{"id":1048,"date":"2017-12-02T18:17:01","date_gmt":"2017-12-02T18:17:01","guid":{"rendered":"https:\/\/lysander1330.wordpress.com\/?p=1048"},"modified":"2018-04-13T17:30:31","modified_gmt":"2018-04-13T17:30:31","slug":"der-rebell","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/?p=1048","title":{"rendered":"Der Rebell"},"content":{"rendered":"<p>Gerade ist <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Glasseelen-Schattengrenzen-1-Tanja-Meurer-ebook\/dp\/B0784DS6PJ\"><strong>Glasseelen<\/strong><\/a><strong>\u00a0<\/strong>neu erschienen, bald wird es auch wieder den Folgeroman <strong>Der Rebell<\/strong> geben. <a href=\"http:\/\/www.homolittera.com\/deutsch\/\">HOMO Littera<\/a> hat dem Buch (und der ganzen Reihe) ein neues Heim gegeben.<\/p>\n<p>Worum geht es?<br \/>\nAm Ende von <strong>Glasseelen<\/strong> erh\u00e4lt Camilla eine Mail von Matthias Habicht, in der er schreibt, dass er grandiosen Mist gebaut hat &#8230; hier die Mail:<\/p>\n<p><em>Hallo Camilla,<\/em><\/p>\n<p><em>ich brauche deine Hilfe. Kennst du den Gesch\u00e4ftsmann Thomas Hoffmann? Wahrscheinlich nicht, oder? Ich w\u00fcrde dich bitten, dass du dich mit ihm oder zumindest mit seinem \u00e4ltesten Sohn Oliver in Verbindung setzt. Es ist wahnsinnig wichtig. Du kannst damit vielleicht eine Katastrophe verhindern und Leben retten \u2026 vielleicht sogar meins.<\/em><br \/>\n<em>Sag ihnen, dass am kommenden Wochenende etwas passieren wird, was unabsehbare Folgen hat. Bitte frag nicht, warum, ich werde es dir nicht erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, aber es geht um das Leben einer ganzen Familie.<\/em><\/p>\n<p><em>Vielen Dank<\/em><\/p>\n<p><em>Matthias<\/em><\/p>\n<p><em>PS: Camilla, wenn du dachtest, Ancienne Colognes Auswirkungen auf uns alle w\u00e4ren gro\u00df gewesen, irrst du dich. Das, woran ich jetzt bin, betrifft auch dich, wenn auch nur am Rande. Bitte hilf mir, bevor ich einen unverzeihlichen Fehler begehe.<\/em><\/p>\n<p>Und damit leute ich das zweite Buch ein.<\/p>\n<p><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Der Rebell &#8211; Klappentext<\/span><\/strong><br \/>\nOlivers Welt bricht zusammen, als sein Vater wie von Sinnen \u00fcber seine Mutter und seine Geschwister herf\u00e4llt. Nur Christian und Michael \u00fcberleben die Mordnacht unbeschadet. Oliver muss nach seinen schweren Verletzungen reanimiert werden. Danach \u00e4ndert sich seine Realit\u00e4t. Er hat einen Blick hinter den &#8220;Spiegel&#8221; geworfen. Obwohl er diese Welt gern ausschlie\u00dfen will, begleitet sie ihn.<\/p>\n<p>Als auf Christian ein Anschlag ver\u00fcbt wird und Michael ihm beteuert, der Angreifer habe sich vor seinen Augen in Luft aufgel\u00f6st, und zeitgleich weitere Tote gefunden werden, will Oliver nicht mehr unt\u00e4tig abwarten. Zusammen mit seinem Freund, der jungen Kriminalkommissar Daniel Kuhn, taucht er in die Ermittlungen ein. Gemeinsam setzen sie die einzelnen Fragmente einer Vergangenheit zusammen, deren Auswirkungen die Katastrophen in der Gegenwart begr\u00fcnden.