H. C. Wolff

H. C. Wolff

WW1 Schützengraben
© bmewett

Da ich nicht nur an den bislang bekannten Ideen arbeite, kann ich euch hier kleine Einblicke in verschiedene neue Projekte geben; allen voran alles, was mit “Wolff” zu tun hat.
Bislang gibt es zu Heinrich Christian Wolff einige Kurzgeschichten und Novellen, leider alle verteilt auf unterschiedlichste Anthologien.
Den Anfang hat vor recht vielen Jahren die Kurzgeschichte “Der Misanthrop” gemacht. Sie erschien in der Vampir-Anthologie “Kalt glimmen die Sterne” vom Sphera-Verlag.
Jetzt werdet ihr sagen: “Och nee, nicht schon wieder so ein paar öde, vollromatisierte Beißer”.
Nee, is’ nich’. Meine Vampire sind weder schön, noch romantisch (besonders nicht im klassischen Lestat / Armand / Louis-Stil … dahinschmelzend, zuckrig süß und zugleich nervend unantastbar cool, dass ich schreiend weglaufen will). Meine Vampire sind Wanderer, Jäger, Monster, die ihre Beute nicht nur aussaugen, sondern auch zerfleischen und teilweise fressen. Meistens bleiben sie nicht länger als ein, zwei Tage in der gleichen Stadt, um nicht auf sich aufmerksam zu machen und keinem anderen Jäger über den Weg zu laufen.

WW1 – Flandern Belgien
© Mattredding

Nun zu Wolff, dem Protagonisten der Reihe. Aus der Historie der Erzählungen heraus, ist die Geschichte, die in der Gegenwart spielt, eigentlich der Anfang. Als ich “Der Misanthrop” geschrieben habe, gab es keine Namen, nur Bezeichnungen. Wolff kam erst später zu seinem H.C. Wolff.
In der zweiten Gesichte “Hunger” (bereits eine Novelle) erzähle ich die Geschichte, wie er zu einem Jäger wird. Mainz, 1916 – der Hungerwinter, auch Steckrübenwinter genannt – in dem die Armut die Bevölkerung in den großen Städten bereits in die Knie gezwungen hat. Hier erlebt der Leser Wolff lebendig und als einen nachdenklichen, jungen Mann, der sich weigert, in den Krieg zu ziehen. Wolff ist ein Kommunist und Anhänger von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg. Er kann sich nicht vorstellen, zu töten. Damit gerät er in den Fokus des “Lanzers”.
In der dritten Geschichte “Warte, warte nur ein Weilchen …” ist Wolff bereits ein Jäger, entstellt, weil er den Kampf gegen den Lanzer überstanden hat – richtiger, weil er ins Leben zurückgekehrt ist. Von seiner einstigen Schönheit ist (natürlich) rein gar nichts zurückgeblieben. Zerbissen, wie nach  einem Angriff von einem Raubtier, vernarbt durch tiefe Schnitte in Gesicht und Körper, aber zäher denn je. Er hat gelernt zu kämpfen und zu töten. Trotzdem ändert sich seine Einstellung gegen den Krieg nicht.
Es geht auf das Ende des 1. Weltkrieges zu und er kommt zusammen mit einem Geliebten Konrad von der Front zurück. Sie sind beide als Soldaten ausgezeichnet worden und Konrad ist versehrt. Aber zurück in Mainz finden sie keinen Frieden. Ein neuer Jäger wildert im Kästrich und bedrängt Anni, die Tochter der Familie, bei der die beiden Männer zur Untermiete wohnen. Wolff fühlt sich an den Hungerwinter zurückerinnert. Aber dieses Mal haben sie es mit einem Jäger zu tun, der sich bestens tarnen und verstecken kann, jemand, der aus seinem Bau heraus jagt und Kinder bevorzugt …
Eine Fortsetzung, die direkt an “Hunger” anschließt, ist in Arbeit und hat den Arbeitstitel “Lazarus”.

Für Julianes Anthologie “Like a bad Dream” erschienen 2019, habe ich eine weitere Geschichte um Wolff, Konrad und Anni geschrieben, die noch einmal den letzten Kriegssommer 2018 aufgreift, die Rückkehr aus den Schützengräben in ein normales Leben, aber auch den Horror im Grabenkrieg, als die Entente im April 1917 bei Arras die Siegfriedstellung angreift. Diese Geschichte heißt “Bestie”. Dieses Mal ist es Konrad, der mit diesem Leben nicht mehr klar kommt. Auf dem Feld ist Wolff für ihn erträglich, weil es kaum unversehrte Männer gibt, aber zu Hause, im vertrauten Umfeld, erträgt er seinen entstellten Gefährten nicht mehr. Seine Abscheu erreicht einen neuen Höhepunkt, der sich grausam zu entladen droht …

Im Oktober 2019 hatte ich für die Ausschreibung “Geschichten aus dem Keller” / Ohne Ohren Verlag die Geschichte “Staub” geschrieben. Der Wettbewerb ist noch nicht ausgewertet. Protagonisten sind Wolff und Käthe, eine alternde Ordensschwester. diese Geschichte spielt wieder 1917 im April, auf einem Hof nahe Arras, der zu einem Lazarett umfunktioniert wurde. Käthe wird bei einem Treffer zusammen mit Wolff in dem Keller verschüttet. Beide müssen sich ihren Ängsten stellen und finden dabei die Monster in sich, aber auch Halt in dem jeweils anderen. Besonders Wolff fürchtet Keller, schließlich ist er in einem ermordet worden.

Aktualisierung:

Beim Piper Schreibwettbewerb eingereicht: “Warte, warte nur ein Weilchen”, allerdings in seiner bereits erweiterten Form. Das Buch ist im entstehen und ich hoffe, dass es richtig gut wird 🙂
Hier ist der Klappentext dazu.

Pitch:
‘Wie wahnsinnig können Menschen sein?’ Diese Frage stellt sich Anni Beckmann, als im Kriegssommer 1918 eine entsetzliche Mordserie an Kindern ihren Anfang nimmt. Bald rücken die Ereignisse in den Hintergrund, als ihre Eltern zwei Kriegsveteranen als Untermieter aufnehmen. Einer der beiden Landser – Heinrich Wolff – ist Anni vom ersten Moment an unheimlich. Der entstellte Mann verströmt den Hauch von etwas Tierhaftem. Als Annis Vater unter Mordverdacht an den Kindern verhaftet wird, ist sie gezwungen, sich näher mit Wolff, der ihr seine Hilfe anbietet, zu beschäftigen.

Der Misanthrop – Kalt glimmen die Sterne, Sphera Verlag
Hunger – Zusammen finden, Benefizanthologie
Warte, warte nur ein Weilchen – Mittendrin und Nirgendwo, Benefizanthologie
Bestie – Like a bad Dream, Benefizanthologie
Staub – für einen Wettbewerb geschrieben, der noch nicht ausgewertet ist