Autor: Tanja

Glossar zu “Night’s End” und “Die Stadt der Maschinenmagie”

Bei verdammt viele Lesern kam der Wunsch nach einem brauchbaren Glossar und einer Karte zu meiner Fantasy-Welt Äos. Tut mir unendlich leid, dass ich das immer habe unter den Tisch fallen lassen. Aber da gerade der zweite Band zu “Die Stadt der Maschinenmagie” im Lektorat ist und ich bei Simon Rhys Beck (DeadSoft) nachgefragt habe, ob er an der Vorgeschichte, dem ursprünglichen “Night’s End” Interesse hat, lade ich endlich mal das Glossar (das für beide Reihe Gültigkeit hat) hoch; inklusive der Karte.

Glossar:

A

Äos – Name der Welt

B

Blutberge – Bewaldete Sandsteinberge im Osten und Norden um Valvermont. Die Berge haben ihren Namen wegen des roten Gesteins in der Sonne.

Avatar – Personifikation eines Gottes auf Äos

C

Cellérière – Oberin (Mutter Oberin)

Conseiller Judiciaire – Justitiar

D

Daoan-Mond – Der größte der drei Monde, ein weißer, bei vollem stand sehr lichtintensiver Mond. Zumeist stehen die zwei anderen Monde vor ihm und nehmen etwas von der Helligkeit.

Drachenprinzen – Die Drachenprinzen des Nordens sind zumeist silberne oder weiße Drachen, deren Blut vermischt ist mit einer anderen hohen Rasse wie den Elf oder Orcs.

Die Drachenprinzen des Südens sind schwarze Drachen und haben sich ausschließlich mit schwarzen Elfen gepaart. Aus jeder Mischung entstammen besondere Männer und Frauen, deren Stärken in der Kriegsführung, Diplomatie oder Magie liegen. Das allein adelt sie unter ihresgleichen und gibt ihnen Anrechte auf die Regentschaft.

Drachlinge – Kleine Drachen, die stark magisch/ psyonisch veranlagt sind und die Fähigkeiten haben, sich mit einem Zauberer zu einer geistigen Vereinigung zu zwingen. Durch diese Partnerschaft weiß ein Teil des Gespanns immer, was der andere denkt, fühlt oder macht, selbst über Entfernungen hin.

Drachlinge teilen sich farblich unterschiedlich auf. Weibchen haben rotgoldene Schuppen, Männchen grüngoldene, Neutren blausilberne. Die Neutren haben die Veranlagung sehr schnell extrem Dick zu werden, fressen auch mehr als ihre Artgenossen, besitzen aber auch das stärkste magische Potential. Sie sind extrem selten.

In der Größe sind sie gleich zu einer normalen Hauskatze und haben noch einmal genauso lange Schwänze und Hälse, die ein Drittel ihrer Körperlänge ausmachen. Die Flügel tragen sie immer nur kurze Zeit. Im Gewicht liegen sie zwischen 2 und 7 Kilo.

E

Eisenberge – Kaltes, sehr weitläufiges Hochgebirge, in dem viele Erze abgetragen werden können. Viele Völker haben dort kleine Dörfer, in denen Erze abgebaut oder verarbeitet werden können. Zu einem sehr großen Teil gehört diese ertragreiche Gegend dem Norden.

F

Feline – Gestaltwandler, die einer eigenen Rasse angehören. Im Gegensatz zu Werwesen aller Arten handelt es sich bei ihnen nicht um eine Krankheit mit Ansteckungsgefahr.

Gerüchten zufolge sollen Feline als ein Unter-Produkt der Ratten entstanden sein, Wesen, die für die Metamorphose zwischen Humanoid und Tier idealer waren. Ihnen fehlt die Resistenz der Ratten, ihre Langlebigkeit und Kraft, aber sie können sich normal vermehren und sind gesellschaftlich anerkannt, denn sie besitzen eine humanoide Zweitform.

Freistadt (Valvermont) – Weder an das Kaiserreich, noch an andere Reiche gebundene Städte, die eine eigene Regierung haben.

G

Gismonda – Warme, aber politisch sehr schwache Insel im Meer, auf einer Höhe mit Valvermont und einem Teil der nördlichen Ausläufer des Kaiserreiches.

Glaube – nach dem großen Krieg vor 250 Jahren ist der Glaube an Avatare (von den Göttern gesandte Entitäten, die sie durchaus fleischlich auf Äos vertreten), stark gestört. Während des Krieges wurde bekannt dass die sogenannten Avatare nichts als einfache Lebewesen sind, die entweder von Natur aus langlebig sind oder von Seiten des einen einzigen wirklichen Gottes durch andere, mit dem gleichen Potential gesegnete Personen ausgetauscht worden sind, sobald sie ihren Sinn und ihre Befähigungen verloren.

Es gibt fast keine Glaubensverbreitung zu den Göttern. Die Kirchen wurden in vielen Fällen nicht wieder aufgebaut und die Avatare erlitten teils schreckliche Schicksale.

Priester werden generell ungern gesehen, nur im Zusammenhang mit Heilung und Unterstützung auf dem Schlachtfeld dürfen sie noch offiziell dienen. In manchen Landstrichen, außerhalb großer Städte, verschwinden immer wieder heilige Frauen und Männer spurlos. Selten werden solche Fälle ernsthaft aufgenommen und verfolgt.

Götter – die dreizehn Götter und die fünf Elementare stellten sich im Lauf des Krieges als besonders starke Priester, langlebige Geschöpfe oder Begünstigte heraus. Die Entitäten entsprachen in erster Linie bestimmten Gesetzmäßigkeiten wie Leben und Tod, Zeit, Chaos, Ordnung, etc. Ein paar entsprachen positiven Dingen wie Schutz, Glück und Kreativität, andere negativen wie Krieg und Verrat oder vollkommen wertungsfreien wie Magie.

Die fünf Elementare waren Feuer, Wasser, Erde Luft und Leere, wovon das letzte sich als das einzig relevante erwies.

Auch heute leben die Avatare noch unter den Bewohnern von Äos, nur werden sie weder verehrt noch machen sie sonderlich viel Aufsehen um ihre Person. Zumeist lassen sie sich nichts anmerken und verschweigen ihre Vergangenheit vollständig.

Trotz allem zählen zu ihnen Aycolén Amaro, Lysander (Luca-Seraphin Verladis) und die Zwergin Alrine Bergan.

Keiner von ihnen sehnt sich nach der alten Zeit. Sie leben vielleicht auch nicht still unter den anderen, aber zumindest lassen sie der jungen Generation den Vortritt und beobachten ihr Vorankommen in eine neue Zeit.

