{"id":1421,"date":"2019-06-23T15:06:49","date_gmt":"2019-06-23T15:06:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/?p=1421"},"modified":"2019-06-23T15:06:49","modified_gmt":"2019-06-23T15:06:49","slug":"die-stadt-der-machinenmagie-textauszuege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/?p=1421","title":{"rendered":"Die Stadt der Machinenmagie &#8211; Textausz\u00fcge"},"content":{"rendered":"\n<p>Hallo ihr Lieben,<br><br>dieses Mal habe ichz ein paar Textausz\u00fcge aus dem ersten Buch f\u00fcr euch &#8230; und auch einen aus dem 2. Band \ud83d\ude09<br><br><strong>Kapitel 1 &#8211; Blutiger Staub<\/strong><br>Als der S\u00e4bel gegen Schwert und Parierdolch prallte, schoss scharfer Schmerz durch Gwenaels Handgelenke und explodierte in den Ellbogen. Sein Gegner hatte den Schwung, den er aus dem Galopp mitbrachte, voll ausgenutzt. Ein ungesundes Knirschen begleitete den Schlag. Gwenaels Finger f\u00fchlten sich taub an. Zumindest konnte er seine Waffen halten \u2013 noch. Er krampfte die Faust um das schwei\u00dffeuchte Leder und lenkte den Schlag ab. Der Griff seines Schwertes geriet ins Rutschen. Wie lange war er noch in der Lage zu k\u00e4mpfen?<br>Gl\u00fccklicherweise nahm der Pareshi keine weitere Notiz von ihm. Er jagte durch das Heer und hackte blindw\u00fctig mit seinem Schwert um sich. Sinnlos, ihm nachzusetzen.<br>Er musste sich vorbereiten. Die n\u00e4chsten Gegner kamen bereits auf ihren Pferden angesprengt. Auf dem harten, sandigen Boden suchte er nach festem Stand.<br>Sein Atem ging sto\u00dfweise. Das Tuch vor Mund und Nase machte es unm\u00f6glich, tief Luft zu holen. Er sog nur speichelfeuchten Stoff ein, in dem sich aufgewirbelter Sand und Dreck gefangen hatten.<br>Ihm wurde hei\u00df, zugleich k\u00fchlten seine Finger aus. In seinen Ohren gewann das Rauschen des Blutes an Kraft, sodass es den L\u00e4rm der Schlacht \u00fcbert\u00f6nte. F\u00fcr einen Moment engte sich Gwenaels Sicht ein. Lichter flackerten vor seinen Augen, und Schw\u00e4rze rann in seine Wahrnehmung des Schlachtfeldes.<br>Was war das?<br>Erschrocken blinzelte er, bis sich das Bild kl\u00e4rte. Zur\u00fcck blieb ein hohes, anhaltendes Pfeifen, das sich in seinen Ohren sammelte, zusammenzog und ausdehnte.<br>Jemand rammte ihn schr\u00e4g von vorn in die Seite. Ein Tritt. Der Stiefel tat in den Rippen weh, ungeachtet des K\u00fcrras.<br>Gwenael spannte sich instinktiv und versuchte sich abzufangen, doch es war zu sp\u00e4t. Der Boden kam auf ihn zu. Er rollte sich schwerf\u00e4llig \u00fcber die Schulter ab.<br>Im gleichen Moment mischte sich das Trommeln von Hufen in den Kampfl\u00e4rm und schlug in heftigen Druckwellen \u00fcber ihn hinweg. Ein dumpfer Knall erklang und wurde fortgerissen. Das Pferd brach in sich zusammen und zerschmetterte seinen Reiter.<br>Das war nah, viel zu nah.<br>Gwenael kam unsicher auf die F\u00fc\u00dfe. Die Welt drehte sich, pendelte, fand kein Gleichgewicht mehr. Er versteifte sich, bis der Boden aufh\u00f6rte zu schwanken und nur noch unter dem Stampfen von vielen Hufen bebte.<br>Der Geruch nach Blut, F\u00e4kalien, Tier und Schwei\u00df \u00fcberw\u00e4ltigte ihn. Sein Magen zog sich zu einem steinernen Klumpen zusammen.<br>Dicht neben ihm setzte Orins helle, riesenhafte Gestalt \u00fcber den toten Pferdeleib. In seiner Hand lag eine der langrohrigen, doppelz\u00fcgigen Jagdb\u00fcchsen. Rauch kr\u00e4uselte sich aus dem Lauf und wurde von der Druckwelle der heranrasenden Reiterattacke davongerissen.<br>\u201eDanke, Orin &#8230;\u201c<br>Rufe \u2013 rasche Warnungen, die sich wie ein Lauffeuer ausbreiteten \u2013 gellten in der vertrauten Sprache Valvermonts von vorn und von links. Unter dem Rauschen seines Blutes, seinem Keuchen und dem H\u00e4mmern seines Herzens begriff er deren Sinn kaum. Was war geschehen?<br>Orin rammte ihm die Faust gegen den Oberarm. Der Hieb raubte Gwenael beinah das Gleichgewicht. Taumelnd fing er sich.<br>Orins fahle Augen waren vor Entsetzen geweitet. \u201eGwen, sie \u00fcberrennen uns!\u201c<br>Durchbruch!<br>F\u00fcr einen Moment glaubte Gwenael, dass sein Herz aussetzte. Eisiger Schrecken kroch ihm in die Glieder und flutete seinen Verstand.<br>Er versteifte sich. Der Schock lieferte neue Kraft, keine Zeit f\u00fcr Ersch\u00f6pfung. Er musste seine Leute sammeln, sich zur\u00fcckziehen und den Posten aufgeben. Es brachte nichts, sie in einem sinnlosen Kampf um eine tote Grenzzone zu opfern. Sie konnten nicht mehr gewinnen. Daf\u00fcr waren sie viel zu wenige.<br>\u201eR\u00fcckzug!\u201c Gwenaels Stimme wurde von dem verfluchten Tuch bis zur Unkenntlichkeit ged\u00e4mpft. Er riss es sich von den Lippen. \u201eR\u00fcckzug!\u201c<br>Schemenhaft nahm er zwischen den Reitern seine Soldaten wahr, die sich wehrten. Die Dummen, die Helden, wurden niedergeritten, von S\u00e4beln und Bolzen niedergestreckt. Die Klugen verschwanden. Sein Ruf wurde durch die Reihen weitergetragen, nicht mehr als ein undeutliches Echo.<br>Er presste die Kiefer aufeinander. Sand knirschte zwischen seinen Z\u00e4hnen. Seine Nase trocknete aus. Er war einfach nicht f\u00fcr diese Gegend geschaffen, nicht wie die Pareshi.