<\/p>\n<p><span style=\"text-decoration: underline;\">Und hier bekommt ihr einen kleinen Vorgeschmack auf den 2. Roman:<\/span><\/p>\n<p><em>Ihr hysterisches Lachen endete in ersticktem R\u00f6cheln. Die folgende Stille versetzte Oliver in abgrundtiefes Entsetzen. Nur das Ger\u00e4usch von Metall, das Knochen zersplitterte, drang zu ihm. Das Monster zerfleischte sie. Der Anblick brannte sich in seinen Verstand. Er st\u00f6hnte. Seine Knie zitterten, zugleich f\u00fchlte sich sein K\u00f6rper an, als w\u00fcrde Lava durch seine Adern str\u00f6men. Mit h\u00e4mmerndem Herzen kauerte er sich tiefer unter die Anrichte und presste seine F\u00e4uste auf die Ohren. Er biss auf seine Unterlippe und schmeckte Blut. Ihm wurde schwindelig. M\u00fchsam zwang er sich zur Ruhe. Er musste fliehen, die Polizei rufen, doch er konnte sich nicht regen. Alles in ihm wehrte sich gegen den Anblick, die Ger\u00e4usche und den Geruch. Oliver wagte nicht einmal, ins Wohnzimmer zu sp\u00e4hen. Aber er musste, jetzt sofort, bevor auch er starb.<\/em><br \/>\n<em>Vorsichtig sah er \u00fcber die K\u00fcchenplatte. Noch immer rammte dieser Wahnsinnige sein Messer in ihren Leib. Deutlich h\u00f6rte er, wie die Spitze sich in den Boden bohrte. Der K\u00f6rper seiner Mutter lag vor der Terrassent\u00fcr. Ihr Blut tr\u00e4nkte den hellen Teppich. Sein Vater kauerte wie ein Nachtmahr \u00fcber der Masse aus zerschnittenem Gewebe und zerhackten Knochen. Er hob sich deutlich gegen die hellen Gardinen ab. Schwarzgrauer Dunst kr\u00e4uselte sich um ihn. Stammte der Rauch von der brennenden Zigarette seiner Mutter?<\/em><br \/>\n<em>Oliver reckte sich vorsichtig. Die Schwaden waren zu dunkel. T\u00e4uschte er sich? Mit zitternden Fingern klammerte er sich an die K\u00fcchenplatte. Er w\u00fcrgte. Sein Vater, oder wer immer dieses Wesen sein mochte, hatte den Verstand verloren. Er war kein Mensch mehr. Als er die Wa?e hochriss, spritzte Blut auf Glas und Gardinen.<\/em><br \/>\n<em>Olivers Mageninhalt schoss hoch. Er stie\u00df ein unartikuliertes Ger\u00e4usch aus und presste die Kiefer aufeinander. Zu sp\u00e4t. W\u00fcrgend erbrach er sich.<\/em><br \/>\n<em>Schw\u00e4che breitete sich in ihm auf. Er musste weg, doch seine Muskeln protestierten. Unsicher kroch er aus seinem Versteck, rappelte sich auf und eilte in den Flur hinaus. Flucht war die einzige Chance, wollte er \u00fcberleben. Obwohl er keine Schuhe trug, kamen ihm seine Schritte viel zu laut vor. Sein Vater w\u00fcrde ihn h\u00f6ren, und er w\u00e4re tot, bevor er die Haust\u00fcr erreichte.<\/em><br \/>\n<em>Ein Wutschrei, vermischt mit entsetzlicher Verzweiflung drang aus dem Wohnzimmer. Einen Herzschlag sp\u00e4ter vernahm er den schweren Gang seines Vaters \u2013 er war nicht mehr er selbst, h\u00f6rte ihm nicht mehr zu. Dem durchtrainierten, cholerischen Mann hatte Oliver auch nichts entgegenzusetzen. Nur Schnelligkeit konnte ihn jetzt retten.<\/em><br \/>\n<em>Die Kisten und Ko?er seiner Mutter standen noch im Flur. Seine Flucht wurde zu einem einzigen Ausweichman\u00f6ver. Verflucht! Genauso gut h\u00e4tte der Ausgang einen Kilometer entfernt sein k\u00f6nnen.