Graue Pentakel – Magierorden

Grauroben – Gildenmagier

Greifer

Großmarkt

H

Handwerkerviertel

Hafenviertel

Hochstraße/ Hochstadt

I

J

K

Kalesh – ein durch Magie zerstörtes Wüstenkönigreich, die Heimat des Prinzen Mesalla und der trostloseste aber heftig umkämpfteste Ort an der Südspitze Äos.

Kalesh liegt zwischen Paresh und Rouijin.

Weshalb dieser sandig steinige Ort so begehrt ist, weiß kaum jemand. Wahrscheinlich hat selbst Paresh über die Jahrhunderte vergessen, was ihnen an diesem Streifen kargen Landes so wichtig ist.

Katakomben

Klimazone Valvermont/ Maiden Haven – Durch die erzwungene Aufrechterhaltung des beständig frühlingshaft warmen, teils sommerlichen Klimas (durch Magie) hat sich an den Rändern der Magiegrenze (Grenzgebiet Valvermont/ Kesh) eine sehr raue Zone gebildet. Stürme, Regen und Sturmfluten sind normal. Besonders schlimm hat es den nah gelegenen Grenzhafen Maiden Haven ereilt. Das Meer weißt hier extreme Strömungen auf, die das Anfahren des für Sarina wirtschaftswichtigen Handelshafens zu einem Selbstmordkommando machen kann. Viele Seefahrer umsegeln diese Gegend in weitem Bogen. Kein anderer Hafen hat diese Probleme, was an der Hitze/ Kälte liegt, den beiden Extremklimazonen. Verlässt man Valvermont, so kommt man automatisch in eine schöne, wilde und sehr kalt zerklüftete Gegend, die noch sehr deutlich wiederspiegelt, dass die Nordlande nicht besonders weit entfernt liegen.

Mesalla lässt nach fünf Jahrhunderten Veränderung des Wetters allmählich wieder die normalen Wetterbedingungen in Valvermont einziehen, was zur Folge hat, dass es teilweise unglaublich heiß wird, oft regnet und ein anschließender Temperatursturz kommt, der sich meistens innerhalb eines einzigen Tages fängt.

Die Naturmagier und Priester Valvermonts haben permanent große Magieaufwendungen aufzubringen, weshalb sie zu den Spitzenverdienern der Stadt gehören. Die meisten sterben allerdings sehr jung und an Entkräftung.

Hintergrund für diesen massiven Eingriff in die Natur ist der wirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekt. In Valvermont lassen sich durch das hervorgerufene Klima bestimmte Pflanzen züchten, die einzigartig sind, das gilt auch für bestimmte Tierrassen. Der Wirtschaftszweig ist fest etabliert und für die Stadt lebenswichtig. Das bedingt auch, dass Valvermont den höchst möglichen Bestand aktiver Magieanwender sein eigenen nennen kann, ein Schutz, den Mesalla nie missen wollen würde, denn damit ist diese vergleichsweise (zu Sarina und den Nordlanden) kleine Freistadt nahezu uneinnehmbar und wirtschaftlich (finanziell) vollkommen autark.

Das Klima hat zusätzlich viele Siedler angezogen und vereint einen nicht zu verachtenden Anteil des Gesamtvermögens von Äos auf engem Raum.

Fällt all das weg, verliert Valvermont Aufmerksamkeit, Ansehen, Wirtschaftsstärke und Bedeutung. Mesalla steckt also in einer Zwangslage.

Künstlerviertel

L

Labyrinth – Der Ort der Vergessenen, wie die Dichter ihn überromantisiert nennen. Es ist ein verwilderter Teil der Stadt, der von einem Dickicht aus mit den Häusern verwachsenen Bäumen, eingebrochenen Ruinen und dem Todesring – einer unbewohnten Ruinenzone aus alten Häusern, die noch aus der zeit des Elfenkönigreichs Valvermont stammen und von Untoten aller Art bewohnt werden – geschützt wird.

Im Labyrinth wurden – auf Befehl Mesallas – schon vor Jahrhunderten Schwerverbrecher, Berufsverbrecher, Behinderte, Degenerierte und Seuchenkranke abgeliefert. Was wie vollkommener Wahnsinn wirkt, hat System. Herr über das Labyrinth ist der elfischer Priester Justin D’Arc, ein Verfluchter (Vampir), der paradoxerweise das reine Leben in sich trägt. Genaugenommen ist der Ort also nichts anderes als der Vorläufer des Zentralgefängnisses und des Irrenhauses, mit dem unterschied, dass sich die Bewohner dort frei im Rahmen des Gebietes bewegen können.

Über die Jahrhunderte haben die Nachfahren der Inhaftierten Familien gegründet und dort eine eigenständige Gesellschaft gebildet. Die, die dort leben haben sich nie etwas zu schulden kommen lassen, sind aber aufgrund ihrer Abstammung dazu verurteilt über alle Generationen das Schicksal ihrer Vorväter zu teilen. Der Unmut ist groß gegen den Prinz und all die, die im Licht und in Freiheit leben dürfen, weswegen die „rechtschaffenen“ Bürger der Stadt diese Gegend fürchten und meiden.

M

Maiden Haven – Kleine Hafenstadt an der Westküste, sehr dicht an den Grenzen Valvermonts, dennoch nördlichste Provinz Sarinas. Durch die klimatischen Veränderungen der freien Handelsstadt schwer von Flutwellen und Stürmen gebeutelt.

Maître – die Bezeichnung eines Meisters egal in welchem Berufszweig.

Magie (arkane Magie) –  Formulare, erlernte Zauberei, die nichts mit natürlicher, eigener Magie einzelner Rassen zu tun hat. Anhand von Büchern, mathematischen Formeln, Bannkreisen und Materialkomponenten kann jeder, dessen Intelligenz dazu ausreicht, sich die Worte, Gesten und “Zutaten” zu merken, Magie aus der Umwelt, der Welt, den Elementen und den Lebewesen gewinnen und für sich nutzen.

Grundvoraussetzung allerdings ist, dass man lesen und schreiben kann.

Einigen, wenigen Rassen ist es nicht möglich aus sich heraus Magie zu gewinnen und zu nutzen. Für sie war der ursprüngliche Gedanke der Orden.

Leider nutzen zu viele die eigentlich sehr einfache Option des Lernens, ohne zu realisieren, dass sie damit die in sich existente Zauberkraft zerstören können. Das Formulare Anwenden geht gegen jede natürliche Entstehung eines Zaubers und macht es nach einer Zeit sogar unmöglich noch eigenständig Magie zu nutzen.

