Glasseelen – Schattengrenzen I

Neues Cover für das eBook zu “Glasseelen”

Wie sich in den letzten Monaten gezeigt hat, zieht das eBook-Cover zu Glasseelen so gut wie gar nicht. Dementsprechend hat sich die Designerin Manuela Ancutici (Little Kunoichi) des Problems angenommen. Das Ergebnis ist einfach toll geworden 😀 Hier könnt ihr euch die Entwicklung des Covers ansehen, angefangen mit dem Cover von Bookshouse, über das Cover von Edition Roter Drache, bis hin zu Manuelas Cover:

  1. Cover, 2013, Layout von Bookshouse

  2. Cover 2017, Layout von Edition Roter Drache



  3. Cover 2019, Layout Manuela Ancutici

    Glasseelen - Schattengrenzn 1

Dieses neue Bild gefällt mir einfach um längen besser als das x-te Frauengesicht. Der Roman ist düster, spielt unter Berlin und – klar – es geht um einen Frauenmörder, der den Damen die Augen rausschneidet. Aber das ist eben nicht alles. Es geht tief unter Berlin in die sogenannten Unterwelten, spielt in alten Bunkern und Kanälen, basiert auf E.T.A. Hoffmanns Nachtstück “Der Sandmann” und streift auch das Leben Hoffmanns. Allein deshalb war es mir wichtig, nnicht alles auf eine Frau zu reduzieren. Hier ein Ausschnitt aus dem 1. Kapitel:

Als sein Schädel auf dem Boden aufschlug und ein Rinnsal hellen Blutes um die Spitze ihres Turnschuhs lief, hörte die Welt für einen Moment auf zu atmen. Camilla starrte auf den Mann, der sich vor ihren Füßen zu Tode gestürzt hatte. Sein aufgedunsenes Gesicht verfärbte sich langsam blauviolett. Äderchen traten an Stirn und Schläfen hervor. Über seine halb offenen Lippen quollen Blut und Speichel, seine gebrochenen Glieder standen grotesk ab. Knochen stachen durch den Stoff von Jeans und T-Shirt.

Camilla hätte nie gedacht, dass jemand so wenig blutete, wenn er von einem Dach sprang. Sie betrachtete den Toten aus einer eigenartig fernen Perspektive. Als läge er nicht zerschmettert zu ihren Füßen, sondern als liefe ein Film vor ihr ab. Vielleicht lag es an der Stille, an diesem Fehlen jedweden Lautes.

Die Hände in den Taschen ihrer Jacke vergraben, die Finger um irgendetwas verkrampft, beobachtete sie, wie sein Blut unter ihre Schuhe rann und den Saum ihrer Cordhose durchtränkte. Erst nach einer Weile trat sie einen Schritt zur Seite. Trotzdem konnte sie den Blick nicht von dem Mann wenden. Seine toten Augen schienen in den wolkenlosen Sommerhimmel zu starren. In der intensive blauen Iris glitzerten Sonnenstrahlen. Etwas rollte aus den Fingern seiner linken Hand. Camilla fuhr zusammen. Eisige Kälte kroch ihre Wirbelsäule herauf und legte sich erstickend um ihr Herz.

Zwei blutige Kugeln, an denen feine, feuchte Nervenstränge hingen, blieben unweit der verdrehten Schulter neben seinem Gesicht liegen. Unter den klebrig roten Schlieren und dem Straßenschmutz stachen hellblaue Iris hervor.

Eine Woge Grauen überflutete Camilla und drohte, ihren Verstand mit sich zu reißen. Sie biss sich auf die Unterlippe und den Piercingring. Der kurze, stechende Schmerz half, die aufkommende Panik zu dämpfen.

Sie schluckte einen Kloß im Hals hinunter, dennoch blieb die Angst. Ihr Magen rebellierte, ihre Knie waren kaum noch in der Lage, sie zu halten.

Kontrolliert atmete sie ein und aus, bis der Boden unter ihren Füßen wieder stillstand. Etwas hatte sich verändert. Der Himmel spiegelte sich nicht mehr in den toten Augen. Sie wurden stumpf und verloren alle Farbe, bis sie wie graubraune Erdklumpen aussahen. Ein Stück bröckelte daraus ab.

Wie paralysiert fixierte Camilla die Steinklumpen in den Höhlen, die zu grauem Sand und Staub zerfielen. Wind kam auf und wehte ihn davon. Von einem Herzschlag auf den anderen erwachte die Welt um sie zu neuem Leben. Menschen schrien und rannten über den Museumsvorplatz. Der Straßenlärm überrollte Camilla mit unsäglicher Gewalt und in einer Geschwindigkeit, als raste die Zeit, um den verlorenen Takt wieder einzuholen.

Erschrocken presste Camilla die Hände gegen die Ohren. Theresa zuckte zusammen und umklammerte ihren Arm. Sie stöhnte lese auf. Camilla merkte, dass sie zu wanken begann. Unsicher taumelte Theresa und zog sie von dem Toten fort.

Sie stolperte zwei, drei Schritte rückwärts. Camilla konnte ihren Blick nicht von den blutigen Abdrücken ihrer Schuhsohlen lösen. Sie folgte den Spuren zurück zu der Leiche.

„Camilla!“, würgte Theresa hervor. Ihre Stimme klang viel zu hoch. Der schiere Anblick des Toten musste sie entsetzen. Zitternd vergrub sie ihr Gesicht an Camillas Hals. Ihr feuchtwarmer Atem fühlte sich unangenehm an. Dennoch umarmte Camilla sie fest und drückte sie an sich. Am Rande bemerkte sie, dass sich Schaulustige um sie sammelten. Einige drängten vor, suchten aber eilig das Weite, als sich entfernt Martinshörner in den Lärm der Umwelt mischten.

Camilla fokussierte den Mann immer wieder. Die zu Staub zerfallenen Augen konnte sie sich nur eingebildet haben. Erneut kroch Kälte in ihren Körper. Was für ein kranker Albtraum war das? Sie zwang sich, das Gesicht nicht länger anzustarren, doch ihre Aufmerksamkeit kehrte immer wieder zurück, registrierte jedes Detail. Seine Rechte hielt ein altes Fernrohr umklammert. Das Licht brach sich auf Okular und Messingelementen. Vergleichbare Objekte kannte sie von Steampunk-Veranstaltungen, aus Museen und Büchern, aber dieser Gegenstand löste eine eigenartige Empfindung von Erkennen aus. Sie kniff die Augen zu Schlitzen zusammen. Es war ein Déjà-vu, verbunden mit dem Wunsch das Fernrohr an sich zu nehmen. Plötzlich fiel es Camilla schwer, nicht die Hand auszustrecken und danach zu greifen. Es war wie ein Zwang, erstickend und stark. Sie musste es haben! Für einen Moment zerriss der Schleier und die Wahrheit blitzte auf. Es war nur ein einziger kurzer Moment, zu schnell vorüber, um ihn zu ergreifen. Was zurückblieb, war nebulöse Leere, die sie nicht zu füllen in der Lage war.

Theresa riss sich von ihrer Seite los und begann zu würgen. Der letzte Rest des unheimlichen Banns brach. Hilflos hielt sie die Schultern ihrer Freundin umfasst, während diese sich übergab. Tränen rannen über Theresas Wangen und zogen feuchte Spuren über ihre bleiche Haut. Ihre außergewöhnlichen, zweifarbigen Augen wirkten entzündet und die schweren Lider verquollen. Sie zitterte am ganzen Leib. Feine Schweißperlen bedeckten ihre Haut und verklebten die kurzen blonden Haare auf ihrer Stirn. An den Lippen hingen noch Tropfen von Erbrochenem.

Keuchend knickte Theresas ein. Camilla konnte gerade noch zugreifen, bevor sie auf dem Boden aufschlug. Sie stützte ihre zierliche Freundin und führte sie zu einer Bank, ließ sie Platz nehmen und suchte in ihrer Jacke nach Taschentüchern. Plötzlich erfasste sie ihre Umwelt wieder vollkommen rational. Ihr war sofort bewusst, was sie zuvor umklammert hatte: Taschentücher und Geldbörse. Rasch zog sie das Päckchen hervor. Der Geruch nach Säure und halb verdautem Frühstück stieg ihr in die Nase. Das Erbrochene war zu viel für ihren Magen. Sie versuchte, so wenig wie möglich zu atmen, als sie Theresa die Magensäuretropfen von den Lippen tupfte. Erneut würgte Theresa. Hoffentlich übergab sie sich kein zweites Mal. Der Geruch allein reichte aus, dass es Camilla übel wurde. Als sie das schmutzige Taschentuch ein Stück von sich auf den Boden warf, fing sie sich wieder. Sie ließ sich vor ihrer Freundin in die Hocke sinken und ergriff ihre Hände. Trotz der morgendlichen Julihitze fühlten sie sich an wie die einer Toten. Aus weit aufgerissenen Augen starrte Theresa durch sie hindurch. Der Anblick der blauen und der braunen Iris wirkte leicht verwirrend. Angst hatte sie dunkel gefärbt. Unwillkürlich fragte sich Camilla, was Theresa gesehen hatte. Das Gleiche wie sie?

Langsam kroch ein Hauch des Grauens in ihr Herz. Sie fror entsetzlich. Ihre Hände flatterten. Aber sie empfand nichts, es waren Theresas Gefühle, die sie in sich aufnahm. Sie fürchtete sich vor dem Augenblick, in dem sie von all den Emotionen überschwemmt würde, die sie bislang erfolgreich verdrängte. Doch im Moment konnte sie nichts weiter tun, als für Theresa da zu sein und alle Stärke aufzubringen, zu der sie in der Lage war. Nur wie lange hielt sie das durch?

Jenseits der Spreegabelung und der Museumsbrücke hielten Krankenwagen und Polizei. Sanitäter mit Bahre und Zinksarg überquerten den Steg und kamen die Stufen herauf, während uniformierte Polizisten Schaulustige zur Seite trieben.

Camillas Gedanken kreisten um den Selbstmörder. Wer war er gewesen und warum war er gesprungen?

Ihr Blick schweifte über den Museumsvorplatz, über das ameisenartige Gewusel von Männern und Frauen in Uniformen und an der glatten Fassade hinauf. Von außen gab es keinen Weg hinauf. Wie war er also in das Gebäude gelangt … und von welcher Stelle war er gesprungen, um punktgenau vor ihren Füßen aufzuschlagen? Über dem Quader, der den Haupteingang bildete, gab es aus ihrer Perspektive keine Möglichkeit, das Dach zu betreten. Rechts und links neben den Seitenflügeln standen auch keine Scherenbühnen oder andere Hebeeinrichtungen. Möglicherweise irrte sie sich und er hatte den Sprung von ganz oben geschafft. Aber dann hätte er auf dem Vordach aufschlagen müssen, was ihm vermutlich schon das Genick gebrochen hätte und er gar nicht hier unten aufgeschlagen wäre. Sie legte den Kopf in den Nacken, um den pylonartigen Zentralflügel besser in Augenschein nehmen zu können. Es wäre vollkommen unmöglich gewesen, von dort in einem so weiten Bogen zu springen. Niemand überbrückte mehr als 10 Meter Tiefe, selbst wenn er geschleudert worden wäre. Theresa lehnte sich vertraut an sie. Ihre kleine Hand blieb auf Camillas Hüfte liegen. Sie brauchte dringend Zuwendung. Sacht streichelte Camilla über ihre Schulter und drückte sie fest an sich.

