sein Vater schwerfällig auf die Füße kam. In seinen Augen funkelte pure Mordlust. Wie Jack Nicholson …
Oliver schluckte trocken und wich wiederholt einen Schritt zurück, sodass er gegen die Wand stieß. Der Abstand zu seinem Vater hatte sich erheblich vergrößert, außer Gefahr waren sie dennoch nicht. Er vergeudete wertvolle Zeit!
Hektisch wirbelte Oliver herum und lief in den Flur. Die Kinderzimmertür flog auf und einer der Zwillinge sprang ihm in den Weg.
„Olli?“
Entsetzt zuckte er zurück, bevor er seinen Bruder umrannte. Michael prallte von ihm ab und blieb vor Marc und Ellis Tür stehen. Er weinte stumm. In seinen Fingern hielt er einen Schirm, den er als improvisierte Waffe schwang. Panische Angst flackerte in seinen hellen Augen, trotzdem sah er ihm entschlossen entgegen. Unsanft schubste Oliver ihn in sein Zimmer zurück. Gegen das Licht der Straßenbeleuchtung erkannte er die Silhouette Christians, der sich mit einem kleinen Holzhammer bewaffnet hatte. Instinktiv sprang auch er sie an und schlug zu. Es tat nicht weh, trotzdem zuckte Oliver. Aus der Abwehrbewegung stieß er seinem Bruder die Hand vor die Brust. Christian stolperte zurück.
„Raus hier!“, brüllte Oliver mit überschnappender Stimme.
Mit Tränen in den Augen und schmerzverzerrtem Gesicht wimmerte Christian. „Olli, was ist los?“
Auf der Treppe hörte er bereits seinen Vater. Unwirsch wies Oliver mit dem Kopf auf das Fenster. „Klettert auf die Garage! Ich hole Marc und Elli.“
Die Augen Christians weiteten sich fragend. „Aber …“
Hinter ihnen polterte es im Treppenhaus. Panik rann glühend durch Olivers Adern. „Flieh mit Micha! Ruft die Polizei!“
Ohne auf eine Antwort zu warten, zog er die Tür des Zimmers hinter sich zu und stürzte in den Nebenraum. Elli kam ihm weinend entgegengelaufen. Sie klammerte sich an ihn. Unsanft befreite er sich und warf hinter sich die Tür ins Schloss. Aus dem Zimmer der Zwillinge hörte er, wie das Fenster geöffnet wurde. Schritte im Kies auf der Garage folgten. Einen Augenblick später gellte ein Schmerzensschrei aus dem Garten. Michael begann zu weinen, Christian rief ihm zu und sprang selbst. Als sich die Stimmen der beiden entfernten, atmete Oliver auf. Nun musste er nur noch Marc und Elli nach draußen bringen. Doch bevor er den Gedanken in die Tat umsetzen konnte, schlug sein Vater bereits wieder gegen die Tür. Das Schloss hielt dem ersten Ansturm stand. Ein weiteres Mal würde seinem Vater dieser Fehler aber nicht unterlaufen.
Oliver stemmte sich gegen das Türblatt und tastete nach dem Schlüssel. Er fehlte. Verdammt …
Hitze und Kälte rannen durch seine Adern. Sein Vater drückte die Klinke hinunter. Wenn er sich dagegendrückte , waren sie geliefert. So viel Kraft hatte er nicht.
„Nimm Marc und versteck dich!“, hauchte Oliver.
Elli schüttelte vehement den Kopf. Sie krallte sich in seine Hose und rieb ihr fiebriges, feuchtes Gesicht an seinem Bein. Tränen rannen über ihre Wangen. Mit beiden Händen umklammerte sie seinen Oberschenkel.
„Elli, weg!“ Oliver versuchte, sich von ihr zu befreien. Doch ihm blieb nicht die Zeit, etwas zu unternehmen. Sein Vater warf sich erneut gegen die Tür, Holz splitterte.
Ich bin tot, wir alle sind tot!, schoss es Oliver durch den Kopf. Im nächsten Moment katapultierte die Wucht ihn durch den halben Raum. Er riss seine kleine Schwester von den Füßen und begrub sie unter sich. Elli schrie vor Schmerzen und Angst auf. Erschrocken rollte er sich herum und drückte sie von sich aus der Reichweite seines Vaters.
Der Anblick des blutigen Riesen raubte ihm allen Mut. Wie gelähmt starrte er seinen Vater an. „Nicht! Marc und Elli sind Kinder, du darfst sie nicht töten!“
Doch sein Vater war mit einem Sprung bei ihm. Hart griff er in seine lange Locken und verkrallte sich darin.
„Nicht …“
Stechender Schmerz zuckte durch Olivers Kopfhaut in seinen Nacken. Brutal riss sein Vater ihn herum und stieß ihn gegen Marcs Bettchen.
Nichts geschah. Kein Geschrei von Marc.
Oliver verlor den Gedanken, als er zu Boden fiel. Ihm wurde schwindelig und schlecht. Ein Faustschlag traf ihn zwischen den Schulterblättern. Er hörte seine Knochen brechen, während alle Luft aus seinen Lungen getrieben wurde. Durch die wirbelnden Nebel seiner Erschöpfung nahm er nur noch wenig wahr. Alle Empfindungen sanken zu einem betäubenden Nichts herab. Elli zerrte an ihm. Das Gefühl versickerte. Heiser weinte sie, schniefte, verstummte …
Warum schrie Marc nicht? Der Gedanke hinterließ nun eine glühende Spur, die ihn elektrisierte. Trotzdem reichte der Schrecken nicht, dass er sich hochstemmen konnte.
Kleine, heiße Kinderhände suchten nach Halt. Oliver zog Elli eng an sich und krümmte sich zusammen. Sie wagte nicht mehr, irgendeinen Laut zu verursachen. Das bebende heiße Bündel Mensch in seinen Armen war voller Leben und Angst.
Noch.
In der Sekunde drang die Klinge in sein gebrochenes Schulterblatt. Der Schock benebelte seinen Schmerz, nur, um einen Herzschlag später doppelt so stark zu explodieren. Oliver schrie. Es klang fremd in seinen Ohren. Ellis dünnes Weinen setzte ein, mischte sich in seine Stimme. Keuchend vergrub er das Gesicht in ihrem Haar, vor seinen Augen tanzten Blitze, etwas rauschte. War das sein eigenes Blut in den Ohren? Das Geräusch war so laut, dass es Elli übertönte und ihn in einen grauen Strudel aus Erinnerungslosigkeit zu reißen drohte.
Elli, kleine Elli …
Sein Vater zerrte ihn an den Haaren hoch. Der Schrei seiner Schwester drang tief in sein Herz. Oliver klammerte sich an sie. Wieder erinnerte er sich an Marc. Sein jüngster Bruder lag vollkommen ungeschützt in seinem Bett. Er wäre ein leichtes Opfer …
Blindlings tastete Oliver nach ihm. Seine Finger umklammerten das Holzgitter und berührten Marcs winzige Füße. Der Kleine war ihm so nah, zugleich aber unendlich weit entfernt. Sein kleiner Bruder wirkte völlig bewegungslos …
Warum schrie Marc nicht? Warum strampelte er nicht?
Tot …
Oliver konnte die Stimme in seinem Inneren nicht festhalten. Instinkte verdrängten den Verstand.
Fort.
In einem letzten Aufbäumen warf er sich nach vorne. Er spürte, wie ihm sein Vater dadurch die Haare büschelweise ausriss. Dumpf und fern fühlte sich der Schmerz an – fremd. Er fiel hart zu Boden, wobei er den weichen Körper Ellis unter sich begrub. Seine Schwester keuchte atemlos und weinte nun ungehemmt. Er hörte schwach ihren rasselnden Atem. Mit ihren kleinen Ärmchen kämpfte sie gegen sein erdrückendes Gewicht an. Mühsam zog er die Beine an den Leib. Es kostete ihn unendlich viel Kraft, aber sie bekam dadurch etwas mehr Freiraum.
Das Messer traf ihn wieder, aber nicht tief. Sein Vater zog es aus seinem Körper. Eine Woge betäubender Erleichterung raste durch seinen Verstand, nur um erneut in Agonie zu explodieren, als die Klinge wieder in ihn eindrang, wieder und immer wieder.
Oliver glaubte, die Schmerzwellen zu fühlen, die durch seine Nerven bis in die Fingerspitzen schossen. Seine Welt versank in blutigen Schleiern und panischer Angst, während er Elli unter sich barg. All seine Empfindungen stumpften ab. Der letzte Gedanke galt seinem Vater: Warum?

Schattengrenzen 1 – Glasseelen und Nachtschatten 1 – Unantastbar für 0,99 €

Glasseelen 0.99 Euro

Die Fremde hielt die Lider gesenkt wie eine Schlafwandlerin, wandte sich um und ging wortlos den Flur entlang zum Treppenhaus. Genauso still folgte Camilla ihr auf nackten Füßen. Sie begegneten keiner Schwester, keinem Arzt oder Pfleger. Aus den Zimmern drang kein Laut.
Ihre stille Führerin stieg die Stufen hinunter. Camilla wagte nicht, auch nur ein Wort zu sagen, um das feine Band zu der Fremden nicht zu zerstören. Weshalb folgte sie ihr? Sie verstand nicht, warum. Erst recht schaffte sie es nicht, das Gefühl des Vertrauens einzuordnen, als wäre die Fremde ihr seit Jahren mit all ihren Geheimnissen wohlbekannt.
Der Gedanke irritierte sie. Camilla blieb stehen. Obwohl die Sicherheit, in der sie sich wähnte, unerschütterlich war, erkannte sie, dass etwas nicht stimmte.
In welchem Stockwerk lagen Theresa und sie? War das nicht die erste Etage gewesen?
Sie sah hinauf. Ihrem Gefühl nach stieg sie bereits seit drei oder vier Geschossen nach unten. Konnte es hier so viele Untergeschosse geben? Was wollte sie überhaupt hier?
Erst jetzt bemerkte sie die Veränderung. Die Wände bestanden nicht mehr aus dem typisch weißen Sichtputz, sondern aus gekalktem Mauerwerk. An manchen Stellen lagen die Ziegel frei, schwarzer Schimmel und Salpeter blühten. Feuchtigkeit hing in der Luft und brachte Modergeruch mit sich.
Camilla fröstelte. Das konnte nicht real sein.
©Glasseelen, Edition Roter Drache 2017

Ihr wisst ja, dass Glasseelen noch einmal (und vollständig überarbeitet) im neuen Gewandt bei Edition Roter Drache erschienen ist. Da Holger mir die Möglichkeit gelassen hat, das eBook selbst zu veröffentlichen, ohne dass es über den Verlag läuft, habe ich das auch getan.
Anlässlich zur LBM 2018 senke ich den eBook-Preis von Glasseelen auf 0,99 €. Dieses Angebot gilt allerdings nur bis Montag, den 19.03.2018.
Dasselbe gilt auch für die Preissenkung bei Nachtschatten 1, dem ersten Urban Fantasy (mit Engeln, Vampiren, Werwölfen, Magiern und Sidhe) von meiner Frau Juliane Seidel.
Bis dahin könnt ihr das Buch sehr günstig erwerben.
Wer keinen “Bock” auf digitales Lesen hat, darf sich aber auch sehr gerne die Printausgabe mit Illustration, Widmung und passenden Lesezeichen auf der LBM beim Verlagsstand von Edition Roter Drache kaufen. Bei Holger kostet das Buch die regulären 16,95 €. Aber ich verspreche euch, es lohnt sich. Wenn ich etwas kann, dann immer noch zeichnen 😉
Wer also in der eine oder anderen Weise auf Mystery-Thrill in Berlin hat, der darf sich sehr gerne bedienen 🙂

Klappentext Glasseelen:
Vor Camilla und Theresa stürzt sich ein Mann vom Dach des Pergamonmuseums zu Tode. Seine Augen lösen sich in Staub auf, und aus seiner Hand rollen blutige Augäpfel sowie ein antikes Fernrohr. War es Selbstmord?
9783946425311Theresa schwört, dass sie kurz zuvor auf dem Dach einen ungeheuren, missgestalteten Mann wahrgenommen hatte, der den vermeintlichen Selbstmörder gestoßen hat. Dabei gibt es eine unheimliche Parallele zwischen dem vermeintlichen Selbstmörder und den Opfern eines Serienkillers, der in Berlin sein Unwesen treibt: herausgeschnittene Augen.
Obwohl sich Camilla und Theresa unter der Betreuung der Polizei in Sicherheit wähnen, nimmt der Serienkiller sie ins Visier, und wenig später verschwindet Theresa spurlos. Ist sie geflohen, weil sie sich von Andreas Grimm, dem ermittelnden Oberkommissar, bedrängt fühlte, oder wurde sie Opfer des Serienmörders? Camilla versucht, ihre Freundin auf eigene Faust zu finden und dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Mit dem Namen „Sandmann“ bekommt sie einen entscheidenden Hinweis, doch der Killer ist nicht leicht zu überlisten. Von Panik getrieben, gerät Camilla in die Unterwelt der Hauptstadt und stößt dort auf rätselhafte Menschen.
Tief unter der Stadt wird währendessen wieder die ausgeweidete, augenlose Leiche einer Frau entdeckt – Theresa.

Hier noch ein weiterer Ausschnitt aus dem Roman:
Das Bild eines offenen Frauentorsos, in dem ein feines Räderwerk dargestellt wurde, dominierte ihr Sichtfeld. Mit sauberen Pfeilen und Seitennotizen wurden die einzelnen Zahnräder und Federn beschrieben. Camilla ergriff Chris’ Arm.
„Das ist nicht Amadeos Bibliothek“, hauchte sie. „Sie gehört dem Sandmann!“
Christoph starrte mit schreckensbleichem Gesicht geradeaus und klappte den Mund auf und zu.
In der gleichen Sekunde roch Camilla den dumpfen Leichengeruch, der sie auf ihrer Flucht begleitet hatte. Sie fuhr zusammen.
In einem der Spiegel, die das Licht ihrer Lampe verstärkten, reflektierte ein totenblasses, hageres Gesicht. Der breite Mund war nichts als ein lippenloser Riss, der nicht in der Lage war, die gewaltigen, fingerlangen Zähne zu verbergen. Seine Nase erinnerte an den Schnabel eines Raubvogels. Sie reichte bis zu seinem Unterkiefer. Aber das Schrecklichste waren die tief liegenden, schwarzen Augen, die jede noch so geringe Bewegung verfolgten. Boshafte Intelligenz glomm darin.
Camilla spürte es bis in die letzte Faser ihres Körpers. Das musste der Sandmann sein!
Dünnes Spinnwebenhaar bewegte sich, als er sich einen Schritt auf Chris und Camilla zuschob. Eine Strähne glitt über seine gewaltigen Schultern und fiel auf einen grotesk dünnen Oberschenkel hinab. Dieses Wesen war riesig. Es überragte Chris um einen Kopf.
Camilla wagte kaum, zu atmen. Sie mussten fort!
Den Weg nach vorn versperrte der Tisch und hinter ihnen näherte sich der Sandmann.
In ihrem Hals bildete sich ein harter Kloß, den sie nicht schlucken konnte. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, wie sich Chris’ Finger langsam der Öllampe näherten. Sie überschlug seine Möglichkeiten. Er konnte den Sandmann angreifen oder die Seiten in Brand setzen. Wozu er sich auch entschied, er musste sich beeilen.
Ihre Muskeln spannten sich zum Sprung über den Tisch. Aber Chris zögerte. Ihr Herz raste.
Der Sandmann hob seine Klauenhand und streckte sie nach ihnen aus. Seine Nägel berührten eine Locke an ihrer Seite.
Ihr Atem stockte. Im gleichen Moment schleuderte Chris die Lampe. Sie zersprang. Petroleum spritzte heraus und traf Gesicht und Oberkörper des Monsters. Tropfen der öligen Flüssigkeit fielen zu Boden, tränkten den Stoff jedoch nicht. Flämmchen tanzten über den monströsen Leib, ohne sonderlichen Schaden anzurichten. Träge flackerte sein Frack. Nur das feine Haar fing Feuer.
Sie nahm sich nicht länger Zeit, darauf zu achten, was der Sandmann tat. Mit einem Sprung hechtete sie über den Tisch.
©Glasseelen, Edition Roter Drache 2017

Hier der Klappentext von Jules Unantastbar:
nachtschatten01Menschen, Vampire und Werwesen haben etwas gemeinsam: Sie alle besitzen einen Schutzengel. Lily – eine der wenigen Auserwählten, die den ihren sehen kann – wird zu einer Jägerin ausgebildet, um gewöhnliche Menschen vor übernatürlichen Wesen zu schützen.
Als sie sich in Silas verliebt, der Mitglied einer geheimnisvollen Magiergilde ist, hat plötzlich jeder Geheimnisse vor ihr: Der hohe Rat, ihre Lehrmeisterin, Silas, sogar ihr eigener Schutzengel Adrian. Die seltsamen Vorfälle, die sich um sie herum ereignen, lassen sie und Silas schließlich auf ein Komplott aus Intrigen stoßen, das seinen Ursprung in Lilys Vergangenheit hat.