Die arkane Magie greift auf feste Schulen zurück, die sich stark untereinander abgrenzen.

Nekromantie, Beschwörung, Kampf, Illusion, Erkenntnismagie, etc.

Magie (Natürliche Magie) – Das Gegenteil der Formularen Magie. Aus der Rasse ergibt sich die Art des Bindens der Magie in eine bestimmte Form. Elfen, Seraphs, Celestial, Zwerge, Trolle, Drachen und Orcs sind Rassen, die aus sich heraus zaubern können. Die Magie findet anhand dessen, was die Person kennt, erlernt hat und wie sie denkt und fühlt, eine Ausdrucksform, die sich manchmal stark von der Formularen Zauberei unterscheidet, schon weil sie vereinfacht wird, verkompliziert, ohne Komponenten funktioniert, dafür aber mit mehr Gesten. Der Beitritt in einen Orden kann die Magie einer Person vollkommen vernichten und derjenige lernt etwas, das gegen seine Natur geht.

Bei natürlicher Magieanwendung verwischen die Schulen der Zauberei und bilden ganz eigene und neue Mischformen.

Luca hat daraus seine Zauberträger erschaffen, die schwarzen Schmetterlinge, die sich auf seinen Wunsch oder Befehl hin gegen seine Gegner erheben.

Magie (Naturzauberei) – Darunter fasst sich die ganze Palette der druidischen oder kräuterkundigen Magie zusammen. Die Personen, die so naturverbunden sind, dass sie mit Hilfe von Erde, Tieren und Pflanzen Zauber wirken können, sind mehr als selten und leben zurückgezogen in der Einöde oder Wildnis. Solche Männer und Frauen sind zumeist sehr einfach und beherrschen weder das Lesen noch das Schrieben. Aber ihre Sinne sind wesentlich wacher und offener für das Wesentliche, das Leben und das Land. Sie erlangen ihre Kräfte zumeist, weil sie selbst mehr ein Teil der Wildnis sind und die Zivilisation meiden.

Magie (Priesterliche Magie) – Die Zauber hängen von den Dreizehn Göttern und den fünf Elementen ab. Zumeist unterseht die Art der Magie mit dem Avatar eines Gottes. In vielerlei Form sind es Gebete, Wünsche, Ritaulgesänge und Tänze. Alle bewegt sich stark im Rahmen dessen, was der Gott und sein Avatar vorgeben. Einige Überschneidungen zu der Naturzauberei und der natürlichen Magie gibt es allerdings. In ihrem grundsätzlichen Wesen aber unterscheidet sich die priesterliche Magie Grundlegend von der arkanen und der natürlichen. So zum Beispiel hat ein Priester auch nicht immer einen gleichbleibenden Zufluss von Magie zu erwarten. Es hängt vieles davon ab, wie gut er seinem Gott dient, sich den Regeln und Rieten unterwirft und welche Erfolge er im Volk zu verzeichnen hat, wenn er die Interessen seiner Kirche vertritt.

Priester sind im Generellen sehr von den Launen ihrer Götter abhängig.

Magie (Psi-Kräfte) – Lediglich eine Hand voll Personen besitzt die erweiterten geistigen Fähigkeiten, die vollkommen Wortlos sind, keine Komponenten brauchen und keine Zauberkreise. Einzig die Drachlinge haben diese Fähigkeiten natürlich angeboren. So können sie untereinander kommunizieren, ohne zu sprechen, die Elemente aus sich und ihrer Umwelt ziehen und sich sogar gegen die Götter zur Wehr setzen.

Magie (des Landes) – Drachen nutzen diese Art der Zauberei sehr gerne, weil es einfacher ist und sie nicht schwächt. Leider laugt es die Welt stark aus und macht blühende Länder zu Wüsten. Kalesh ist das Beispiel schlechthin für die Ausbeutung der Erdkräfte. Ein Ort, wenn er von sich aus, oder durch bestimmte, sehr schwerwiegende Ereignisse eine hohe magische Konzentration besitzt, ist ein starker Anzugspunkt für Drachen. Sie nutzen diese Kräfte weidlich aus, bis der Platz zerstört ist.

Magie – Zaubersänger/ Zaubertänzer – Sie sind eine Abspaltung natürlicher Magier, die ihre Formeln in ihren Gesang oder Tanz zu binden vermögen. Aber im Gegensatz zu den Magiern haben sie die Möglichkeit den Geist anderer zu beeinflussen, Könige zu Bettlern zu degradieren und der Schönheit in allen Formen zu huldigen. Ihre Grazie und ihre Anmut beeinflusst die Kraft ihrer Zauber stark. Je schöner und edler ein Vortrag ist, desto perfekter stellt sich das Ergebnis ihrer Zauber ein. Justin ist ein Meister dieser Zauberart. Allerdings liegen auch Lucas Stärken eher darin. Gesang und Tanz, das Spiel von Flöte und Laute besitzt bei ihm weitaus mehr Kraft als die Formulare Magie. Die Idee der Schmetterlinge stammt aus solch einem Prinzip.

Maiden Haven – Kleine Hafenstadt an der Westküste, sehr dicht an den Grenzen Valvermonts. Durch die klimatischen Veränderungen der freien Handelsstadt schwer von Flutwellen und Stürmen gebeutelt.

Mechanik – ist die „neue Magie“ wie einige sagen. Stück um Stück verändern ideenreiche Männer und Frauen die festgesetzten Regeln der Welt, in dem sie mit ihren Erfindungen ständig neue Dinge erschaffen, die die tägliche Arbeit erleichtern, Generälen neue Waffen in die Hände geben und durch den Bau der Fabriken das Stadtklima vergiften. Im gleichen Maß, in dem die Mechanik das Leben erleichtert, verschlechtern sich die sozialen Zustände. Aber die wenigsten merken etwas davon, denn mechanische Tiere, dampfbetriebene Maschinen und fliegende Schiffe nehmen die Aufmerksamkeit aller gefangen.

Mimétisme – eine Kreatur die einen räumlichen Gegenstand zu imitieren in der Lage ist. Diese Wesen jagen in der Gestalt einer Kiste, Truhe, Schatulle oder eines kleinen Unterstandes oder Hauses. Seltener nehmen Mimétismen die Form von etwas Lebendigem an. Wie eine Mimétisme tatsächlich aussieht, ob und wie sie sich bewegt, ist nur bruchstückhaft überliefert. Die wenigsten Opfer überleben einen solchen angriff. Wenn es ihnen klar wird, hat die Mimétisme bereits Kleider, Waffen und Haut angelöst und ist in der ersten Phase der Verdauung.