„Geht es dir besser?“, flüsterte sie. Theresa sah zu ihr und verzog gequält die Lippen. Langsam schüttelte sie den Kopf. In ihren Augen stand noch immer dieser tiefe Schrecken. Besorgt fuhr Camilla durch ihr strubbeliges Haar.

„Kann ich verstehen.“ Camilla fühlte nichts von dem Schrecken. Ihre Neugier war geweckt. War das nicht vollkommen irrsinnig? Warum dachte sie schon wieder über den Toten nach? Sie sah die Leiche an. Der arme Kerl begann ihr leidzutun. Trotzdem wollte sie wissen, wie er gestorben war und warum. Wie war er überhaupt vor der Öffnungszeit ins Museum gekommen? Sie kniff die Augen zu Schlitzen zusammen. Wenn er Mitarbeiter des Museums war, wäre es erklärbar gewesen. Aber er trug weder Uniform noch Arbeitskleidung wie die Leute der Putzkolonne. Möglicherweise hatte er sich noch nicht umgezogen. Von den Fielmann-Mitarbeitern wusste sie, dass sie sich auch erst im Haus umzogen, bevor sie an die Arbeit gingen. Vielleicht war es bei ihm nicht anders. Sie biss sich auf die Lippe, zupfte an den trockenen Hautschüppchen um ihren Piercingring.

„Können wir verschwinden?“, flüsterte Theresa dicht neben ihrem Ohr, sodass ihr Atem auf der Haut kitzelte.

Mit einer Kopfbewegung zu den Einsatzfahrzeugen schüttelte Camilla den Kopf.

„Ich glaube, das können wir knicken.“

Schwer seufzte Theresa. „War mir klar.“ Sie schob ihre Arme um Camillas Taille und kroch halb unter ihre Jacke. Leise fügte sie hinzu: „Das werde ich nie mehr vergessen.“ Ihr Zittern nahm zu. Sanft umschlang Camilla sie und schmiegte ihre Wange in Theresas Haar. „Der Tote?“, fragte sie.

Trocken schluckte Theresa. „Auch, aber besonders dieses …“ Sie zuckte in Camillas Arm die Schultern, als sie keine Worte fand.

„Dieses was?“, hakte Camilla mit in Falten gelegter Stirn nach.

„Ich weiß nicht, wer oder was das war, aber nachdem der Körper aufgeschlagen ist, habe ich hochgeschaut und jemand da stehen sehn.“

Camilla ließ sie los und ergriff ihre Schultern. „Was?“

Offenbar hatte sie zu laut gesprochen, denn die Leute um sie herum schauten sich zu ihnen um. Theresas Blick glitt an Camilla vorbei zum Eingang. Sie schien immer noch etwas zu sehen, denn ihre Augen weiteten sich. Rasch wandte Camilla sich um und sah hinauf. Nichts … Was sah Theresa? Sie sah oft Dinge, die Camilla allenfalls spürte. Ihr rann ein Schauder über den Rücken. Steckte etwas Übernatürliches dahinter? Aufgeregte Nervosität rann durch ihre Glieder. Die morbiden Gedanken faszinierten sie ebenso sehr, wie sie ihr Angst einjagten. Wenn Theresa etwas gesehen hatte, waren die zu Sand zerfallen Augen des Toten keine Einbildung gewesen.

 

Und noch einmal ein Abschnitt weiter hinten, tief unter der Erde:

Hastig kramte Camilla ihr Handy heraus. Sie konnte um Hilfe telefonieren. Die Empfangsbalken waren ausgeblendet. Trocken schluckte sie. Das war es wohl … Nein, aufgeben kam nicht in Frage! Sie schaltete die Taschenlampe ein und sah sich um, ob es eine provisorische Waffe oder ein Versteck gab.

In hintereinander aufgereihten Regalen lagen Bettlaken, Bezüge und OP-Hemden, aber als Waffe konnte sie nichts davon nutzen. Ihr Mut sank.

Plötzlich schlug etwas unglaublich Schweres mit Schwung von außen gegen die Tür. Camilla fuhr zusammen. Grimm!, dachte sie. Aber die Wucht des Aufpralls hatte etwas von der Schwere eines Kleinwagens … Eiskalt rann es ihr den Rücken hinab. In dem Moment bemerkte sie etwas Metallenes, das verborgen hinter einem Regal lag.

Grimm rüttelte wie ein Irrer an der Klinke.

Camilla federte hinter die Wäscheberge und ging in Deckung. Scheinbar tobte er und behinderte sich selbst, denn er riss immer noch an der Tür, wodurch sie Zeit gewann. Sie betrachtete das, was sie gesehen hatte. Es war der rostige Griff an einer uralten Stahltür, deren Bänder mit gewaltigen Nieten versehen waren. Camilla tastete nach dem Knauf und zog daran. Es gab einen kurzen Ruck, dann klemmte die Tür. Camilla leuchtete hinab. Kratzspuren in den Kacheln bewiesen, dass sie nur mehr Kraft aufwenden musste. Sie schaltete die Taschenlampe ab und schob das Handy in die Hosentasche.

Mit beiden Händen und unter  Einsatz ihres gesamten Gewichtes kratzte der Holm über den Boden, bis der Spalt groß genug war, um hindurch zu schlüpfen.

Klamme Kälte wehte ihr entgegen, der Geruch nach feuchtem, altem Stein, Moder und Fäulnis. Weit entfernt rauschte Wasser. Krallen von Ratten oder Mäusen schabten über den Boden.

Gewaltsam wurde die Tür zur Wäschekammer aufgestoßen.

Camilla wirbelte herum. Aus ihrer Deckung gewahrte sie Grimm im Gegenlicht des Flurs. Er wirkte noch monströser, als sie ihn in Erinnerung hatte. Hinter ihm tauchte ein zweiter, riesenhafter Mann auf, dessen schaufelartige Hände hinabpendelten und dessen Kopf unnatürlich deformiert war. Sie fuhr zusammen. Ihn hatte Theresa auf dem Museum stehen sehen, dessen war sie sicher. Ihr Herz hämmerte so hart, dass sie glaubte, Grimm oder das Ungeheuer könnten es hören. Aus der Kammer drangen Grunzlaute.

Renn! Sie sind dein Tod! Der Mann sprach wieder mit ihr, er war keine Einbildung!

So leise sie konnte schob sie sich an der Wand entlang von der Tür fort. Sie musste nur genug Strecke zwischen sich und diese Monster bringen, um die Taschenlampe wieder einschalten zu können. Nach einer Weile ging sie schneller, bis der Gang abknickte und die Stimmen zurückgefallen waren. Erst jetzt wagte sie nach ihrem Handy zu greifen.

Der Tunnel war grob gemauert und schloss sich dicht über ihrem Kopf in einem Tonnengewölbe. Staubige Spinnweben hingen von der Decke. In den Fugen der Ziegel hatten sich Schimmel und Moos gesammelt. Wassertröpfchen schimmerten in dem weißen Licht ihres Mobiltelefons. Kleine Schatten huschten vor ihr davon. Eine langbeinige Spinne zog sich dicht vor ihrem Gesicht wieder nach oben. Camilla erschrak kaum vor ihr.

Die Stimme in ihrem Kopf hatte sie hierher gelotst. Und nun? Kamen weitere Anweisungen, Hilfestellungen wenigstens?

„Wohin soll ich mich wenden?“, wisperte sie. Natürlich blieb jede Antwort aus.

Das konnte alles nicht wahr sein. Camilla betrachtete die Akku-Anzeige. Ewig würde sie das Licht nicht eingeschaltet lassen können. Diese App fraß Strom. Mit einer Hand strich sie sich die verschwitzten Haarsträhnen aus der Stirn. Dann musste sie selbst einen Weg nach oben suchen. Hoffentlich verlief sie sich nicht …

Sie schob den Gedanken von sich. Es war nicht gut, sich selbst in Panik zu versetzen. Mühsam rief sie sich zur Ordnung.

Während jeden Atemzugs rasselten Camillas Lungen, als wäre darin etwas kaputt gegangen. Staub und Schimmel in der Luft hinterließen einen widerlichen Geschmack auf ihrer Zunge. Sie fühlte sich elend und erschöpft, dennoch wäre es unklug gewesen, länger stehen zu bleiben.

Sie leuchtete in den Gang nach links und rechts. In beiden Richtungen sah er gleich aus.

In dem tiefen Staub auf dem Boden krabbelten Käfer von ihr fort. Sie überlegte, wohin sie sich wenden sollte, um wieder in die Freiheit zu gelangen, konnte es aber nicht sagen. Ihr Gefühl riet, sich links zu halten, um an anderer Stelle in die psychiatrische Klinik oder zumindest auf deren Gelände zurückzukommen. Wenn diese Tunnel nicht uralte Fluchttunnel waren, gehörten sie sicher zu Versorgungsschächten der älteren Häuser auf dem Gelände der Charité.

Sie schaltete die App aus und schob sich vorsichtig nah an der Wand entlang. Auch wenn sie sich ekelte, in Schimmel zu greifen oder eine Spinne auf der Hand sitzen zu haben, war es sicher. An der nächsten Abzweigung könnte sie das Display einschalten, vielleicht half das schon. Zumindest fraß es nicht so viel Akku.

Nach einer Zeit gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit. Von irgendwoher gelangte manchmal ein schwacher Lichtschimmer in die Gewölbe. Sie vermutete, dass es durch Kanaldeckel drang. Auch wenn sie nichts klar erkennen konnte, bemerkte sie doch andere Tunnel oder Schächte.

Ihre Atmung hatte sich wieder beruhigt. Zum ersten Mal merkte sie, wie schlecht ihr Körper trainiert war. Tägliches Radfahren und Joggen waren definitiv nicht ausreichend, wenn man um sein Leben rennen musste.

Sie versuchte, sich von den Ereignissen abzulenken, was ihr nicht gelang. Die sich in Sand zersetzenden Augen verfolgten sie immer wieder. Das in Kombination mit dem Artikelausschnitt und der Erzählung Theresas ergaben Fragmente eines Gesamtbildes, dass sie noch nicht wirklich erkennen konnte. Zumindest war Camilla sicher, sich die unheimlichen Ereignisse nicht eingebildet zu haben. Automatisch dachte sie an Grimm, der Theresa und sie bedrängt hatte. Vielleicht war er mit diesem Monster – wo immer der Zusammenhang zwischen den beiden Männern lag – immer noch hinter ihr her. Langsam manifestierte sich die Idee, dass er andere Möglichkeiten haben könnte, um sie zu beobachten. In ihrer Fantasie öffneten sich steinerne Lider in den Wänden, sobald sie eine Stelle passiert hatte, und Blicke folgten ihr. Sofort fühlte sie sich beobachtet. Sie kramte das Handy heraus und schaltete es ein, aber es war nichts zu sehen. Erleichtert schaltete sie es ab und atmete auf.