<\/em><br \/>\n<em>\u201eOlli \u2026\u201c Die weinerliche Stimme seiner kleinen Schwester drang aus dem ersten Stock.<\/em><br \/>\n<em>Elli? Sein Herz verkrampfte sich. Er konnte nicht fortlaufen, solang seine kleinen Geschwister noch im Haus waren. In seiner sinnlosen Raserei kannte sein Vater weder Freund, noch Feind. Er w\u00fcrde vor den Zwillingen und Marc nicht Halt machen, ganz zu schweigen von Elli, die er hasste.<\/em><br \/>\n<em>Oliver blickte nach vorne. Ihn trennten noch f\u00fcnf oder sechs Schritte von der Haust\u00fcr.<\/em><br \/>\n<em>\u201eOlli!\u201c<\/em><br \/>\n<em>In Ellis hysterischem Quietschen lag panische Angst, das Entsetzen, das auch er versp\u00fcrte. Er musste seine Br\u00fcder und Elli in Sicherheit bringen. Abrupt \u00e4nderte er seine Richtung und rutschte weg. Mit rudernden Armen k\u00e4mpfte er um sein Gleichgewicht und st\u00fcrzte auf ein Knie. Schmerz zuckte durch sein Bein.<\/em><br \/>\n<em>\u00bbChris, Micha \u2026\u00ab, keuchte er und sah sich um.<\/em><br \/>\n<em>\u00dcber den Wohnzimmerteppich huschten bizarre Schatten, schwere Schritte n\u00e4herten sich. Olivers Herz raste. Hass und Verzweiflung vereinten sich im Gebr\u00fcll seines Vaters. Die Stimme klang fremd. Begri? sein Vater, was er getan hatte?<\/em><br \/>\n<em>Sicher nicht. Dieses Tier hatte keine Gef\u00fchle.<\/em><br \/>\n<em>Oliver schauderte. Er versuchte, auf die F\u00fc\u00dfe zu kommen, aber sein verletztes Knie gab unter der Belastung seines K\u00f6rpers nach. Ein scharfer Stich trieb ihm Tr\u00e4nen in die Augen. \u00c4rgerlich biss er die Z\u00e4hne zusammen. Beim Boxen hatte er mehr weggesteckt.<\/em><br \/>\n<em>Sein Atem stockte. Wie ein gestaltgewordener Albtraum stand Vater im T\u00fcrrahmen des Wohnzimmers. Die wei\u00dfen Manschetten an seinem Hemd waren rot. Von seinen H\u00e4nden troff Blut auf den Boden. Als er die Hand hob, umwehten ihn Rauchschleier.<\/em><br \/>\n<em>Pl\u00f6tzlich zuckte der Kopf seines Vaters hoch. Oliver fuhr zusammen und wich zur\u00fcck. Trocken schluckte er, aber in seiner Kehle sa\u00df ein Klo\u00df. Instinktiv dr\u00e4ngte er sich in den Schatten zwischen Garderobe und Treppe. Aus phosphoreszierenden Augen starrte Vater in den Flur. Im n\u00e4chsten Moment verengte er sie zu Schlitzen. Eisiger Schrecken breitete sich in Oliver aus. Hatte das Monster ihn entdeckt? Mit einer geschmeidigen Geste, strich Vater sich durch Bart und Haar. Tr\u00e4nen sp\u00fclten helle Spuren in den schmierig roten Film auf seiner Wange und verliehen ihm einen maskenhaften Ausdruck. In der Rechten hielt Vater das lange Jagdmesser. Rauch kroch an seinem Arm herab und umwaberte die Klinge. Er schmetterte die Glast\u00fcr gegen die Wand, tausend Splitter fegten \u00fcber die Fliesen.<\/em><br \/>\n<em>\u201eVater \u2026\u201c Oliver wich zur Treppe zur\u00fcck.