Morgue – Leichenhallen, die in besonders kühlen Kellergewölben angelegt werden.

Mundane – Lebewesen ohne magische Talente.

N

Night’s End -Kleines Dorf in den Blutbergen, das eine zentrale Rolle im Geschehen der Welt spielt

Nordlande/ Valverde – Zusammenschluss der stark zerrütteten Nordregion. Die Siedler setzen sich vorwiegend aus Elfen, Orcs, Trollen und Drachenvölkern zusammen.

Die meisten, kaum mehr zu rettenden Schäden in Politik und Wirtschaft gehen auf die Verräterin Aki Valstroem zurück, die einstmalig erster Ritterin des Reiches, Avatar des Todes und ehemalige Königin. Orin stammt aus ihrer Kronstadt und ist entfernt mit ihr verwandt.

O

Oger – Wenige von den Riesen leben noch auf Äos, und zumeist findet man sie in der Gesellschaft der Drachen. Sie waren einst die Herren der Berge, starke und Machtvolle Zauberer, die sich weit über die Künste und das Wissen ihrer kleineren Cousins, die Trolle, erhoben. Aber die Legenden sagen, dass sie den Göttern zu nah kamen und sie fast vollkommen von der Welt getilgt wurden.

Opalelfen – Rund 700 Jahre liegt es zurück, dass die Opalelfen verschwanden und mit ihnen die letzten Überreste ihrer dekadenten Kultur. Ihr Geheimnisvolles dahinscheiden ist nie überliefert worden. Es gibt nur noch zwei Opalelfen, die darüber eine Aussage treffen können, Justin D’Arc, der Herr über das Labyrinth ist und sein Neffe Eeliath.

Beide sprechen nie über diesen Teil ihrer Vergangenheit. Eeliath wurde in Sarina geboren und hat nichts davon erlebt und Justin schweigt eisern darüber. Er ist so weit gegangen, sich einen anderen Namen und eine neue Identität zuzulegen, um alle Erinnerungen auf ewig zu begraben. Wenige Eingeweihte wissen, dass er bis heute in den Resten seines Palastes lebt und ein Hochadeliger ist, aber jenseits des Labyrinths ist über ihn nicht viel bekannt

Orc – ein Überbegriff für die meisten großwüchsigen, missgestalteten Männer und Frauen, die einst zu den Elfen Zählten. Ihr deutlichstes Rassenmerkmal sind die immens großen, herausstehenden Unterkieferhauer, die im schlimmsten Fall Fingerlang wachsen können.

Dieses Volk hat aus seiner Verunstaltung eine Kunstform geschaffen, besondere Zahnverzierungen, Gravuren, Aufsätze aus Gold und Silber, mit und ohne Edelsteinen. Zusätzlich gehören sie zu den reinlichsten Rassen, besonders was ihre Zahnhygiene betrifft.

Generell sind Orcs ausnehmend sehnig und muskulös. Einige von ihnen können aber nur schwer ihr ursprüngliches Elfenblut verleugnen. In diesem Fall sehen sie grotesken Elfenabbildern mit zu lang geratenen Gliedmaßen ähnlich.

P

Paresh – ein heißes, überwiegend von Wasser umgebenes Königreich mit besonderen Klimabedingungen. Es gibt starke Regenzeiten, in denen der südliche Teil des Landes einem Morast gleicht. In der Folgezeit ist die Luft so feuchtheiß, dass viele Personen an Atemnot und Überlastung sterben.

Die Trockenzeit wiederum birgt andere Tücken, unter anderem Dürre. Einige Gebiete die an Kalesh und Sarina stoßen, sind davon auch betroffen.

Dahla, die Hauptstadt Pareshs wurde auf einer Insel in einem See errichtet. Brücken führen vom Festland darauf zu. sie ist ein Bollwerk nach innen und außen. Gerüchten zufolge leben etliche Bürger unfrei, wie Gefangene im Inneren. Anderen Aussagen nach soll Dahla ein Juwel der südlichen Baukunst sein, in dem nur ausgewählte Bürger, Berater und Soldaten leben.

Genaugenommen ist Dahla nichts anderes als ein gigantischer Palastkomplex, der sich als Stadt tarnt und alle Formen Bediensteter mit einschließt.

Parhur – Lebewesen mit Dämonenblut, was sich in der einen oder anderen sichtbaren Form ausdrückt. Bei einigen zeigen sich Hornansätze, Reißzähne, ein scharfes Gebiss, vollständig rote oder schwarze Augen, im schlimmsten Fall verkrüppelte Flügelansätze, fauliger Körpergeruch oder einen Schwanzfortsatz.

Der größte Teil aller Parhur stammt aus den heißen Gebieten Äos’ nah Sarina, Paresh, Kalesh oder der Wüste.

Sie sind dem Element Feuer geweiht und beten deren Avatar an, beherrschen aber in den seltensten Fällen irgendeine Art der Magie. Ihnen fehlen die meisten besonderen Fähigkeiten, die reinblütige Dämonen besitzen.

Die Gesellschaft keines Landes sieht Parhur sonderlich gern. Zumeist leben sie in kleinen Enklaven am Rand der Gesellschaft, oft als einfache Arbeiter, Bauern und Handwerker.

Wenn ein Parhur aus dem Rahmen des Gesetzes fällt, nutzt er gern seinen schlechten Volksruf aus, um Angst und Schrecken zu verbreiten oder die Gefährlichkeit seines Namens zu untermauern.

Q

R

Rattenmenschen – Rasse von riesenhaften, nahezu unsterblichen, humanoiden Ratten. Sie sind Konstrukte, geschaffen aus Magie und Alchemie, die Vorläufer der Automaten mit selbstständigen Gedanken und Gefühlen.

Durch ihre robuste Natur sind sie nahezu unverwundbar, aber normalerweise nicht in der Lage sich zu vermehren. Einzige Ausnahme ist Sisikazev Viz Cyan, die einzige Ratte, die geboren wurde und offen in Valvermont lebt. Sie stellt den ersten Capitaine der Leibgarde des Prinzen und ist ihm treu ergeben.

Rouijin

S

Sarina

Seraph – Luftgeborene oder auch die Unglücksboten. Sie sind eine Rasse von Gestaltwandlern, die im Rahmen ihres Alters alle Altersstufen annehmen können und in der Lage sind, ihr Geschlecht zu ändern. Sie sind in der Lage ihre Flügel aus ihrem Körper heraus zu befreien und zu nutzen. Ihre natürliche Gestalt ist schwarz und mit besonders dichter, dicker Haut versehen, die einen flexiblen Schutz bietet. Magie gehört zu ihren angeborenen Fähigkeiten.