<br>Sie lebten in dieser Ein\u00f6de, hatten sich an die Umgebung angepasst und ihr General Nandhi war ein weiser, geschickter Mann. Er nutzte das Klima und die \u00f6rtlichen Gegebenheiten, trieb Gwenaels kleines Heer aus der Sicherheit der Berge in die Steppe. Er wusste, dass Valvermonts Soldaten keine R\u00fcckendeckung aus Sarina zu erwarten hatten. Hier konnte er sie aufreiben.<br>Insgeheim zollte Gwenael ihm und seinen Offizieren Respekt. Kein noch so gut aufeinander eingespieltes Heer konnte der schieren Masse, die der General zur Verf\u00fcgung hatte, widerstehen. Er f\u00fchrte Unmengen unerfahrener Krieger in die Schlacht. Sie reagierten unkontrollierbar und hysterisch, nicht geordnet. So besch\u00e4ftigte Nandhi den Gegner, w\u00e4hrend seine Berufssoldaten die Versorgungsz\u00fcge \u00fcberfielen und aufrieben. Er bestimmte zweifelsohne das Schlachtfeld, ordnete es neu, um im passenden Moment seine Elite-Reiter zu schicken.<br>Gwenael verlor die Gedanken, als der n\u00e4chste Reiter auf ihn eindrang. Eine Klinge schnitt durch die staubige Luft. Rasch wich er dem Angriff aus, nur um einen von unten gef\u00fchrten, ungeschickten Schlag gegen den Bauch des Pferdes anzusetzen. Das Tier t\u00e4nzelte instinktiv zur Seite. Sein Reiter dagegen hatte scheinbar keinerlei Ahnung, was er tat. Er hackte mit dem S\u00e4bel nach unten und rammte dem aufgeregten Tier die Fersen in die Flanken.<br>Gl\u00fccklicherweise gehorchte es ihm nicht.<br>Das Pferd b\u00e4umte sich auf. Eine bessere Chance w\u00fcrde sich Gwenael nicht bieten. Er tauchte unter dessen Leib hindurch und schlitzte den Bauch auf. Mit einem fast menschlichen Laut warf sich das Pferd herum. Der Sattelgurt schnitt in die Wunde. Blut und D\u00e4rme quollen hervor. Sein Reiter konnte sich nicht mehr halten. Er st\u00fcrzte, nur um einen Moment sp\u00e4ter von seinem Ross begraben zu werden.<br>Mitleid f\u00fcr Mann und Pferd? Dazu blieb Gwenael keine Zeit.<br>\u201eGwen!\u201c<br>Orin drehte sich mitten in der Bewegung zu ihm um. Was immer er in der Hand gehalten hatte, es traf Gwenael vor der Brust. Sofort lie\u00df er Schwert und Dolch fallen und griff zu. Erst jetzt wurde ihm bewusst, was der Priester ihm gereicht hatte &#8211; sein Gewehr. Eine Ladung hatte es noch.<br>Die n\u00e4chste Welle Reiter zog in irrer Geschwindigkeit an ihnen vorbei. Der Boden bebte. Hufe wirbelten Brocken steinharter, ausged\u00f6rrter Erde auf.<br>Seine Sicht ver\u00e4nderte sich. Sonnenlicht fiel durch aufgewirbelten Staub. Sandige Schleier hinterlie\u00dfen ein unwirkliches Bild \u00fcber dem Schlachtfeld. Ger\u00fcstete Schatten prallten bei ihrem R\u00fcckzug erneut aufeinander, w\u00e4hrend Reiter alles auf dem Boden K\u00e4mpfende niederm\u00e4hten. Sie achteten nicht darauf, ob es ihre eigenen Landsleute waren.<br>Einer von ihnen war halb wahnsinnig in seinem Blutrausch. Er kannte kein Ma\u00df mehr und erschlug alles, was ihm in den Weg kam. Ein Berserker!<br>Gwenael riss die Waffe hoch, lud durch, zielte und dr\u00fcckte den zweiten Zug ab. Der R\u00fccksto\u00df traf hart gegen seine Schulter. Durch die Panzerung sp\u00fcrte er dennoch nur den Aufprall, keinen Schmerz. Blassblaues Feuer flammte vor der M\u00fcndung auf.<br>Pferd und Reiter st\u00fcrzten in einen Pulk Soldaten mit den staubigen, blutverspritzten Brustpanzern Valvermonts. Sofort schloss sich die Masse \u00fcber ihnen.<br>Gwenael wechselte die Waffe in die Linke, um mit der Rechten sein Schwert aufzuheben. Gewehre waren fremdartig, monstr\u00f6s und grausam, denn sie t\u00f6teten weitaus schneller und heftiger als Armbr\u00fcste und B\u00f6gen. Die Streuwirkung riss nicht nur eine Person in den Tod, sondern auch alle umstehenden.<br>Trotzdem &#8230;<br>Blaues M\u00fcndungsfeuer flammte auf, ganz nah. Im gleichen Augenblick verzehrte wei\u00dfgl\u00fchender Schmerz sein Bewusstsein. Getroffen. Etwas hatte ihn getroffen. Wo, lie\u00df sich nicht lokalisieren. Alles tat weh.<br>Er rang nach Luft. Die Schmerzen peitschten auf und schn\u00fcrten ihm den Hals zusammen. Seine Brust wollte sich nicht f\u00fcllen &#8230;<br>Die Welt kippte. Der Aufprall drang nur schwach durch den Nebel seiner Empfindungen.<br>R\u00fcstung und Geschosse bohrten sich durch Stoff und Haut. Vor seinen Augen tanzten Lichtreflexe, die in glei\u00dfender Helligkeit die Schlacht verbrannten, bis lediglich blendendes Wei\u00df \u00fcbrig blieb. Das hohe Pfeifen brandete zu neuer Gewalt auf, raubte jeden Eindruck, \u00fcberschwemmte die Realit\u00e4t. Der Laut f\u00fcllte seinen Kopf, lie\u00df ihn schweben, bis er nichts mehr empfand.<br>Wenn der Tod nur so gn\u00e4dig blieb.<br>Gwenael sank in sich zusammen. Die leichte Bewegung zerschnitt ihn innerlich und trieb ihn an den Rand der Bewusstlosigkeit. Aber der Schmerz ebbte nicht ab. Bohrend manifestierte er sich irgendwo zwischen Verstand und Leib. Jeder Atemzug riss tiefere Wunden. Die Splitter bohrten sich in seine Eingeweide. Fl\u00fcssige Lava rann durch seine Kehle. Magens\u00e4ure mischte sich mit Galle und Blut. Er w\u00fcrgte.<br>Sollte es das gewesen sein? Unr\u00fchmliches Leben, elender Tod.