Leider hatte sich ihre Fantasie an der Vorstellung festgefressen. Wieder spürte sie Augen, die sie von hinten beobachteten. Die keimende Panik ließ sich kaum mehr versiegeln. Immer wieder hörte sie das Kratzen von Krallen im Staub vor und hinter sich, was weitaus lauter klang als Rattenfüßchen.

Plötzlich sah sie schemenhaft ein unförmiges Wesen mit breiten Schultern und pendelnden Armen. Das Ding hatte einen lächerlich kleinen, schmalen Schädel, seine schartigen Nägel kratzten über Stein. Grimms Begleiter. Sie schrie auf und machte ein paar Schritte zurück, fuhr herum und rannte ohne zu wissen wohin. Die Tunnel verzweigten sich. Camilla stolperte, prallte gegen Wände und strauchelte. Hinter ihr folgten dumpfe Schritte, die sich immer weiter verloren. Trotzdem hielt sie erst an, als die Schmerzen in ihren Lungen überhandnahmen. Schwindelig und atemlos taumelte sie gegen eine Wand und sank auf den schmutzigen Boden. Untere ihren Fingern spürte sie körnigen Dreck. Schwer stützte sie sich ab und ließ den Kopf nach vorne fallen. Ihr Herz schlug schwer und hart in der Brust, bis sie glaubte, an ihrer Angst zu ersticken.

Wenn sie je hier hinauskommen sollte, würde sie Berlin verlassen und nie wieder zurückkehren!

In Frankfurt waren keine Monster hinter ihr her. Das Unheimlichste, was ihr dort passieren konnte, waren aufdringliche Kerle, die sie nachts belästigten.

Mühsam rang sie nach Luft und schloss die Augen.

Selbst wenn sie lebend aus den Katakomben kam, konnte sie nicht weg. Nicht ohne Theresa. Was, wenn sie vor Stunden bereits Grimm in die Finger geraten war? So unheimlich er wirkte, er war auch Polizist, jemand, dem man vertrauen sollte.

Ihre Kehle zog sich schmerzhaft zusammen. Vielleicht hatte er Theresa erwischt. Erneut erschuf ihre Fantasie Visionen einer zerfleischten Leiche. Der Brustkasten war geöffnet und die Rippen nach außen gebrochen. Wo das Herz sein sollte, befand sich zerfetztes Gewebe in einem schmierigen Blutbrei. Dieser verdammte Artikel! Warum vermischte sich in ihrer Vorstellung das, was sie gelesen hatte mit dem, was ihr passiert war?

Um die Gedanken abzuschütteln, zwang sich Camilla auf die Füße und lief weiter, aber die Vorstellung ließ sie nicht mehr los. Sie trat in etwas Weiches, das sie mit dem Schuh zerdrückte. Fäulnisgeruch stieg auf und hüllte sie ein. Sie spürte, wie ihr Verstand in einer neuen Woge aus Panik erstickt wurde, und rannte los.

Eine gefühlte Ewigkeit später ließ sie sich erschöpft und verzweifelt gegen eine Wand sacken. Tränen liefen über ihre Wangen. Ihre Lungen schmerzten, als hätte sie Säure geatmet. Ihr Hals fühlte sich trocken an, schlucken konnte sie nicht mehr richtig. Sie spürte jede Schürfwunde und jeden blauen Fleck an ihrem Körper. Schwach erinnerte sie sich, während ihrer blinden Flucht unzählige Male gestürzt zu sein. Bei irgendeiner Gelegenheit hatte sie sich den Fuß verdreht und konnte nun nur noch leicht auftreten.

Sie hatte sich vollkommen verlaufen. Camilla wusste, dass sie etliche Male abgebogen, Treppen hinuntergestürzt und auf Stegen oberhalb der Abwasserkanäle entlanggelaufen war. Den Weg zurück würde sie niemals finden. Vermutlich war sie Kilometer von der Klinik entfernt – oder, was schlimmer war – im Kreis gelaufen.

Nach einigen Minuten, die sie brauchte, um sich etwas zu fangen, richtete sie sich auf. Erneut schaltete sie das Mobiltelefon ein. Auf dem Display las sie die Uhrzeit ab. Es war bereits halb zehn Uhr morgens. Darüber nachzudenken, wie viele Stunden sie sinnlos herumgeirrt war, war entmutigend. Wenn sie nur bei Weißhaupt gewartet hätte, nicht weggelaufen und bei Frau Wallraf geblieben wäre, hätte sie so viel mehr ausrichten können. Ihre immer wieder aufkeimende Panik begann sich in brennende Wut zu wandeln. In ihrem Magen sammelte sich Hitze und begann hoch zu kochen. Camilla trat gegen die Wand, so dass Dreck herab rieselte. Warum hatte sie sich so von ihren Gefühlen treiben lassen? Die Konsequenz aus ihrer Hysterie konnte sie sich bildlich vorstellen: Weißhaupt suchte nun nicht mehr ein Mädchen, sondern zwei. Sicher hatte der Kommissar seinen Morgen anders verplant. Camilla wollte sich gar nicht vorstellen, welch massiver Polizeiaufwand hierbei betrieben wurde und passierte, wenn ihre Eltern davon erfuhren. Selbst ihr gutmütiger Vater brachte dafür sicher keinen Humor auf. Eigentlich gab es für Camilla nur noch eine Bedrohung – sich vollkommen verirrt zu haben. Sobald sie an der Oberfläche war, musste sie mit dem Kommissar telefonieren und sich mit ihm offen und ehrlich unterhalten. Wahrscheinlich lachte er sie aus, aber wenn ihm wenigstens Teile ihrer Aussage halfen Theresa zu finden, war das schon mehr, als sie hier unten erreicht hatte. Camilla straffte sich und schaltete erneut die Taschenlampe ein. Boden und Wände bestanden aus nacktem Beton, anders als zuvor. Sie erinnerte sich an gemauerte Tunnel. Also war sie nicht im Kreis gelaufen, sondern an einen anderen Ort gelangt. Nervöse Neugier erwachte. Sie leuchtete nach unten. Ein dünnes Rinnsal floss dicht neben ihr entlang. In einiger Entfernung tropfte Wasser herab, das Geräusch hallte mehrfach gebrochen nach. In der Luft tanzte Staub. Irgendwo vor ihr schien sich der Gang zu öffnen. Sie humpelte etwas schneller und schaltete das Licht aus, bis sich ihr leises Keuchen in weitem Raum verlor. Kurz leuchtete sie in die Halle. Hier war alles viel größer und höher. Der Akku gab einen Warnton von sich. Warum ausgerechnet jetzt? Camilla stöhnte leise, beendete aber die App.

Vor irgendwoher wehte kühle Luft den süßlich fauligen Gestank eines toten Tieres heran. Camilla erschauerte. Dieser Ort atmete vollkommene Leblosigkeit aus.

Vorsichtig humpelte sie weiter. Der Wiederhall ihrer Schritte begannen ihr Angst zu machen. In dieser Weite konnte sich alles Mögliche verbergen. Wenn es nicht Grimm und sein unheimlicher Begleiter waren, so vielleicht der Sandmann …

Schaudernd schüttelte sie den Gedanken ab.

Immer wieder hörte sie leises Rascheln von feinen Klauen auf dem Beton: die allgegenwärtigen Mäuse und Ratten.

Die Echos veränderten sich, sie klangen dumpfer und hohler.

Camilla blieb stehen und leuchtete um sich. Im gleichen Moment zuckte sie zusammen und stolperte einen Schritt zurück. Vor ihr gähnte ein quadratisches Loch im Boden. Gegenüber erkannte sie Stufen, die hinab führten. Wer immer diesen Tunnel gebaut hatte, musste die Arbeiten eingestellt haben. Alles wirkte unfertig.

Camilla umging das Loch und sah sich um, solang der Akku noch mitspielte. Säulen stützten die Betondecke und der Gang öffnete sich in eine Halle. Anhand der Gräben folgerte sie, dass das wohl irgendwann eine U-Bahn-Station werden sollte. Als sie näher an die Kante trat, sah sie allerdings keine Schienenstränge.

Das Gefühl von Einsamkeit und Leere wuchs.

Hier musste es doch einen Aufgang geben. Camilla drängte ihre Furcht zurück und ging langsam den Bahnsteig entlang. Sie spähte hinter alle Säulen und in jeden Alkoven.

Der Akku leerte sich bedenklich. Sie wollte nicht daran denken, dass sie bald völlig blind weitergehen musste, wenn kein Wunder geschah.

Plötzlich kroch ihr der Geruch nach Blut in die Nase. Ihr Atem stockte. Beinah glaubte sie, sich übergeben zu müssen. So schnell sie mit ihrem verletzten Fuß konnte, schritt sie aus, einem kühlen Luftzug entgegen. Vielleicht war sie gleich in Freiheit.

In einiger Entfernung gewahrte sie einen Lichtschimmer und einen Durchgang, aus dem Papierfetzen in die Halle getrieben wurden. Ein Pappbecher rollte hin und her. Endlich hatte sie einen Ausgang erreicht! Sonnenschein malte bewegte Muster auf den zugemüllten Boden. Camilla rannte los. Ihr Fußgelenk schmerzte höllisch, aber sie ignorierte es.

Als sie in den Schacht stolperte und nach oben sah, schlug Enttäuschung wie eine Woge über ihr zusammen. Die Sonne stand hoch am Himmel. Camilla hörte Motorengeräusche. Ein paar Vögel kreisten über der Öffnung, aber all das schien mindestens 10 Meter entfernt und den nackten Beton konnte sie nicht erklimmen. Sie knirschte mit den Zähnen und sackte mit dem Rücken gegen die Schachtwand. Zeitungspapier raschelte, wehte auf und enthüllte dicht neben ihr einen nackten Fuß. Camilla fuhr zusammen und rang nach Atem. Der Blutgeruch … War jemand abgestürzt?

Sie zitterte, als sie in die Hocke ging. Ihr Fuß schmerzte unter der Belastung. Mit einer Hand stützte sie sich ab, während sie in der anderen ihr Handy umklammerte. Wiederwillig kroch sie näher. Über dem Körper lag grauer, mit Farbflecken und Mörtel verschmutzter Bauvlies. Zufall?, dachte sie. Sicher nicht. Auf Camillas Armen bildete sich Gänsehaut. Eigentlich wollte sie nicht sehen, was unter der Decke lag. Sie presste die Lippen aufeinander. Mit einem Ruck zog sie daran. Den grauenhaft entstellten, nackten Körper erkannte sie augenblicklich: Theresa! Camilla krallte die Nägel in das Vlies.

Jemand hatte ihren Brustkorb aufgerissen. Rund um die furchtbare Wunde war die bleiche Haut von Dreck, Schürfwunden und trocknendem Blut verkrustet. Einer ihrer schlanken Arme stach in seltsamem Winkel vom Körper ab, während der andere das Gesicht wie zum Schutz bedeckte. Camilla würgte.