Durch Aberglaube und ihren schlechten Ruf waren sie über Jahrhunderte gezwungen ihre Gestalt hinter einer anderen Rasse zu verbergen. Dieser üble Leumund entstammt in erster Linie der Annahme, dass ihnen selbst nie Glück beschieden ist und sie deshalb andere ins Unheil reißen.

Südstadt

T

Todesring – ein um das Labyrinth existenter Ring von mehreren Straßenzügen, in denen es keinerlei Leben gibt. Man sagt, die lebenden Toten wandelten dort.

Auffällig nur, dass die Häuser in einem seit Jahrhunderten anhaltend nutzbaren Zustand sind.

Mutproben von Kindern und Jugendlichen führten meistens dazu, dass diese nie wieder zurückkehrten.

Trolle – Nach dem Krieg haben sie ihr zurückgezogenes Leben, in den Bergen und Grenzländern zwischen den Nordlanden und Valvermont, aber auch Paresh und Sarina aufgegeben. Sie bewahren das Geheimnis um die Oger tief in den Legenden ihres Volkes. Sie gelten als Humanoidenfresser, sind aber in vielen Fällen sogar Vegetarier. Ein paar von ihnen forcieren die Trennung zu anderen Völkern, weil die Dekadenz der Zivilisation ihren im Krieg erschütterten Glauben an ihre Götter zusätzlich angreift und sie den Gedanken leben, dass die Existenz in Städten den Fluss ihrer natürlichen Magie stark hemmt. Sie stellen viele Druiden, Hexen und Naturpriester, aber genauso viele starke natürliche Magier, die in ihrer konzentrierten Lebensweise meist weitaus effektiver als arkane Zauberkundige sind. Die Weisheit des Volksglaubens ist nicht zu unterschätzen. Hat auch einmal ein Troll einem anderen Wesen seine Treue geschworen, so wird keine Macht der Welt diesen Bund je wieder lösen können.

Die Mehrheit der Trolle lebt allerdings in der Zivilisation und stellt ausgezeichnete Händler, weltoffene, herzliche Männer und Frauen, die für ihre Gastfreundschaft und ihre Fähigkeit zu feilschen berühmt sind.

Diese Trolle sind besonders magiearm, aber sie wissen den Kontakt zu anderen Rassen nicht nur zu schätzen sondern ziehen all ihre Kraft aus der Kommunikation und dem lebendigen Miteinander. Leider werden diese Geschöpfe selten älter als 50 bis 80 Jahre alt.

U

Universitätsviertel

V

Valverde

Valvermont – Die Freistadt Valvermont liegt an der westlichen Küste, zwischen dem Kaiserreich und den Nordlanden. Nördlich und östlich wird sie umfasst von den Blutbergen, die in die Eisenberge übergehen. Ein großer Teil der beiden Gebirge ist Hoheitsgebiet des Nordens, geht aber in den Südausläufern in das Gebiet des Kaisers über. Im Umkreis von 100 Meilen gehören das Land und die Orte noch zu Valvermont.

Night’s End, das östlich in den Gebirgswäldern der Blutberge liegt, ist noch Teil von Valvermont.

Die Stadt ist unter der Regentschaft von Prinz Mesalla, der sie vor etwas über 150 Jahren in seinen Besitz brachte, indem er die Nachfahren des damaligen Königs kurzerhand absetzen ließ und via Notstandsgesetzen die Regentschaft übernahm. Das vormalige, durch Inzest kränkelnde Herrscherhaus würde in ein dauerhaftes Exil auf die Halbinsel Gismonda verbannt.

Seit Mesalla, der einer der schwarzen Drachenprinzen aus Kalesh ist, die Herrschaft übernahm, brachte er die zerrüttete und finanziell schwache Stadt zu neuem Glanz und Wohlstand.

Er führt die Stadt eiserner Hand, aber auch gewitzt und diplomatisch perfekt taktierend.

In Valvermont sammelten sich, durch den plötzlichen Wohlstand, viele Magierorden, die Mesalla nur zu bereitwillig zu seinem Gesamtkonzept hinzufügte. Mit Hilfe der Zauberei aller Arten, hält er ein ausgewogenes Klima, in dem alles an wichtigen Früchten und Getreide wächst und gedeiht.

Die Stadt selbst, teilt sich unterschiedliche Bezirke auf.

Südstadt, Universitätsviertel, Hafen, Patrizierviertel (Oberstadt), Handwerkerviertel, Künstlerviertel, Labyrinth. Alles ist um den Großmarkt und den Regierungspalast, bzw. das Theater angeordnet.

Jeder einzelne Stadtteil hat noch einmal eigene, kleinere Marktplätze und die Meisten haben Sammelbrunnen, aus denen sie ihr Trinkwasser beziehen. Allerdings haben der Palast und die Oberstadt eigene Pumpenanlagen, um direkt aus der großen, unterirdischen Kaverne unter der Stadt ihr Wasser in die Häuser hinein zu verlegen.

Unter dem Labyrinth, dem Ort der Ausgestoßenen und Verbrecher, gibt es die unterirdische Kristallstadt.

Dass die Stadt eigentlich von drei Männern regiert wird, ist außerhalb Valvermonts nicht bekannt.

Mesalla beherrscht die Stadt in ihrer Gesamtheit, Justin D’Arc ist der Herr des Labyrinths und Nicodemus der Herrscher der Kristallstadt. Mesalla verlässt sich sehr auf die Meinung der beiden Männer. Gemeinsam bilden sie die Regierung Valvermonts.

Villenviertel/ Oberstadt

W

X

Y

Z

Zehntag – Äos hat eine zehntägige Woche mit Tagen, die umgerechnet 20 Stunden lang sind. Die Stundeneinteilung wird von den drei Monden und ihrem trägen Zyklus bestimmt.

Zeitrechnung – Auf Äos hat eine Stunde hundert Minuten, ein Tag zwanzig Stunden und eine Woche zehn Tage (Zehntag).

Diese Rechnung macht sich am Sonnen-/ Mondlauf fest, der von dem größten der Monde bestimmt wird.