<\/em><br \/>\n<em>Einen grotesken Moment entspannte sich die maskenhafte Mimik seines Vaters, die entstellten Z\u00fcge erschla?ten. Es hatte den Anschein, als w\u00fcrde er den Gri? um die Wa?e lockern. Regte sich doch ein Hauch Menschlichkeit in ihm?<\/em><br \/>\n<em>\u201eOlli!\u201c, hallte es wieder von oben.<\/em><br \/>\n<em>Elli, schweig!, schrie er in Gedanken.<\/em><br \/>\n<em>Das Gesicht seines Vaters verzerrte sich erneut. In seinem Blick glomm Erkennen, als h\u00e4tte er begri?en, was der eigentliche Grund seiner verzehrenden Wut war: Elli!<\/em><br \/>\n<em>\u201eLauf, Elli!\u201c, rief Oliver.<\/em><br \/>\n<em>Splitter knirschten unter den Sohlen seines Vaters. Er sp\u00fcrte seine Nerven bis in die Fingerspitzen elektrisieren. Entsetzt fuhr er herum. Abermals explodierte bet\u00e4ubender Schmerz in seinem Knie. Er humpelte, so schnell er konnte, die Stufen hinauf. Die Holzkonstruktion bebte unter ihm.<\/em><br \/>\n<em>\u201eMicha, Chris, bringt Elli und Marc raus!\u201c<\/em><br \/>\n<em>Gel\u00e4nder und Treppe zitterten.<\/em><br \/>\n<em>Vater!<\/em><br \/>\n<em>Oliver nahm sich nicht die Zeit, zur\u00fcckzusehen. \u00bbRaus hier!\u00ab<\/em><br \/>\n<em>Er h\u00f6rte Ellis hysterisches Weinen. Von den Zwillingen vernahm er keinen Laut. Tr\u00e4nen der Verzweiflung rannen \u00fcber sein Gesicht. Sein Vater holte ihn unweigerlich ein, und seine Geschwister verlie\u00dfen sich blind auf ihn. Mit beiden H\u00e4nden zog er sich am Gel\u00e4nder hoch. Die Luft brannte in seinem ausgetrockneten Hals, sengte durch seine Lungen. In einer Seite erwachte stechender Schmerz. Hinter sich h\u00f6rte er keuchende Atemz\u00fcge. Gleich hatte Vater ihn eingeholt.<\/em><br \/>\n<em>Oliver versuchte zu rennen, aber sein Bein protestierte. Er presste die Z\u00e4hne aufeinander und versuchte, es zu ignorieren, da sein Vorsprung schmolz. Das Monster war direkt hinter ihm.<\/em><br \/>\n<em>Etwas Kaltes fuhr ihm \u00fcber Schulter und R\u00fccken. Er hetzte \u00fcber die letzte Stufe, glitt aus und fiel.<\/em><br \/>\n<em>\u201eSchei\u00dfe.\u201c<\/em><br \/>\n<em>Er rollte zur Seite. Sein Vater war \u00fcber ihm. Der Dolch kratzte unkontrolliert \u00fcber das Holz und zog eine tiefe Furche in den Lack. Ohne nachzudenken, riss Oliver seinen Ellbogen hoch, und das Messer polterte ein paar Stufen hinab. Ein brutaler Hieb traf ihn unter dem Auge, sein Kopf schlug hart auf den Boden. Im letzten Augenblick konnte er sich dem Gri? seines Vaters entwinden, rutschte dadurch aber \u00fcber den Treppenabsatz, dessen Kante sich in seine Wirbel bohrte. Eine Faust traf ihn gegen die Brust und trieb ihm alle Luft aus den Lungen. Lichtblitze zuckten hinter seinen Lidern. Er erwartete die n\u00e4chsten Schl\u00e4ge, die ihm s\u00e4mtliche Knochen brechen w\u00fcrden. Doch sie blieben aus.<\/em><br \/>\n<em>Die Treppe bebte erneut.<\/em><br \/>\n<em>Oliver stemmte sich hoch. Ein paar Stufen unter ihm lauerte sein Vater, sprungbereit, das Messer wieder in der Hand. Ein unmenschliches Grollen drang aus seiner Kehle.