<br>Taubheit kroch in seine Finger. Mit der Finsternis kam die K\u00e4lte, die Bet\u00e4ubung, das Nichts.<br><br><strong>Kapitel 6 &#8211; Begegnungen<\/strong><br>Jaleel hielt nichts mehr in der N\u00e4he der Wache. Die fahlen Augen des Orcs hatten sich in seinen Kopf gefressen. Selbst mit geschlossenen Lidern sah er sie vor sich. Sie verfolgten ihn. <br>Nachdem er die besseren Stra\u00dfen des K\u00fcnstlerviertels hinter sich gelassen und die engen Seitengassen der Weststadt erreicht hatte, lie\u00df der Druck nach. Er gab die Flucht auf und verfiel in einen schnellen Schritt. Bis hierher konnte ihm dieser Kerl nicht folgen.<br>Schwei\u00dfpolster hatten sich zwischen seinen Beinen gebildet. Die Haut f\u00fchlte sich schmierig an. Hemd und Stiefel rieben. Erst jetzt nahm er sein rasendes Herz und seine Atemlosigkeit wahr. Der Stahlring, der sich bisher um seinen Brustkorb gespannt hatte, dehnte sich. Obwohl er z\u00fcgig ging, konnte er wieder Luft holen.<br>Schlie\u00dflich wurde er langsamer und blieb stehen. Wo befand er sich eigentlich? Im ersten Moment kam ihm die Umgebung fremd vor. Rechts und links der Gasse erhoben sich steinerne W\u00e4nde. Das allgegenw\u00e4rtige Bild des Fachwerks fehlte. Schatten fingen sich dazwischen und tauchten den Weg in ein d\u00e4mmriges Licht.<br>Bei seiner kopflosen Flucht hatte Jaleel die Orientierung verloren.<br>Dicht vor ihm kreuzte eine Stra\u00dfe, in die etwas mehr Licht fiel. Er ging weiter, blieb an der Hausecke stehen und sah sich um. Die Stra\u00dfe stieg steil an und verlor sich zwischen den aufeinander zusinkenden Hausw\u00e4nden. Stufen \u00fcberbr\u00fcckten H\u00f6henunterschiede: die Klippentreppe.<br>Die charakteristischen Aromen von feuchtem Mauerwerk und Schimmel hingen zwischen den hohen, schlecht verputzten W\u00e4nden. Der Meereswind erreichte die Gassen nicht. <br>Das Licht nahm ab. Mit einem Mal wurde es k\u00fchler. <br>Verwundert hob Jaleel den Kopf. \u00dcber ihm hatte sich eine dichte, undurchdringliche Wolkendecke zusammengezogen. Sie hing erschreckend tief. War sie es, die ihn schwitzen und keuchen lie\u00df?<br>W\u00e4rme und nahender Regen dr\u00fcckten die Ger\u00fcche auf die Stadt herab, bis sie zu einer beinah stofflichen Schicht komprimiert wurden. Es konnte nicht mehr lang dauern, bis das n\u00e4chste Gewitter niederging.<br>Auf seinen Armen richteten sich die H\u00e4rchen auf. In der Luft knisterte es. Dumpfes Grollen drang vom Meer her\u00fcber und brach sich in den Gassen. Der erste Tropfen traf seine Stirn, direkt zwischen die H\u00f6rner.<br>Jaleel sah zu Boden. Die Kopfsteine waren noch hell vom Staub. Nein, der n\u00e4chste dicke Tropfen zerplatzte auf dem Stein und ergoss winzige Spritzer \u00fcber das ausgetrocknete Moos und das d\u00fcrre Gras in den Fugen. Da der n\u00e4chste \u2013 und noch einer. Es wurden immer mehr, immer schneller fiel der Regen herab.<br>Rasch schlug er den Kragen hoch. Das Gef\u00fchl des Wassers, das \u00fcber seinen Hals in sein Hemd sickerte, das best\u00e4ndige Reiben des groben Stoffes unter dem feuchten Leder, bescherte ihm eine G\u00e4nsehaut. Er begann zu frieren. Blieb nur zu hoffen, dass sein K\u00f6rper nicht ausk\u00fchlte. Ganz davon abgesehen war es w\u00e4hrend eines Gewitters zwischen den eng stehenden Geb\u00e4uden nicht ungef\u00e4hrlich. Wenn der Blitz einschlug oder der Sturm die Schindeln herab fegte, wurde es unangenehm.<br>Um ihn mischte sich das silbrig helle Rauschen des Wassers in das Wispern und Murmeln, die Gespr\u00e4chsfetzen, das Geschrei und die allt\u00e4glichen Ger\u00e4usche aus den H\u00e4usern. Laute ohne Richtung, ohne Gesichter. Dennoch waren sie da. Unheimlich eigentlich, denn es war fast niemand unterwegs.<br>Ganz in der N\u00e4he betrieb Alain sein \u201eAtelier\u201c, ihren gemeinsamen Treffpunkt. Dann war seine Flucht doch nicht ganz so kopflos gewesen.<br>Er kam unangek\u00fcndigt und konnte noch nicht viel vorweisen. Bisher hatte er zu wenig Informationen \u00fcber den Commandanten gesammelt, um Alain zufriedenzustellen. Nach der Begegnung mit R\u2019Coan und Chabod stellte sich die Frage, ob er \u00fcberhaupt an diesem Auftrag weiterarbeiten wollte. Auf die Aussicht, dem Orc erneut zu begegnen, konnte er gut verzichten. Allerdings zahlte Alain gut. Geld konnte er brauchen und sei es nur, um sich eine gewisse Sicherheit zu erkaufen. <br>Tief in ihm regte sich ein leises Ziehen, eine warnende Stimme. Dieser Denkansatz hatte ihm schon mehrfach Schwierigkeiten bereitet.<br>\u00c4rgerlich biss er sich auf die Lippe, bis ein scharfer Schmerz einsetzte.<br>Der Regen begann langsam unangenehm zu werden. Auf einer der Treppen, unter zwei St\u00fctzb\u00f6gen, die die W\u00e4nde davon abhielten, aufeinander zuzusacken, stellte er sich unter. Silbrige, immer dichter werdende Schleier prasselten herab. Das Wasser rann an den schmutzigen Fassaden herab und suchte sich in B\u00e4chen seinen Weg \u00fcber die Bruchsteinwand ihm gegen\u00fcber. Gr\u00e4ser bogen sich in den Fugen, w\u00e4hrend kleine Moosbetten ausgesp\u00fclt wurden und \u00fcber das Pflaster in die Rinne rutschten, die die Treppe flankierte.