Nachtschatten 0.99 Euro
Zu guter Letzt:
Denkt daran, bald erscheint Der Relbell (der 2. Schattengrenzen-Band) bei bei HOMO Littera und Nummer 3 ist in Arbeit 🙂

Neuveröffentlichung: Der Rebell

Hallo zusammen,

wie üblich melde ich mich immer nur sporadisch, aber … *kleiner Trommelwirbel* … “Der Rebell” ist nun schon so weit, dass der Probedruck bei HOMO Littera angekommen ist (und natürlich noch mal gründlich geprüft wird). Eben habe ich noch mal meine Danksagung überarbeitet und an Romy geschickt, dafür hat sie den ehemaligen Rückklappentext in etwas echt schickes Verwandelt 🙂
***
Der 16-jährige Oliver und seine jüngeren Brüder Christian und Michael überleben nur knapp ein Massaker. Ihr Vater ermordet nicht nur ihre Mutter, sondern auch zwei weitere Geschwister. Das Motiv scheint auf der Hand zu liegen: Untreue. Aber Oliver will daran nicht glauben, insbesondere, als auf Christian ein weiterer Anschlag verübt wird. Unter Verdacht steht ihr Großvater, der einzige angebliche Verwandte, der ihre Vormundschaft übernehmen soll. In seinem Haus werden mehrere Tote gefunden, doch die Leichen liegen bereits seit 70 Jahren dort. Die Fälle scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, allerdings will Oliver nicht an Zufälle glauben. Gemeinsam mit dem unerfahrenen Kommissar Daniel Kuhn und dem überreizten Matthias Habicht versucht er Parallelen in den Fällen zu finden. Doch schon bald wird klar, dass sie trotz Polizeischutzes nicht sicher sind, denn ihre Gegner scheinen nicht unter den Lebenden zu weilen …
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Na? Besser, oder? Wahrscheinlich kann ich euch auch bald das neue Cover präsentieren 🙂 Auch das passt um Längen besser als das alte.

Als kleine Anmerkung zur Neuveröffentlichung: Das Buch ist vollständig überarbeitet und Szenenweise verändert. Ich muss sagen, ich mag diese Version wirklich sehr gerne und bin stolz darauf 🙂 Besonders die Änderung bei den Zwillingen hat es mir vereinfacht, die beiden Jungs besser im 2. Band einzubeziehen.
Chris ist zwar immer noch ein AK (Arschloch-Kind), aber er ist auch ziemlich stark und später sehr zielstrebig und mutig, und Micha … er ist erwacnsener, aber auch definitiv zurückhaltender – aus nachvollziehbaren Gründen.
Im Folgeband erzählen Olivers Brüder, wie sie die Folgen der Morde erfahren mussten, dass es ganz und gar nicht einfach für sie war und wie ihre Umwelt die Bluttat reflektiert hat. Ebenso wird klar, wie Daniel damit umgeht und wie er den Kontakt zu Tom Hoffmann, dem Vater der Jungen wahrgenommen hat.

Hier noch ein kleiner Auszug aus dem ersten Kapitel zu “Der Rebell”:
***
Ihr hysterisches Lachen endete in ersticktem Röcheln.
Die folgende Stille versetzte Oliver in abgrundtiefes Entsetzen. Nur das Geräusch von Metall, das Knochen zersplitterte, drang zu ihm. Das Monster zerfleischte sie. Der Anblick brannte sich in seinen Verstand. Er stöhnte. Seine Knie zitterten, zugleich fühlte sich sein Körper an, als würde Lava durch seine Adern strömen. Mit hämmerndem Herzen kauerte er sich tiefer unter die Anrichte und presste seine Fäuste auf die Ohren. Er biss auf seine Unterlippe und schmeckte Blut. Ihm wurde schwindelig. Mühsam zwang er sich zur Ruhe. Er musste fliehen, die Polizei rufen, doch er konnte sich nicht regen. Alles in ihm wehrte sich gegen den Anblick, die Geräusche und den Geruch. Er wagte nicht einmal, ins Wohnzimmer zu spähen – aber er musste, jetzt sofort, bevor auch er starb.
Vorsichtig sah er über die Küchenplatte. Noch immer rammte dieser Wahnsinnige sein Messer in ihren Leib. Deutlich hörte er, wie die Spitze sich in den Boden bohrte. Der Körper seiner Mutter lag vor der Terrassentür. Ihr Blut tränkte den hellen Teppich. Sein Vater kauerte wie ein Nachtmahr über der Masse aus zerschnittenem Gewebe und zerhackten Knochen. Er hob sich deutlich gegen die hellen Gardinen ab. Schwarzgrauer Dunst kräuselte sich um ihn. Stammte der von der brennenden Zigarette seiner Mutter?
Oliver reckte sich vorsichtig. Die Schwaden waren zu dunkel. Oder täuschte er sich?
***
Derzeit arbeite ich am 2. Buch, dem direkten Anschluss an den Rebell. 336 Seiten sind schon geschafft. Nun bin ich gespannt, wie zügig ich vorankomme. Wenn ich das Roh-MS abgeschlossen habe, überarbeite ich alles noch mal gründlich und schicke es Romy zu.
Eine Änderung gibt es im Erzählstil zum ersten Buch: Es gibt nicht mehr nur Olivers Perspektive. Hier wechselt sie zwischen Daniel und ihm. Damit bekommt ihr einen besseren Einblick in Daniels Gedanken- und Gefühlswelt. Vor allem lüftet er einige seiner Geheimnisse und ihr erfahrt mehr über seine Vergangenheit.
Aber mehr dazu in den nächsten Posts 😉

Weihnachtsgeschichte

Hallo ihr Lieben,

hier wieder eine kleine Weihnachtsgeschichte für euch. Habt viel Spaß damit.
***

Spuren im Schnee

Die eisige Nachtluft trug den dumpfen Lärm des Weihnachtsmarktes heran, noch bevor sie durch das Tor in die engen Gassen der Marktstände traten. Schrilles Lachen und Gesprächsfetzen rissen in dem immer wieder aufkommenden, scharfen Wind von den Lippen der Menschen.
Hunderte drängten sich durch die Straßen der Innenstadt zum Marktplatz hinab. Einige gemeinsam mit ihren Familien, andere allein. Schwere Parfumwolken hingen wie feuchtwarmer Atem zwischen den Wänden der Häuser. Ein schwach sauerer Geruch nach Glühwein mischte sich in den Duft von Süßigkeiten und Bratwurst. Über ihren Köpfen schwebten Schneeflocken herab und setzten sich in Haare und Stoff, um von kleine Kristalle zu unansehnlichen Tropfen zu schmelzen.
Modriger Geruch stieg aus alten Wollstoffen auf.
Philippe gefielen die strengen Gerüche nicht besonders. Er empfand besonders das Eau de Toilette einzelner Frauen als unerträglich, wenn es sich langsam mit Schweiß, Alkohol und dem schmelzenden Schnee mischte und zu etwas widerlich Klebrigen in der Nachtluft wurde.
Die gesamte Situation kam ihm vor wie ein Alptraum. Dieses künstlich fröhliche Weihnachtsfest stand in keiner Verbindung mehr zu dem, was er aus seiner Kindheit kannte.
Umso mehr schien es Krümel zuzusagen. Der junge Mann ging dicht an seiner Seite, sodass sich ihre Arme immer wieder berührten.
Philippe sah in dem friedvollen Gesicht seines Partners unbeschreibliches Glück über die momentane Situation. Er genoss das Gedränge der Vorweihnachtstage, die dumpfe Hitze in all der winterlichen Kälte und die wilde, erregende Hektik der Menschen.
Das Leben des jungen Mannes hatte ihm in den Jahren zuvor wenig Gutes geboten; schon gar keine Freuden wie diese. Krümel sah die Welt deswegen eher mit den Augen eines Kindes. Er filterte ganz selbstverständlich alles Künstliche und Aufgesetzte aus. So blieben von Plastikfiguren mit LED-Beleuchtung, Weihnachtsbäumen, geschmückt mit flirrendem Unsinn und bedrängender Enge zwischen hektischen Menschen nur die warmen Gefühle und der Duft nach den kommenden Festtagen.
Das elektrische Weihnachten bemerkte Krümel nicht.
Vermutlich nahm er auch nichts von der unheimlichen Kälte zwischen den Ständen des Weihnachtsmarktes wahr, und den tiefen Schatten, in denen sich Dinge verbargen, die alle Besucher in diesen Tagen verdrängten. Sorglosigkeit nach Kalendarium, dachte Philippe bitter.
Trotzdem erinnerte er sich seiner eigenen Kindheit.