Zwerge – Aufgrund ihrer Kraft und der geringen Größe, sind Zwerge zumeist benachteiligt, wenn es um das Bardengeschäft geht, aber die besten und mitreißendsten Balladen (mit Tendenz zum Gassenhauer) stammen aus den Federn der Zwerge. Auch sagt man, sie seien keine guten Diebe. Das stimmt allerdings nicht ganz. Einige sind hervorragende Langfinger und ihre Qualitäten im Versetzen von Waren ist auch nicht zu unterschätzen. Allerdings arbeiten die meisten von ihnen in angesehenen Berufen als Handwerker, Händler oder Soldaten. Sie sind in ihrem Denken und Handeln oftmals wesentlich naturverbundener als Elfen, die sich gerne von der Dekadenz tragen lassen. Unter ihnen finden sich oft auch in Dörfern Bauern, Viehzüchter und Dorfvorsteher. Ihnen steht die Magie auf besondere Weise offen. Sie zaubern wie Priester, erwirken aber etwas Magierartiges als Effekt.

Sie sind freundlich und rau in ihrem Wesen und leben gerne mit anderen Rassen zusammen, allerdings meiden sie Seraphin.

Karte Äos
Karte Äos

Bestie – Beitrag zu “Like a (bad) Dream”

Zur Leipziger Buchmesse kam Julianes neue Benefiz-Anthologie “Like a (bad) Dream” zum 18. Geburtstag ihrer Homepage “Like a Dream” heraus. Darin finden sich alle möglichen, teils sehr düsteren, Geschichten wieder, die teils an Albträumen kratzen, an einer unerträglich bitteren Realität oder in den fantastischen bereich driften, der in vielen Fällen ein Spiegel der Realität ist (oder einen eigenen Sog in eine andere Welt, sei es auch eine Dystopie entwickelt).
Meine “Kurz”-Geschichte “Bestie” gehört zu den anderen Geschichten um Heinrich Wolff, der in “Hunger” zu einem Jäger wird (einer fleischfressenden, reißenden Version eines Vampirs), aber auch Konrad Lux (der dieses Mal der Protagonist ist) und Anni Beckmann (bereits bekannt aus “Warte, warte nur ein Weilchen”).
Diese Geschichte fasst sich ein zwischen dem Beginn von “Warte, warte …” im Juli 1918 und der eigentlichen Handlung im November 1918 ein, setzt aber selbst im ersten Teil im Jahr 1917 (in Arras) ein.
Hier habt ihr einen kleinen Ausschnitt aus der Geschichte:

Arras, Westfront, Schützengraben, Dienstag, 20. 03. 1917

Konrad schlug den Mantelkragen hoch und versuchte sich im Inneren des wassersteifen Stoffs vor dem sturzflutartigen Regen zu schützen, der auf sie alle niederprasselte. Für einen Moment war er versucht, den Helm neben sich zu legen, ließ es aber, denn ein Blick zu Heinrich verriet ihm, dass etwas in der Luft lag. Sein übersensibilisiertes, tierhaftes Gespür hatte bislang nie getrogen. Er saß mit in den Nacken gelegtem Kopf auf dem Boden, hielt den Helm mit einer Hand fest, beobachtete und lauschte. Konrad strengte sich an, mehr wahrzunehmen als die leisen Gespräche seiner Kameraden, das Geklapper des Essgeschirrs und das Prasseln der Tropfen auf den Bohlen: nichts. Was löste Heinrichs Anspannung aus?

Offenbar hatten auch andere bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Die Unterhaltungen nahmen ab. Etliche starrten Heinrichs zerstörte Züge an. Atemlose Stille trat ein. Fast fühlte es sich an, als habe die Zeit angehalten. Nur der stetig fallende Landregen strafte den Gedanken Lügen.

Eine fingerbreite Wasserschicht hatte sich auf dem Holz gebildet, und obwohl es in den Fugen versickert war, stieg der Pegel. Konrad legte seine flache Hand auf die Bohlen. Bis auf die Stiefeltritte von einigen seiner Kameraden nahm er keine Vibration wahr, dabei hätte er mit entfernten Gefechten gerechnet oder schweren Maschinen.

Er atmete aus und schaute wieder zu Heinrich. Dessen Nasenflügel blähten sich. Unsicherheit bohrte sich in Konrads Eingeweide. Wie zur Bestätigung begann die Beplankung in ihrem Rücken zu knarren. Er drehte sich um. Wurzeln hatten sich durch die Ritzen und Astlöcher geschoben. Konrad schluckte hart. Über kurz oder lang würden die Erdwälle in sich zusammensacken. Plötzlich fiel ihm das Atmen schwerer und ein Druck wie von Schlammmassen zwang ihn nieder. Sein Kragen wurde ihm zu eng. Mit zitternden Fingern versuchte er, den oberen Knopf zu lösen, glitt aber an dem nassen Hornmaterial ab. Ihm wurde heiß.

Panikattacke, schoss es ihm durch den Kopf. Wenn er sich nicht zusammenriss, würde er einen Grabenkoller bekommen, ganz ohne Beschuss.

Sacht berührte Heinrich sein Bein mit dem Knie. Seine Nähe tat gut und half ihm zurückzufinden. Trotzdem hatte er das Gefühl in der Enge, Mann neben Mann, zu ersticken. Der kurze Moment reichte aus, dass sich seine Lungen erneut zusammenpressten. Er warf den Kopf in den Nacken, sodass sein Helm zurückfiel und der Kinnriemen in seinen Hals drückte. Mit einer Hand löste er die Schnalle und starte in den schlammgrauen Himmel. Kalte Tropfen prasselten ihm mit einer Heftigkeit ins Gesicht, dass es schmerzte. Aber es half ihm, sich zu beruhigen. Seine Sinne klärten sich. Tief sog er die kalte Luft ein und schloss die Augen.

„Hein, was is’?“, wisperte Gutleut. „Gefahr?“

Heinrich blieb ihrem Unteroffizier die Antwort schuldig. Als Fritz sich neben ihm auf die Füße stemmte, versetzte er Heinrich einen Schlag gegen die Schulter. „Du bist für nix gut!“

Eine kurze, scharfe Welle Wut wusch Konrads Angst fort. Er ballte die Fäuste, aber bevor er etwas sagen konnte, rammte Gutleut seinen Gewehrkolben auf die Bohlen, sodass das Essgeschirr einen Satz machte. Mit vorgeschobenem Kiefer bellte er: „Halt’s Maul, Dörsam!“

Fritz überhörte Gutleut mit voller Absicht und starrte Heinrich an.