<br>Innerhalb kurzer Zeit w\u00fcrde ein Sturzbach schmutziger Br\u00fche von der Klippe schie\u00dfen und in den Auffangkanal laufen. Aller Dreck, der aufgeweichte Putz mancher H\u00e4user, die alten, geborstenen Schindeln, die F\u00e4kalien und der M\u00fcll schossen zu Tal und in die Wasserrinnen zum Meer.<br>Jaleel fr\u00f6stelte. Wind kam nicht auf. Dennoch k\u00fchlte die Luft aus. Das lag sicher an der Wetter- und Klimamanipulation. Was hatten die Magier nur getan?<br>Eine st\u00e4ndig warme Enklave mitten in einem urspr\u00fcnglich kalten Gebiet konnte einfach nicht richtig sein. Irgendwann w\u00fcrde sich ihr Eingreifen in das Wetter r\u00e4chen, nicht nur am Rand der W\u00e4rmezone, wo es permanent st\u00fcrmte und der Schiffsverkehr zur H\u00f6llenfahrt wurde. Ein einzelner heller Blitz zerriss Jaleels Gedanken.<br>Der folgende Donnerschlag lie\u00df die W\u00e4nde beben. Nasser Staub und Spinnweben rieselten aus dem Sturz herab. <br>In den fast stofflichen Schatten und dem grauen Zwielicht hatte sich ein Riss in der Fuge zur Bruchsteinwand gebildet. Muffig schimmeliger Sand br\u00f6selte heraus, wurde vom Regen ausgesp\u00fclt. <br>Er musste schlucken. Vielleicht war es doch kl\u00fcger, sofort zu Alain zu gehen. <br>Die rauchig grauen Wolken hingen inzwischen tief \u00fcber den H\u00e4usern an der Klippe. Blitze zuckten nieder, mal n\u00e4her, mal etwas weiter entfernt. Teils schlugen sie mit Urgewalt in die Stadt ein, sodass die Ersch\u00fctterung den Boden zittern lie\u00df. Schreie und Rauchs\u00e4ulen k\u00fcndeten von den entstandenen Sch\u00e4den.<br>Jaleel sah nicht hin und h\u00f6rte nicht zu. Mit gesenktem Kopf und vor der Brust verschr\u00e4nkten Armen eilte er die Stufen hinauf zur n\u00e4chsten Rampe an der Steilstrecke und der folgenden Quergasse. <br>Etwas bewegte sich am Rande seiner Wahrnehmung, im gleichen Augenblick stie\u00df er gegen eine junge Frau. Sie taumelte. Das Haar hing in Str\u00e4hnen unter ihrem H\u00e4ubchen hervor. Rasch fing sie sich wieder. Ein Hauch von \u00c4rger huschte \u00fcber ihr Gesicht, bevor sie den ausgefransten Weidenkorb enger an sich dr\u00fcckte und weiterlief. Zeitversetzt folgte ihr der schwache Geruch nach gekochtem Kohl und Kartoffeln, der sich in den von Ozon mischte. <br>Wie weit war es noch zu Alain? Hoffentlich hatte er sich heute fr\u00fch entschlossen, ins Atelier zu gehen, um zu malen. Bis ins Villenviertel w\u00fcrde Jaleel es bei diesem Wetter kaum schaffen.<br>Ein Blitz ging glei\u00dfend hell in der Hohlgasse nieder. Obwohl er die Augen zusammenkniff, malte eine Geisterhand die wei\u00dfen Ver\u00e4stelungen hinter seinen Lidern nach. Er sah ihren Tanz auf dem regennassen Pflaster und roch die eigenartig brandigen Aromen. Es knisterte. Etwas zog an ihm, in ihm. In der gleichen Sekunde rollte ein Donnerschlag \u00fcber ihn hinweg ins Tal. Jaleel bebte. In der ersten Sekunde konnte er sich kaum bewegen. Er wagte nicht, die Augen zu \u00f6ffnen. In seinem Magen flackerte eine Feuerlohe.<br>Als er die Lider hob, hatte sich eine Wand in eigenartigem Muster ru\u00dfschwarz verf\u00e4rbt. Der Boden qualmte leicht, wo der Blitz sein Ziel gefunden hatte.<br>Pl\u00f6tzlich sp\u00fcrte Jaleel seinen Herzschlag deutlicher denn je. In einem Bogen umging er die Stelle und lief zur n\u00e4chsten Kreuzung. Er musste sich orientieren. Irgendwo hier war es, Alain wohnte im Dachgeschoss.<br>Nachdenklich schaute er sich um. Man konnte diesen Abschnitt der Treppe von Alains Fenster aus sehen &#8211; die Treppe und \u2026 Er drehte sich im Kreis. Genau, das Geb\u00e4ude lag mit dem turm- und minarettgekr\u00f6nten Prunkpalais der Mutter des Prinzen auf einer H\u00f6he. Selbst von hier lie\u00dfen sich die blaugoldenen Mauern erkennen. Die f\u00fcnf schlanken T\u00fcrme ragten hoch \u00fcber die Stadt hinaus. Mit ausgreifenden Schritten eilte er die enge Treppe hinauf.<br>Wasser troff aus seinem Zopf auf die Holzdielen. Die dunklen Flecken wirkten in dem schummrigen Licht des Treppenhauses wie geronnenes Blut. Hemd und Hose scheuerten. Durch die dumpfe W\u00e4rme begann seine Haut zu jucken. Jaleel unterdr\u00fcckte den Reiz zu kratzen.<br>Mit einer Hand strich er sich die nassen Str\u00e4hnen aus dem Gesicht und wischte sich das Wasser aus den Augen.<br>Der typische Geruch nach angegammeltem Ei, \u00d6l und verschiedenen Pflanzen mischte sich mit dem Gestank des Geb\u00e4udes. Ein Hauch schweren Parfums lag in der Luft. Es roch nach Reichtum in der Gosse.<br>Alain war da. Er konnte ihn hinter der T\u00fcr h\u00f6ren.<br>Jaleel z\u00f6gerte und fragte sich, ob er anklopfen sollte. Der Blitz und die N\u00e4sse waren ein gutes Argument, um in ein T\u00eate-\u00e0-t\u00eate zu platzen, befand er. Kurzentschlossen hob er die Faust und h\u00e4mmerte gegen das T\u00fcrblatt.<br>Schnelle Schritte n\u00e4herten sich der T\u00fcr. Alain \u00f6ffnete. Er trug seine farbverspritzte Malersch\u00fcrze.<br>Jaleel atmete innerlich auf und musterte das ernste Gesicht seines Freundes. Gef\u00fchlsregungen lie\u00dfen sich auf seinen glatten Z\u00fcgen nicht feststellen. Kam er doch ung\u00fcnstig? Sein Mund wurde trocken.