Um ihre Brust zogen sich Stahlringe zusammen. Der Mensch, den sie am meisten auf der Welt liebte, den sie retten und beschützen wollte, war tot. Camillas Atem beschleunigte sich. Tränen schossen in ihre Augen, begleitet von scharfen Stichen in den Nebenhöhlen. Ihre Kehle fühlte sich an wie zugeschnürt. Der Boden schien unter ihr aufzureißen. Kalte Hoffnungslosigkeit mischte sich mit glühendem Schmerz. Die Leere, die in ihr lauerte, begann einen dunklen Sog zu entwickeln.

Warum verdammt, waren sie nur hierhergekommen? Theresas Tod war ihre Schuld!

Camilla presste zwei Finger gegen die Nasenwurzel. Es war keinem geholfen, wenn sie den Gedanken zuließ und sich darin verlor. Aus Verzweiflung gab es keinen Ausweg. Theresa war umgebracht worden. Camilla stemmte sich hoch. Vielleicht konnte sie von hier die Polizei rufen. Der Akku gab Signale, dass er fast leer war und das Display zeigte an, dass sie immer noch keinen Empfang hatte.

In Camilla schlug der Schmerz zu hilfloser Wut um. Heftig trat sie gegen die Wand.

„Hey!“, brüllte sie hinauf. „Hört mich jemand?!“ Ihre Stimme überschlug sich und brach. Die Trockenheit in ihrem Mund machte es ihr schwer. Dennoch legte sie den Kopf in den Nacken. „Ich brauche Hilfe!“ Die Worte klangen laut, fremd, rau, brachen im Schacht und verwehten unter dem Verkehrslärm zur Unkenntlichkeit. „Hey!“ In ihrer Kehle brannte es. Der Schrei zerbrach in heiseres Krächzen. „Hört mich denn keiner? HILFE!“

Jede Antwort blieb aus. Der Verkehr verlangsamte sich nicht, blieb nicht stehen. Wie konnte angesichts eines Todes nicht die ganze Welt verharren, lauschen und reagieren?

Camilla wartete, starrte, bis ihr Nacken weh tat und die Tränen ihre Sicht endgültig verschleierten. Sie sank auf die Knie, strich über Theresas Arm und ihr blutverkrustetes Haar. Sie weinte, bis sie kein bisschen Feuchtigkeit mehr aus ihren Augen rann und ihre aufgerissenen Wunden betäubt erschienen. Träge blinzelte sie und schob Theresas Arm von ihrem Gesicht.

Der Anblick war kaum weniger entsetzlich als der aufgerissene Brustkorb. Schreiend sprang sie auf. Beim Zurücktaumeln verfolgten die leeren Augenhöhlen sie und das zerschnittene Gesicht, in dem kurze, blonde Strähnen klebten.

Schattengrenzen 1 – Glasseelen und Nachtschatten 1 – Unantastbar für 0,99 €

Glasseelen 0.99 Euro

Die Fremde hielt die Lider gesenkt wie eine Schlafwandlerin, wandte sich um und ging wortlos den Flur entlang zum Treppenhaus. Genauso still folgte Camilla ihr auf nackten Füßen. Sie begegneten keiner Schwester, keinem Arzt oder Pfleger. Aus den Zimmern drang kein Laut.
Ihre stille Führerin stieg die Stufen hinunter. Camilla wagte nicht, auch nur ein Wort zu sagen, um das feine Band zu der Fremden nicht zu zerstören. Weshalb folgte sie ihr? Sie verstand nicht, warum. Erst recht schaffte sie es nicht, das Gefühl des Vertrauens einzuordnen, als wäre die Fremde ihr seit Jahren mit all ihren Geheimnissen wohlbekannt.
Der Gedanke irritierte sie. Camilla blieb stehen. Obwohl die Sicherheit, in der sie sich wähnte, unerschütterlich war, erkannte sie, dass etwas nicht stimmte.
In welchem Stockwerk lagen Theresa und sie? War das nicht die erste Etage gewesen?
Sie sah hinauf. Ihrem Gefühl nach stieg sie bereits seit drei oder vier Geschossen nach unten. Konnte es hier so viele Untergeschosse geben? Was wollte sie überhaupt hier?
Erst jetzt bemerkte sie die Veränderung. Die Wände bestanden nicht mehr aus dem typisch weißen Sichtputz, sondern aus gekalktem Mauerwerk. An manchen Stellen lagen die Ziegel frei, schwarzer Schimmel und Salpeter blühten. Feuchtigkeit hing in der Luft und brachte Modergeruch mit sich.
Camilla fröstelte. Das konnte nicht real sein.
©Glasseelen, Edition Roter Drache 2017

Ihr wisst ja, dass Glasseelen noch einmal (und vollständig überarbeitet) im neuen Gewandt bei Edition Roter Drache erschienen ist. Da Holger mir die Möglichkeit gelassen hat, das eBook selbst zu veröffentlichen, ohne dass es über den Verlag läuft, habe ich das auch getan.
Anlässlich zur LBM 2018 senke ich den eBook-Preis von Glasseelen auf 0,99 €. Dieses Angebot gilt allerdings nur bis Montag, den 19.03.2018.
Dasselbe gilt auch für die Preissenkung bei Nachtschatten 1, dem ersten Urban Fantasy (mit Engeln, Vampiren, Werwölfen, Magiern und Sidhe) von meiner Frau Juliane Seidel.
Bis dahin könnt ihr das Buch sehr günstig erwerben.
Wer keinen “Bock” auf digitales Lesen hat, darf sich aber auch sehr gerne die Printausgabe mit Illustration, Widmung und passenden Lesezeichen auf der LBM beim Verlagsstand von Edition Roter Drache kaufen. Bei Holger kostet das Buch die regulären 16,95 €. Aber ich verspreche euch, es lohnt sich. Wenn ich etwas kann, dann immer noch zeichnen 😉
Wer also in der eine oder anderen Weise auf Mystery-Thrill in Berlin hat, der darf sich sehr gerne bedienen 🙂

Klappentext Glasseelen:
Vor Camilla und Theresa stürzt sich ein Mann vom Dach des Pergamonmuseums zu Tode. Seine Augen lösen sich in Staub auf, und aus seiner Hand rollen blutige Augäpfel sowie ein antikes Fernrohr. War es Selbstmord?
9783946425311Theresa schwört, dass sie kurz zuvor auf dem Dach einen ungeheuren, missgestalteten Mann wahrgenommen hatte, der den vermeintlichen Selbstmörder gestoßen hat. Dabei gibt es eine unheimliche Parallele zwischen dem vermeintlichen Selbstmörder und den Opfern eines Serienkillers, der in Berlin sein Unwesen treibt: herausgeschnittene Augen.
Obwohl sich Camilla und Theresa unter der Betreuung der Polizei in Sicherheit wähnen, nimmt der Serienkiller sie ins Visier, und wenig später verschwindet Theresa spurlos. Ist sie geflohen, weil sie sich von Andreas Grimm, dem ermittelnden Oberkommissar, bedrängt fühlte, oder wurde sie Opfer des Serienmörders? Camilla versucht, ihre Freundin auf eigene Faust zu finden und dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Mit dem Namen „Sandmann“ bekommt sie einen entscheidenden Hinweis, doch der Killer ist nicht leicht zu überlisten. Von Panik getrieben, gerät Camilla in die Unterwelt der Hauptstadt und stößt dort auf rätselhafte Menschen.
Tief unter der Stadt wird währendessen wieder die ausgeweidete, augenlose Leiche einer Frau entdeckt – Theresa.

Hier noch ein weiterer Ausschnitt aus dem Roman:
Das Bild eines offenen Frauentorsos, in dem ein feines Räderwerk dargestellt wurde, dominierte ihr Sichtfeld. Mit sauberen Pfeilen und Seitennotizen wurden die einzelnen Zahnräder und Federn beschrieben. Camilla ergriff Chris’ Arm.
„Das ist nicht Amadeos Bibliothek“, hauchte sie. „Sie gehört dem Sandmann!“
Christoph starrte mit schreckensbleichem Gesicht geradeaus und klappte den Mund auf und zu.
In der gleichen Sekunde roch Camilla den dumpfen Leichengeruch, der sie auf ihrer Flucht begleitet hatte. Sie fuhr zusammen.
In einem der Spiegel, die das Licht ihrer Lampe verstärkten, reflektierte ein totenblasses, hageres Gesicht. Der breite Mund war nichts als ein lippenloser Riss, der nicht in der Lage war, die gewaltigen, fingerlangen Zähne zu verbergen. Seine Nase erinnerte an den Schnabel eines Raubvogels. Sie reichte bis zu seinem Unterkiefer. Aber das Schrecklichste waren die tief liegenden, schwarzen Augen, die jede noch so geringe Bewegung verfolgten. Boshafte Intelligenz glomm darin.
Camilla spürte es bis in die letzte Faser ihres Körpers. Das musste der Sandmann sein!
Dünnes Spinnwebenhaar bewegte sich, als er sich einen Schritt auf Chris und Camilla zuschob. Eine Strähne glitt über seine gewaltigen Schultern und fiel auf einen grotesk dünnen Oberschenkel hinab. Dieses Wesen war riesig. Es überragte Chris um einen Kopf.
Camilla wagte kaum, zu atmen. Sie mussten fort!
Den Weg nach vorn versperrte der Tisch und hinter ihnen näherte sich der Sandmann.
In ihrem Hals bildete sich ein harter Kloß, den sie nicht schlucken konnte. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, wie sich Chris’ Finger langsam der Öllampe näherten. Sie überschlug seine Möglichkeiten. Er konnte den Sandmann angreifen oder die Seiten in Brand setzen. Wozu er sich auch entschied, er musste sich beeilen.
Ihre Muskeln spannten sich zum Sprung über den Tisch. Aber Chris zögerte. Ihr Herz raste.
Der Sandmann hob seine Klauenhand und streckte sie nach ihnen aus. Seine Nägel berührten eine Locke an ihrer Seite.
Ihr Atem stockte. Im gleichen Moment schleuderte Chris die Lampe. Sie zersprang. Petroleum spritzte heraus und traf Gesicht und Oberkörper des Monsters. Tropfen der öligen Flüssigkeit fielen zu Boden, tränkten den Stoff jedoch nicht. Flämmchen tanzten über den monströsen Leib, ohne sonderlichen Schaden anzurichten. Träge flackerte sein Frack. Nur das feine Haar fing Feuer.
Sie nahm sich nicht länger Zeit, darauf zu achten, was der Sandmann tat. Mit einem Sprung hechtete sie über den Tisch.
©Glasseelen, Edition Roter Drache 2017

Hier der Klappentext von Jules Unantastbar:
nachtschatten01Menschen, Vampire und Werwesen haben etwas gemeinsam: Sie alle besitzen einen Schutzengel. Lily – eine der wenigen Auserwählten, die den ihren sehen kann – wird zu einer Jägerin ausgebildet, um gewöhnliche Menschen vor übernatürlichen Wesen zu schützen.
Als sie sich in Silas verliebt, der Mitglied einer geheimnisvollen Magiergilde ist, hat plötzlich jeder Geheimnisse vor ihr: Der hohe Rat, ihre Lehrmeisterin, Silas, sogar ihr eigener Schutzengel Adrian. Die seltsamen Vorfälle, die sich um sie herum ereignen, lassen sie und Silas schließlich auf ein Komplott aus Intrigen stoßen, das seinen Ursprung in Lilys Vergangenheit hat.