<\/em><br \/>\n<em>Oliver wollte zur\u00fcckweichen, aber sein K\u00f6rper versagte. Das Monster w\u00fcrde von unten zusto\u00dfen und ihn vom Bauch bis zur Kehle aufschlitzen. Vater duckte sich bereits wie ein Panther vor dem todbringenden Sprung.<\/em><br \/>\n<em>Weg!<\/em><br \/>\n<em>Nein, er musste sich wehren, ihn die Stufen hinabsto\u00dfen.<\/em><br \/>\n<em>Jetzt oder nie.<\/em><br \/>\n<em>Oliver klammerte sich an das Gel\u00e4nder und zog die Beine an. In diesem Moment st\u00fcrzte sich sein Vater auf ihn. Er trat mit aller Kraft zu. Sein Vater stolperte r\u00fcckw\u00e4rts, k\u00e4mpfte um sein Gleichgewicht und st\u00fcrzte die Treppe hinunter.<\/em><br \/>\n<em>Oliver rutschte in den Gang zur\u00fcck, stemmte sich auf die F\u00fc\u00dfe und lehnte sich zitternd an die Wand. Au\u00dfer Gefahr waren seine Geschwister und er noch lange nicht. Die Konstitution seines Vaters \u00fcberstieg seine bei Weitem. Was w\u00fcrde passieren, wenn dieser Irre hier oben ankam? Er wollte sich davon keine Vorstellung machen.<\/em><br \/>\n<em>Unter den wuchtigen Tritten seines Vaters bebte die Holz-Stahl-Konstruktion.<\/em><br \/>\n<em>Oliver blickte nach unten und fuhr zusammen. <\/em><br \/>\n<em>Sein Vater st\u00fcrmte herauf, die Klinge sto\u00dfbereit. In seinen Augen lag nicht das geringste Erkennen.<\/em><br \/>\n<em>Olivers Herz zog sich zusammen. Leben oder sterben? Die Antwort stand au\u00dfer Frage. Er w\u00fcrde nicht kampflos aufgeben.<\/em><br \/>\n<em>In direktem Sto\u00df zuckte die Klinge in seine Richtung.<\/em><br \/>\n<em>So nicht! <\/em><br \/>\n<em>Bei der heftigen Attacke bot ihm sein Vater eine o?ene Angri?sfl\u00e4che. Oliver st\u00fctzte sich am Gel\u00e4nder ab, nahm Schwung und rammte ihm erneut beide F\u00fc\u00dfe vor die Brust. Bet\u00e4ubender Schmerz schoss durch Beine und R\u00fccken. Wieder polterte es, als der Irre die Stufen hinabtaumelte. Oliver wurde schwarz vor Augen. Hinter seinen Lidern flimmerte grauer Nebel, der sich kaum wegblinzeln lie\u00df.<\/em><br \/>\n<em>Daf\u00fcr hatte er keine Zeit.<\/em><br \/>\n<em>Gott, wenn es dich gibt, hilf uns, bat Oliver stumm.<\/em><br \/>\n<em>Angestrengt kniff er die Lider zusammen und zwang seine Ersch\u00f6pfung zur\u00fcck. Ihm blieb keine Zeit sich vollst\u00e4ndig zu fangen. Als er die Augen \u00f6ffnete, gewann die Wirklichkeit wieder Konturen. Das Messer hatte eine dunkle Spur kleiner Spritzer auf den Stufen hinterlassen und lag auf weiter unten. Eine Bewegung lenkte Olivers Aufmerksamkeit um. In den Schatten wogten Nebel auf, als sein Vater schwerf\u00e4llig auf die F\u00fc\u00dfe kam. In seinen Augen funkelte pure Mordlust. Wie Jack Nicholson \u2026<\/em><br \/>\n<em>Oliver schluckte trocken und wich einen Schritt zur\u00fcck, sodass er gegen die Wand stie\u00df.<\/em><br \/>\n<em>Der Abstand zu seinem Vater hatte sich erheblich vergr\u00f6\u00dfert, au\u00dfer Gefahr waren sie dennoch nicht. Er vergeudete wertvolle Zeit!<\/em><br \/>\n<em>Hektisch wirbelte Oliver herum und wich in den Flur. Die Kinderzimmert\u00fcr flog auf und einer der Zwillinge sprang ihm in den Weg.