<br>Alain empfing hier nicht ausschlie\u00dflich Modelle, zahlende Kunden und unseri\u00f6se Gesch\u00e4ftspartner, sondern auch seine Gespielen. So hielt er das Haus seiner Familie sauber. Bis auf die vielen Ger\u00fcchte gab es nichts, wodurch man auf unehrenhafte \u201eTreffen\u201c schlie\u00dfen konnte.<br>\u201eSt\u00f6re ich?\u201c<br>Alain wischte sich die verschmierten Finger notd\u00fcrftig an der Sch\u00fcrze ab und trat zur Seite. Eine Einladung.<br>Durch die Fenster fiel kaum Licht. Das Gewitter war weitergezogen. Nun ging nur noch dichter, grauer Regen nieder. Bei der schwachen Beleuchtung konnte Alain nicht malen. Dazu war es trotz der Kerzen und Lampen zu dunkel. Sie verstr\u00f6mten den angenehmen Geruch nach hei\u00dfem Petroleum und fl\u00fcssigem Wachs.<br>Auf einem kleinen Kanonenofen brodelte Wasser. Die Sch\u00e4fte von Pinseln ragten in die Luft. Leinw\u00e4nde lehnten an der Nordwand, auf zwei Staffeleien standen angefangene Gem\u00e4lde. Waren es noch die gleichen wie vor drei Tagen? Alain gab ihm nicht die M\u00f6glichkeit, einen Blick darauf zu erhaschen.<br>Mit einer Kopfbewegung wies er zu dem Diwan.<br>Von dort kam der Parfumgeruch, vermischt mit etwas anderem. Der Eindruck von zwei K\u00f6rpern, Schwei\u00df und Sperma hing in der Luft. Er hatte wieder einmal mit irgendwem geschlafen, gerade eben erst.<br>Diese Vorstellung f\u00fchlte sich falsch an. Das Echo eines schwachen Stichs dr\u00e4ngte in Jaleels Herz. Nein, auf dem Diwan wollte er nicht sitzen.<br>Alain sch\u00fcttelte seine schulterlangen Locken, die sich aus dem Zopf gel\u00f6st hatten, zur\u00fcck und nickte zu dem grob zusammengezimmerten Holzregal an der Nordwand. \u201eNimm dir ein paar saubere T\u00fccher und trockne dich ab.\u201c<br>In seinen Worten schwang ein leicht gereizter Unterton mit. Scheinbar st\u00f6rte er doch.<br>Jaleel regte sich nicht. Er musterte den j\u00fcngeren Chabod-Bruder.<br>Bei seinem Anblick verwirrten sich seine Gedanken. Die Wirklichkeit stand Kopf. Er wusste, dass er Alain nie ganz f\u00fcr sich haben konnte, aber er wollte ihn. Dieser Mann war sch\u00f6n, unheimlich sch\u00f6n. Ein wundervoller K\u00f6rper, ein edles, harmonisches Gesicht, dunkles Haar und beinah schwarze, von dichten Wimpern \u00fcberschattete Augen, die beim Sex brannten.<br>\u201eErwartest du jemand \u2026 neuen?\u201c Jaleel bem\u00fchte sich bewusst, abf\u00e4llig zu klingen. Vermutlich prallte es an Alains Dickfelligkeit ab, aber er sollte sp\u00fcren, dass er verantwortungslos mit seinen k\u00f6rperlichen Zuwendungen umging. Es gab auch Bettgef\u00e4hrten, die sich dabei in ihn verliebten.<br>Tats\u00e4chlich reagierte Alain nicht. Er sah an Jaleel vorbei.<br>\u201eSt\u00f6re ich dich beim Abarbeiten deiner Liebschaften?\u201c, hakte er nach.<br>Scheinbar war Jaleel einer Antwort nicht wert. Alain schwieg, verzog nicht einmal das Gesicht. <br>Das unangenehme Gef\u00fchl nahm zu.<br>Jaleel drehte sich zum Ofen um. Die W\u00e4rme, die er verstr\u00f6mte, half gegen das klamme Kribbeln. Er starrte in den Topf auf der Heizplatte. Auf der brodelnden Wasseroberfl\u00e4che hatte sich eine helle Schmierschicht gebildet, die an \u00f6ligen Seifenschaum erinnerte und unsch\u00f6ne Spritzer an den Holzsch\u00e4ften zur\u00fccklie\u00df.<br>\u201eKochst du die Pinsel aus?\u201c Das Thema war unverf\u00e4nglich und hinterlie\u00df kein ungutes Gef\u00fchl.<br>Alain nickte. Er goss sich aus einer Tonkaraffe etwas \u00d6l in die H\u00e4nde und verteilte es auf seinen farbverspritzten Unterarmen. Mit einem trockenen Tuch rieb er die festen Reste ab.<br>Normalerweise war Alain nicht so wortkarg. Seltsam, irgendwie wirkte er heute nicht so schillernd und beeindruckend wie gew\u00f6hnlich. Der Glanz, der ihn normalerweise umgab, fehlte. Sein Haar wirkte stumpf, ungek\u00e4mmt und ungewaschen. Auch seine Kleidung verstr\u00f6mte unangenehme Ger\u00fcche, die darauf schlie\u00dfen lie\u00dfen, dass er darin gearbeitet, gegessen, geschlafen und Sex gehabt hatte.<br>\u201eIch habe heute deinen Bruder kennengelernt\u201c, trieb Jaleel das Gespr\u00e4ch voran.<br>Angesichts seiner Betonung hob Alain ruckartig den Kopf. Seine dunklen Augen waren rot ge\u00e4dert und feucht von dem Alkohol, der als schwaches Restaroma in der Luft hing.<br>\u201eGwen?\u201c<br>\u201eWie viele Br\u00fcder hast du sonst noch?\u201c<br>Alain zuckte gelangweilt mit den Schultern. \u201eUnd? Was h\u00e4ltst du von ihm?\u201c<br>Es schien ihn nicht zu interessieren. Warum fragte er dann \u00fcberhaupt?<br>Jaleel suchte die richtigen Worte. \u201eEr ist anders als du, sehr \u2026\u201c<br>\u201eMilit\u00e4risch?\u201c, fiel ihm Alain ins Wort.<br>Seine harsche Art st\u00f6rte Jaleel. Er hatte den Eindruck, dass Alain ihn abwimmeln wollte. Wen erwartete er? Jaleel kniff die Augen zu Schlitzen zusammen und beobachtete seinen Freund.<br>Alain warf das Tuch von sich und lie\u00df sich auf den Diwan fallen, streckte die Beine weit von sich und verschr\u00e4nkte die H\u00e4nde im Nacken. \u00dcber seine Z\u00fcge huschte ein Hauch von Entspannung. Er g\u00e4hnte ungeniert und senkte die Lider.