„Wofür haben wir dich denn, du Tier?!“

„Nimm den Mund nicht so voll, Fritz!“, zischte Konrad. „Ohne Heinrich würden einige von uns nicht mehr leben!“

„Klar, aber jetzt?“ Fritz wandte sich ihm zu. In seiner Mimik lag blanke Verachtung. „Das Einzige, was er macht, ist wie ein Hund zu schnüff…“

Mitten im Wort knickte er ein und brach in die Knie. Über seine Lippen kam ein jämmerlicher Laut. Wütend starrte er Heinrich an, verbiss sich aber jeden Kommentar. Niemand lachte über ihn, nur Konrad konnte seine Missbilligung kaum zurückhalten.

Jeder sah Heinrichs Fähigkeit, Gefahren zu wittern und sie alle am Leben zu erhalten, als normal an, dabei hatte er sie sich mit seinem Leben und auf Kosten seiner einstmaligen Schönheit brutal erkauft. Die kurze Welle Zorn verebbte. Bis auf ihn kannte niemand Heinrichs Geheimnis. Besser, es blieb dabei. Er presste die Kiefer aufeinander, bis scharfe Stiche in Wangen und Nase zogen.

Von irgendwo über ihm kam das Brummen und Knattern von Propellern … Er zucke zusammen. Welche Maschinen waren es? Überall ließen die Männer ihr Essgeschirr fallen und griffen nach den Gewehren. Die ersten schnallten die Helme fest und stürzten zu den Leitern.

„Wartet!“, rief Heinrich. Seine Stimme klang belegt. Tatsächlich verebbte die brodelnde Bewegung. Angestrengt lauschte Konrad auf die Motorengeräusche der Doppeldecker. Für eine Fokker klangen sie zu … Er konnte es nicht richtig einordnen, ihm fiel nur falsch ein.

Jemand stieß gegen ihn, als er sich vorbeidrängte. Unwillig knurrte er.

„Das sind keine von unseren Fokker!“, rief jemand weiter hinten.

Konrad hielt den Atem an. Mit in den Nacken gelegtem Kopf starrte er nach oben in die grauen Wolken, bis seine Augen brannten. Sein Genick tat ihm nach einer Weile von dem Gewicht des Stahlhelms weh.

Er musste Meldung machen, konnte sich aber nicht rühren. Kamen sie überhaupt näher? Er kniff die Augen zu Schlitzen, um alles auszusperren, was sein Gehör behinderte.

„Das sind Aufklärer, vielleicht S.E.5A“, wisperte Heinrich. „Schotten oder Engländer vermutlich. Die wollen unsere Stellungen …“

„Weiß ich selbst.“ Konrad klang ungehaltener, als er wollte.

Das Pumpen der Luftverdrängung verdichtete sich. Sie kamen näher!

Ein furchtbar metallenes Scheppern brach in Konrads Konzentration ein und riss ihn in die Wirklichkeit zurück. Er fuhr zu dem Feldtelefon herum. Kurt nahm ab.

Atemlos, als sei es sein erster Tag, stieß er in den Hörer: „Heeresgruppe Falkenhausen …“

Eine schrille Stimme schnitt ihm das Wort ab und drang ungehindert durch Konrads Ohr in sein Gehirn, nur um von schweren Donnerschlägen unterbrochen zu werden.

Das war Artilleriefeuer! Er fuhr zusammen. In irgendeinem Abschnitt wurden sie unter Beschuss genommen … aber warum drang der Lärm nicht bis hierher?

Ungeschickt richtete er sich auf. Heinrich zog die Knie an und machte ihm Platz. Rasch drängte Konrad den Frischling, Kurt Wachowski, zur Seite und griff nach dem Hörer. Just in dieser Sekunde überflog ein Doppeldecker den Graben. Konrad zog den Kopf zwischen die Schultern.

„Das sind britische Aufklärer!“, brüllte Gutleut über den Lärm hinweg. Konrad hörte instinktiv auf den scharfen Ton in seiner Stimme und legte den Kopf in den Nacken. Der Rotorenlärm verdichtete sich erneut und eine weitere S.E.5A schoss dicht über sie hinweg. Dieses Mal erkannte er die beiden blau-weiß-roten Flugzeugkokarden auf den Unterseiten der Tragflächen, die den Aufklärer zusätzlich als Teil der Streitkräfte der Entente auszeichneten. Er umklammerte den Hörer.

„Heeresgruppe Falkenhausen!“, donnerte er in die Sprechmuschel.Direkt neben seinem Ohr schien eine Granate zu explodieren. Der Schmerz drang durch die Muschel in seinen Kopf und erschütterte ihn bis ins Mark. Seine Knie sackten weg und der Hörer schlug auf die Bohlen. In seinem Kopf stampfte etwas Undefinierbares. Ein hoher, feiner Ton riss an seinen Nerven. Vor seinen Augen flimmerten Funken. Seine Welt bebte und die Erschütterung setzte sich in seinen Knochen fort. Er verlor die Bodenhaftung …

“Bestie” – eine neue Geschichte um H.C. Wolff, oder eher eine Geschichte zur neuen Like a Dream-Anthologie