Nachtschatten 0.99 Euro
Zu guter Letzt:
Denkt daran, bald erscheint Der Relbell (der 2. Schattengrenzen-Band) bei bei HOMO Littera und Nummer 3 ist in Arbeit 🙂

Letzter Tag für die Gewinnteilnahme

Am 24.11. endete die Blogtour zu “Glasseelen”, aber um sich für die Gewinnteilnahme zu qualifizieren, habt ihr heute noch den ganzen Tag. Über die Seite von der Netzagentur Bookmark kommt ihr an den Blog-Verteiler. Dort gibt es zu jedem Beitrag eine Frage. Wenn ihr darauf antwortet, habt ihr die Möglichkeit an der Verlosung teilzunehmen.

Bist-du-bereit-für-Glasseelen-

Die teilnehmenden Blogs haben interessante Themen herausgegriffen:

Manjas Buchregal – 20.11. Vorstellung und Rezension zu “Glasseelen”
Was sich hierunter verbirgt, steht wahrscheinlich außer Frage 😉

Claudis Gedankenwelt – 21.11. Wie erkennt man einen Serienkiller?
Dieser Artikel greift nicht nur ein paar besondere Beispiele von Serienkillern auf, sondern beleuchtet auch einen Ausschnitt der besonderer Merkmale, die einen Serienmörder grundlegend auszeichnen.

Sunnys Lesewelt – 22.11. Interview mit Tanja Meurer
Auch dieser Artikel ist selbsterklärend, aber hier konnte ich mal wieder ein wenig Selbstdarsteller spielen, und es hat Spaß gemacht 🙂

Nadines Bücherwelt – 23.11. E.T.A. Hoffmanns “Der Sandmann”
Das Nachtstück “Der Sandmann” lag dem Buch “Glasseelen” in erster Linie zu Grunde, E.T.A. Hoffmann allein, war der Grund, warum ich so und in dieser Form geschrieben habe. Nadine führt hier in die Novelle um den Sandmann ein.

Vampirwaschbärs Wahnsinn – 24.11. Berlin als Buchkulisse
Die Besonderheit an diesem Artikel ist, dass Meike sich die Mühe gemacht hat, tatsächlich alle real existenten Locations abzulaufen und zu fotografieren. Sie hätte sogar die Gänge unter der Charité besuchen können, wenn die das dafür verantwortliche Büro offen gehabt hätte.

Gewinne:
Platz 1: Glasseelen, Seelenlosen und Schweiß und Blut
Platz 2: Glasseelen und Seelenlosen
Platz 3: Glasseelen
Alle Gewinne werden mit Goodies verschickt (u.a. mit selbstgemachtem, steampunkigem Metall Lesezeichen)

Ganz persönlich und privat
Über die Blogtour habe ich die meisten Bloggerinnen kennen lernen dürfen. Manja kannte ich schon vorher – durch Bookshouse – und habe sie immer unheimlich gemocht. In der vergangenen Woche habe ich auch die Möglichkeit gehabt, Claudia (deren Artikel ja zu 100% mein Hobby Kriminalistik / Kriminalhistorik bedient hat), Susann (mit ihrem lieben Interview und ihrer so herzlichen Art) und Meike (die als Berlinerin nicht nur ein sehr gutes Gesamtbild zu dem Roman geschaffen hat, sondern persönlich auch ein genauso großer Filmfan ist wie ich) kennen zu lernen. Durch das Quatschen über Facebook, per Mail und im Chat sind mir diese drei ziemlich an Herz gewachsen.

Darüber hinaus …
gibt es nun das eBook, leider noch in der fehlerhaften Version. Dank meiner ehemaligen Kollegin Nathalie und Meike, habe ich nun ein ziemlich sauberes Manuskript. Ich muss nur noch die Zeit finden, zusammen mit meiner Frau Juliane alles in der ODT-Datei für das eBook geradezubiegen und für ein Update fertigzumachen 😉

Glasseelen – Leserunde

In der letzten Zeit habe ich mich – freundlich ausgedrückt – rar gemacht … sorry. Nun bin ich aber wieder zurück.
Glasseelen, mein Mystery-Triller, der ursprünglich 2013 bei Bookshouse erschienen ist, kam pünktlich zum 01.10.2017 neu, überarbeitet und vor allem im neuen Gewand bei Edition Roter Drache neu heraus.

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Wahrscheinlich erinnert ihr euch noch an das alte Cover. Passend zur Überarbeitung passt das neue enfach besser.
Etliche Dinge, die mich in der ursprünglichen Version gestört haben, sind nun nicht mehr im Buch. Besonders um Theresa habe ich einiges abgeändert. Sie ist keine Last mehr, aktiver, einfach realer, sodass es mir richtiggehend leid tat sie … na, ihr wisst schon. Aber Camilla hat auch eine Wandlung hinter sich. Sie hängt definitiv nicht mehr am Rockzipfel ihrer Familie. Andererseits … Auto fahren kann sie auch hier noch nicht 😉
Wer möchte, kann sich gerne an der Leserunde auf LovelyBooks beteiligen. Derzeit gibt es 10 Bücher zu gewinnen (eBooks und Print-Ausgaben).
Und wer mich kennt weiß, dass es bei allen Büchern eine Besonderheit gibt: Sie sind mit Illustrationen versehen.

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Nur mal als kleiner Anreiz 😉
Hier wieder der übliche Klappentext und ein kleiner Ausschnitt, die Leseprobe aus dem ersten Kapitel:

***

Vor Camilla und Theresa stürzt sich ein Mann vom Dach des Pergamonmuseums zu Tode. Seine Augen lösen sich in Staub auf, und aus seiner Hand rollen blutige Augäpfel sowie ein antikes Fernrohr. War es Selbstmord?

Theresa schwört, dass sie kurz zuvor auf dem Dach einen ungeheuren, missgestalteten Mann wahrgenommen hatte, der den vermeintlichen Selbstmörder gestoßen hat. Dabei gibt es eine unheimliche Parallele zwischen dem vermeintlichen Selbstmörder und den Opfern eines Serienkillers, der in Berlin sein Unwesen treibt: herausgeschnittene Augen.

Obwohl sich Camilla und Theresa unter der Betreuung der Polizei in Sicherheit wähnen, nimmt der Serienkiller sie ins Visier, und wenig später verschwindet Theresa spurlos. Ist sie geflohen, weil sie sich von Andreas Grimm, dem ermittelnden Oberkommissar, bedrängt fühlte, oder wurde sie Opfer des Serienmörders? Camilla versucht, ihre Freundin auf eigene Faust zu finden und dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Mit dem Namen „Sandmann“ bekommt sie einen entscheidenden Hinweis, doch der Killer ist nicht leicht zu überlisten. Von Panik getrieben, gerät Camilla in die Unterwelt der Hauptstadt und stößt dort auf rätselhafte Menschen.

Tief unter der Stadt wird währendessen wieder die ausgeweidete, augenlose Leiche einer Frau entdeckt – Theresa.