<br>\u201eWeiter\u201c, forderte er ihn auf.<br>Jaleel zog die Brauen zusammen. \u201eIhr scheint nicht viele Gemeinsamkeiten zu haben.\u201c<br>Alain lachte freudlos auf. \u201eGwen und ich sind uns in nichts \u00e4hnlich.\u201c<br>Das mochte stimmen. Erneut musterte Jaleel ihn, dieses Mal mit dem Bild seines \u00e4lteren Bruders vor Augen.<br>Die Unterschiede betrafen nicht in erster Linie das Aussehen, eine Familien\u00e4hnlichkeit war vorhanden. Alain war ein interessanter, weltoffener und gutaussehender M\u00fc\u00dfigg\u00e4nger &#8211; solange er keinen besonderen Zweck verfolgte oder sich der Malerei hingab. Es lag in seiner Pers\u00f6nlichkeit. Gwenael Chabod war verschlossener und zugleich auf eine ganz andere Art offen als Alain; ein \u00fcberkorrekter, zur\u00fcckhaltender Mann. <br>Jaleel l\u00f6ste sich vom Ofen und lie\u00df sich doch neben seinem Freund sinken. Das Laken \u00fcber dem durchgesessenen Diwan roch stark nach Sperma. Ob Alain zuletzt Frauen oder Herrenbesuch gehabt hatte, wollte er lieber nicht genau wissen. Eifersucht brannte sich von seiner Brust in seine Eingeweide. Sie hatten hier oft miteinander geschlafen. Unsch\u00f6n zu wissen, dass Alain es auf demselben Diwan mit anderen trieb. <br>Eine Feuerlohe ballte sich in seinem Magen, gest\u00fctzt von dem \u00c4rger, der Eifersucht und dem Ziehen in seiner Brust.<br>Sie waren kein Paar, erinnerte er sich. Sicher st\u00f6rte sich Alain auch nicht daran, wenn Jaleel sich die Zeit mit anderen M\u00e4nnern vertrieb.<br>Aber er wollte nicht.<br>Wie dumm musste man sein, sich freiwillig diesen Gef\u00fchlen auszusetzen? Warum nicht einfach genie\u00dfen, was Alain ihm gab und alle anderen Sorgen von einem anderen beseitigen lassen? Es gab so viele M\u00e4nner, die gelegentlichen Sex wollten und die Gefahr eines Parhurbisses gern auf sich nahmen, nur um das leidenschaftliche Feuer in sich zu sp\u00fcren. Alain taugte nichts, war ein l\u00fcsterner Bastard und Intrigant. Ein solcher Mann war nicht daf\u00fcr vorgesehen zu lieben, aber er verstr\u00f6mte Lust und \u00fcbertrat gesellschaftliche Verbote. Allein deshalb wollte Jaleel ihn.<br>Das Brennen in seinem Magen sagte etwas Anderes.<br>Bevor er das Gef\u00fchl gedanklich erfassen konnte, lag Alains Hand auf seiner. Jaleel bemerkte die vernebelte Lust in seinem Blick, w\u00e4hrend er ihm aufs Gem\u00e4cht starrte. Es f\u00fchlte sich an wie eine Ber\u00fchrung, das Tasten von Fingern, die federleicht \u00fcber die pulsierende Linie seines Gliedes strichen. <br>In Jaleels Lenden zog es.<br>Trotz allem war Alains Gesicht eine unbewegliche Maske. Darin lag weder Leidenschaft noch unstillbare Gier, eher Langeweile. Sex als Freizeitbesch\u00e4ftigung bis zur n\u00e4chsten wirklichen Herausforderung?<br>Der Gedanke sackte ab, zog einen Schleier aus K\u00e4lte mit sich und dr\u00fcckte erstickend gegen Jaleels Kehlkopf.<br>In diesen h\u00fcbschen Z\u00fcgen lag wirklich nichts. Alain wollte sich nicht einmal wirklich vergn\u00fcgen, aber scheinbar fiel ihm nichts Besseres ein. Mit einer Hand knetete er sein Glied durch Leder und Stoff.<br>Dann stemmte er sich hoch, streifte die Sch\u00fcrze ab und lie\u00df sie fallen. In seiner Hose regte sich nichts \u2013 zumindest nicht sichtbar. Trotzdem l\u00f6ste er Schnallen und Band, die den Latz hielten. Der schwere, fleckige Stoff fiel zur Seite. Polsterung und verschmutzte Unterw\u00e4sche kamen zum Vorschein. Sein Glied hing nicht weniger verdr\u00fcckt und blassrosa herunter.<br>Jaleel keuchte. \u201eWas wird das?\u201c<br>Wollte sich dieses bornierte Arschloch etwa von ihm vorbereiten lassen, um seinen Schwanz in irgendeine reiche Schlampe oder einen hochwohlgeborenen Arsch zu schieben?<br>Die Feuerlohe explodierte in ihm und verbrannte ihn innerlich. Mit der Wut kochte Magens\u00e4ure hoch.<br>Was war er f\u00fcr Alain, sein kostenfreier Stricher? Hatte er das in den Jahren zuvor etwa auch schon so gehandhabt?<br>Er f\u00fchlte sich benutzt. Handlanger, Bettgef\u00e4hrte, Informant und Dieb. Alles f\u00fcr Alain.<br>Fassungslos beobachtete er, wie Alain ihm sein schlaffes Glied entgegenhielt.<br>Jaleel zog die Lippen \u00fcber seine Fangz\u00e4hne zur\u00fcck und knurrte. \u201eVergiss es. Ich bin nicht dein Zeitvertreib \u2026\u201c<br>Alain l\u00e4chelte matt. \u201eAber mein Liebhaber. Und ich denke, ich kann durchaus verlangen, meine Freizeit mit dir im Bett zu verbringen.\u201c Jaleel fing seinen herausfordernden, lasziven Blick auf.<br>\u201eBist du verr\u00fcckt?\u201c Kopfsch\u00fcttelnd rutschte er zur Seite und erhob sich. \u201eNein, Alain, das kannst du vergessen. Ich mache es nicht mit dir, wenn ich es nicht will.\u201c<br>Er schob sich zwischen Alain und dem Ofen vorbei zur T\u00fcr. Angesichts des zweifelhaften Vergn\u00fcgens von Alains Gesellschaft waren Blitzschlag oder Lungenentz\u00fcndung die besseren Alternativen \u2013 zumindest lie\u00dfen sie seinen Stolz unangetastet.<br>An der T\u00fcr wandte er sich um. Alain hatte sich wieder angezogen. Er wirkte ver\u00e4rgert.