Krümel vergrub seine Hände in den Taschen seiner Jacke und barg sein Gesicht bis zur Nase in dem grellgrünen Pali, während er sich versonnen an Philippe lehnte. Scheinbar fror er. Philippe konnte es nachvollziehen. Die bittere Kälte grub sich auch unter seinen dichten, schwarzen Wollmantel. Er suchte selbst die Wärme seines Freundes. Mit einem Arm umschlang er die Schultern Krümels und zog ihn eng an sich. Der junge Punk hob lächelnd den Kopf und blinzelte Philippe zu. Er ging sehr frei mit seinen Gefühlen und seiner Homosexualität um. Philippe sah seinerseits auch keinen Hinderungsgrund, nicht ebenso offen zu reagieren. Ihm war es nicht unangenehm. Jeder konnte sehen, dass sich zwei Männer ineinander verliebt hatten. Gerade diese Wärme war es, die für ihn in diesem Jahr die Weihnachtszeit zu etwas besonderem erhob; Krümels liebevolle Dankbarkeit.
Deshalb gab Philippe sich alle Mühe, Krümels kindliche Träume zu erfüllen und ihm die Art Weihnachten zu gewähren, die er aus seiner eigenen weit entfernten Kindheit kannte.
Der junge Mann ging mit geschlossenen Augen dicht an ihn gedrängt. Krümel genoss ganz offen den Moment mit der gleichen Lust nach Leben, wie er wenige Stunden zuvor Philippes Gegenwart und seine heiße Haut genossen hatte. Mit unwiderstehlicher Gier trank er das brodelnde Leben um sich, atmete sehnsüchtig die verschiedenen Gerüche ein und verschmolz sie hinter seinen geschlossenen Lidern zu etwas eigenem, was er unauslöschlich für immer in sich tragen würde.
Philippe verstand die Sehnsucht nach Leben und Glück nur zu gut, konnte sie nachempfinden, aber sie berührte schon lange nicht mehr sein Herz. Dazu brauchte er Krümel, der für ihn diese kindliche Erregung ausleben konnte. Er beobachtete Krümels blasses, hübsches Knabengesicht, die nervös flatternden Lider, die ihn an ihren ersten Kuss erinnerte, seine rot gefrorene Nasenspitze und das Lächeln auf seinen vollen Lippen. Vorsichtig strich Philippe ihm mit den Fingern über die Wange bis zu seiner Schläfe und den stacheligen, bunten Haaren, die Krümel in Spikes abstanden.
Ein tiefes, zärtliches Gefühl ergriff Philipps Seele und wärmte ihn. Der schwache Hauch dessen, was Krümel wohl empfand, streifte sein Herz. Er vergaß kurzzeitig, dass ihn all die Menschen störten und er den Weihnachtsgedanken schon lange verloren hatte. In dem friedlichen Gesicht fand er all das, was ihn in der Kälte zu wärmen vermochte. Glück und Liebe.
Langsam hob Krümel die Lider. Er strahlte Philippe an, bevor dieser seinen Aufmerksamkeit von ihm abwendete. Neugierig ließ Krümel seine Blicke schweifen. Er wies über die Dächer der Stände und die Dampfwolken  hinweg zu dem mächtigen Tannenbaum, der jenseits des Marktes vor dem Rathaus stand.
„Wie hoch der wohl ist?“, fragte er leise.
Philippe hob eine Braue. Er schätzte die Tanne ungefähr an der Höhe des Gebäudes.
„Sieben bis acht Meter denke ich“, antwortete er ruhig.
„Für mich geht er direkt bis zu den Sternen“, lachte Krümel. Philippe grinste. Vermutlich reichte der Baum in Krümels lebhafter Fantasie wirklich in den Himmel.
Wie so oft reichte seine Aufmerksamkeit kaum lange genug aus, um sich an der Vorstellung länger aufzuhalten. Er deutete zu den goldenen Gebilden, die zwischen den Verkaufsständen aufragten und in die Nacht hinauf glühten. Vermutlich sollten sie die Wiesbadener Lilien darstellen, oder tatsächlich Sternschnuppen. In Philippes Augen nahmen sie eher die Form verdrehter, vollbeleuchteter Sonnenschirme an. Krümel maß sie mit verträumten Blicken.
„Goldene Blüten“, murmelte er versonnen. „Sie sehen aus, als wären sie vom Himmel gefallen und hier erstarrt.“
Philippe versuchte sich seine Worte bildlich vorzustellen. Allerdings deckte sich Krümels Vorstellung in keinem Fall mit der Realität, zumal unter dem festgetretenen Schnee und den Kabelschienen die Lebensadern der Blüten schlummerten und die Stadt sicher ein Vermögen kosteten. Dennoch tauchten die Sternschnuppen den gesamten Platz in weiches, vorweihnachtlich-heiliges Licht. Die Gefühle erhoben sich angesichts der Szenerie.
Krümel löste sich von ihm. Dort, wo er sich eben noch angelehnt hatte, blieb eine kalte Stelle zurück. Der junge Mann schob sich an ein paar anderen Jugendlichen in seinem Alter vorüber, um vor dem Marktkeller des alten Rathauses an einem Maronenstand stehen zu bleiben. Einige Mädchen und ein paar ältere Herrschaften warteten bereits in einer Schlange, die ständig wieder von anderen Marktbesuchern zerrissen wurde. Der Verkäufer stand in Schürze, Mütze und dicker Jacke über den Rost geneigt, das breite Mondgesicht unrasiert und rot von dem Wechsel zwischen Hitze und Kälte. Er füllte gerade neue Papiertüten, um sie in einem Gitter aufzustellen. Nachdem er einigen Mädchen für eine große Tüte fünf Euro abgenommen hatte, neigte sich hinunter und hob einen Sack mit ungerösteten Maronen an. Die kleinen, dunkelbraunen Früchte rollten aus dem Jutebeutel und sprangen über die Metallstreben des Rostes. Flammen knackten. Funken stiegen auf und legten sich still nieder.
Philippe betrachtete stumm das Bild seiner eigenen Kindheit. Für einen Moment sah er sich selbst als Jungen in der Schlange stehen, die Augen groß, die Wangen kalt und das Herz von Vorfreude bis zum Platzen gefüllt. Er roch den intensiven Duft der Maronen und den Schweiß des Mannes am Stand. Obwohl er keine Handschuhe trug, fühlte er die grobe, raue Wolle farblos grauer Fäustlinge und den dicken Wollschal, den ihm seine Stiefmutter umgelegt und unter dem Kinn verknotet hatte. Er konnte sich kaum vernünftig in den dicken Sachen bewegen, schwitzte sogar ein wenig, obwohl seine Haut eisig war und seine Füße in den Stiefeln schön längst erfroren waren. Seine Zehen nahm er wie etwas fremdes, hölzernes wahr, was nicht zu ihm gehörte. Verwirrt sah er auf und über die Schulter. Automatisch erwartete er, seinen Vater und seine Stiefmutter zu sehen. Aber hinter ihm strömten nur weitere Marktbesucher heran und blieben an den ersten Gebäck- und Weinständen hängen.
Als sein Blick zurück schwang, streifte er das große, altertümliche Karussell, aus dem neunzehnten Jahrhundert; seiner Kinderzeit. Mit den bunt bemalten Figuren und Wagen und den zwei Etagen verblassender Erinnerungen regte sich das Gefühl von etwas lauerndem, bösem, dem er vor so langen Jahren den Rücken gekehrt hatte.
Rasch drehte er sich ab.
„Magst du eine?“, fragte Krümel.
Philippe –jäh aus seinen Erinnerungen gerissen – erschrak. Aus einem Reflex heraus schüttelte er den Kopf.
Enttäuscht betrachtete Krümel ihn. Der Blick löste Schuldgefühle in Philippe aus.
„Sorry, später, mein Kleiner“, entschuldigte er sich.
Krümel hob misstrauisch eine Braue. Seine Piercings zuckten zwischen den feinen blonden Härchen.
„Dann bekommst du die kleinen Handgranaten doch gar nicht mehr auf“, entgegnete er, während er sich eine dampfende Marone zwischen die Lippen schob und sie mit halb offenem Mund, nach kalter Luft ringend, kaute.
Scheinbar hatte er sich mit der Hitze seiner kleinen Spezereien verschätzte. Mit einer Hand fächelte er sich Luft zu.
„Heiß, verdammt!“, keuchte er.
Philippe grinste. „So ging es mir auch oft, als ich klein war.“
Krümel verzog fröhlich die Lippen. „Dann hast du dir sicher mal so den Mund verbrannt, dass du die Dinger jetzt nicht mehr magst, oder?“, fragte er.
„Nicht ganz“, lächelte Philippe. „Damals habe ich mich schlicht an den Dingern übergessen.“
Krümel stopfte sich die Tüte in die Tasche seiner gefütterten Lederjacke und fischte eine Marone heraus, die er erst ein wenig in den Fingern knetete, bevor er die Schale aufbrach.
„Vermutlich haben die Verkäufer dir immer mehr gegeben“, mutmaßte er.
„Richtig“, entgegnete Philippe überrascht. „Woher …“
„Du siehst aus wie ein Engel, mit deinem ebenmäßig schönen Gesicht und den langen goldblonden Locken“, unterbrach Krümel ihn. „Damals als du noch ein Kind warst, wann immer das auch war, musst du ausgesehen haben, wie ein Weihnachtsengel.“
Spöttisch hob Philippe die Brauen. Weihnachtsengel …! Krümel war der einzige Punk mit Hang zu romantischem Kitsch.
„Deine Logik will ich auch mal haben“, grinste Philippe.
Krümel zuckte beleidigt mit den Schultern, bevor er sich die nächste Marone in den Mund schob und wesentlich vorsichtiger darauf herum kaute.
Nach einigen Sekunden antwortete er: „Wann war das eigentlich?“
„Was?“, fragte Philippe.
„Deine Kinderzeit“, erklärte Krümel neugierig, während er sich wieder bei Philippe einhakte und ihn in die Masse zurück drängte, die sich langsam zu dem Hauptportal des Rathauses schob.
Vor den Treppen stand eine Bühne. Zurzeit wechselte die Band. Ein Chor richtete sich gerade mit Notenständern ein und die begleitenden Orchestermusiker stimmten bereits ihre Instrumente, die durch die bittere Kälte ein wenig atonal klangen.
Philippe erinnerte es an den Tag vor einhundertzwölf Jahren. Er schauerte ein wenig. Damals spielte ebenfalls ein Orchester am Vorweihnachtsabend. Dasselbe Karussell drehte sich. Es roch nach Maronen und nasser Wolle; und in dieser Nacht entkam er seinem sicheren Ende nur mit knapper Not.
Seine Lippen zitterten. Er konnte Krümel auf seine Frage nicht antworten; nicht im Moment.
Die Kälte, die ihn ergriff, war das Entsetzen eines Knaben, der in einer damals fremden Stadt ein ungenanntes Opfer werden sollte und den Gedanken über mehr als hundert Jahre unter anderen schrecklichen Erlebnissen verdrängt hatte.
Nun kam das Grauen jener Nacht mit unglaublicher Gewalt zurück.
Jemand stieß unsanft gegen ihn und fluchte.
„Kannst du nicht weiter gehen, Wichser?!“, zischte ein junger Mann und trat Philippe mit Absicht massiv in die Fersen.
Er bemerkte es zwar, ignorierte das Gefühl dennoch. Körperlicher Schmerz konnte ihm wenig bis gar nichts anhaben.
Krümel zog ihn von dem Weg fort, in die Ruhe zwischen der Krippe und einen Schmuck- und Perlenstand, am Fuß der Rathaustreppe.
„Was hast du, Philippe?“, fragte er besorgt und tastete mit seinen krümeligen Maronenfingern über Philippes Wange.
„Ich war 1898 das erste Mal hier, heute vor einhundertzwölf Jahren“, antwortete er leise. Seine Kräfte schienen mit jedem Wort aus ihm heraus zu fließen.
„Ich weiß, dass du im neuzehnten Jahrhundert geboren wurdest“, antwortete Krümel. „Aber dass du schon einmal vor dem Jahr 1911 hier warst, wusste ich nicht.“
Seine Stimme zitterte vor neugieriger Erregung. Er liebte es, Geheimnisse und Erinnerungen seines unheimlichen Geliebten Stück um Stück aufzudecken. Normalerweise ließ Philippe das auch durchaus zu, weil er auf diesem Weg einige schöne Momente noch einmal erleben und genießen konnte. Doch diese Fetzen anderer Tage hielt er nicht vollkommen ohne Grund so tief in sich verborgen, dass er sich selbst nicht mehr zufällig daran erinnern konnte.
„Das ist nicht gut, Krümel. Die Erinnerungen daran sollten nie wieder geweckt werden.“
Die hellen Augen des Punks fixierte Philippes. „Wenn es etwas Schlimmes ist, sollte es umso mehr ausgesprochen werden, damit es dich los lässt“, sagte er mit Nachdruck.
Die Weisheit in den Worten des jungen Mannes konnte Philippe nicht von sich schieben.
Nachdenklich rieb er sich die Nasenwurzel …
Eine Bewegung in seinem Augenwinkel erregte seine Aufmerksamkeit. Unwillkürlich wendete er seinen Blick zu einem Kind, das zwischen Tannenbaum und der Rückwand der Krippe auf den Stufen stand und zu Philippe hinauf sah.
Es war ein kleines Mädchen in einem leuchtend roten Wollmantel. Ihre blonden Haare hingen in gelockten Strähnen auf ihren schmalen Schultern. Eine breite, weiße Schleife erschlug das zierliche Gesichtchen. Das Kind trug Kleidung, wie er sie aus der Zeit zwischen 1910 und 1940 von Kindern kannte. Ihre Füßchen steckten in klobigen Lederstiefeln und unter dem Mantel und dem Rüschensaum eines Kleides verschwanden dicke, hässlich graue Wollstrümpfchen. Aber nicht das allein zeichnete sie als Spuk der Vergangenheit aus. Ihre Augen lagen tief in den Höhlen und glühten wie Kohlestücke.
In der Sekunde drangen die Laute des Orchesters durch die dünnen Stoffplanen der Bühnenbespannung und erfüllte die Luft mit den Anfangsakkorden von Franz Xaver Gruber und Joseph Mohrs „Stille Nacht“ die Luft.
Etwas in der Musik klang falsch. In den Tönen lag ein fremder, metallener Laut, als würde die Melodie aus einer anderen Zeit herüber wehen.
Mit dem Einsetzen des Chors kehrte auch die Verbildlichung der Vergangenheit zurück.
Philippe kniff fest die Lider zusammen. Er biss die Zähne fest aufeinander und wehrte die Attacke seiner eigenen Erinnerungen ab, die die Grenzen seiner Realität zu verwischen drohten.
Krümel fuhr plötzlich zusammen. Erschrocken öffnete Philippe die Augen. An der angespannten, entsetzten Mimik seines Freundes erkannte er, dass Krümel das Mädchen auch als Geschöpf des Totenreiches sah. Philippe ergriff ihn am Arm und wollte wieder mit Krümel in den Strom der lebendigen Menschenmassen eintauchen. Das Kind allerdings hüpfte die Treppenstufen hinab und rannten los; mitten durch Krümel und Philippe hindurch!
Für einen Moment fühlte es sich an, als erstarre seine Seele und gefröre in der Zeitlosigkeit der Toten! Philippe bemerkte, dass zwischen seinen Herzschlägen eine lange Zeit des Ausharrens lag. Am Rande dieser Erkenntnis bemerkte er das unheimliche, eisige Gefühl, belauert zu werden.
Während der Eishauch des Geisterkindes langsam verflog, blieb in Philippe Schwärze zurück, die böse Vorahnung sich dem zu stellen, das ihn schon einmal hetzte.
In dem Moment löste sich Krümel von ihm.
„Was ist?“, fragte Philippe alarmiert.
„Ich habe eben einen Jungen gesehen!“, rief Krümel aufgeregt. Während er sich weiter hinaus schob, deutete er zu einer Person, die ihnen den Rücken zugewandt hielt.
Philippe folgte ihm. Er konnte selbst noch für einen Herzschlag das hellblonde Lockenhaar und den altmodischen Mantel eines Jungen erkennen, der mit der Menge davon getragen wurde. Erst jetzt realisierte er, dass die Masse Mensch sich ein wenig ausgedünnt hatte. Sie schoben sich nicht mehr wie eine träge Schlange durch die Gassen. Ebenso veränderten sich die Leuchtreklamen der Stände, das aufdringlich lackierte Metall der Händlerwagen und die penetranten Gerüche wichen klarer Kälte und kleinen, gedrungener Buden aus Holz und Glas.
Der Schneefall verdichtete sich. Die Laute der Menschen verklangen in dumpfem Vergessen. Nur die Musik und der schleichende Wandel der Zeiten rückten in den Fokus Philippes. Er konnte sich nicht gegen den Sog der Vergangenheit wehren. Einzig Krümels Hand, die die seine umklammerte, sagte ihm, dass er nicht in das neunzehnte Jahrhundert fortgerissen wurde.
Die Wirklichkeit festigte sich erst wieder, als der Schneefall ein wenig nachließ. Philippe bemerkte sofort die Veränderungen. Die Sternschnuppen aus Draht und LED-Leuchten gab es nicht mehr. Zwischen den Laternen und Ständen spannten sich Bänder mit Tannenzweigen. Hinter den Scheiben den Buden brannten kleine Petroleum- oder Gaslämpchen und in den Auslagen fanden sich Holz- und Blechspielzeuge, Wollwaren, Tuche, Pelze, Geschirr und Glas.
Der Duft nach Tee und Wein lag würzig in der Luft und ein Händler mit Bauchladen bot Karamellen und Kräuterbonbons an.
Kinder umringten ihn. Er gab ihnen in kleinen Papiertüten abgepackte Süßigkeiten aus und sammelte dafür Münzen ein.
Es dauerte einige Sekunden, bis die Mädchen und Jungen zufrieden davon liefen.
Philippe folgte ihnen mit seinen Blicken. Sie waren so real und stofflich, während sie an den Händen von Erwachsenen gingen, die nichts als der Schatten einer lang vergangen Zeit waren. Philippe erkannte von einigen nur vage Umrisse, von anderen, die sich vielleicht etwas von ihrer kindhaften Natur bewahrt hatten, grobe, unscharfe Gesichtszüge. Sie alle trugen die Mode der wilhelminischen Epoche. Sein Herz zog sich zusammen, als er ein Paar an sich vorüberschreiten sah, dass nach französischer Mode gekleidet war. Er glaubte sogar das zimtene Parfum seiner Stiefmutter wahr zu nehmen und den herben Duft nach marokkanischem Tabak, den sein Vater einst so gerne rauchte, bis er starb.
„Was …“, begann Krümel und wendete sich Philippe zu. „Wir sind in der Vergangenheit!“
Philippe senkte die Lider und nickte.
Er musste nicht zu den viel lebendigeren Kindern sehen, um zu wissen, dass auch sie nur ein Hauch einer anderen Welt waren – dem Reich der Toten – die diesen Ort nie verlassen konnten.
„Das ist doch vollkommen unmöglich!“, flüsterte Krümel. In seiner Stimme schwang leise Panik mit.
„Ebenso unmöglich wie ich es bin; ein einhundertviertunzwanzig Jahre alter Mann“, erwiderte Philippe.
Krümel schwieg betroffen.
Behutsam legte Philippe seinen Arm um den jungen Mann und zog ihn an sich.
„Beruhige dich. Wir finden einen Weg zurück.“

Gemeinsam traten sie in den Strom der Schattenwesen hinaus. Die Laute des Marktes und der Gesang mischten sich wieder in ihre Welt. Selbst die Personen um sie herum nahmen an Stofflichkeit zu, ohne jedoch zu einem Teil der Realität zu werden, in der sich Philippe und Krümel befanden. Für andere waren sie unsichtbar. Die Leute umgingen sie, ohne sie wahr zu nehmen.
Dieser Winkel der Wirklichkeit schien – so definierte Philippe es zumindest für sich – zwischen den Zeiten zu schweben, zwischen einer und der anderen Sekunde. Vielleicht sahen die Menschen sie doch, aber nur als geisterhafte Schatten?
Er wagte es nicht, diesen Gedanken auszusprechen. Im Gegensatz zu seinen Worten wusste er nicht, wie er mit Krümel wieder zurück kehren konnte. Vielleicht kam ihm eine Idee, wenn er mit seinem jungen Freund eine Weile über den Markt ging, oder es ergab sich eine Lösung dergestalt, dass sich ihm sein damaliger Jäger offenbarte. Philippe erinnerte sich allerdings auch nicht mehr vollständig an alles. Bilder von Blut und Eisen mischten sich in die Musik, die ihren Weg an diesen Ort begleitete.
Wortlos schritt er mit Krümel im Arm voran. Der Punk zitterte und drängte sich enger an Philippe.
„Es ist unmenschlich kalt hier!“, flüsterte er. Seine Zähne klapperten bei den Worten aufeinander.
Philippe entging es nicht. Er glaubte fast, dass es an diesem Ort lag.
Schützend schlang er seinen Arm fester um Krümel und presste ihn an sich, was das Laufen erschwerte. Es erschien ihm auch als klüger. Krümel musste unter all den Erinnerungen an menschliches Leben wie ein gleißendes Leuchtfeuer strahlen. Vielleicht konnte er ihn mit seinem eigentümlichen Nichtleben überdecken und beschützen.
An dem seelenvollen jungen Mann lag ihm so unendlich viel. Er wollte ihn für immer bei sich behalten und ihn behüten. Krümel besaß die gleißend helle, unzerstörbare Fröhlichkeit eines Kindes, die Philippe vor so unendlich langen Jahren abhanden gekommen war. Allein dafür liebte er den jungen Mann mehr als er es ertragen konnte. Er musste dieses Geschöpf einfach bewahren und ihn für immer glücklich wissen!
Während sich Philippe in den Labyrinthen seiner Gefühle und Gedanken verirrte, schlich unaufhaltsam etwas Lauerndes am Rande sein Bewusstseins entlang. Er konnte es bislang ausblenden, doch langsam erwachte in seinem Nacken die Nervosität des Gehetzten. Schauer rannen über seine Wirbel. Er sah nervös über die Schulter, erkannte aber nur ein paar der Geisterkinder, unter denen sich auch das Mädchen mit dem roten Mantel aufhielt.
Krümel versteifte sich plötzlich in seinem Arm.
„Wir werden beobachtet!“, hauchte er.
„Ja“, entgegnete Philippe leise, während er zu Krümel blickte.
Er spannte sich und sah sich erneut um. Noch mehr Kinder huschten am Rande der Schatten zwischen den Marktbuden umher. Ihre Gesichter waren bleich und die tiefliegenden Augen glommen wie Höllenfeuer.
„Sie umzingeln uns“, flüsterte Krümel.
Philippe schluckte hart. Er erinnerte sich, dass es ihm damals auch nicht anders ging. Er spürte ihre Blicke in seinem Nacken und fühlte die eisige Luft, die wie Lava in seinen Lungen brannte, als er losstürmte, um ihnen zwischen den Ständen zu entkommen!
Bevor er die Fetzen seiner Erinnerung gänzlich abstreifen konnte, löste sich Krümel aus seinem Arm. Der Junge ergriff seine Hand und stürzte mit ihm los.
Philippe ließ sich einige Sekunden lang mit ziehen. Er erkannte viele der Ecken und Winkel wieder.
Ihm entging nicht, dass sich die Schatten vertiefen und dunkle Nebel aufstiegen, um sich an einigen Stellen zu etwas bizarr stofflichen zusammenzuballen.
Er war da! Philippe spürte die grausame Aura!
Plötzlich wuchs aus einer Nische zwischen den Buden ein Mann aus der Dunkelheit! Er war bis zu den Augen geschützt durch seinen schneenassen, schweren Kutschermantel und einen Schal, in dem Eiskristalle glitzerten. Weiße Haare wehten nebulös in dem kalten Wind, der durch die Gasse pfiff und Philippe kurz die Sicht nahm, als seine langen, offenen Locken in seine Augen trieben.
Einen Herzschlag später brach sich das fahle Licht einer Straßenlampe auf der geschliffenen Klinge eines Fleischermessers! Schwärze ging von der rostigen Klinge aus. Philippe konnte es nicht anders beschrieben. Diese Waffe sog das Licht und das Leben in sich auf.
Krümel gab einen krächzenden Schrei von sich, als er auf dem Schnee versuchte rechtzeitig zum stehen zu kommen.
Philippe schlug einen Haken und riss Krümel unsanft hinter sich her.
Am anderen Ende der Gasse versperrte der Karamellenhändler ihnen den Weg. Ihn umringten einige der Kinder. Ihre furchtbaren Höllenaugen bohrten sich in Philippes.
Er wich nicht aus oder blieb stehen. Krümel stieß einen hellen, fast unmenschlichen Schrei aus. Es klang wie ein Laut äußerster Angst.
Philippe dachte daran, wie das Geistermädchen durch sie hindurch geglitten war.
Umso mehr erstaunte es ihn, dass die Kinder plötzlich wie ein Wesen herum fuhren und davon stoben. Einzig der Händler blieb zurück. Aber auch er sprang zur Seite, als Philippe mit Krümel an ihm vorüber stürmte. Der Schwung trug sie auf den freien Platz vor dem Karussell, das im Schatten des Lyzeums und der Marktkirche stand. Nebulöse Gestalten wichen zurück und verwehten in der Nacht, nur um sich wenige Meter versetzt wieder zu geisterhafter Substanz zusammenzusetzen.
Aus dem Augenwinkel sah er einen blonden Jungen, der von den Kindern, die ihnen eben noch den Weg vertraten gehetzt wurde.
Mit einigem Schrecken wurde Philippe klar, dass die Kinder ihnen nicht auswichen, sondern ein leichteres Opfer gefunden hatten!
Spuren im Schnee_klDer Knabe verschwand aus seiner Sicht in den Schatten der majestätischen Marktkirche, verfolgt von winzigen, untoten Monstern.
Die Erinnerung traf Philippe mit unsagbarer Gewalt. Er strauchelte und fing sich gerade noch, bevor er stürzte.
Krümel prallte keuchend gegen ihn und klammerte sich an seiner Taille fest.
„Das war doch wieder …“, er rang  nach Atem, „der Junge, den ich … gesehen habe!“
Philippe sah über die Schulter in die Gasse zurück.
Er erwartete fast den Mann in seinem Kutschermantel zu sehen! Wie auch der Bonbon-Händler hatte sich dieses Wesen zurück gezogen und lauerte. Vielleicht war er sogar schon wieder dort, wo er die Kinder hinlockte, um sie zu töten!
Er sah zu Krümel, der ihn irritiert beobachtete.
„Siehst du den Jungen denn nicht?“, fragte er gereizt.
„Doch“, entgegnete Philippe nervös. „Begegnen sollte ich ihm nur nicht.“
„Warum?“, fragte Krümel, während er sich sichernd umsah.
„Der Junge bin ich.“

Philippe schloss kurz die Augen. Der Chor sang gerade: Macht die Tore weit. Er entsinnte sich, dass die Kinder ihn damals um die Kirche hetzten und ihn an dem Karussell in die Enge trieben.
‚Das Karussell! Der innere Korpus ließ sich öffnen!’, erinnerte er sich. ‚Darin schlachtete er die Kinder ab!’
Ohne länger darüber nachzudenken ergriff er die Hand des verwirrten Punks und zog ihn mit sich.