***

Als sein Schädel auf dem Boden aufschlug und ein Rinnsal hellen Blutes um die Spitze ihres Turnschuhs lief, hörte die Welt für einen Moment auf zu atmen. Camilla starrte auf den Mann, der sich vor ihren Füßen zu Tode gestürzt hatte. Sein aufgedunsenes Gesicht verfärbte sich langsam blauviolett. Äderchen traten an Stirn und Schläfen hervor. Über seine halb offenen Lippen quollen Blut und Speichel, seine gebrochenen Glieder standen grotesk ab. Knochen stachen durch den Stoff von Jeans und T-Shirt.
Camilla hätte nie gedacht, dass jemand so wenig blutete, wenn er von einem Dach sprang. Sie betrachtete den Toten aus einer eigenartig fernen Perspektive. Als läge er nicht zerschmettert zu ihren Füßen, sondern als liefe ein Film vor ihr ab. Vielleicht lag es an der Stille, an diesem Fehlen jedweden Lautes.
Die Hände in den Taschen ihrer Jacke vergraben, die Finger um irgendetwas verkrampft, beobachtete sie, wie sein Blut unter ihre Schuhe rann und den Saum ihrer Cordhose durchtränkte. Erst nach einer Weile trat sie einen Schritt zur Seite. Trotzdem konnte sie den Blick nicht von dem Mann wenden. Seine toten Augen schienen in den wolkenlosen Sommerhimmel zu starren. In der intensive blauen Iris glitzerten Sonnenstrahlen. Etwas rollte aus den Fingern seiner linken Hand. Camilla fuhr zusammen. Eisige Kälte kroch ihre Wirbelsäule herauf und legte sich erstickend um ihr Herz.
Zwei blutige Kugeln, an denen feine, feuchte Nervenstränge hingen, blieben unweit der verdrehten Schulter neben seinem Gesicht liegen. Unter den klebrig roten Schlieren und dem Straßenschmutz stachen hellblaue Iris hervor.
Eine Woge Grauen überflutete Camilla und drohte, ihren Verstand mit sich zu reißen. Sie biss sich auf die Unterlippe und den Piercingring. Der kurze, stechende Schmerz half, die aufkommende Panik zu dämpfen.
Sie schluckte einen Kloß im Hals hinunter, dennoch blieb die Angst. Ihr Magen rebellierte, ihre Knie waren kaum noch in der Lage, sie zu halten.
Kontrolliert atmete sie ein und aus, bis der Boden unter ihren Füßen wieder stillstand. Etwas hatte sich verändert. Der Himmel spiegelte sich nicht mehr in den toten Augen. Sie wurden stumpf und verloren alle Farbe, bis sie wie graubraune Erdklumpen aussahen. Ein Stück bröckelte daraus ab.
Wie paralysiert fixierte Camilla die Steinklumpen in den Höhlen, die zu grauem Sand und Staub zerfielen. Wind kam auf und wehte ihn davon. Von einem Herzschlag auf den anderen erwachte die Welt um sie zu neuem Leben. Menschen schrien und rannten über den Museumsvorplatz. Der Straßenlärm überrollte Camilla mit unsäglicher Gewalt und in einer Geschwindigkeit, als raste die Zeit, um den verlorenen Takt wieder einzuholen.
Erschrocken presste Camilla die Hände gegen die Ohren. Theresa zuckte zusammen und umklammerte ihren Arm. Sie stöhnte lese auf. Camilla merkte, dass sie zu wanken begann. Unsicher taumelte Theresa und zog sie von dem Toten fort.
Sie stolperte zwei, drei Schritte rückwärts. Camilla konnte ihren Blick nicht von den blutigen Abdrücken ihrer Schuhsohlen lösen. Sie folgte den Spuren zurück zu der Leiche.
„Camilla!“, würgte Theresa hervor. Ihre Stimme klang viel zu hoch. Der schiere Anblick des Toten musste sie entsetzen. Zitternd vergrub sie ihr Gesicht an Camillas Hals. Ihr feuchtwarmer Atem fühlte sich unangenehm an. Dennoch umarmte Camilla sie fest und drückte sie an sich. Am Rande bemerkte sie, dass sich Schaulustige um sie sammelten. Einige drängten vor, suchten aber eilig das Weite, als sich entfernt Martinshörner in den Lärm der Umwelt mischten.
Camilla fokussierte den Mann immer wieder. Die zu Staub zerfallenen Augen konnte sie sich nur eingebildet haben. Erneut kroch Kälte in ihren Körper. Was für ein kranker Albtraum war das? Sie zwang sich, das Gesicht nicht länger anzustarren, doch ihre Aufmerksamkeit kehrte immer wieder zurück, registrierte jedes Detail. Seine Rechte hielt ein altes Fernrohr umklammert. Das Licht brach sich auf Okular und Messingelementen. Vergleichbare Objekte kannte sie von Steampunk-Veranstaltungen, aus Museen und Büchern, aber dieser Gegenstand löste eine eigenartige Empfindung von Erkennen aus. Sie kniff die Augen zu Schlitzen zusammen. Es war ein Déjà-vu, verbunden mit dem Wunsch das Fernrohr an sich zu nehmen. Plötzlich fiel es Camilla schwer, nicht die Hand auszustrecken und danach zu greifen. Es war wie ein Zwang, erstickend und stark. Sie musste es haben! Für einen Moment zerriss der Schleier und die Wahrheit blitzte auf. Es war nur ein einziger kurzer Moment, zu schnell vorüber, um ihn zu ergreifen. Was zurückblieb, war nebulöse Leere, die sie nicht zu füllen in der Lage war.
Theresa riss sich von ihrer Seite los und begann zu würgen. Der letzte Rest des unheimlichen Banns brach. Hilflos hielt sie die Schultern ihrer Freundin umfasst, während diese sich übergab. Tränen rannen über Theresas Wangen und zogen feuchte Spuren über ihre bleiche Haut. Ihre außergewöhnlichen, zweifarbigen Augen wirkten entzündet und die schweren Lider verquollen. Sie zitterte am ganzen Leib. Feine Schweißperlen bedeckten ihre Haut und verklebten die kurzen blonden Haare auf ihrer Stirn. An den Lippen hingen noch Tropfen von Erbrochenem.
Keuchend knickte Theresas ein. Camilla konnte gerade noch zugreifen, bevor sie auf dem Boden aufschlug. Sie stützte ihre zierliche Freundin und führte sie zu einer Bank, ließ sie Platz nehmen und suchte in ihrer Jacke nach Taschentüchern. Plötzlich erfasste sie ihre Umwelt wieder vollkommen rational. Ihr war sofort bewusst, was sie zuvor umklammert hatte: Taschentücher und Geldbörse. Rasch zog sie das Päckchen hervor. Der Geruch nach Säure und halb verdautem Frühstück stieg ihr in die Nase. Das Erbrochene war zu viel für ihren Magen. Sie versuchte, so wenig wie möglich zu atmen, als sie Theresa die Magensäuretropfen von den Lippen tupfte. Erneut würgte Theresa. Hoffentlich übergab sie sich kein zweites Mal. Der Geruch allein reichte aus, dass es Camilla übel wurde. Als sie das schmutzige Taschentuch ein Stück von sich auf den Boden warf, fing sie sich wieder. Sie ließ sich vor ihrer Freundin in die Hocke sinken und ergriff ihre Hände. Trotz der morgendlichen Julihitze fühlten sie sich an wie die einer Toten. Aus weit aufgerissenen Augen starrte Theresa durch sie hindurch. Der Anblick der blauen und der braunen Iris wirkte leicht verwirrend. Angst hatte sie dunkel gefärbt. Unwillkürlich fragte sich Camilla, was Theresa gesehen hatte. Das Gleiche wie sie?
Langsam kroch ein Hauch des Grauens in ihr Herz. Sie fror entsetzlich. Ihre Hände flatterten. Aber sie empfand nichts, es waren Theresas Gefühle, die sie in sich aufnahm. Sie fürchtete sich vor dem Augenblick, in dem sie von all den Emotionen überschwemmt würde, die sie bislang erfolgreich verdrängte. Doch im Moment konnte sie nichts weiter tun, als für Theresa da zu sein und alle Stärke aufzubringen, zu der sie in der Lage war. Nur wie lange hielt sie das durch?
Jenseits der Spreegabelung und der Museumsbrücke hielten Krankenwagen und Polizei. Sanitäter mit Bahre und Zinksarg überquerten den Steg und kamen die Stufen herauf, während uniformierte Polizisten Schaulustige zur Seite trieben.
Camillas Gedanken kreisten um den Selbstmörder. Wer war er gewesen und warum war er gesprungen?
Ihr Blick schweifte über den Museumsvorplatz, über das ameisenartige Gewusel von Männern und Frauen in Uniformen und an der glatten Fassade hinauf. Von außen gab es keinen Weg hinauf. Wie war er also in das Gebäude gelangt … und von welcher Stelle war er gesprungen, um punktgenau vor ihren Füßen aufzuschlagen? Über dem Quader, der den Haupteingang bildete, gab es aus ihrer Perspektive keine Möglichkeit, das Dach zu betreten. Rechts und links neben den Seitenflügeln standen auch keine Scherenbühnen oder andere Hebeeinrichtungen. Möglicherweise irrte sie sich und er hatte den Sprung von ganz oben geschafft. Aber dann hätte er auf dem Vordach aufschlagen müssen, was ihm vermutlich schon das Genick gebrochen hätte und er gar nicht hier unten aufgeschlagen wäre. Sie legte den Kopf in den Nacken, um den pylonartigen Zentralflügel besser in Augenschein nehmen zu können. Es wäre vollkommen unmöglich gewesen, von dort in einem so weiten Bogen zu springen. Niemand überbrückte mehr als 10 Meter Tiefe, selbst wenn er geschleudert worden wäre. Theresa lehnte sich vertraut an sie. Ihre kleine Hand blieb auf Camillas Hüfte liegen. Sie brauchte dringend Zuwendung. Sacht streichelte Camilla über ihre Schulter und drückte sie fest an sich.
„Geht es dir besser?“, flüsterte sie. Theresa sah zu ihr und verzog gequält die Lippen. Langsam schüttelte sie den Kopf. In ihren Augen stand noch immer dieser tiefe Schrecken. Besorgt fuhr Camilla durch ihr strubbeliges Haar.
„Kann ich verstehen.“ Camilla fühlte nichts von dem Schrecken. Ihre Neugier war geweckt. War das nicht vollkommen irrsinnig? Warum dachte sie schon wieder über den Toten nach? Sie sah die Leiche an. Der arme Kerl begann ihr leidzutun. Trotzdem wollte sie wissen, wie er gestorben war und warum. Wie war er überhaupt vor der Öffnungszeit ins Museum gekommen? Sie kniff die Augen zu Schlitzen zusammen. Wenn er Mitarbeiter des Museums war, wäre es erklärbar gewesen. Aber er trug weder Uniform noch Arbeitskleidung wie die Leute der Putzkolonne. Möglicherweise hatte er sich noch nicht umgezogen. Von den Fielmann-Mitarbeitern wusste sie, dass sie sich auch erst im Haus umzogen, bevor sie an die Arbeit gingen. Vielleicht war es bei ihm nicht anders. Sie biss sich auf die Lippe, zupfte an den trockenen Hautschüppchen um ihren Piercingring.
„Können wir verschwinden?“, flüsterte Theresa dicht neben ihrem Ohr, sodass ihr Atem auf der Haut kitzelte.
Mit einer Kopfbewegung zu den Einsatzfahrzeugen schüttelte Camilla den Kopf.
„Ich glaube, das können wir knicken.“
Schwer seufzte Theresa. „War mir klar.“ Sie schob ihre Arme um Camillas Taille und kroch halb unter ihre Jacke. Leise fügte sie hinzu: „Das werde ich nie mehr vergessen.“ Ihr Zittern nahm zu. Sanft umschlang Camilla sie und schmiegte ihre Wange in Theresas Haar. „Der Tote?“, fragte sie.
Trocken schluckte Theresa. „Auch, aber besonders dieses …“ Sie zuckte in Camillas Arm die Schultern, als sie keine Worte fand.
„Dieses was?“, hakte Camilla mit in Falten gelegter Stirn nach.
„Ich weiß nicht, wer oder was das war, aber nachdem der Körper aufgeschlagen ist, habe ich hochgeschaut und jemand da stehen sehn.“

***

Ich hoffe, der kleine Ausschnitt hat euch gefallen 🙂

Queer.de, Ankündigungen und die Homonale in Wiesbaden

Am 15.12. ging die lang ersehnte und gefürchtete Rezension zu “Der Rebell” bei Queer.de online. Ersehnt, weil Frank, der Rezensent, auch schon “Glasseelen” hatte und sehr gut bewertete. Diese Rezension findet ihr bei dem Onlinemagazin Corona in der Ausgabe 292 unter dem Punkt 6 mit dem Titel Buchkritik: “Glasseelen” von Tanja Meurer.  Deswegen war ich mir gar nicht so sicher, dass Frank den zweiten Band genauso gut bewertet. Einen schwulen Mann als lesbische Frau mit zwei schwulen Hauptcharakteren zu überzeugen ist ganz und gar nicht einfach. Aber offenbar habe ich es geschafft 🙂  Die Rezi von ihm auf Queer.de ist Wahnsinn geworden. Hier könnt ihr sie lesen: Mord, Geister und unzüchtige Gedanken.

Insofern muss ich mich für den Tipp, mich bei Queer.de zu melden, bei Jule und der Verlegerin des Incubus Verlages bedanken. Kira sagte mir, dass sie alle Bücher ihres Verlages dort rezensieren lässt. Was ist auch genialer als das positive Urteil eines schwulen Mannes über mein Buch? Allein deswegen bin ich schon ziemlich auf Wolke sieben 🙂 Oliver kommt allerdings bei allen Rezis gut weg. Er ist offensichtlich ein glaubhafter Mensch. Das ist generell immer das allerschönste Kompliment von allen. Hoffentlich werden damit auch die ganzen anderen Bücher mit all den unterschiedlichen Personen, Genres und Zeitebenen genauso real.

Übrigens am 01.02.2014 und am 02.02.2014 findet in Wiesbaden begleitend zur Homonale, dem traditionell seit 14 Jahren stattfindenden schwullesbischen Filmfestival im Lesecafé Wiesbaden eine schwullesbische Lesung über zwei Tage statt. Autoren wie Sabine Brandl (lesbisch), Conny Reinhardt (lesbisch), Martin Skerhut (schwul), Jannis Plastrgias (schwul), Jana Walther (schwul), Brunhilde Witthaut (schwul), Andrea Conrad (schwul), Yuliya Sokalska (lesbisch), Anna Maske (lesbisch), Chris P. Rolls  und ich werden ihre Romane und Kurzgeschichten vorstellen. Allerdings lesen Chris und ich je aus einem schwulen und einem lesbischen Roman, wobei von meiner Seite erwähnt werden sollte, dass ich aus “Der Rebell” einen Ausschnitt wähle und aus “Mord ohne Leiche” (einer der unheimlichen Kriminal-Steampunk-Novellen um Anabelle, Madame Zaida und Jewa). Die Steampunkbücher scheinen nun auch ein Heim zu finden. Bei der Lesung kann ich vielleicht ein paar entsprechende Ankündigungen dazu machen.