<\/em><br \/>\n<em>\u201eOlli?\u201c<\/em><br \/>\n<em>Entsetzt zuckte er zur\u00fcck, bevor er seinen Bruder umrannte. Michael prallte vor ihm zur\u00fcck und blieb vor Marc und Ellis T\u00fcr stehen. Er weinte stumm. In seinen Fingern hielt er einen Schirm, den er als improvisierte Wa?e schwang. Panische Angst flackerte in seinen hellen Augen. Trotzdem sah er Oliver entschlossen entgegen. Unsanft schubste Oliver ihn in sein Zimmer zur\u00fcck. Gegen das Licht der Stra\u00dfenbeleuchtung erkannte er die Silhouette Christians, der sich mit einem kleinen Holzhammer bewa?net hatte. Instinktiv sprang er Michael und Oliver an und schlug zu. Es tat nicht weh, trotzdem zuckte Oliver. Aus der Abwehrbewegung stie\u00df Oliver seinem Bruder die Hand vor die Brust. Christian prallte zur\u00fcck.<\/em><br \/>\n<em>\u201eRaus hier!\u201c, br\u00fcllte Oliver mit \u00fcberschnappender Stimme.<\/em><br \/>\n<em> Mit Tr\u00e4nen in den Augen und schmerzverzerrtem Gesicht wimmerte Christian. \u201eOlli, was ist los?\u201c<\/em><br \/>\n<em>Auf der Treppe h\u00f6rte er bereits seinen Vater. Unwirsch wies Oliver mit dem Kopf auf das Fenster. <\/em><br \/>\n<em>\u201eKlettert auf die Garage! Ich hole Marc und Elli.\u201c<\/em><br \/>\n<em>Christians Augen weiteten sich. \u201eAber \u2026\u201c<\/em><br \/>\n<em>Hinter ihnen polterte es im Treppenhaus. Panik rann gl\u00fchend durch Olivers Adern.<\/em><br \/>\n<em>\u201eFlieh mit Micha! Ruft die Polizei!\u201c<\/em><br \/>\n<em>Ohne auf eine Antwort zu warten, zog er die T\u00fcr des Zimmers hinter sich zu und st\u00fcrzte in den Nebenraum. Elli kam ihm weinend entgegengelaufen. Sie klammerte sich an ihn. Unsanft befreite er sich und warf hinter sich die T\u00fcr ins Schloss. Aus dem Zimmer der Zwillinge h\u00f6rte er, wie das Fenster ge\u00f6?net wurde. Schritte im Kies auf der Garage folgten. Einen Augenblick sp\u00e4ter gellte ein Schmerzensschrei aus dem Garten. Michael begann zu weinen, Christian rief ihm zu und sprang selbst. Als sich die Stimmen der beiden entfernten, atmete Oliver auf. Nun musste er nur noch Marc und Elli nach drau\u00dfen bringen. Doch bevor er den Gedanken in die Tat umsetzen konnte, prallte sein Vater bereits wieder gegen die T\u00fcr. Das Schloss hielt dem ersten Ansturm stand. Ein weiteres Mal w\u00fcrde seinem Vater dieser Fehler aber nicht unterlaufen.<\/em><br \/>\n<em>Oliver stemmte sich gegen das T\u00fcrblatt, und tastete nach dem Schl\u00fcssel. Er fehlte. Verdammt \u2026<\/em><br \/>\n<em>Hitze und K\u00e4lte rannen durch seine Adern. Sein Vater dr\u00fcckte die Klinke hinunter. Wenn er sich dagegenstemmte, waren sie geliefert. So viel Kraft hatte Oliver nicht.<\/em><br \/>\n<em>\u201eNimm Marc und versteck dich!\u201c, hauchte er.<\/em><br \/>\n<em>Elli sch\u00fcttelte vehement den Kopf. Sie krallte sich in seine Hose und rieb ihr fiebriges, feuchtes Gesicht an seinem Bein. Tr\u00e4nen rannen \u00fcber ihre Wangen. Mit beiden H\u00e4nden umklammerte sie seinen Oberschenkel.<\/em><br \/>\n<em>\u201eElli, weg!