Zu vollkommen anderer Musik drehten sich die verwaisten Figuren, Schlitten und Wagen.
Das Kettenwerk klapperte atonal im Inneren des Karussells, während eine Dampforgel die stampfende Melodie einer Walze abspielte. Philippe schauderte bei den Lauten. Er sah sich genauer um.
Der Lack der Figuren blätterte langsam ab. Pockennarbig starrten die Köpfe der Pferde und Rehe zu ihnen. Im Licht- und Schattenspiel der Gaslampen gewann die Szenerie an dunklem, boshaftem Leben. Obwohl die Puppen nur aus bemaltem Holz bestanden, glaubte Philippe, leichte Bewegungen in den starren Körpern wahr zu nehmen. Er schauderte unter dem Anblick.
Krümel ergriff ihn am Arm.
„Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, ich höre die Kinder heranstürmen.“
Philippe verstand seine Warnung.
Er sprang die drei Stufen zu der unteren Ebene der Drehscheibe hinauf und hielt sich an einer Stütze des Baldachins fest. Das rotweiß lackierte Holz und das goldene Messing strahlten unmenschliche Kälte aus. Rasch griff er nach dem nächst stehenden Pferdekopf, nur um sich in die zweite Reihe aufgespießter Karusselltiere zu bewegen. Die Figuren hoben und senkten sich in fast lasziven Bewegungen. Eine gewisse Perversität ging davon aus. Aus dem Knarren und Ächzen des Holzes hörte Philippe das Stöhnen eines Lebewesens heraus. Eisige Kälte rann über seinen Rücken. Er betrat vorsichtig die innere Drehscheibe. Plötzlich begann sich das Karussell schneller zu drehen! Philippe zuckte zusammen und sah sich um. Die Geschwindigkeit nahm rasend zu. Ihm fiel es immer schwerer, sein Gleichgewicht zu halten.
Die Zentrifugalkraft trieb ihn im ersten Moment gegen eines der Pferde. Ihm wurde schwindelig, wie auch damals. Er musste sich fest halten. Für einen Moment schloss er die Lider und konzentrierte sich, bevor er sich erneut umsah. Die Welt außerhalb des Karussells drehte sich in rasender Geschwindigkeit. Bildfetzen schwammen vorbei, ohne dass er sie optisch ergreifen konnte. Vage entfernt glaubte er immer wieder Menschen in unterschiedlichen Trachten und Gewändern aus verschiedenen Epochen wahrzunehmen, konnte sich aber nicht sicher sein. In ihm sträubte sich alles gegen diesen unerträglichen Anblick. Er spürte, wie ihm schlecht wurde. Schließlich riss er sich davon los und sah sich nach Krümel um. Ihm war vollkommen entgangen, ob sein junger Geliebter ebenfalls den Sprung hier her wagte.
„Krümel?“, rief er.
Seine Antwort blieb aus.
„Krümel! DAVID!“
Philippes sonst ruhige Stimme steigerte sich. Er bemerkte den schrillen Unterton der Panik darin, konnte ihn aber nicht unterdrücken. Vielleicht stand er noch dort unten?! Philippe sammelte sich und unterdrückte die Angst, die in ihm zu einem erstickenden Monstrum anwuchs.
Er schritt unsicher zwischen den sich rasch auf und ab bewegenden Holztieren über die Plattform. Noch gab es die Möglichkeit, dass er an anderer Stelle aufgesprungen war. Trotz des rasenden Tempos der Drehscheibe gewann Philippe nach einigen Sekunden eine gewisse Sicherheit zwischen den Figuren. Sie bewegten sich in einem für ihn berechenbaren Takt. Mit dieser Sicherheit gelang es ihm, ein bisschen schneller auszuschreiten, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.
Er umrundete die Ebene bis zu der Stiege, ohne jedoch auf Krümel zu treffen. Erneute Angst ergriff ihn.
Sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Unstet irrte sein Blick über die Ebene, bis er an dem Kernstück, dem Maschinenraum der Karussells, hängen blieb.
Philippe erkannte in den bemalten Holzplatten deutlich die Fugen der Türe, die unter der Treppe zu der zweiten Etage verborgen lag. Konnte es sein, dass dieses Geschöpf, was hier lebte, Krümel in seinen Fängen hielt?
Der Gedanke erschütterte Philippe. Mit beiden Händen klammerte er sich an das Geländer der verzierten Leiterstiege. Sein Herz raste plötzlich vor unbezwingbarer Angst um seinen Freund! In seinem Hals ballte sich ein harter Klumpen zusammen, der ihn zu ersticken drohte.
Er spürte, wie aus seiner Angst Zorn erwuchs. Seine Fäuste ballten sich um das eisige Metall, das sich unter seinen Fingern zu deformieren begann, bis die Knöchel fahl hervor stachen. Seine Zähne mahlten aufeinander. Aus seinen schmalen Fingern wuchsen Klauen. Kraft kehrte in seinen Körper zurück.
Das rasende Tempo des Karussells konnte ihm nichts mehr anhaben. Im Gegenteil schien es ihm eher Schwung zu verleihen. Alles in seinem Leib spannte sich, um an dem Geländer vorbei durch die Türe zu brechen.
Stimmenfetzen hielten ihn zurück. Philippe fuhr herum und erkannte, dass die Plattform an Geschwindigkeit verlor. Die Welt zwischen den Sekunden wurde wieder klarer. Im Schnee erkannte er einen blonden Jungen, der sich nah an Krümel drängte. Das Bild verschwand so rasch, wie es kam. In der nächsten Umdrehung lag in Krümels Hand der schwere Kettengürtel, den er bislang um die Hüften trug. Er schwang ihn gegen die Kinder, die die beiden jungen Männer umringten.
Philippes kindliches Alterego wich zurück. Es schien ihm fast, als wisse der Junge nicht, wen er mehr fürchten solle; Krümel oder die Leichenkinder.
Die Drehung der Plattform riss das Bild von Philippe fort, bevor die Szene erneut in sein Sichtfeld rückte. Er bemerkte, dass sein jüngeres Selbst nach einer der rotweiß ziselierten Holzstützen auf der Etage griff und sich daran hoch zog. Krümel schlug im gleichen Augenblick einem der Kinder –dem Mädchen mit dem roten Mantel – die Ketten in das verzerrte Dämonengesicht. Philippe dachte nicht mehr daran, sich vor einer Begegnung mit dem Jungen, der er einst war, zu schützen. Viel mehr fuhr er nach vorne. Er umklammerte eine der Stützen und ergriff nach der nächsten Drehung Krümels Arm, um ihn zu sich zu ziehen. Keine Sekunde zu spät, wie er feststellen musste. Die Szenerie änderte sich. Im Schnee lag das blutende Kind, von Krümel niedergeschlagen, während seine Gefährten auf den jungen Mann eindrangen, vollkommen ungeachtet was er gerade mit einem der ihren getan hatte.
Krümel stieß einen spitzen Schrei aus, als er den Boden unter den Füßen verlor. Er wehrte sich blind gegen Philippe. Offenbar erkannte der Punk ihn im ersten Moment nicht.
„Ich bin es!“, rief Philippe.
Erst die Worte, vielleicht auch nur der Klang seiner Stimme, beruhigten den jungen Mann. Seine Gegenwehr ebbte ab und verschwand vollkommen, nachdem ihn Philippe in die Sicherheit der Plattform brachte.
Krümel fuhr in den Armen seines Geliebten herum und umschlang Philippe fest. Seine Wangen glühten vor Anstrengung. Schweiß perlte auf seiner Stirn. Philippe hörte den rasenden Herzschlag des jungen Mannes. Krümels Atem ging stoßweise und kondensierte in weißen Dampfwolken vor seinen Lippen.
„Philippe!“, keuchte er. Der Laut erstickte sich in der festen, ängstlichen Umarmung, die Philippe erwiderte.
Viel Zeit blieb ihm nicht. Viel mehr drang ein mahlendes Geräusch aus dem Inneren des Karussells. Die Ketten klirrten innen gegeneinander und irgendetwas in der Mechanik setzte sich scheppernd wieder in Bewegung, während die Zentrifuge sich kreischend in Bewegung setzte.
Krümel krallte sich an Philippe fest.
„Wo ist der Junge?!“, hauchte er. Eisige Starre erfüllte seine Stimme.
Philippe wusste die Antwort, konnte es allerdings nicht aussprechen. Hinter ihm hörte er, wie sich die Türe des Maschinenraums öffnete.
Eilig drängte er Krümel die Stiege hinauf, um wenigstens ihn vor dem Kinderjäger zu bewahren, während er ihm rasch folgte.
Noch bevor er die obere Eben des Karussells erreichte, trat der weißhaarige Mann in seinem alten, zerschlissenen Kutschermantel aus dem Inneren des Karussells. Er hob kurz den Blick. Tief in den Höhlen liegende Augen, deren Iris fahl blau war, bohrten sich in die Philippes.
Der Schal, den er vor Mund und Nase gezogen hielt, glitt herab und gab das beinah gütige Antlitz eines hageren, alten Mannes frei. Er sah bedauernd zu Philippe. Sachte schüttelte er den Kopf. Sein Bart zuckte leicht, als sich seine Lippen bewegten. Durch den rasenden Fahrtwind rissen die Worte von seinen Lippen. Schließlich senkte er den Blick wieder und schleppte sich gebeugt aus der Türe. Mit vollkommener Sicherheit, die seine schwerfälligen Bewegungen Lügen straften, schlich er aus den Schatten hinaus auf die drehende Plattform. Philippe beobachtete ihn, bis er aus seinem Sichtfeld verschwand.
„Ich sehe ihn!“, rief Krümel, der sich an einer der Gondeln vorbei zur Balustrade geschoben hatte.
Philippe fuhr herum.
„Wen?!“, fragte er verwirrt.
„Den Jungen!“, entgegnete Krümel mit einem Blick über die Schulter.
Vor Philippes innerem Auge erschien die kleine Kutsche, in deren Ecke sich sein jüngeres Selbst kauerte. Er spürte sogar noch das brüchige, grüne Leder unter seinen Fingern.
„Warne ihn!“, entgegnete Philippe aus einem Impuls heraus.
Er wendete sich wieder ab. Sein jüngeres Selbst dürfte ihn nicht sehen. Jetzt musste er seinem Geliebten vertrauen.
„Hey, Kleiner!“, brüllte Krümel, während er sich über die Balustrade der ersten Etage neigte.
Philippe wusste, dass der Junge in dem Augenblick hinauf sah, direkt in das von der Anstrengung gerötete Gesicht Krümels. Er erinnerte sich daran!
„Lauf weg! Der Kerl mit dem Messer hat dich gleich!“
Er spürte den eisigen Schrecken und die aufwallende Panik, die die Glieder des Jungen kurzzeitig lähmten. Zugleich sah er durch seine Augen den freundlichen alten Mann, der den Preis für die Fahrt einforderte …
„Tritt ihm gegen den Arm!“, zischte Philippe. Er klammerte sich mit beiden Händen an dem Geländer fest.
„Tritt ihn!“, gab Krümel die Anweisung ungefiltert weiter.
Philippe musste dem Jungen helfen. Er spannte sich zum Sprung.
In dem Moment fühlte er den Impuls des Jungen, während er seine Beine an den Leib zog. Ein Gemisch aus Schrecken und Verwirrung durchflutete ihn. Es waren die Gefühle des Knaben aus der Vergangenheit. Während der Junge seine Füße nach vorne stieß, dem Mann entgegen, glaubte Philippe morsche Knochen zu hören, die unter seinem Stiefel nachgaben. Aus den Augen seines kindlichen Selbst sah er, wie der Alte gegen den Kern des Karussells taumelt. Im gleichen Augenblick federte er hoch. Im Gegensatz zu seinem Alterego krallte Philippe sich in das Geländer und wartete. Der Junge stürzte kopflos über die untere Plattform. Immer wieder wagte er sich an den Rand, die Stufen in die Wirklichkeit. Aber das irrsinnige Bildergewirr um ihn raubte ihm den Mut zu dem Sprung durch die Zeit. Vielleicht endete er unter den Leichenkindern, aber niemand konnte schlimmer sein, als dieses Geschöpf, das das schwarze Herz dieses Ortes war!
„Spring“, flüsterte Philipp. „Hab den Mut!“
Tatsächlich spürte er das aufmerksame Lauschen. Der Knabe nahm ihn wahr, wusste, dass ihn jemand führte und ihm Mut und Kraft gab. Erneut umklammerte er die Stütze des Baldachins, um nach unten zu spähen. Philippe spürte sein rasendes Herz. Alles in ihm verkrampfte sich durch die Angst des Jungen.
Er fühlte sich selbst gehetzt, erwartete in jeder Bewegung das Geschöpf zu sehen, was auf seine Seele lauerte. Starb der Knabe, würde auch er sich unweigerlich auflösen. Diese Gewissheit versuchte er seinem Alterego zu übermitteln.
Krümel blieb neben Philippe stehen. Er verfolgte genau den Weg des Jungen.
„Spring endlich ab, du Spinner!“, brüllte er panisch.
Der Knabe fuhr herum und sah einen Herzschlag lang hinauf.
Philippe wich zurück, bis sein Gesicht vollständig in den Schatten des farbigen Baldachins verschwand.
Dennoch spürte er das Entsetzen des Jungen, der für einen Herzschlag seine erwachsene Erscheinung erkannte!
Entsetzt schloss Philippe die Augen. Er wusste nicht, was passieren konnte, wenn er innerhalb eines Zeitparadoxons auf sich selbst traf. Grundsätzlich konnte es allerdings nur in einer Katastrophe enden. Das tiefe, erschütternde Mahlen aus dem Inneren des Karussells bestätigte seine Befürchtungen. Die gesamte Konstruktion bebte und bäumte sich auf, nur um zurückzusacken. Gondeln und Wagen brachen aus ihren Verankerungen. Die Stangen der Pferde und Rehe lösten sich. Einige brachen in sich zusammen, andere verkanteten sich zwischen erster Ebene und Baldachin. Funken stoben auf, als scharfkantiges Metall über den Innenrost kratzten.
Philippes jüngeres Selbst hatte sich zusammengekauert und krallte sich entsetzt in die Holzdielen der unteren Etage.
Plötzlich schob sich Krümel an Philippe vorüber und sprang die Stufen der Leitertreppe hinab.
Im gleichen Moment bäumte sich der Boden unter Philippe. Er konnte sich festklammern. Das Beben wollte nicht aufhören. Entsetzt spähte er hinab.
Sein Freund fing sich gerade rechtzeitig und klammerte sich an einer der Figuren fest. Ein weiterer Stoß riss ihn fast von den Füßen. In letzter Sekunde fing er sich wieder.
Der Schatten des Alten erhob sich drohend über dem jungen Punk, ohne dass er den Mann bemerkte. Der junge Philippe schrie eine Warnung, die Krümel nicht recht verstand. Schließlich federte der Junge nach vorne und riss Krümel mit sich.
Heftige Stöße durchfuhren das Konstrukt aus Holz und Eisen. Philippe hörte, wie einer der Träger splitterte und Metall riss.
Er konnte nicht länger warten. Was immer innerhalb dieses Zeitparadoxons passieren würde, er musste eingreifen!
Sein junges Selbst klammerte sich mit Krümel an das Geländer der Stiege, während das Karussell noch stärker unter ihren Füßen bebte. Der Schatten des Alten gewann an Stofflichkeit. Aus diffuser Substanzlosigkeit gerann ein vage menschliches Geschöpf, dessen Mantel und Schal in Nebelschwaden und Rauchfäden endeten. Er erhob seine Hände. In einer davon zuckte das Messer auf.
In der Sekunde sprang Philippe von oben herab. Er strauchelte und fing sich gerade noch rechtzeitig. Der Stich sollte sein jüngeres Selbst treffen, streifte aber ihn. Wolle zerriss über seinem Arm. Die Klinge fuhr über seine Haut und hinterließ einen dünnen, brennenden Schnitt.
Fast erwartete Philippe, die Wunde würde sich gleich wieder schließen, wie es ihm bei allen normalen Waffen erging. Allerdings trat das Gegenteil ein! Brüllender Schmerz ballte sich in seinen Muskeln und explodierte. Blut spritzte über Wand und Leiter.
Philippe blieb keine Zeit, sich darauf zu konzentrieren. Er schob die körperlichen Empfindungen weg.
Dicht hinter sich spürte er Krümel, der sich mit einer Hand an ihn klammerte.
„Lauft!“ schrie Philippe, während er sich nach der Waffenhand seines Gegners griff.
Krümel ließ ihn los. Gleichzeitig fuhr Philippes Hand durch den Alten hindurch, ohne auf Substanz zu stoßen. Doch die Waffe nahm sofort wieder Stofflichkeit an. Philippe sprang zurück, dennoch streifte ihn die Waffe über Brust und Bauch. Die rostige Klinge fuhr durch seine Kleider, als seien sie nicht da.
Gleißend explodierte der Schmerz auf seiner Haut.
Philippe wurde durch eine weitere Erschütterung nach hinten geschleudert, aus der Reichweite seines Gegners. Unsanft prallte er in eines der umgestürzten Karusselltiere. Angespitztes Holz stach in seinen Rücken. Zeit blieb ihm nicht, sich darüber Gedanken zu machen. Mit einem unmenschlich schnellen Satz folgte ihm sein Gegner nach.
Philippe federte auf die Füße und machte einen Satz zurück. Er umklammerte die Metallstange eines anderen Holztieres, das noch in seiner Position saß, mit der Linken. Das Rohr drehte sich leicht in der Aufhängung. Philippe nutzte es, um Schwung zu holen und seinem Gegner mit aller Gewalt den Fuß vor die Brust zu stoßen.
Als sein Stiefel den Alten traf, fand er Substanz. Das Geschöpf wurde hart zurückgetrieben und schlug in die Treppe zur oberen Etage ein. Mit unsäglicher Gewalt riss es die unteren Sprossen herab und begrub sie unter sich.
Philippe setzte ihm nach. Er spürte, wie ihn der Kampfrausch ergriff und mit Euphorie erfüllte. Wenn bislang die Karten ungerecht verteilt schienen, so konnte er sich sein eigenes monströses, unsterbliches Dasein zu Nutzen machen.
Fänge und Zähne verstärkten sich. Mit kaum menschlicher Geschwindigkeit stürzte er sich auf seinen Gegner. Die fahl blauen Augen des Alten weiteten sich erschrocken, als Phillippe ihm die Klauen in den Körper stieß. Plötzlich zog sich das Geschöpf zu einer nebulösen Erscheinung zusammen und verwehte.
Philippe schrie zornig auf.
Schwarzes Blut troff von seinen Händen auf das lackierte, bunte Holz. Sofort fuhr er hoch und sah sich um. Sein Gegner war verschwunden. Auch Krümel und sein jüngeres Selbst entdeckte er nicht mehr.
Am Rande nahm er wahr, wie das Beben unter seinen Füßen langsam nachließ und schließlich ganz aufhörte.
Waren Krümel und sein Alterego demnach fort und in Sicherheit? Die Verbindung zu dem Knaben konnte er nicht mehr aufbauen.
Langsam ließ er seinen Blick über die sich bewegenden Figuren gleiten. Das Paradoxon hatte ihnen übel zugesetzt. Zudem entdeckte er in Boden und Kernwand Risse, die zuvor nicht dagewesen waren.
Philippe sah nach draußen. Um ihn flirrte immer noch der Zeitstrudel. Das Knarren der Türe zu dem Inneren des Karussells erregte seine Aufmerksamkeit. Dunkle Spuren Blutes und herab gebrochene Stücke nebulös schleimiger Substanz führten unter den Ruinen der Treppe durch die Türe in das dunkle Innere.
Zu Philippe wehte plötzlich unerträglich süßer Gestank herüber, in den sich verschiedene andere Aromen mischten. Es war eine Mischung aus Blut, Verwesung, Säure, Öl und Metall. Krümels Duft mischte sich darunter, genau so wie der Hauch des Parfums, was sein Alterego trug.
Er schloss die Lider und witterte.
Die Quelle der Gerüche kamen aus dem Inneren des Karussells!
Philippe riss entsetzt die Augen auf.
Mit einem Sprung erreichte er die Türe und schob sich durch den niedrigen Eingang. Dunkelheit und klamme Hitze umfing ihn. Es fühlte sich an, als würde ihn etwas widerlich Lebendiges aufnehmen.
Trotz seiner guten Raubtieraugen blieb es ihm verwehrt mehr zu sehen, als ein normaler Mensch. Das Licht von Außen drang nicht besonders weit in den Maschinenkern. Vage konnte er erkennen, dass sich vor ihm ein gewaltiges Räder- und Kettenwerk um eine genarbte Kernstange bewegte. Die Hitze stieg von dem Metall aus. Der Geruch nach Öl stammte von der gefetteten Mechanik. Zähflüssig rann etwas an der Nabe herab. Philippe erkannte den Geruch sofort. Blut!
Übelkeit stieg in ihm auf. Er würgte kurz, presste dann aber die Hand gegen die Lippen. Schwächen konnte er sich nicht erlauben! Sein Blick glitt durch die Kammer. Eine schmale Wendeltreppe führte um den Kern hinab. Wie damals fragte sich Philippe, wohin dieser Schacht führte. Dieses Mal musste er ihn gehen, gleich was passieren würde. Die Angst um Krümel zog sein Herz zusammen.
Er trat den Weg nach unten an.