XTME-Gewinner … werden noch bekannt gegeben ;p

Gerade habe ich die Liste der richtigen Antworten von Johannes Zum Winkel (http://www.xtme.de/) bekommen und über einen Online-Generator (genau diesen hier http://www.randomnumbergenerator.com/) ausgewählt.

In Johannes’ Liste waren es die Nummern 29 (die nach der Auslosung für das Original-Lesezeichen unter den fünf Namen mit Nr. 1 stand und gleich kam), Nr. 86, Nr. 87 (das geht echt nur mit einem Random Counter … ich würde nie auf diese Nummernvergabe kommen), Nr. 146 und Nr. 169.

Ich weiß, die Nummern bringen euch ne Runde gar nichts ;p Ich schreibe die fünf jetzt an und frage rund, wer was haben möchte (Lesezeichen/ Illu). Dann kann ich auch die Namen (hoffe ich) veröffentlichen 🙂 In jedem Fall geht das Buch fünf Mal raus (mit Original-Illus), ein Original-Lesezeichen wird verlost (natürlich nach Wunsch) und vier Lesezeichen gehen als Drucke nach Wunsch raus.

Hier noch mal die Galerie für alle 🙂

Oliver Hoffmann
Oliver Hoffmann

Oliver – der Protagonist – er ist der große Bruder, der Mutige, der über das Ziel hinaus schießt, ohne zu wissen, was er damit zerstört.

Daniel Kuhn
Daniel Kuhn

Daniel – der etwas andere Held – unbeliebt im Kommissariat, treu wie kein zweiter, bester Freund, vielleicht auch mehr (?)

Matthias Habicht
Matthias Habicht

Matthias – der Korrekte – ein Leben nach dem Dienstbuch, und doch sucht er nach Schlupfwinkeln.

Christoph Kowalski
Christoph Kowalski

Christoph – der Ruhige – anhand all der Probleme, die Chris schon hatte, kann ihn die Welt mal 😉

Camilla Hofmann
Camilla Hofmann

Camilla – die Aktive – sie gibt selten auf, wenn sie einmal Blut geleckt hat, ist aber definitiv entspannt gegen die Situation in “Glasseelen”.

Viel Spaß beim auswählen 🙂

Ein weiteres – fertiges – Lesezeichen und mehr Infos :)

Wie schon angekündigt, bin ich noch mit den Lesezeichen beschäftigt. Gestern wurde Christoph fertig. Der Gute sieht nicht mehr ganz so fertig aus wie noch in Band I. Das macht sicher das gute Leben mit Camilla 😉

Scherz beiseite, hier kommt Christoph:

Christoph - Farbe
Christoph Kowalski

Morgen dürfte dann auch Camilla fertig sein. Ab morgen (02.10.) läuft auch das Gewinnspiel auf XTME – http://www.xtme.de/. Ihr könnt eines von fünf Büchern “Der Rebell – Schattengrenzen II” gewinnen und ich verlose ein Originallesezeichen. Als kleiner Bonus: wer möchte, kann ein Lesezeichen nach Wahl auch als schmales Poster (A4) gedruckt haben.

Hierzu auch noch mal die Leseprobe:

http://www.amazon.de/Der-Rebell-Schattengrenzen-Leseprobe-ebook/dp/B00EQ8F7S2/ref=pd_sim_sbs_kinc_1

http://www.bookshouse.de/buecher/Der_Rebell___Schattengrenzen_2/

Macht mit 🙂

“Glasseelen – Schattengrenzen I” bekommt ihr bereits jetzt schon für 0,99 € auf Amazon:

http://www.amazon.de/Glasseelen-Schattengrenzen-1-ebook/dp/B00BE515EA/ref=pd_sim_sbs_kinc_3

und hier die kostenloses Leseprobe:

http://www.amazon.de/Glasseelen-Schattengrenzen-1-Leseprobe-ebook/dp/B00BWU5X72/ref=pd_sim_sbs_kinc_4

http://www.bookshouse.de/buecher/Glasseelen___Schattengrenzen

Nehmt die Akrtion einfach wahr 🙂

Liebe Grüße

Tanja

Die Arbeiten schreiten voran

Wie schon angekündigt, bin ich an den Lesezeichen zu “Der Rebell”. Die Arbeit mache ich mir nicht ausschließlich, um Neues zum neuen Buch zu haben. Klar auch, zugegeben, auch weil reichlich anderer Charaktere dabei sind. Oliver ist Protagonist, Camilla rückt in den Hintergrund. Die Geschichte, die ich erzähle, ist eine andere, kein Aufguss des ersten Buches. “Der Rebell” ist auch in sich nicht abgeschlossen, sondern erst mit Band 3 beendet. Davon abgesehen findet ab dem 02.10.2013 über http://www.xtme.de/ eine Aktion zu “Schattengrenzen I und II” statt.

“Glasseelen” wohlbekannt als Band I, wir vom 02.10. an für 5 Tage zu 0,99 € erhältlich sein, während der zweite Band “Der Rebell” als Printausgabe zu Gewinnen sein wird (ich stelle dafür 5 Exemplare). Wie üblich gibt es dazu die Zeichnung und Widmung in das Buch, aber darüberhinaus auch eines der Originallesezeichen zu gewinnen, bzw. Sonderdrucke der Lesezeichen.

Hier sind die neusten Stände:

Der Rebell - Lesezeichen
Der Rebell – Lesezeichen – Oliver, Daniel, Matthias und Christoph

Camilla Tusche
Camilla Tusche

Camilla ist leider bislang nur getuscht. Sie wird am aufwändigsten. Ihren Chris habe ich gestern erst angefangen. Damit habt ihr aber schon eine Vorstellung, wie die Lesezeichen werden sollen.

Übrigens findet zur Vorstellung des Buches auf LovelyBooks wieder eine Leserunde statt, zu der ihr euch ab dem 04.10. bewerben könnt. http://www.lovelybooks.de/thema/bookshouse-Sammelthread-f%C3%BCr-Gewinnspiele-und-Leserunden-1006084871/1057989851/

Zusätzlich gibt es zu beiden Romanen in Hann. Münden (das schöne Örtchen zwischen Kassel und Göttingen) im Rahmen der “Denkmal Kunst – Kunst Denkmal”-Tage eine Lesung. Am 03.10. ab 19:00 h lese ich in einem der alten Baudenkmäler in der Lohstraße 3: http://www.denkmalkunst-kunstdenkmal.de/ http://www.denkmalkunst-kunstdenkmal.de/pages/programm/do.-3.10.13/tanja-meurer.php. Wer in der Nähe wohnt, kann gern kommen und zuhören. Die Lesung beginnt um 19:00 und geht bis 20:30 h.

Am 06.10. ab 16:00 h lese ich aus beiden Büchern in der Blücherstraße 20, Wiesbaden (Back-Depot). Natalie, die Betreiberin sorgt für das leibliche Wohl.

Zu Ende des Monats – Halloween – lesen außer mir im Lesecafé Wiesbaden zu einer Sonderveranstaltung Ju Honisch, Christian Humberg, Sandra Baumgärtner und Diana Menschig. Das Datum: 26.10., die Uhrzeit: ab 15:00 h. Ihr solltet euch das Spektakel unbedingt anhören. Ju und Christian zu sehen, ist wirklich genial. http://www.vee-jas.de/Lesecafe/termine.html

Mehr Details in Kürze 🙂

Liebe Grüße, Tanja

Also, ihr seht, gerade eben bewegt sich wieder einiges.

Interview mit 11 Fragen von Cecil Dewi :)

Hallo zusammen,

Cecil Dewi, eine wirklich sehr sehr gute Erotik- und Fantasy-Autorin im Bereich Gay, hatte mir ein wirklich tolles Interview für mich zusammengestellt und Fragen zugeschickt. Hier nun die Fragen und Antworten 🙂

11 Fragen – Interview

1. Fangen wir einfach an: Seit wann schreibst Du und was hat Dich zum Schreiben gebracht?

Hehehe, diese Frage liebe ich 😀
Genaugenommen kam ich durch meine gnadenlose Unzufriedenheit mit dem Ausgang der typischen Kinderkrimi-Hörspiele und Bücher dazu, besonders weil ich damals bereits im Wechsel Die drei ???, Fünf Freunde und die Edgar Wallace- Gruselkrimis gelesen/ gehört habe. Natürlich lief Wallace mit seinen Sachen den Kinderbüchern locker den Rang ab. Wie auch anders … Damit begann meine Sehnsucht nach eigenen Geschichten, die immer etwas anders waren als das, was man sonst zu Lesen bekam.
Damals war ich acht und ein ziemlicher Freak.

2. Welche Deiner Geschichten ist Dir am nächsten und warum?

Alle „Schattengrenzen“-Bücher, die sich um Oliver drehen (Der Rebell, Fluchbeladen, Hilflos, etc. auch die Kurzgeschichten Die Nacht in mir und Eisnacht).
Der Punk basiert auf einem meiner damals sehr guten, engen Freunde, hat aber bald ziemliches Eigenleben entwickelt. Viele Züge hat er von meinem Kumpel Olli den ich mit 22 das letzte Mal gesehen habe. So habe ich meinen alten Freund irgendwie immer um mich J
Alle anderen Punkte in den Geschichten sind meine Art die unheimlichen Erlebnisse, alles Bedrohliche und natürlich meine Träume mitzuverarbeiten.

3. Bei John Irving sind es unter anderem Bären, starke Frauen und homoerotische Beziehungen, die als Motive immer wieder in seinen Geschichten auftauchen. Gibt es auch in Deinen Geschichten Themen oder Motive, die wiederkehren? Wenn ja, welche und warum?

Kriminalfälle, Geistererscheinungen, Unheimliches, Bauwerke, Geschichte, Autos.
Kriminalfälle deshalb, weil ich Polizistin werden wollte. Leider war ich für den Streifendienst zu klein. Als mein Bekannter, ehemals erster Hauptkommissar in Berlin, mir sagte, dass der gehobene Dienst sich nicht mehr an der Größe festmacht, war ich ziemlich geknickt. Klar, heute ist der Kommissar ein FH-Studium. 1990 habe ich mir darüber weitaus zu wenige Infos eingefangen – und das in der Stadt des BKA … blöd gelaufen.
Geistererscheinungen kennt nahezu jeder. Unerklärliches passiert nahezu täglich. Viele nehmen es weder ernst, noch beachten sie die Ereignisse näher. Ich kann einfach nicht anders als das, was ich erlebe, in meinen Büchern einzubauen.
Bauwerke – ganz einfach, ich bin ein gelernter Bauzeichner. Der Hang zu Bauwerken ist einfach immer vorhanden. In meiner Lehre habe ich Altbausanierung/ Bestand gemacht. Das ist etwas, wovon ich bis in alle Romane zehre.
Geschichte ist auch so ein Ding, mein Steckenpferd. Da viele Bücher direkt in Wiesbaden spielen, fliest immer etwas Stadtgeschichte mit ein.
Mein zweiter Berufswunsch (abhängig von der Serie „Auf Achse“) war Berufsfahrer. Das habe ich vier Jahre durchgezogen. Ich bin ein ziemlich guter Fahrer und hatte auch mit meinem 40-to-Schein angefangen.