\u201c Oliver versuchte, sich von ihr zu befreien. Ihm blieb nicht die Zeit, etwas zu unternehmen. Sein Vater warf sich erneut gegen die T\u00fcr. Holz splitterte.<\/em><br \/>\n<em>Ich bin tot, wir alle sind tot!, schoss es Oliver durch den Kopf.<\/em><br \/>\n<em>Die Wucht katapultierte ihn durch den halben Raum. Er riss seine kleine Schwester von den F\u00fc\u00dfen und begrub sie unter sich. Elli schrie vor Schmerzen und Angst auf. Erschrocken rollte er sich herum und dr\u00fcckte sie von sich aus der Reichweite seines Vaters.<\/em><br \/>\n<em>Der Anblick des blutigen Riesen raubte ihm allen Mut. Wie gel\u00e4hmt starrte er seinen Vater an.<\/em><br \/>\n<em>\u201eNicht! Marc und Elli sind Kinder, du darfst sie nicht t\u00f6ten!\u201c<\/em><br \/>\n<em>Doch sein Vater war mit einem Sprung bei ihm. Hart gri? er in Olivers lange Locken und verkrallte sich darin.<\/em><br \/>\n<em>\u201eNicht \u2026\u201c<\/em><br \/>\n<em>Stechender Schmerz zuckte durch Olivers Kopfhaut in seinen Nacken. Brutal riss sein Vater ihn herum und stie\u00df ihn gegen Marcs Bettchen.<\/em><br \/>\n<em>Nichts geschah. Kein Geschrei von Marc.<\/em><br \/>\n<em>Oliver verlor den Gedanken, als er zu Boden fiel. Ihm wurde schwindelig und schlecht. Ein Faustschlag traf ihn zwischen den Schulterbl\u00e4ttern. Er h\u00f6rte seine Knochen brechen, w\u00e4hrend alle Luft aus seinen Lungen getrieben wurde.<\/em><br \/>\n<em>Durch die wirbelnden Nebel seiner Ersch\u00f6pfung nahm er nur noch wenig wahr. Alle Empfindungen sanken zu einem bet\u00e4ubenden Nichts herab. Elli zerrte an ihm. Das Gef\u00fchl versickerte. Heiser weinte sie, schniefte, verstummte \u2026<\/em><br \/>\n<em>Warum schrie Marc nicht? Der Gedanke hinterlie\u00df eine gl\u00fchende Spur, die ihn elektrisierte. Trotzdem reichte der Schrecken nicht, dass er sich hochstemmen konnte. <\/em><br \/>\n<em>Kleine, hei\u00dfe Kinderh\u00e4nde suchten nach Halt. Oliver zog Elli eng an sich und kr\u00fcmmte sich zusammen. Sie wagte nicht mehr, irgendeinen Laut zu verursachen. Das bebende hei\u00dfe B\u00fcndel Mensch in seinen Armen war voller Leben und Angst.<\/em><br \/>\n<em>Noch.<\/em><br \/>\n<em>In der Sekunde drang die Klinge in sein gebrochenes Schulterblatt. Der Schock benebelte seinen Schmerz, nur, um einen Herzschlag sp\u00e4ter doppelt so stark zu explodieren. Oliver schrie. Es klang fremd in seinen Ohren. Ellis d\u00fcnnes Weinen setzte ein, mischte sich in seine Stimme. Keuchend vergrub er das Gesicht in ihrem Haar, vor seinen Augen tanzten Blitze, etwas rauschte. War das sein eigenes Blut in den Ohren? Das Ger\u00e4usch war so laut, dass es Elli \u00fcbert\u00f6nte und ihn in einen grauen Strudel aus Erinnerungslosigkeit zu rei\u00dfen drohte.<\/em><br \/>\n<em>Elli, kleine Elli \u2026<\/em><br \/>\n<em>Sein Vater zerrte ihn an den Haaren hoch. Der Schrei seiner Schwester drang tief in sein Herz. Oliver klammerte sich an sie.<\/em><br \/>\n<em>Wieder erinnerte er sich an Marc. Sein j\u00fcngster Bruder lag vollkommen ungesch\u00fctzt in seinem Bett. Er w\u00e4re ein leichtes Opfer.