Das Maschinenwerk reichte schier unendlich in die Tiefe. Das Rasseln der Ketten, die sich unablässig wie ein Zahnriemen bewegten, begleitete ihn, bis er das Geräusch ausblendete. Die Stufen unter seinen Stiefeln bestanden aus Holz. Er wollte zu dem dick verkrusteten Belag darauf lieber keine Rückschlüsse ziehen. Dennoch musste er einige Male aufpassen, wohin er trat. Öfter glitt sein Fuß weg. Es gelang ihm immer nur im buchstäblich letzten Moment, sich an der Wand festzuhalten. Zur Mitte hin war die Konstruktion nicht gesichert. Ein Sturz in die Maschine, wäre auch Philippes sicherer Tod. Trotzdem eilte er weiter hinab.
Nach einer unmessbaren Zeitspanne verlangsamte Philippe seine Schritte ein wenig. Ein Anflug von Hoffnungslosigkeit ergriff ihn. Aber allein der Gedanke, dass Krümel etwas zustoßen konnte, vertrieb das Gefühl so schnell, wie es kam.
Noch immer nahm er den Duft seines Geliebten wahr, in den sich das Parfum mischte.
Rot flackernder Schatten zuckte über die Wände und erregte Philippes Aufmerksamkeit. Er versuchte seinen Schritt zu verlangsamen und stolperte die letzten Stufen hinab, bevor er sich wieder an der Wand abfangen konnte. Für einen Moment verharrte er, um das Licht einordnen zu können. Die Quelle lag irgendwo unter ihm, im Zentrum dieses verfluchten Ortes. Der Gestank nach Verwesung nahm stetig zu.
Ohne weiter zu zögern, setzte er mit weiten Sprüngen die Stufen hinab.
Von einem Moment zum Anderen endete die Treppe auf einer Plattform, die von dicken, rostigen Ketten getragen wurde. Sein eigener Schwung trug ihn um ein Haar über die Begrenzung hinaus. Verzweifelt klammerte er sich an die Trägerkonstruktion und zog sich zurück. Sein langes Haar fiel über Schultern und Oberkörper. Schmerzen schossen durch die verletzten Stellen an Arm und Brust. Zitternd und erschöpft strich er sein Haar zurück und orientierte sich flüchtig.
Diese Plattform war Teil einer Hängebrücken- und Leiterkonstruktion. Nirgendwo gab es ein Geländer. Lediglich hauchfeine Vorhänge, die an ausgedünnte Hautfetzen erinnerten, bewegten sich zwischen den einzelnen Ebenen.
Sein Auftritt konnte nicht unbemerkt geblieben sein. Die gesamte Konstruktion schwang unter ihm nach.
Philippes Blick richtete sich nach unten. In der Tiefe, gut fünf Meter unter ihm, flackerten Feuer aus dem Boden heraus. Hitze, die aus der Hölle zu kommen schien, versengte seine Haut. Der Boden erinnerte an Kopfsteinpflaster, dass in Schieferplatten über ging. Offenbar diente der Belag als Sickerbecken. An vielen Stellen hatte sich schwarz geronnenes Blut abgesetzt.
Erneut würgte er. Mit zusammengebissenen Zähnen verdrängte er die Vorstellung und spähte hinab. Philippe überlegte einen Moment, ob er den Sprung hinab überstehen konnte. Die Entscheidung wurde ihm abgenommen. Unter seinen Füßen bewegte sich die Plattform sachte. Er fuhr herum. Aus den Schatten und Nebeln materialisierte das Monstrum. Sein Messer schimmerte in dem diffusen Vulkanlicht.
„Engelsgesicht“, flüsterte eine Stimme, deren Klang wie Glas und rostiger Stahl war.
Philippe biss die Zähne zusammen und ließ sich nach hinten fallen.

Der Aufprall zerschmetterte die Knochen seiner Füße und Unterschenkel. Dennoch setzte sich sein Körper umgehend wieder zusammen. Philippe ignorierte den Schmerz, so weit er konnte. Er richtete sich langsam auf und sah sich um. Sein Blick huschte herum und verfing sich an bizarren Skulpturen, die im ersten Moment wie skelettierte Engel und gehörnte Geschöpfe aussahen. Von ihnen ging der Säuregestank aus.
Viel Zeit blieb ihm nicht, sich umzusehen. Schwarzer Nebel sank von oben herab und hüllte ihn ein. Mit einem Sprung setzte er zurück. Einen Herzschlag später fuhr die Klinge an ihm vorüber.
„Du bist besser geworden, Engelsgesicht!“, brüllte der Alte mit überschnappender Stimme.
Philippe ließ sich zurückfallen und rollte über die Schulter ab, um sofort wieder auf die Füße zu Federn. Erneut riss der Schmerz an ihm. Der Geruch nach Krümel war hier so präsent! Allerdings konnte er seinen Gegner nicht aus den Augen lassen.
Der alte Mann materialisierte sich nur immer partiell. Philippe blieb nichts anderes übrig, als ihm auszuweichen, bis er eine Schwachstelle in seiner Deckung fand.
Immer wieder fuhr das Messer gegen ihn nieder. Jedes Mal wartete er bis zur letzten Sekunde, um zurückzufedern. Seine Fähigkeiten halfen ihm ungemein dabei. Tatsächlich erkannte er sogar ein Schema in den Hieben und Stichen. Vielleicht konnte er das gegen den Alten verwenden!
Jedes Mal, wenn er nach Links auswich, nahm das Monster mehr Stofflichkeit an! Schon einmal war es ihm gelungen, seine Deckung zu durchbrechen und ihn zu verletzen!
Dieses Mal visierte er das Herz seines Gegners an.
Er ließ den nächsten Stich durch. Die Klinge drang tief in seinen Bauch ein. Der Schmerz explodierte so heftig, dass ihm fast die Sinne schwanden. Aber die Angst verlieh ihm zusätzliche Kräfte. Mit einer Hand umklammerte der den Arm des Geschöpfes, zog ihn sogar noch näher an sich heran, während er mit der Anderen in seine Brust stieß. Er war wie von Sinnen vor Schmerzen. Seine Instinkte begannen seinen Verstand zu überrennen. Er spürte eine unerträgliche Gier nach Blut!
Ohne noch recht zu wissen, was er tat, schloss sich seine Hand um das Herz des Monsters. Er riss es mit der Leichtigkeit eines Vampirs aus dem Körper.
Schwindel überflutete seine Sinne. Taumelnd stolperte er zurück und hielt das noch immer schlagende Herz hoch. Blut rann über sein Handgelenk in den Ärmel seines Mantels. In seinem Mund sammelte sich Speichel. Die Lust nach der schwarzen Flüssigkeit wurde zu brennender Gier, die in seinen Eingeweiden tobte und seine Sinne umnebelte. Er wollte es trinken, das vergammelte alte Fleisch verschlingen …
„Philippe!“
Krümels panische Stimme zerriss den roten Schleier, der sich über seinen Geist gelegt hatte.
Er fuhr herum und wich zurück. Das Wesen lebte noch! Es materialisierte, flackerte und stürzte auf ihn mit erhobenem Messer zu. Philippe wich ihm aus. Der Alte stolperte und stürzte schwer zu Boden. Sein schwarzes Blut sickerte in die Ritzen der Steine.
Die Waffe fiel ihm aus den Fingern. Mühsam versuchte er, sich wieder aufzurichten, brach aber sofort in die Knie. Er starb, realisierte Philippe. Dennoch bäumte der Alte sich auf. Dieses Wesen konnte und wollte nicht aufgeben!
„Ich brauche dein Leben!“, keuchte er. „Gib mir dein unsterbliches Leben für meine Klinge! Sie muss mächtiger werden …“
Philippe betrachtete ihn. Alle Monstrosität wich aus dem alten, dürren Mann, dessen Leben schon viel zu lang andauerte.
Langsam trat er zu einem der Flammenlöcher.
„Nein“, entgegnete er erzwungen ruhig, während er das Herz los ließ. Der pochende Fleischklumpen fiel in das Feuer. Philippe sah zu, wie es langsam verschmorte. Noch immer schlug es. Was gab ihm diese Kraft? Waren es die Leben der Kinder, die alle keine Menschen waren, oder die Macht der Klinge, die erschaffen wurde, um unmenschliche Wesen zu vernichten?
Eine zischende grüne Stichflamme ließ ihn zurück fahren. Gleichzeitig wirbelte er herum und starrte das Wesen an. Es brannte von innen heraus in demselben giftig Licht. Kein Laut kam über seine Lippen, obgleich der Schmerz unerträglich sein musste.
Der alte Mann starb, daran gab es keinen Zweifel mehr.
Philippe sah sich um. Er suchte nach Krümel … und seinem Alterego. Nah der Skulpturen regte sich etwas. Der Punk straffte sich und nahm den Mantel des jungen Philippe von den Schultern.
„Wo ist …“, begann Philippe verwirrt.
„Ich habe mir seinen Mantel geschnappt, bevor ich ihn vorhin vom Karussell geschubst habe, um den Alten von dir wegzulocken“, erklärte Krümel. Er klang zwar zuversichtlich, aber seine Stimme brach. Philippe sah, wie sehr seine Knie bebten. Er konnte sich kaum aufrecht halten.
Mit wenigen Schritten eilte er zu dem jungen Mann hinüber und umarmte ihn fest. In dem Moment begannen all seine Wunden wieder höllisch zu brennen. Er ignorierte den Schmerz. Krümel war die einzige, wichtige Person für ihn. Er spürte, wie sich der Junge an ihn klammerte und plötzlich anfing zu schluchzen.
„Philippe, er sammelt die Leben und Seelen von solchen, die nicht menschlich sind!“, keuchte er erstickt.
„Hier sind so viele von ihnen … Hunderte … alle tot! Er hat sie ausgestellt! Er …“
Krümel brach ab und vergrub seinen Kopf an Philippes Brust. Das letzte bisschen Fassung bröckelte und hinterließ nichts als einen verzweifelten, zutiefst schockierten jungen Mann.
Behutsam nahm Philippe Krümels Gesicht in seine Hände und zwang den Jungen, ihn anzusehen. Die großen, hellen Augen sprachen von dem Grauen, was er gesehen haben musste. Seine Lider waren rot von den Tränen.
Wortlos neigte sich Philippe zu seinem Geliebten und küsste ihn. Er wollte wenigstens für einige wenige Sekunden vergessen, was um sie herum existierte.