4. Bist Du ein „Stiller Brüter“ oder ein Schreiberling, der seinen Plot in die Welt hinausträgt und mit vielen Menschen diskutieren muss?

Hehehe, meistens brüte ich im Alleingang, denn in vielen Fällen ist es wichtig, dass noch viele einzelne Punkte recherchiert werden müssen, um dem Konzept Stabilität und Statik zu verleihen. Einmal im Jahr verschätzt, eine falsche Erinnerung, können verhängnisvoll sein. Deswegen halte ich mich auch zumeist nur so lang an das Exposé, so lang es logisch ist. Wenn ich gegen die Konsistenz in Geschichte oder Handlung der Personen gehe, ist der Roman nichts mehr wert.

5. Hat Dein eigenes Schreiben Deine Sicht auf die Werke anderer Autoren verändert? Wenn ja, wie?

Ja, durch mehrere harte Lektoren und viel eingetrichterte Grundregeln habe ich eine sehr kritische Sicht, insbesondere was die Logik in den Büchern angeht. Schlecht Logik, mangelhafte Recherche – beides fällt für mich unter K.O.-Kriterium.
Die Form einer Geschichte, insbesondere wenn sie im typischen Fanfiction-Stil verfasst ist, geht gar nicht an mich. Der Rothaarige, der Blauhaarige … Nein, das geht gar nicht.

6. Wie weit schaffst Du es, Dich von Deiner eigenen Geschichte „abzunabeln“, wenn sie fertig ist? Schaffst Du es beispielsweise, eine fertige Geschichte zu lesen, als sei sie von jemand anderem geschrieben worden?
Oder anders gefragt: Hört die Arbeit an den eigenen Geschichten für Dich je auf?

Die Arbeit würde erst dann aufhören, wenn ich brillant wäre – da das unmöglich ist (vollkommen unmöglich), bin ich nie zu 100 % zufrieden und würde selbst die gedruckten Bücher teilweise gern noch ändern (auch das, was mir vom Lektorat diktiert wurde).
Da ich oft (wegen der Kontinuität der Reihen in den alten Sachen nach Details suchen muss, die wieder zum Tragen kommen, überlese ich Passagen und bin unglücklich weil sie nicht besser sind.

7. Welche Rolle spielt für Dich das Feedback Deiner Leser? Sehnst Du Kritiken herbei? Hast Du Angst davor?

Kritik kann konstruktiv sein, vernachlässigbar oder sinnlos. Es kommt auf den an, der die Kritik schreibt und wie fundiert diese Person an alles heran tritt. Bei einigen Kritiken konnte ich nur mit dem Kopf nicken und zustimmen, besonders wenn es um die Passagen ging, die ich von Verlagsseite streichen musste, die aber erklärend gewesen wären. Es ist ungut, wenn zum Seiten sparen gestrichen wird. Manchmal macht es etwas Logisches unlogisch – Schlimmer wird es, wenn das auffällt. Aber ich habe in dem Punkt volles Verständnis.
Kritik an dem Charakter der Protagonisten kann hilfreich sein, aber generell gibt es für die Charaktere reale Vorlagen. Das würde bedeuten diese Menschen zu kritisieren. Grenzwertig.
Rezis in der Richtung „Scheiße weil zu viel Inhalt“ gehen nicht. Man sollte nachdenken und mitdenken, wenn man liest. Einfach berieseln lassen bedeutet, sich von der Flimmerkiste einsalben zu lassen.
Was ich absolut okay finde, wenn jemand sagt: ich rezensiere nicht, weil ich gemerkt habe dass es nicht mein Genre ist.
Jeder sollte sich selbst treu sein und wissen, was er mag, von daher finde ich solche Aussagen auch sehr gut.

8. Welches war das schönste Feedback, dass Du je von einem Leser bekommen hast?

Oh, da gab es einige. Daisyland-Books und Thrillerwelt, Beates Lovely Books, etc. Die schönsten Rezis stammen von diesen Bloggerinnen.
http://daisyandbooks.wordpress.com/2013/08/27/buchtipp-glasseelen-von-tanja-meurer/
http://beatelovelybooks.blogspot.de/2013/01/rezension-tanja-meurer-glasseelen-1.html
http://steffischaaf.wordpress.com/2013/09/16/rezension-tanja-meurer-glasseelen/

9. Wie beurteilst Du die Vernetzung mit anderen Autoren: Wertvoller Gedankenaustausch, Klüngelei oder am Ende gar Autoren-Hickhack?

Zumeist ist es vom Austausch her sehr hilfreich viel Kontakt zu anderen Autoren zu halten.
Die Zusammenkünfte beginnen dann zu kränkeln, wenn ein einzelner Autor nur noch um seinen eigenen Ruhm zu zirkeln beginnt und sich langsam in Wolkengebilden verliert.
Generell sind die wenigsten Autoren so. Viele sind hilfsbereit und geniale Menschen.
Viele Freunde von mir schreiben – auch hauptberuflich. Das zentrale Thema sind aber selten sind Bücher, viel eher reden wir über alles andere. Es gibt schließlich auch ein Leben vor und nach dem Schreiben 😉

10. Self-Publishing oder Publizieren beim Verlag: Was möchtest du lieber machen und warum?

Zweiteres. Es ist nicht nur seriöser, der Lektor und der Korrektor werden gleich mitgeliefert 😉 Davon abgesehen übernimmt der Verlag einen Teil der Werbung, pusht und sorgt dafür, dass man am Ball bleibt. Mir ist auch der Austausch mit meinen Verlegern sehr wichtig. Einerseits man erhält sehr viele wichtige Hinweise und Hilfestellungen, andererseits hat man immer einen Ansprechpartner und einen Dämpfer mit Realitätssinn, wenn man bereits wieder mit dem Kopf in den Wolken hängt.
Selfpublishing ist nicht schlecht – ganz in Gegenteil. Es gibt sehr viele richtig gute Autoren, allerdings gibt es noch mehr Autoren, die sehr grenzwertig arbeiten. Mir hilft ein guter Lektor auf dem Boden zu bleiben und die letzten Logiklücken auszubügeln. Das geht den Selbstverlegern meistens ab.
Trotzdem würde ich auch den Weg ausprobieren, schon um auch meine anderen Projekte an den Mann/ die Frau zu bringen.

11. Zum Abschluss ein klein wenig Kreativität, bitte! 😉 … In maximal 5 Sätzen: Was passiert zwischen den Buchdeckeln Deiner liebsten Geschichte,wenn das Buch geschlossen ist?

Hehehe, es geht leider in Band drei nahtlos über. Aber so viel zu dem, was dann passiert: Oliver gerät an einen Gegner mit dessen Irrsinn er nicht gerechnet hätte. Dieser Mann nutzt jeden in seinem Umfeld aus, um seine Ziele zu erreichen. Dabei geht er sogar so weit, seinen Sohn einzuspannen, einen zehnjährigen Jungen. Er benutzt ihn, um Olivers Besitz, den er schützen muss, auszuliefern.
Vielen Dank an Cecil Dewi und ihre endlose Geduld mit mir 😉
Ich bin nun wirklich die letzte Autorin, die das Interview ausfüllt.
Sorry.

So, nun zu meinen Opfern – die nicht alle aus dem Gay-Genre sind:

  1. Angelika Murasaki
  2. Marty Tolstoi (um auch mal einen Mann dabei zu haben)
  3. Jules Dankert
  4. Nadine Kühnemann
  5. Ann Merit Blum
  6. Jane Luc

1. Welches Genre bedienst Du und was reizt Dich an dem zentralen Thema Deiner Romane?

2. Wie wichtig ist Dir der emotionale Teil Deiner Romane, soll heißen der Bereich Romantik, Liebe, Leidenschaft, Eifersucht und inwieweit teil es sich zum Inhalt des Buches auf? Oder ist dieser Bereich für Dich eher unwichtig?

3. Was ist Dir besonders wichtig in einem Buch ? Worauf legst Du besonderen Wert?

4. Musst Du viel recherchieren? Wie intensiv sind Deine Vorarbeiten zu einem Roman?

5. Was inspiriert Dich besonders? Sind es Dinge, die Du in Deiner Umwelt beobachtest, Wortfetzen, Melodien, Liedtexte, Bilder, andere Geschichten, Rollenspiel, eigene Erlebnisse, geschichtliche Themen oder etwas anderes, für Dich ganz Spezielles?

6. Welche Charaktere faszinieren Dich am meisten? Erscheinen sie in abgewandelter Form in Deinen Büchern immer wieder?

7. Arbeitest Du fiktive Welten aus? Wenn ja, wie bildlich werden sie für Dich? Gehst Du in die Details von Politik, Religion und unterschiedlichen Rassen, oder endet Deine Planung eher an der vagen Topographie und und den Klimazonen?

8. Wenn Deine Bücher in der realen Welt spielen, wo siedelst Du sie besonders gern an? Wenn es nicht unbedingt Deine Heimatgegend oder die Stadt ist, in der Du lebst, besuchst Du diese Orte, um sie zu beschreiben?

9. Was liest Du selbst am liebsten? Was beeinflusst Dich und wie wichtig ist Dir der Erzählstil gegenüber dem Inhalt? Liebst Du dichte Beschreibungen oder knapp gehaltene Texte, um den Inhalt voranzutreiben?

10. Wie wichtig ist Dir das Feedback anderer, Reviews, Kommentare, und Rezensionen? Fürchtest Du sie oder nimmst Du sie als Anreiz härter zu arbeiten?

11. Wie viel Zeit steckst Du in Deine Bücher? Wie kommen Deine Freunde und Deine Familie damit klar und wie ist das Feedback aus diesem engen, sehr persönlichen Kreis?

Also ihr Lieben – ran an die Arbeit 😀

Liebe Grüße

Tanja

Die Igelwette

Erinnert sich noch jemand an das Kugelkopf-Bild, den Comic-Strip? Jule hatte ihn gestern coloriert. Nun wird die Geschichte um Christophs Spikes und Nadels Stacheln weiter gehen. Was meint ihr, wer gewinnt die Wette, Chris oder Nadel?

Btw, Nadel findet erstmals in “Der Rebell” Erwähnung. Der kleine Igel rennt irgendwann sicher Chris den Rang ab 😉

Drei-Wetter-Tafft-Wette - Chris gegen Nadel
Drei-Wetter-Tafft-Wette – Chris gegen Nadel