<\/em><br \/>\n<em>Blindlings tastete Oliver tastete nach ihm. Seine Finger umklammerten das Holzgitter und ber\u00fchrten Marcs winzige F\u00fc\u00dfe. Der Kleine war ihm so nah, zugleich aber unendlich weit entfernt. Er erschrak \u00fcber die Bewegungslosigkeit seines Bruders. Warum schrie Marc nicht? Warum strampelte er nicht?<\/em><br \/>\n<em>Tot \u2026<\/em><br \/>\n<em>Oliver konnte den Gedanken nicht festhalten. Instinkte verdr\u00e4ngten den Verstand.<\/em><br \/>\n<em>Fort.<\/em><br \/>\n<em>In einem letzten Aufb\u00e4umen warf er sich nach vorne. Er sp\u00fcrte, wie ihm sein Vater dadurch die Haare b\u00fcschelweise ausriss. Dumpf und fern f\u00fchlte sich der Schmerz an \u2013 fremd. Er fiel hart zu Boden, wobei er den weichen K\u00f6rper Ellis unter sich begrub. Seine Schwester keuchte atemlos und weinte nun ungehemmt. Er h\u00f6rte schwach ihren rasselnden Atem.<\/em><br \/>\n<em> Mit ihren kleinen \u00c4rmchen k\u00e4mpfte sie gegen sein erdr\u00fcckendes Gewicht an. M\u00fchsam zog er die Beine an den Leib. Es kostete ihn unendlich viel Kraft, aber sie bekam dadurch etwas mehr Freiraum.<\/em><br \/>\n<em>Das Messer traf ihn wieder, aber nicht tief. Sein Vater zog es aus seinem K\u00f6rper. Eine Woge bet\u00e4ubender Erleichterung raste durch seinen Verstand, nur um erneut in Agonie zu explodieren, als die Klinge wieder in ihn eindrang, wieder und immer wieder.<\/em><br \/>\n<em>Oliver glaubte, die Schmerzwellen zu f\u00fchlen, die durch seine Nerven bis in seine Fingerspitzen schossen. Seine Welt versank in blutigen Schleiern und panischer Angst, w\u00e4hrend er Elli unter sich barg. All seine Empfindungen stumpften ab. Der letzte Gedanke galt seinem Vater: Warum?<\/em><\/p>\n<p>Gefallen? Mehr gibt es im Winter 2017 \/ 2018.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade ist Glasseelen\u00a0neu erschienen, bald wird es auch wieder den Folgeroman Der Rebell geben. HOMO Littera hat dem Buch (und der ganzen Reihe) ein neues Heim gegeben. Worum geht es? Am Ende von Glasseelen erh\u00e4lt Camilla eine Mail von Matthias Habicht, in der er schreibt, dass er grandiosen Mist gebaut hat &#8230; hier die Mail:&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[421,24,26,14],"tags":[72,177,179,182,183,211,270,300,327,329],"class_list":["post-1048","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blog","category-bucher","category-der-rebell-schattengrenzen-ii","category-schattengrenzen","tag-action","tag-gay-crime","tag-gay-romance","tag-geheimnisse","tag-geister","tag-horror","tag-liebe","tag-mystery-thriller","tag-punk","tag-queer"],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1048","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1048"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1048\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1250,"href":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1048\/revisions\/1250"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.schattengrenzen.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}