Krümel keuchte in Philippes Kuss hinein. Erschrocken fuhr er auf und sah sich nach dem Monster um. Um sie herum begann sich diese Höhle aufzulösen, wurde fadenscheinig und kälter.
Ein eisiger Windstoß vertrieb das Bild vollständig. Sie standen auf dem leeren, stillen Weihnachtsmarkt, der wohl schon vor Stunden seine Tore geschlossen haben musste. Viele Buden waren bereits abgebaut worden und lagen auf Tiefladern aufgeschichtet, die über den Platz verteilt standen. Vor Hängern parkten Zugmaschinen und Transporter.
In die Stille drang das Getrampel und Geschrei kleiner Kinder. Lachen und Wortfetzen streiften ihn, bevor sie mit dem Neuschnee von kalten Windböen fortgetragen wurden.
Philippe sah zu Boden. Dort, wo das Nostalgie-Karussell stand, hatten unzählige kleine Füßchen, wie die von Kindern, den frischen Schnee aufgewühlt. Sie verloren sich bereits nach wenigen Schritten. Er schauderte. Nirgendwo brannte Licht hinter den Fenstern, keine Menschenseele schien unterwegs oder wach zu sein. Lediglich die Kirchturmuhr rückte auf die frühe, dritte Stunde vor.
Die heutige Nacht war bereits der frühe Morgen des 24.Dezember. Heilig Abend!
Philippe keuchte. Eine seltsame hoffnungsvolle Euphorie ergriff ihn. Er lachte auf. Krümel klammerte sich enger an ihn.
„Was ist?“ fragte er.
„Nichts, Krümel“, entgegnete er, nachdem er sich ein wenig gefangen hatte.
Verstört sah der Punk ihn an.
„Nichts“, erklärte er sanft, während er Krümel den Arm um die Schulter legte und ihn an sich zog. Mit einer Hand tastete er über den Stich in seinem Bauch. Es tat weh, begann aber zu heilen.
„Nur dass es das erste befreite Weihnachtsfest ist, was diese Stadt erleben wird.“

***

Unheimliche und düster romantische Weihnachten für euch 🙂

Der Rebell

Gerade ist Glasseelen neu erschienen, bald wird es auch wieder den Folgeroman Der Rebell geben. HOMO Littera hat dem Buch (und der ganzen Reihe) ein neues Heim gegeben.

Worum geht es?
Am Ende von Glasseelen erhält Camilla eine Mail von Matthias Habicht, in der er schreibt, dass er grandiosen Mist gebaut hat … hier die Mail:

Hallo Camilla,

ich brauche deine Hilfe. Kennst du den Geschäftsmann Thomas Hoffmann? Wahrscheinlich nicht, oder? Ich würde dich bitten, dass du dich mit ihm oder zumindest mit seinem ältesten Sohn Oliver in Verbindung setzt. Es ist wahnsinnig wichtig. Du kannst damit vielleicht eine Katastrophe verhindern und Leben retten … vielleicht sogar meins.
Sag ihnen, dass am kommenden Wochenende etwas passieren wird, was unabsehbare Folgen hat. Bitte frag nicht, warum, ich werde es dir nicht erklären können, aber es geht um das Leben einer ganzen Familie.

Vielen Dank

Matthias

PS: Camilla, wenn du dachtest, Ancienne Colognes Auswirkungen auf uns alle wären groß gewesen, irrst du dich. Das, woran ich jetzt bin, betrifft auch dich, wenn auch nur am Rande. Bitte hilf mir, bevor ich einen unverzeihlichen Fehler begehe.

Und damit leute ich das zweite Buch ein.

Der Rebell – Klappentext
Olivers Welt bricht zusammen, als sein Vater wie von Sinnen über seine Mutter und seine Geschwister herfällt. Nur Christian und Michael überleben die Mordnacht unbeschadet. Oliver muss nach seinen schweren Verletzungen reanimiert werden. Danach ändert sich seine Realität. Er hat einen Blick hinter den “Spiegel” geworfen. Obwohl er diese Welt gern ausschließen will, begleitet sie ihn.

Als auf Christian ein Anschlag verübt wird und Michael ihm beteuert, der Angreifer habe sich vor seinen Augen in Luft aufgelöst, und zeitgleich weitere Tote gefunden werden, will Oliver nicht mehr untätig abwarten. Zusammen mit seinem Freund, der jungen Kriminalkommissar Daniel Kuhn, taucht er in die Ermittlungen ein. Gemeinsam setzen sie die einzelnen Fragmente einer Vergangenheit zusammen, deren Auswirkungen die Katastrophen in der Gegenwart begründen.

Und hier bekommt ihr einen kleinen Vorgeschmack auf den 2. Roman:

Ihr hysterisches Lachen endete in ersticktem Röcheln. Die folgende Stille versetzte Oliver in abgrundtiefes Entsetzen. Nur das Geräusch von Metall, das Knochen zersplitterte, drang zu ihm. Das Monster zerfleischte sie. Der Anblick brannte sich in seinen Verstand. Er stöhnte. Seine Knie zitterten, zugleich fühlte sich sein Körper an, als würde Lava durch seine Adern strömen. Mit hämmerndem Herzen kauerte er sich tiefer unter die Anrichte und presste seine Fäuste auf die Ohren. Er biss auf seine Unterlippe und schmeckte Blut. Ihm wurde schwindelig. Mühsam zwang er sich zur Ruhe. Er musste fliehen, die Polizei rufen, doch er konnte sich nicht regen. Alles in ihm wehrte sich gegen den Anblick, die Geräusche und den Geruch. Oliver wagte nicht einmal, ins Wohnzimmer zu spähen. Aber er musste, jetzt sofort, bevor auch er starb.
Vorsichtig sah er über die Küchenplatte. Noch immer rammte dieser Wahnsinnige sein Messer in ihren Leib. Deutlich hörte er, wie die Spitze sich in den Boden bohrte. Der Körper seiner Mutter lag vor der Terrassentür. Ihr Blut tränkte den hellen Teppich. Sein Vater kauerte wie ein Nachtmahr über der Masse aus zerschnittenem Gewebe und zerhackten Knochen. Er hob sich deutlich gegen die hellen Gardinen ab. Schwarzgrauer Dunst kräuselte sich um ihn. Stammte der Rauch von der brennenden Zigarette seiner Mutter?
Oliver reckte sich vorsichtig. Die Schwaden waren zu dunkel. Täuschte er sich? Mit zitternden Fingern klammerte er sich an die Küchenplatte. Er würgte. Sein Vater, oder wer immer dieses Wesen sein mochte, hatte den Verstand verloren. Er war kein Mensch mehr. Als er die Wa?e hochriss, spritzte Blut auf Glas und Gardinen.
Olivers Mageninhalt schoss hoch. Er stieß ein unartikuliertes Geräusch aus und presste die Kiefer aufeinander. Zu spät. Würgend erbrach er sich.
Schwäche breitete sich in ihm auf. Er musste weg, doch seine Muskeln protestierten. Unsicher kroch er aus seinem Versteck, rappelte sich auf und eilte in den Flur hinaus. Flucht war die einzige Chance, wollte er überleben. Obwohl er keine Schuhe trug, kamen ihm seine Schritte viel zu laut vor. Sein Vater würde ihn hören, und er wäre tot, bevor er die Haustür erreichte.
Ein Wutschrei, vermischt mit entsetzlicher Verzweiflung drang aus dem Wohnzimmer. Einen Herzschlag später vernahm er den schweren Gang seines Vaters – er war nicht mehr er selbst, hörte ihm nicht mehr zu. Dem durchtrainierten, cholerischen Mann hatte Oliver auch nichts entgegenzusetzen. Nur Schnelligkeit konnte ihn jetzt retten.
Die Kisten und Ko?er seiner Mutter standen noch im Flur. Seine Flucht wurde zu einem einzigen Ausweichmanöver. Verflucht! Genauso gut hätte der Ausgang einen Kilometer entfernt sein können.
„Olli …“ Die weinerliche Stimme seiner kleinen Schwester drang aus dem ersten Stock.
Elli? Sein Herz verkrampfte sich. Er konnte nicht fortlaufen, solang seine kleinen Geschwister noch im Haus waren. In seiner sinnlosen Raserei kannte sein Vater weder Freund, noch Feind. Er würde vor den Zwillingen und Marc nicht Halt machen, ganz zu schweigen von Elli, die er hasste.
Oliver blickte nach vorne. Ihn trennten noch fünf oder sechs Schritte von der Haustür.
„Olli!“
In Ellis hysterischem Quietschen lag panische Angst, das Entsetzen, das auch er verspürte. Er musste seine Brüder und Elli in Sicherheit bringen. Abrupt änderte er seine Richtung und rutschte weg. Mit rudernden Armen kämpfte er um sein Gleichgewicht und stürzte auf ein Knie. Schmerz zuckte durch sein Bein.
»Chris, Micha …«, keuchte er und sah sich um.
Über den Wohnzimmerteppich huschten bizarre Schatten, schwere Schritte näherten sich. Olivers Herz raste. Hass und Verzweiflung vereinten sich im Gebrüll seines Vaters. Die Stimme klang fremd. Begri? sein Vater, was er getan hatte?
Sicher nicht. Dieses Tier hatte keine Gefühle.
Oliver schauderte. Er versuchte, auf die Füße zu kommen, aber sein verletztes Knie gab unter der Belastung seines Körpers nach. Ein scharfer Stich trieb ihm Tränen in die Augen. Ärgerlich biss er die Zähne zusammen. Beim Boxen hatte er mehr weggesteckt.
Sein Atem stockte. Wie ein gestaltgewordener Albtraum stand Vater im Türrahmen des Wohnzimmers. Die weißen Manschetten an seinem Hemd waren rot. Von seinen Händen troff Blut auf den Boden. Als er die Hand hob, umwehten ihn Rauchschleier.
Plötzlich zuckte der Kopf seines Vaters hoch. Oliver fuhr zusammen und wich zurück. Trocken schluckte er, aber in seiner Kehle saß ein Kloß. Instinktiv drängte er sich in den Schatten zwischen Garderobe und Treppe. Aus phosphoreszierenden Augen starrte Vater in den Flur. Im nächsten Moment verengte er sie zu Schlitzen. Eisiger Schrecken breitete sich in Oliver aus. Hatte das Monster ihn entdeckt? Mit einer geschmeidigen Geste, strich Vater sich durch Bart und Haar. Tränen spülten helle Spuren in den schmierig roten Film auf seiner Wange und verliehen ihm einen maskenhaften Ausdruck. In der Rechten hielt Vater das lange Jagdmesser. Rauch kroch an seinem Arm herab und umwaberte die Klinge. Er schmetterte die Glastür gegen die Wand, tausend Splitter fegten über die Fliesen.
„Vater …“ Oliver wich zur Treppe zurück.
Einen grotesken Moment entspannte sich die maskenhafte Mimik seines Vaters, die entstellten Züge erschla?ten. Es hatte den Anschein, als würde er den Gri? um die Wa?e lockern. Regte sich doch ein Hauch Menschlichkeit in ihm?
„Olli!“, hallte es wieder von oben.
Elli, schweig!, schrie er in Gedanken.
Das Gesicht seines Vaters verzerrte sich erneut. In seinem Blick glomm Erkennen, als hätte er begri?en, was der eigentliche Grund seiner verzehrenden Wut war: Elli!
„Lauf, Elli!“, rief Oliver.
Splitter knirschten unter den Sohlen seines Vaters. Er spürte seine Nerven bis in die Fingerspitzen elektrisieren. Entsetzt fuhr er herum. Abermals explodierte betäubender Schmerz in seinem Knie. Er humpelte, so schnell er konnte, die Stufen hinauf. Die Holzkonstruktion bebte unter ihm.
„Micha, Chris, bringt Elli und Marc raus!“
Geländer und Treppe zitterten.
Vater!
Oliver nahm sich nicht die Zeit, zurückzusehen. »Raus hier!«
Er hörte Ellis hysterisches Weinen. Von den Zwillingen vernahm er keinen Laut. Tränen der Verzweiflung rannen über sein Gesicht. Sein Vater holte ihn unweigerlich ein, und seine Geschwister verließen sich blind auf ihn. Mit beiden Händen zog er sich am Geländer hoch. Die Luft brannte in seinem ausgetrockneten Hals, sengte durch seine Lungen. In einer Seite erwachte stechender Schmerz. Hinter sich hörte er keuchende Atemzüge. Gleich hatte Vater ihn eingeholt.
Oliver versuchte zu rennen, aber sein Bein protestierte. Er presste die Zähne aufeinander und versuchte, es zu ignorieren, da sein Vorsprung schmolz. Das Monster war direkt hinter ihm.
Etwas Kaltes fuhr ihm über Schulter und Rücken. Er hetzte über die letzte Stufe, glitt aus und fiel.
„Scheiße.“
Er rollte zur Seite. Sein Vater war über ihm. Der Dolch kratzte unkontrolliert über das Holz und zog eine tiefe Furche in den Lack. Ohne nachzudenken, riss Oliver seinen Ellbogen hoch, und das Messer polterte ein paar Stufen hinab. Ein brutaler Hieb traf ihn unter dem Auge, sein Kopf schlug hart auf den Boden. Im letzten Augenblick konnte er sich dem Gri? seines Vaters entwinden, rutschte dadurch aber über den Treppenabsatz, dessen Kante sich in seine Wirbel bohrte. Eine Faust traf ihn gegen die Brust und trieb ihm alle Luft aus den Lungen. Lichtblitze zuckten hinter seinen Lidern. Er erwartete die nächsten Schläge, die ihm sämtliche Knochen brechen würden. Doch sie blieben aus.
Die Treppe bebte erneut.
Oliver stemmte sich hoch. Ein paar Stufen unter ihm lauerte sein Vater, sprungbereit, das Messer wieder in der Hand. Ein unmenschliches Grollen drang aus seiner Kehle.
Oliver wollte zurückweichen, aber sein Körper versagte. Das Monster würde von unten zustoßen und ihn vom Bauch bis zur Kehle aufschlitzen. Vater duckte sich bereits wie ein Panther vor dem todbringenden Sprung.
Weg!
Nein, er musste sich wehren, ihn die Stufen hinabstoßen.
Jetzt oder nie.
Oliver klammerte sich an das Geländer und zog die Beine an. In diesem Moment stürzte sich sein Vater auf ihn. Er trat mit aller Kraft zu. Sein Vater stolperte rückwärts, kämpfte um sein Gleichgewicht und stürzte die Treppe hinunter.
Oliver rutschte in den Gang zurück, stemmte sich auf die Füße und lehnte sich zitternd an die Wand. Außer Gefahr waren seine Geschwister und er noch lange nicht. Die Konstitution seines Vaters überstieg seine bei Weitem. Was würde passieren, wenn dieser Irre hier oben ankam? Er wollte sich davon keine Vorstellung machen.
Unter den wuchtigen Tritten seines Vaters bebte die Holz-Stahl-Konstruktion.
Oliver blickte nach unten und fuhr zusammen.
Sein Vater stürmte herauf, die Klinge stoßbereit. In seinen Augen lag nicht das geringste Erkennen.
Olivers Herz zog sich zusammen. Leben oder sterben? Die Antwort stand außer Frage. Er würde nicht kampflos aufgeben.
In direktem Stoß zuckte die Klinge in seine Richtung.
So nicht!
Bei der heftigen Attacke bot ihm sein Vater eine o?ene Angri?sfläche. Oliver stützte sich am Geländer ab, nahm Schwung und rammte ihm erneut beide Füße vor die Brust. Betäubender Schmerz schoss durch Beine und Rücken. Wieder polterte es, als der Irre die Stufen hinabtaumelte. Oliver wurde schwarz vor Augen. Hinter seinen Lidern flimmerte grauer Nebel, der sich kaum wegblinzeln ließ.
Dafür hatte er keine Zeit.
Gott, wenn es dich gibt, hilf uns, bat Oliver stumm.
Angestrengt kniff er die Lider zusammen und zwang seine Erschöpfung zurück. Ihm blieb keine Zeit sich vollständig zu fangen. Als er die Augen öffnete, gewann die Wirklichkeit wieder Konturen. Das Messer hatte eine dunkle Spur kleiner Spritzer auf den Stufen hinterlassen und lag auf weiter unten. Eine Bewegung lenkte Olivers Aufmerksamkeit um. In den Schatten wogten Nebel auf, als sein Vater schwerfällig auf die Füße kam. In seinen Augen funkelte pure Mordlust. Wie Jack Nicholson …
Oliver schluckte trocken und wich einen Schritt zurück, sodass er gegen die Wand stieß.
Der Abstand zu seinem Vater hatte sich erheblich vergrößert, außer Gefahr waren sie dennoch nicht. Er vergeudete wertvolle Zeit!
Hektisch wirbelte Oliver herum und wich in den Flur. Die Kinderzimmertür flog auf und einer der Zwillinge sprang ihm in den Weg.
„Olli?“
Entsetzt zuckte er zurück, bevor er seinen Bruder umrannte. Michael prallte vor ihm zurück und blieb vor Marc und Ellis Tür stehen. Er weinte stumm. In seinen Fingern hielt er einen Schirm, den er als improvisierte Wa?e schwang. Panische Angst flackerte in seinen hellen Augen. Trotzdem sah er Oliver entschlossen entgegen. Unsanft schubste Oliver ihn in sein Zimmer zurück. Gegen das Licht der Straßenbeleuchtung erkannte er die Silhouette Christians, der sich mit einem kleinen Holzhammer bewa?net hatte. Instinktiv sprang er Michael und Oliver an und schlug zu. Es tat nicht weh, trotzdem zuckte Oliver. Aus der Abwehrbewegung stieß Oliver seinem Bruder die Hand vor die Brust. Christian prallte zurück.
„Raus hier!“, brüllte Oliver mit überschnappender Stimme.
Mit Tränen in den Augen und schmerzverzerrtem Gesicht wimmerte Christian. „Olli, was ist los?“
Auf der Treppe hörte er bereits seinen Vater. Unwirsch wies Oliver mit dem Kopf auf das Fenster.
„Klettert auf die Garage! Ich hole Marc und Elli.“
Christians Augen weiteten sich. „Aber …“
Hinter ihnen polterte es im Treppenhaus. Panik rann glühend durch Olivers Adern.
„Flieh mit Micha! Ruft die Polizei!“
Ohne auf eine Antwort zu warten, zog er die Tür des Zimmers hinter sich zu und stürzte in den Nebenraum. Elli kam ihm weinend entgegengelaufen. Sie klammerte sich an ihn. Unsanft befreite er sich und warf hinter sich die Tür ins Schloss. Aus dem Zimmer der Zwillinge hörte er, wie das Fenster geö?net wurde. Schritte im Kies auf der Garage folgten. Einen Augenblick später gellte ein Schmerzensschrei aus dem Garten. Michael begann zu weinen, Christian rief ihm zu und sprang selbst. Als sich die Stimmen der beiden entfernten, atmete Oliver auf. Nun musste er nur noch Marc und Elli nach draußen bringen. Doch bevor er den Gedanken in die Tat umsetzen konnte, prallte sein Vater bereits wieder gegen die Tür. Das Schloss hielt dem ersten Ansturm stand. Ein weiteres Mal würde seinem Vater dieser Fehler aber nicht unterlaufen.
Oliver stemmte sich gegen das Türblatt, und tastete nach dem Schlüssel. Er fehlte. Verdammt …
Hitze und Kälte rannen durch seine Adern. Sein Vater drückte die Klinke hinunter. Wenn er sich dagegenstemmte, waren sie geliefert. So viel Kraft hatte Oliver nicht.
„Nimm Marc und versteck dich!“, hauchte er.
Elli schüttelte vehement den Kopf. Sie krallte sich in seine Hose und rieb ihr fiebriges, feuchtes Gesicht an seinem Bein. Tränen rannen über ihre Wangen. Mit beiden Händen umklammerte sie seinen Oberschenkel.
„Elli, weg!“ Oliver versuchte, sich von ihr zu befreien. Ihm blieb nicht die Zeit, etwas zu unternehmen. Sein Vater warf sich erneut gegen die Tür. Holz splitterte.
Ich bin tot, wir alle sind tot!, schoss es Oliver durch den Kopf.
Die Wucht katapultierte ihn durch den halben Raum. Er riss seine kleine Schwester von den Füßen und begrub sie unter sich. Elli schrie vor Schmerzen und Angst auf. Erschrocken rollte er sich herum und drückte sie von sich aus der Reichweite seines Vaters.
Der Anblick des blutigen Riesen raubte ihm allen Mut. Wie gelähmt starrte er seinen Vater an.
„Nicht! Marc und Elli sind Kinder, du darfst sie nicht töten!“
Doch sein Vater war mit einem Sprung bei ihm. Hart gri? er in Olivers lange Locken und verkrallte sich darin.
„Nicht …“
Stechender Schmerz zuckte durch Olivers Kopfhaut in seinen Nacken. Brutal riss sein Vater ihn herum und stieß ihn gegen Marcs Bettchen.
Nichts geschah. Kein Geschrei von Marc.
Oliver verlor den Gedanken, als er zu Boden fiel. Ihm wurde schwindelig und schlecht. Ein Faustschlag traf ihn zwischen den Schulterblättern. Er hörte seine Knochen brechen, während alle Luft aus seinen Lungen getrieben wurde.
Durch die wirbelnden Nebel seiner Erschöpfung nahm er nur noch wenig wahr. Alle Empfindungen sanken zu einem betäubenden Nichts herab. Elli zerrte an ihm. Das Gefühl versickerte. Heiser weinte sie, schniefte, verstummte …
Warum schrie Marc nicht? Der Gedanke hinterließ eine glühende Spur, die ihn elektrisierte. Trotzdem reichte der Schrecken nicht, dass er sich hochstemmen konnte.
Kleine, heiße Kinderhände suchten nach Halt. Oliver zog Elli eng an sich und krümmte sich zusammen. Sie wagte nicht mehr, irgendeinen Laut zu verursachen. Das bebende heiße Bündel Mensch in seinen Armen war voller Leben und Angst.
Noch.
In der Sekunde drang die Klinge in sein gebrochenes Schulterblatt. Der Schock benebelte seinen Schmerz, nur, um einen Herzschlag später doppelt so stark zu explodieren. Oliver schrie. Es klang fremd in seinen Ohren. Ellis dünnes Weinen setzte ein, mischte sich in seine Stimme. Keuchend vergrub er das Gesicht in ihrem Haar, vor seinen Augen tanzten Blitze, etwas rauschte. War das sein eigenes Blut in den Ohren? Das Geräusch war so laut, dass es Elli übertönte und ihn in einen grauen Strudel aus Erinnerungslosigkeit zu reißen drohte.
Elli, kleine Elli …
Sein Vater zerrte ihn an den Haaren hoch. Der Schrei seiner Schwester drang tief in sein Herz. Oliver klammerte sich an sie.
Wieder erinnerte er sich an Marc. Sein jüngster Bruder lag vollkommen ungeschützt in seinem Bett. Er wäre ein leichtes Opfer.
Blindlings tastete Oliver tastete nach ihm. Seine Finger umklammerten das Holzgitter und berührten Marcs winzige Füße. Der Kleine war ihm so nah, zugleich aber unendlich weit entfernt. Er erschrak über die Bewegungslosigkeit seines Bruders. Warum schrie Marc nicht? Warum strampelte er nicht?
Tot …
Oliver konnte den Gedanken nicht festhalten. Instinkte verdrängten den Verstand.
Fort.
In einem letzten Aufbäumen warf er sich nach vorne. Er spürte, wie ihm sein Vater dadurch die Haare büschelweise ausriss. Dumpf und fern fühlte sich der Schmerz an – fremd. Er fiel hart zu Boden, wobei er den weichen Körper Ellis unter sich begrub. Seine Schwester keuchte atemlos und weinte nun ungehemmt. Er hörte schwach ihren rasselnden Atem.
Mit ihren kleinen Ärmchen kämpfte sie gegen sein erdrückendes Gewicht an. Mühsam zog er die Beine an den Leib. Es kostete ihn unendlich viel Kraft, aber sie bekam dadurch etwas mehr Freiraum.
Das Messer traf ihn wieder, aber nicht tief. Sein Vater zog es aus seinem Körper. Eine Woge betäubender Erleichterung raste durch seinen Verstand, nur um erneut in Agonie zu explodieren, als die Klinge wieder in ihn eindrang, wieder und immer wieder.
Oliver glaubte, die Schmerzwellen zu fühlen, die durch seine Nerven bis in seine Fingerspitzen schossen. Seine Welt versank in blutigen Schleiern und panischer Angst, während er Elli unter sich barg. All seine Empfindungen stumpften ab. Der letzte Gedanke galt seinem Vater: Warum?