<br>Sollte er doch. So, wie er sich das vorstellte, funktionierte ihre Partnerschaft nicht.<br>\u201eIch bin nicht dazu da, dich wieder in Stimmung zu bringen, nachdem du dich mit anderen verausgabt hast\u201c, merkte Jaleel an, bevor er das Atelier verlie\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Die Stadt der Maschinenmagie II &#8211; Die blaue Phiole (Arbeitstitel)<\/em><\/strong><br><br><strong>Kapitel 1 &#8211; Illusionsgrenze<\/strong><br><em>Gwenael!<\/em> Jaleel hatte das Gef\u00fchl, seinen Freund laut nach ihm rufen zu h\u00f6ren. Er fuhr aus seinem Versteck auf, nur um sofort wieder den Kopf einzuziehen und sich eng gegen die Hauswand zu dr\u00e4ngen. Mit heftig pochendem Herz beobachtete er den Diener, der gegen das Licht der Terrasse kaum mehr als ein Schattenriss war. Der Mann musste mindestens zwei K\u00f6pfe gr\u00f6\u00dfer sein als Jaleel selbst.<br>So leise er konnte, kauerte er sich in den Schatten hinter der Hausecke, den R\u00fccken fest gegen die Wand gedr\u00fcckt. Mit der dunklen Kleidung verschmolz er hoffentlich mit seinem Umfeld. Kies knirschte unter langsamen, schweren Schritten. Sein Herz schlug beinah schmerzhaft hart. Er konnte dank seines ausgetrockneten Halses kaum atmen. Die feuchte Mauer verstr\u00f6mte unangenehme W\u00e4rme, als lehne er an etwas Lebendigem. Das Erdreich hingegen war klamm und kalt. M\u00fchsam verdr\u00e4ngte er die Vorstellung eines gewaltigen Monsters, dass einfach nur das Aussehen eines Geb\u00e4udes angenommen hatte, um willf\u00e4hrige Opfer anzulocken. Mit dem Handr\u00fccken wischte er sich schwei\u00dfnasse Str\u00e4hnen aus der Stirn.<br>Etwas raschelte. Alle H\u00e4rchen auf seinen Unterarmen richteten sich auf. Aus zusammengekniffenen Augen verfolgte er die Bewegungen der Blumen. Das elende Katzenvieh trieb sich im Unterholz herum und suchte die Ratte. In Abst\u00e4nden erklang immer wieder ihr Grollen und Fauchen. Es h\u00f6rte sich bedrohlich an. Wie lang w\u00fcrde es dauern, bis der Diener oder das Tier ihn aufgesp\u00fcrt hatten?<br>Nerv\u00f6s leckte er sich \u00fcber die Lippen. Er brauchte ein besseres Versteck. Vorsichtig sp\u00e4hte er zwischen \u00c4sten und Bl\u00e4ttern hindurch, nur um sofort wieder den Kopf einzuziehen.<br>Der starrte in seine Richtung, verharrte. Hatte er Jaleel bemerkt? Hoffentlich nicht. Jaleel wagte nicht, auch nur tief Luft zu holen. Aus brennenden Augen starrte er den Mann an. Wahrscheinlich handelte es sich bei ihm um einen Orc oder Troll. Beiden V\u00f6lkern sagte der Volksmund nach, dass sie bei Nacht nur geringf\u00fcgig schlechter sehen konnten, als bei Tag. Jaleel wollte hierf\u00fcr keine Beweisf\u00fchrung antreten.\u00a0 So gut er konnte verharrte er in seiner Position und hielt die Luft an.<br>Sicher war ihr Eindringen nicht unbemerkt geblieben, schlie\u00dflich geh\u00f6rte das Anwesen einer Magierin. Ihm gefiel der Gedanke ausgeliefert zu sein gar nicht. Aber was konnte er jetzt noch dagegen unternehmen? Wahrscheinlich hatte Desir\u00e9e sie mit Vorsatz hierher gef\u00fchrt.<br>In seinem Magen brannte blanke Wut, durchsto\u00dfen von erstickender Angst um Gwenael. Wie konnte er seinem Freund helfen?<br>Der Diener trat vom Weg in die dichten Blumenrabatten. Er neigte sich vor, kniff die Augen zusammen und starrte in die Schatten \u2026<br>Sicher hatte er ihn entdeckt! Jaleel sp\u00fcrte eisige Schauder durch seinen K\u00f6rper rasen. Alles in ihm dr\u00e4ngte danach zu fliehen, zugleich wusste er, dass das die d\u00fcmmste Idee \u00fcberhaupt war. Mit aller Gewalt zwang er sich, ruhig zu bleiben. Pl\u00f6tzlich richtete sich der Diener auf und drehte sich ab.<br>Jaleel wurde schwindelig. Feinen Stiche in seinem Kiefer sagten ihm, wie sehr er sich verspannt hatte. Langsam l\u00f6ste er seine Muskeln und atmete tief ein. Der entsetzlich schale Gestank der Bl\u00fctenb\u00fcsche rann bitters\u00fc\u00df durch Nase und Kehle. In seinem Magen entstand ein flaues Gef\u00fchl. Zu allem \u00dcberfluss erwachte dumpfer, schwach pochender Kopfschmerz, der sich hinter seiner Stirn auszubreiten begannen. Unsicher blinzelte er und massierte seine Schl\u00e4fen.<br>Jetzt sah er den Diener von hinten. Der Mann war entsetzlich gro\u00df. Er vermittelte den Eindruck, aus seinem Wams zu platzen und die eigentlich weit geschnittenen \u00c4rmel des Hemdes zu sprengen.<br>Licht fiel von oben auf den Kiesweg. Durch das schwache Flackern der Flammen, schien es auf den wei\u00dfen Steinchen zu tanzen. Er glaubte fast Muster darin zu erkennen, die ihn schwindeln lie\u00dfen. Jaleel blinzelte die Illusion fort.<br><em>Er wollte beobachten, wissen ob Ga\u00eblle seine Freunde entdeckt hatte, musste Hilfe holen \u2026 drau\u00dfen standen \u2026 Solda\u2026 wer?<\/em> Z\u00e4h wie Sirup zerfloss der Gedanke. Jaleel sank zur\u00fcck an die Wand und schloss die Augen. Dieser Geruch. Schwer atmend l\u00f6ste er den Kragen und f\u00e4chelte sich Luft zu. Es half nicht. Jaleel w\u00fcrgte. Pl\u00f6tzlich begannen Mauer und Boden zu beben.<br><em>Unfug!