Gefallen? Mehr gibt es im Winter 2017 / 2018.

 

Letzter Tag für die Gewinnteilnahme

Am 24.11. endete die Blogtour zu “Glasseelen”, aber um sich für die Gewinnteilnahme zu qualifizieren, habt ihr heute noch den ganzen Tag. Über die Seite von der Netzagentur Bookmark kommt ihr an den Blog-Verteiler. Dort gibt es zu jedem Beitrag eine Frage. Wenn ihr darauf antwortet, habt ihr die Möglichkeit an der Verlosung teilzunehmen.

Bist-du-bereit-für-Glasseelen-

Die teilnehmenden Blogs haben interessante Themen herausgegriffen:

Manjas Buchregal – 20.11. Vorstellung und Rezension zu “Glasseelen”
Was sich hierunter verbirgt, steht wahrscheinlich außer Frage 😉

Claudis Gedankenwelt – 21.11. Wie erkennt man einen Serienkiller?
Dieser Artikel greift nicht nur ein paar besondere Beispiele von Serienkillern auf, sondern beleuchtet auch einen Ausschnitt der besonderer Merkmale, die einen Serienmörder grundlegend auszeichnen.

Sunnys Lesewelt – 22.11. Interview mit Tanja Meurer
Auch dieser Artikel ist selbsterklärend, aber hier konnte ich mal wieder ein wenig Selbstdarsteller spielen, und es hat Spaß gemacht 🙂

Nadines Bücherwelt – 23.11. E.T.A. Hoffmanns “Der Sandmann”
Das Nachtstück “Der Sandmann” lag dem Buch “Glasseelen” in erster Linie zu Grunde, E.T.A. Hoffmann allein, war der Grund, warum ich so und in dieser Form geschrieben habe. Nadine führt hier in die Novelle um den Sandmann ein.

Vampirwaschbärs Wahnsinn – 24.11. Berlin als Buchkulisse
Die Besonderheit an diesem Artikel ist, dass Meike sich die Mühe gemacht hat, tatsächlich alle real existenten Locations abzulaufen und zu fotografieren. Sie hätte sogar die Gänge unter der Charité besuchen können, wenn die das dafür verantwortliche Büro offen gehabt hätte.

Gewinne:
Platz 1: Glasseelen, Seelenlosen und Schweiß und Blut
Platz 2: Glasseelen und Seelenlosen
Platz 3: Glasseelen
Alle Gewinne werden mit Goodies verschickt (u.a. mit selbstgemachtem, steampunkigem Metall Lesezeichen)

Ganz persönlich und privat
Über die Blogtour habe ich die meisten Bloggerinnen kennen lernen dürfen. Manja kannte ich schon vorher – durch Bookshouse – und habe sie immer unheimlich gemocht. In der vergangenen Woche habe ich auch die Möglichkeit gehabt, Claudia (deren Artikel ja zu 100% mein Hobby Kriminalistik / Kriminalhistorik bedient hat), Susann (mit ihrem lieben Interview und ihrer so herzlichen Art) und Meike (die als Berlinerin nicht nur ein sehr gutes Gesamtbild zu dem Roman geschaffen hat, sondern persönlich auch ein genauso großer Filmfan ist wie ich) kennen zu lernen. Durch das Quatschen über Facebook, per Mail und im Chat sind mir diese drei ziemlich an Herz gewachsen.

Darüber hinaus …
gibt es nun das eBook, leider noch in der fehlerhaften Version. Dank meiner ehemaligen Kollegin Nathalie und Meike, habe ich nun ein ziemlich sauberes Manuskript. Ich muss nur noch die Zeit finden, zusammen mit meiner Frau Juliane alles in der ODT-Datei für das eBook geradezubiegen und für ein Update fertigzumachen 😉

Glasseelen – Leserunde

In der letzten Zeit habe ich mich – freundlich ausgedrückt – rar gemacht … sorry. Nun bin ich aber wieder zurück.
Glasseelen, mein Mystery-Triller, der ursprünglich 2013 bei Bookshouse erschienen ist, kam pünktlich zum 01.10.2017 neu, überarbeitet und vor allem im neuen Gewand bei Edition Roter Drache neu heraus.

9783946425311

Wahrscheinlich erinnert ihr euch noch an das alte Cover. Passend zur Überarbeitung passt das neue enfach besser.
Etliche Dinge, die mich in der ursprünglichen Version gestört haben, sind nun nicht mehr im Buch. Besonders um Theresa habe ich einiges abgeändert. Sie ist keine Last mehr, aktiver, einfach realer, sodass es mir richtiggehend leid tat sie … na, ihr wisst schon. Aber Camilla hat auch eine Wandlung hinter sich. Sie hängt definitiv nicht mehr am Rockzipfel ihrer Familie. Andererseits … Auto fahren kann sie auch hier noch nicht 😉
Wer möchte, kann sich gerne an der Leserunde auf LovelyBooks beteiligen. Derzeit gibt es 10 Bücher zu gewinnen (eBooks und Print-Ausgaben).
Und wer mich kennt weiß, dass es bei allen Büchern eine Besonderheit gibt: Sie sind mit Illustrationen versehen.

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Nur mal als kleiner Anreiz 😉
Hier wieder der übliche Klappentext und ein kleiner Ausschnitt, die Leseprobe aus dem ersten Kapitel:

***

Vor Camilla und Theresa stürzt sich ein Mann vom Dach des Pergamonmuseums zu Tode. Seine Augen lösen sich in Staub auf, und aus seiner Hand rollen blutige Augäpfel sowie ein antikes Fernrohr. War es Selbstmord?

Theresa schwört, dass sie kurz zuvor auf dem Dach einen ungeheuren, missgestalteten Mann wahrgenommen hatte, der den vermeintlichen Selbstmörder gestoßen hat. Dabei gibt es eine unheimliche Parallele zwischen dem vermeintlichen Selbstmörder und den Opfern eines Serienkillers, der in Berlin sein Unwesen treibt: herausgeschnittene Augen.

Obwohl sich Camilla und Theresa unter der Betreuung der Polizei in Sicherheit wähnen, nimmt der Serienkiller sie ins Visier, und wenig später verschwindet Theresa spurlos. Ist sie geflohen, weil sie sich von Andreas Grimm, dem ermittelnden Oberkommissar, bedrängt fühlte, oder wurde sie Opfer des Serienmörders? Camilla versucht, ihre Freundin auf eigene Faust zu finden und dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Mit dem Namen „Sandmann“ bekommt sie einen entscheidenden Hinweis, doch der Killer ist nicht leicht zu überlisten. Von Panik getrieben, gerät Camilla in die Unterwelt der Hauptstadt und stößt dort auf rätselhafte Menschen.

Tief unter der Stadt wird währendessen wieder die ausgeweidete, augenlose Leiche einer Frau entdeckt – Theresa.

***

Als sein Schädel auf dem Boden aufschlug und ein Rinnsal hellen Blutes um die Spitze ihres Turnschuhs lief, hörte die Welt für einen Moment auf zu atmen. Camilla starrte auf den Mann, der sich vor ihren Füßen zu Tode gestürzt hatte. Sein aufgedunsenes Gesicht verfärbte sich langsam blauviolett. Äderchen traten an Stirn und Schläfen hervor. Über seine halb offenen Lippen quollen Blut und Speichel, seine gebrochenen Glieder standen grotesk ab. Knochen stachen durch den Stoff von Jeans und T-Shirt.
Camilla hätte nie gedacht, dass jemand so wenig blutete, wenn er von einem Dach sprang. Sie betrachtete den Toten aus einer eigenartig fernen Perspektive. Als läge er nicht zerschmettert zu ihren Füßen, sondern als liefe ein Film vor ihr ab. Vielleicht lag es an der Stille, an diesem Fehlen jedweden Lautes.
Die Hände in den Taschen ihrer Jacke vergraben, die Finger um irgendetwas verkrampft, beobachtete sie, wie sein Blut unter ihre Schuhe rann und den Saum ihrer Cordhose durchtränkte. Erst nach einer Weile trat sie einen Schritt zur Seite. Trotzdem konnte sie den Blick nicht von dem Mann wenden. Seine toten Augen schienen in den wolkenlosen Sommerhimmel zu starren. In der intensive blauen Iris glitzerten Sonnenstrahlen. Etwas rollte aus den Fingern seiner linken Hand. Camilla fuhr zusammen. Eisige Kälte kroch ihre Wirbelsäule herauf und legte sich erstickend um ihr Herz.
Zwei blutige Kugeln, an denen feine, feuchte Nervenstränge hingen, blieben unweit der verdrehten Schulter neben seinem Gesicht liegen. Unter den klebrig roten Schlieren und dem Straßenschmutz stachen hellblaue Iris hervor.
Eine Woge Grauen überflutete Camilla und drohte, ihren Verstand mit sich zu reißen. Sie biss sich auf die Unterlippe und den Piercingring. Der kurze, stechende Schmerz half, die aufkommende Panik zu dämpfen.
Sie schluckte einen Kloß im Hals hinunter, dennoch blieb die Angst. Ihr Magen rebellierte, ihre Knie waren kaum noch in der Lage, sie zu halten.
Kontrolliert atmete sie ein und aus, bis der Boden unter ihren Füßen wieder stillstand. Etwas hatte sich verändert. Der Himmel spiegelte sich nicht mehr in den toten Augen. Sie wurden stumpf und verloren alle Farbe, bis sie wie graubraune Erdklumpen aussahen. Ein Stück bröckelte daraus ab.
Wie paralysiert fixierte Camilla die Steinklumpen in den Höhlen, die zu grauem Sand und Staub zerfielen. Wind kam auf und wehte ihn davon. Von einem Herzschlag auf den anderen erwachte die Welt um sie zu neuem Leben. Menschen schrien und rannten über den Museumsvorplatz. Der Straßenlärm überrollte Camilla mit unsäglicher Gewalt und in einer Geschwindigkeit, als raste die Zeit, um den verlorenen Takt wieder einzuholen.
Erschrocken presste Camilla die Hände gegen die Ohren. Theresa zuckte zusammen und umklammerte ihren Arm. Sie stöhnte lese auf. Camilla merkte, dass sie zu wanken begann. Unsicher taumelte Theresa und zog sie von dem Toten fort.
Sie stolperte zwei, drei Schritte rückwärts. Camilla konnte ihren Blick nicht von den blutigen Abdrücken ihrer Schuhsohlen lösen. Sie folgte den Spuren zurück zu der Leiche.
„Camilla!“, würgte Theresa hervor. Ihre Stimme klang viel zu hoch. Der schiere Anblick des Toten musste sie entsetzen. Zitternd vergrub sie ihr Gesicht an Camillas Hals. Ihr feuchtwarmer Atem fühlte sich unangenehm an. Dennoch umarmte Camilla sie fest und drückte sie an sich. Am Rande bemerkte sie, dass sich Schaulustige um sie sammelten. Einige drängten vor, suchten aber eilig das Weite, als sich entfernt Martinshörner in den Lärm der Umwelt mischten.
Camilla fokussierte den Mann immer wieder. Die zu Staub zerfallenen Augen konnte sie sich nur eingebildet haben. Erneut kroch Kälte in ihren Körper. Was für ein kranker Albtraum war das? Sie zwang sich, das Gesicht nicht länger anzustarren, doch ihre Aufmerksamkeit kehrte immer wieder zurück, registrierte jedes Detail. Seine Rechte hielt ein altes Fernrohr umklammert. Das Licht brach sich auf Okular und Messingelementen. Vergleichbare Objekte kannte sie von Steampunk-Veranstaltungen, aus Museen und Büchern, aber dieser Gegenstand löste eine eigenartige Empfindung von Erkennen aus. Sie kniff die Augen zu Schlitzen zusammen. Es war ein Déjà-vu, verbunden mit dem Wunsch das Fernrohr an sich zu nehmen. Plötzlich fiel es Camilla schwer, nicht die Hand auszustrecken und danach zu greifen. Es war wie ein Zwang, erstickend und stark. Sie musste es haben! Für einen Moment zerriss der Schleier und die Wahrheit blitzte auf. Es war nur ein einziger kurzer Moment, zu schnell vorüber, um ihn zu ergreifen. Was zurückblieb, war nebulöse Leere, die sie nicht zu füllen in der Lage war.
Theresa riss sich von ihrer Seite los und begann zu würgen. Der letzte Rest des unheimlichen Banns brach. Hilflos hielt sie die Schultern ihrer Freundin umfasst, während diese sich übergab. Tränen rannen über Theresas Wangen und zogen feuchte Spuren über ihre bleiche Haut. Ihre außergewöhnlichen, zweifarbigen Augen wirkten entzündet und die schweren Lider verquollen. Sie zitterte am ganzen Leib. Feine Schweißperlen bedeckten ihre Haut und verklebten die kurzen blonden Haare auf ihrer Stirn. An den Lippen hingen noch Tropfen von Erbrochenem.
Keuchend knickte Theresas ein. Camilla konnte gerade noch zugreifen, bevor sie auf dem Boden aufschlug. Sie stützte ihre zierliche Freundin und führte sie zu einer Bank, ließ sie Platz nehmen und suchte in ihrer Jacke nach Taschentüchern. Plötzlich erfasste sie ihre Umwelt wieder vollkommen rational. Ihr war sofort bewusst, was sie zuvor umklammert hatte: Taschentücher und Geldbörse. Rasch zog sie das Päckchen hervor. Der Geruch nach Säure und halb verdautem Frühstück stieg ihr in die Nase. Das Erbrochene war zu viel für ihren Magen. Sie versuchte, so wenig wie möglich zu atmen, als sie Theresa die Magensäuretropfen von den Lippen tupfte. Erneut würgte Theresa. Hoffentlich übergab sie sich kein zweites Mal. Der Geruch allein reichte aus, dass es Camilla übel wurde. Als sie das schmutzige Taschentuch ein Stück von sich auf den Boden warf, fing sie sich wieder. Sie ließ sich vor ihrer Freundin in die Hocke sinken und ergriff ihre Hände. Trotz der morgendlichen Julihitze fühlten sie sich an wie die einer Toten. Aus weit aufgerissenen Augen starrte Theresa durch sie hindurch. Der Anblick der blauen und der braunen Iris wirkte leicht verwirrend. Angst hatte sie dunkel gefärbt. Unwillkürlich fragte sich Camilla, was Theresa gesehen hatte. Das Gleiche wie sie?
Langsam kroch ein Hauch des Grauens in ihr Herz. Sie fror entsetzlich. Ihre Hände flatterten. Aber sie empfand nichts, es waren Theresas Gefühle, die sie in sich aufnahm. Sie fürchtete sich vor dem Augenblick, in dem sie von all den Emotionen überschwemmt würde, die sie bislang erfolgreich verdrängte. Doch im Moment konnte sie nichts weiter tun, als für Theresa da zu sein und alle Stärke aufzubringen, zu der sie in der Lage war. Nur wie lange hielt sie das durch?
Jenseits der Spreegabelung und der Museumsbrücke hielten Krankenwagen und Polizei. Sanitäter mit Bahre und Zinksarg überquerten den Steg und kamen die Stufen herauf, während uniformierte Polizisten Schaulustige zur Seite trieben.
Camillas Gedanken kreisten um den Selbstmörder. Wer war er gewesen und warum war er gesprungen?
Ihr Blick schweifte über den Museumsvorplatz, über das ameisenartige Gewusel von Männern und Frauen in Uniformen und an der glatten Fassade hinauf. Von außen gab es keinen Weg hinauf. Wie war er also in das Gebäude gelangt … und von welcher Stelle war er gesprungen, um punktgenau vor ihren Füßen aufzuschlagen? Über dem Quader, der den Haupteingang bildete, gab es aus ihrer Perspektive keine Möglichkeit, das Dach zu betreten. Rechts und links neben den Seitenflügeln standen auch keine Scherenbühnen oder andere Hebeeinrichtungen. Möglicherweise irrte sie sich und er hatte den Sprung von ganz oben geschafft. Aber dann hätte er auf dem Vordach aufschlagen müssen, was ihm vermutlich schon das Genick gebrochen hätte und er gar nicht hier unten aufgeschlagen wäre. Sie legte den Kopf in den Nacken, um den pylonartigen Zentralflügel besser in Augenschein nehmen zu können. Es wäre vollkommen unmöglich gewesen, von dort in einem so weiten Bogen zu springen. Niemand überbrückte mehr als 10 Meter Tiefe, selbst wenn er geschleudert worden wäre. Theresa lehnte sich vertraut an sie. Ihre kleine Hand blieb auf Camillas Hüfte liegen. Sie brauchte dringend Zuwendung. Sacht streichelte Camilla über ihre Schulter und drückte sie fest an sich.
„Geht es dir besser?“, flüsterte sie. Theresa sah zu ihr und verzog gequält die Lippen. Langsam schüttelte sie den Kopf. In ihren Augen stand noch immer dieser tiefe Schrecken. Besorgt fuhr Camilla durch ihr strubbeliges Haar.
„Kann ich verstehen.“ Camilla fühlte nichts von dem Schrecken. Ihre Neugier war geweckt. War das nicht vollkommen irrsinnig? Warum dachte sie schon wieder über den Toten nach? Sie sah die Leiche an. Der arme Kerl begann ihr leidzutun. Trotzdem wollte sie wissen, wie er gestorben war und warum. Wie war er überhaupt vor der Öffnungszeit ins Museum gekommen? Sie kniff die Augen zu Schlitzen zusammen. Wenn er Mitarbeiter des Museums war, wäre es erklärbar gewesen. Aber er trug weder Uniform noch Arbeitskleidung wie die Leute der Putzkolonne. Möglicherweise hatte er sich noch nicht umgezogen. Von den Fielmann-Mitarbeitern wusste sie, dass sie sich auch erst im Haus umzogen, bevor sie an die Arbeit gingen. Vielleicht war es bei ihm nicht anders. Sie biss sich auf die Lippe, zupfte an den trockenen Hautschüppchen um ihren Piercingring.
„Können wir verschwinden?“, flüsterte Theresa dicht neben ihrem Ohr, sodass ihr Atem auf der Haut kitzelte.
Mit einer Kopfbewegung zu den Einsatzfahrzeugen schüttelte Camilla den Kopf.
„Ich glaube, das können wir knicken.“
Schwer seufzte Theresa. „War mir klar.“ Sie schob ihre Arme um Camillas Taille und kroch halb unter ihre Jacke. Leise fügte sie hinzu: „Das werde ich nie mehr vergessen.“ Ihr Zittern nahm zu. Sanft umschlang Camilla sie und schmiegte ihre Wange in Theresas Haar. „Der Tote?“, fragte sie.
Trocken schluckte Theresa. „Auch, aber besonders dieses …“ Sie zuckte in Camillas Arm die Schultern, als sie keine Worte fand.
„Dieses was?“, hakte Camilla mit in Falten gelegter Stirn nach.
„Ich weiß nicht, wer oder was das war, aber nachdem der Körper aufgeschlagen ist, habe ich hochgeschaut und jemand da stehen sehn.“

***

Ich hoffe, der kleine Ausschnitt hat euch gefallen 🙂

Bücher, Bücher, Bücher, …

Von meiner Seite gibt es sehr gute Nachrichten zu meinen Projekten. Die Romane Glasseelen, Der Rebell und Die Seelenlosen – Die Stadt der Maschinenmagie haben neue Verlage gefunden 🙂 Aber nun der Reihe nach.

Die Seelenlosen sind ab sofort bei DeadSoft untergekommen und werden dort auch weiterveröffentlicht. Ihr könnt die Bücher also sehr schnell wieder über Simon Rhys Beck erhalten. Das bedeutet auch, dass der zweite Band bald zu lesen sein wird.

Klappentext Die Seelenlosen:
Valvermont war einst die Heimat des Kriegsveteranen Gwenael Chabod, der zum Commandanten über die Garnisonen der Stadt berufen wird. Sein Geliebter Orin – ein ehrwürdiger Priester orcischer Abstammung – ist an seiner Seite, als sich vor Gwenaels Augen ein Mann in eine seelenlose Kreatur verwandelt.
KurCoverz darauf wird eine junge Frau getötet. Einziger Augenzeuge ist der Dieb Jaleel. Sein Bericht deckt Grauenvolles auf – und bringt sein eigenes Leben in Gefahr.
Gemeinsam mit neuen Freunden und Verbündeten jagt Gwenael den finsteren Geist, der von Valvermont Besitz ergriffen hat. Nicht ahnend, wie nah ihm die Dunkelheit bereits ist.
Ein Roman aus einer fantastischen Welt, die die ersten vorsichtigen Schritte in Richtung Moderne wagt. Umgeben von dampfbetriebenen Maschinen, mächtigen Magiern und einem undurchsichtigen Stadtoberhaupt muss Gwenael sich fragen, wem er trauen kann, wer seine Freunde sind, wer ihn liebt und welche düsteren Geheimnisse die Villa seiner Familie birgt.

Hier noch ein kleiner Vorgeschmack auf Band 2 (Vorsicht, Spoiler!):
Hinter den Mauern der ausgebrannten Anstalt Jarvaise lauert die Finsternis und unter der Stadt schlägt ihr mechanisches Herz. Jaleel, Gwenael und seine Schwester Desirée begegnen dem Ursprung der Experimente um Stahl und Lebensenergie: Jarvaise Cordellier, einem Leichnam, der von seiner Tochter Gaëlle durch gestohlene Seelenkraft am Leben erhalten wird. Aber der Tod von Jarvaise und seiner Tochter ist nicht das Ende. Gaëlles Netzwerk ist weitreichend. Weiterhin sterben Menschen und Valvermont wird binnen einer Nacht von Fleischpuppen überrannt. Gwenael weiß, dass er mit seinen Gefährten gegen die Zeit arbeitet, denn die Maschinerie unter der Stadt hat sich verselbstständigt und das dunkle Herz beginnt wieder zu schlagen.

Glasseelen kommt im Mai 2017 bei der Edition Roter Drache heraus und wird noch einmal gründlich überarbeitet. Das bedeutet, dass der Roman in neuem Outfit und einigen Änderungen zu euch kommt, freut euch also auf Steampunk in der Gegenwart, Msytery und Krimi – alle in Berlin 😉 Und ich bin schon jetzt auf das neue (vielleicht besser passende) Cover gespannt.

Klappentext Glasseelen:
Für die 19-jährige Camilla und ihre Freundin Theresa endet ein Museumsausflug mit einem Schock. Ein Mann stürzt sich vor ihren Füßen zu Tode.

Glasseelen - Schattengrenzen I

Seine Augen lösen sich in Staub auf, aus seiner Hand rollen blutige Augäpfel. Steht der Suizid in Zusammenhang mit einem wahnsinnigen Mörder, der sein Unwesen in Berlin treibt? Bereits mehrere junge Frauen sind ihm zum Opfer gefallen. Die verstümmelten Leichen verbindet ein grausiges Merkmal: herausgeschnittene Augen. Obwohl sich Camilla und Theresa unter der Betreuung einer Psychotherapeutin und der Polizei in Sicherheit wähnen, nimmt der Serienkiller sie ins Visier. Von Panik getrieben gerät Camilla in die Unterwelt der Hauptstadt und stößt auf rätselhafte Menschen. Können der greise Amadeo oder der attraktive Chris sie vor ihrem fanatischen Verfolger retten? Mit dem Namen „Sandmann“ gibt Chris ihr einen entscheidenden Hinweis, doch der Killer ist nicht leicht zu überlisten. Um seinen Attacken zu entkommen, muss sich Camilla nicht nur ihrem Peiniger stellen. Sie entdeckt eine übersinnliche Fähigkeit, die vielleicht besser im Verborgenen geblieben wäre …

Der Rebell ist zwar noch immer Teil der Reihe und kommt direkt im Anschluss an Glasseelen, aber der Verlag ist ein anderer: HOMO Littera. Das Buch erscheint im Frühjahr / Früh-Sommer 2017. Bei HOMO Littera kommen alle weiteren Romane um Oliver, Daniel und Co. heraus. Zu diesem Buch gibt es auch schon die erste Auswahl zu em neuen Cover. Der Kleine passt einfach perfekt, viel besser als das alte, aussagefreie Cover 🙂

Klappentext Der Rebell:
Der 16-jährige Oliver und seine jüngeren Brüder Christian und Michael überleben die schlimmste Nacht ihres Lebens. Ihr Vater ermordet Mutter und weitere Geschwister. Das Motiv scheint auf der Hand zu liegen: Untreue.
Doch Oliver undDer Rebell seine Brüder wollen nicht daran glauben, insbesondere als auf Christian ein Anschlag verübt wird. Fassungslos über die Tat und die Inaktivität der Polizei, suchen sie auf eigene Faust nach der Wahrheit und stoßen auf einen unheimlichen Gegner. Lediglich der unerfahrene Kommissar Daniel Kuhn steht ihnen bei.

Zur selben Zeit werden mehrere Tote im Haus des einzigen noch lebenden Verwandten entdeckt. Die Leichen liegen bereits seit 70 Jahre dort. Die Fälle scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, aber Olivers Neugier ist unstillbar. Er glaubt nicht an Zufälle und findet die Gemeinsamkeiten in beiden Fällen.
Doch ihre Gegner scheinen nicht unter den Lebenden zu weilen.

Hier bekommt ihr noch einen Eindruck über die Bildauswahl für das neue Cover zu Der Rebell 🙂

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Der zweite Band wird im Übrigen den Titel Hass tragen … und damit ist die Geschichte von Oliver und Daniel noch lange nicht beendet 🙂