<\/em><br>Wahrscheinlich ein Zeichen von Schw\u00e4che. Seine Beine knickten ein. Er fing sich m\u00fchsam ab. Im gleichen Moment zuckte ein einzelner, harter Sto\u00df durch die Erde. Jaleel st\u00fcrzte. Der kurze Schmerz von Wurzeln unter seinen Knien und Steinchen in seinen Handfl\u00e4chen, riss ein Loch in den bet\u00e4ubenden Nebel. Der s\u00fc\u00dfe Geruch bet\u00e4ubte ihn! Ga\u00eblle brauchte ganz sicher keine weitere Absicherung, nur die Blumen. Er w\u00fcrgte den schalen Geschmack hinaus und spie aus, bevor er Tuch und Hand vor den Mund presste. Wahrscheinlich half das nur bedingt, aber jetzt wusste er um die Gefahr. Er musste seine Chance nutzen, bevor sein sich Geist erneut umw\u00f6lkte. Rasch federte er auf die F\u00fc\u00dfe. Der Weg zu Gwenael und Desir\u00e9e war ihm durch die Magierin versperrt. Er konnte den Beiden nicht helfen. Jaleel blieb nur die M\u00f6glichkeit Franquin zu alarmieren. Der Capitaine und seine Leute \u00fcberwachten schlie\u00dflich die Umgebung. Mit der Unterst\u00fctzung von stark bewaffneten Soldaten bestand die Aussicht mehr ausrichten. Jaleel wandte sich ab und dr\u00e4ngte sich in die Schatten. Vorsichtig schob er sich an der Wand entlang, darauf bedacht so flach wie m\u00f6glich zu atmen.<br>Licht, Fauchen und Rufe blieben hinter ihm zur\u00fcck. Nach einer Weile sah Jaleel sich um. Stille Finsternis umfing ihn. Irritiert l\u00f6ste er sich und an der dunklen, verwitterten Fassade hinauf. Schwach erkannte er im Restlicht der Stadt karge, verfilzte Rankgew\u00e4chse, die das Mauerwerk \u00fcberzogen und durchdrangen. Der Eindruck von etwas altem, Lebendem gewann an St\u00e4rke. F\u00fcr Jaleel wirkten die holzigen Str\u00e4nge wie wulstige Adern unter papierd\u00fcnner Haut. Handelte es sich schon wieder um eine Illusion, ausgel\u00f6st durch die Blumen? Er kniff die Augen zusammen und konzentrierte sich. Das Bild blieb. Um sicher zu gehen ritzte er seine Zunge an einem Zahn. Aber der Schmerz war klar und echt. Das hier konnte also nur die Wirklichkeit sein. Blieb nur die Frage, was er von der Mauer aus gesehen hatte. Das hier jedenfalls nicht. Er wandte sich ab. Um ihn herum stand das Gras fast bis zu seiner H\u00fcfte und das Geb\u00fcsch wirkte dicht verfilzt. In einiger Entfernung standen alte Geb\u00e4ude an die dunkle, \u00fcberwucherte Mauer geschmiegt. Sicher waren es Remise und Stall, oder Gesindeh\u00e4user, Schuppen, was reiche Leute eben f\u00fcr ihre Dienerschaft und das Ger\u00e4t bauen lie\u00dfen. Aber auch das wirkte, soweit er es in dem schlechten Licht ausmachen konnte, verfallen. Er rieb sich Stirn und Schl\u00e4fen. Vermochte Magie eine Illusion zu erschaffen, die Menschen glauben lie\u00df, eine pr\u00e4chtige Villa vor sich zu haben? Hilflos strich er sich \u00fcber die Schl\u00e4fen. Langsam keimte Zweifel auf. Er befand sich schon eine Weile auf dem Gel\u00e4nde, die Bl\u00fcten hatten also Zeit genug seine Wahrnehmung zu beeinflussen. Vielleicht spielte die Illusion mit Kindheits\u00e4ngsten und zeigte ihm leere Anwesen, Bauten, in denen Menschen grausam gestorben waren. Kriegsruinen \u2026 Diese Angst verfolgte ihn seit seiner Kindheit. Er presste die Lippen aufeinander. Tief in ihm keimte der Wunsch auf, dass die sch\u00f6ne Villa doch Wirklichkeit war. Hilflos ballte er die F\u00e4uste. Diese verdammte Zauberin spielte mit ihm und ver\u00e4nderte seine Wahrnehmung! Er musste sich fangen um diese Beeinflussung endg\u00fcltig abzustreifen. Wie sollte er sonst die Wirklichkeit erkennen?<br>Schwer rang er nach Luft, schloss die Augen und wartete. Das Rauschen seines eigenen Blutes schwoll an. Er h\u00f6rte seine eigenen Atemz\u00fcge beinah unnat\u00fcrlich laut und sein eigener Herzschlag sandte Ersch\u00fctterungen durch seinen K\u00f6rper, die sich mit dumpfen Schl\u00e4gen aus seinem Sch\u00e4del befreien wollten. In seinem Magen sammelte sich Schwere, die ihn aus dem Gleichgewicht rei\u00dfen wollte \u2026 Trocken schluckte er und presste die geballte Faust auf seine Bauchdecke. Ein Kribbeln rann unter seiner Haut entlang. Instinktiv fuhr er mit den N\u00e4geln \u00fcber Handr\u00fccken und Arm. Aber das Gef\u00fchl lie\u00df sich nicht greifen, weil es tiefer lag, irgendwo in seinem Gewebe. Jaleel begann sich in seinem eigenen K\u00f6rper unwohl zu f\u00fchlen. War das nicht beinah das gleiche Gef\u00fchl, wenn er einen magischen Gegenstand ber\u00fchrte? Wollte Ga\u00eblle seinen K\u00f6rper etwa \u00fcbernehmen? Unter dem schieren Gedanken zuckte er zusammen. Fort, so weit weg wie es nur m\u00f6glich war!<\/p>\n\n\n\n<p>Freut euch auf mehr \ud83d\ude09 <br>Beim n\u00e4chsten Beitrag gibt es auch die Personenliste &#8211; auch wenn ich da sehr vorsichtig sein muss &#8230; Spoilergefahr, ihr wisst schon ;p<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hallo ihr Lieben, dieses Mal habe ichz ein paar Textausz\u00fcge aus dem ersten Buch f\u00fcr euch &#8230; und auch einen aus dem 2. Band \ud83d\ude09 Kapitel 1 &#8211; Blutiger StaubAls der S\u00e4bel gegen Schwert und Parierdolch prallte, schoss scharfer Schmerz durch Gwenaels Handgelenke und explodierte in den Ellbogen. 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