Im kommenden Jahr erscheint eine neue “Like a Dream”-Anthologie, passend zu den 18 Jahren, die es nun den queeren Rezensionsblog “Like a Dream” von meiner Frau Juliane. Die Antho wird erotischer, unheimlicher, alles mögliche zusammen 🙂 Natürlich gibt es wieder eine neue “Kurz”-Geschichte um Wolff, dieses Mal aus der Sicht von seinem Gefährten Konrad Lux. Die Handlung bettet sich in die ersten Tage im Juli 1918 bei Familie Beckmann (“Warte, warte nur ein Weilchen”) ein, spielt aber auch im Schützengraben, genaugenommen in Arras, 1917. Warum Arras, warum nicht die Schlacht bei Verdun oder an der Somme? Verdun fand vom 21.02. bis 19.12.1916 statt. Im Hungerwinter 1916 sind Konrad und Heinrich noch in Mainz und zu diesem Zeitpunkt ist noch nichts Unheimliches passiert (obwohl die Kurhessen-Truppen durchaus in Verdun eingesetzt wurden). Die Schalcht an der Somme fällt auch aus, weil sie in denselben Zeitrahmen fällt und die kurhessischen Truppenverbände dort nicht eingesetzt wurden (‎01.07.bis 18.11.1916). Arras deswegen, weil es in den zeitlichen Rahmen passt (Beginn 20.03.1917) und weil die kurhessischen Truppen, also auch die Heeresverbände aus Mainz, daran beteiligt waren. Bei der kleinen Stadt Arras (deren Einwohner zuvor evakuiert wurden) fand darüber hinaus eine sehr tragische Schlacht statt. Die deutschen Truppen hatten sich 1917 in die sogeannte Siegfriedstellung / Hindenburglinie zurückgezogen, immer nich der Meinung (nicht die Soldaten, die Generäle) den Krieg zu gewinnen. Allerdings hatte sich die Entente, der Zusammenschluss der Siegermächte des 1. Weltkrieges (Frankreich, Vereinigtes Königreich, USA, Italien und ursprünglich Russland, dass wegen der Oktoberrevolution austreten musste, um die eigene strukturelle Veränderung zu verkraften) zusammengeschlossen, um die deutschen Truppen in die Zange zu nehmen. Frankreich, Groß Britanien und Kanada begannen ihre Offensive bereits vor dem April, an jenem kalten, 20. März. Das war die Zeit, in der über die Deutschen die Hölle herein brach und bis Mai 250.000 Tote bei allen Beiteiligten brachte. Die Briten waren durchweg besser mit Großwaffen ausgestattet, zumal sie bessere und wendigere Flugzeuge (S.E.5A) hatten und natürlich die Mark II-Tanks (die Bezeichnung Panzer gab es zu dieser Zeit noch nicht). Hier passte also alles, bis hin zu der absoluten Entmenschlichung. Zugegeben, bei dieser Geschichte habe ich verdammt viel Neues dazugelernt und muss sagen, dass der 1. Weltkrieg in nichts besser war als der 2. Aber macht euch selbst ein Bild. Mir jedenfalls sind Heinrich, Konrad, aber auch Anni noch mehr ans Herz gewachsen und ich freue mich schon auf einen Roman mit den dreien.

Der Rebell: Leserunde auf Facebook

Hallo ihr Lieben,

ja, ich lasse auch mal wieder was von mir hören 😉

Bis zum 10.08. könnt ihr euch zur Leserunde auf Facebook noch anmelden, wenn ihr dem Link folgt und euch mit einem Kommentar verewigt 🙂 Plätze sind noch drei.

Worum es geht:
Der 16-jährige Oliver und seine jüngeren Brüder Christian und Michael überleben nur knapp ein Massaker. Ihr Vater ermordet nicht nur ihre Mutter, sondern auch zwei weitere Geschwister. Das Motiv scheint auf der Hand zu liegen: Untreue. Aber Oliver will daran nicht glauben, insbesondere, als auf Christian ein weiterer Anschlag verübt wird. Unter Verdacht steht ihr Großvater, der einzige angebliche Verwandte, der ihre Vormundschaft übernehmen soll. In seinem Haus werden mehrere Tote gefunden, doch die Leichen liegen bereits seit 70 Jahren dort. Die Fälle scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, allerdings will Oliver nicht an Zufälle glauben. Gemeinsam mit dem unerfahrenen Kommissar Daniel Kuhn und dem überreizten Matthias Habicht versucht er Parallelen in den Fällen zu finden. Doch schon bald wird klar, dass sie trotz Polizeischutzes nicht sicher sind, denn ihre Gegner scheinen nicht unter den Lebenden zu weilen …

Hier findet ihr die Leseprobe zum Rebell 🙂

Leserunde Facebook
Leserunde Facebook

Als keiner Bonus nochein Zitat aus dem Kapitel “Camilla”:

„Was für ein schönes Haus“, murmelte Oliver. Das war nicht ganz, was ihm durch den Kopf ging, aber es zählte zu den unverfänglicheren Dingen.
„Schon richtig, aber es ist nur eine zeitweilige Lösung.“ Die Worte klangen ernüchternd. Oliver versuchte, die aufkeimende Sehnsucht zurückzudrängen. Mühsam sammelte er sich und nickte. „Ist mir schon klar.“ Er wandte sich Daniel zu. „Bleibst du eigentlich hier?“ Nun war die Frage raus. Nervös betrachtete er ihn.
„Du kannst wohl gar nicht mehr ohne mich, wie?“ Daniel lächelte. Dieses Mal reichte es nicht bis zu seinen Augen. Ein stiller, schmerzvoller Ausdruck lag stattdessen in seiner Mimik. Was bedrückte ihn? Seit er das Haus betreten hatte, wankten seine Gefühle unübersehbar. Vielleicht konnte er ihn aufmuntern, indem er auf seine Worte einstieg.
„Klar, ich will den Rest meines Lebens mit dir verbringen …“ Das klang weder spöttisch noch scherzhaft, sondern nur bescheuert. Er war verliebt in Daniel.
Natürlich wollte er bei ihm sein. Er wollte dieses treue, liebe Gesicht weiterhin
so oft wie möglich sehen, Daniels Lachen hören und sicher sein, ihn nicht zu verlieren.
Seine Worte hatten getroffen. Daniels Lider zuckten. Ein melancholischer Ausdruck schlich sich in seine Miene. Um das zu überspielen, verengte er die Augen. Trotzdem zuckte auch sein Mundwinkel.
Was hatte er nur angerichtet? Unsicherheit war nie ein guter Berater. Automatisch senkte Oliver den Blick und wagte nicht aufzusehen.
„Das war Scheiße“, murmelte er betroffen. Eine Reaktion blieb aus. Er ließ sich auf dem Fensterbrett nieder und klammerte sich an dem lackierten Holz fest. Kälte zog in seinen Rücken. „Ich will, dass du in meiner Nähe bist. Du bist einer der wenigen Freunde, die mir geblieben sind, und der Einzige, dem ich blind vertraue.“
Das war so ziemlich das umständlichste Eingeständnis, was es gab. Offensichtlicher ging es kaum, wahrscheinlich lachte sich Daniel gleich schlapp, frei nach dem Motto: Geiler Einsatz, danke, aber ich bin nicht schwul.
Aber er schwieg.
Vorsichtig hob Oliver den Kopf.
Daniels Hände zitterten. „Hör auf, dich um Kopf und Kragen zu reden.“
„Trotzdem …“
„Alles okay, Olli.“ Daniel fiel ihm ins Wort. In seiner Stimme lag Wärme. Er drückte seine Schulter, massierte ihn sacht und grinste. „Der Fall Hoffmann ist mein Fall, und ich gebe ihn nicht aus der Hand.“ Er schob seine Hände in die Hosentaschen. „Und wenn ich die Akte schließe, verspreche ich dir, dass ich dir weiterhin erhalten bleibe.“

Neuerscheinung: Der Rebell – Schattengrenzen II

Seit einigen Tagen gibt es den Rebell wieder in, in neuem Gewand und stark überarbeitet, mit neuen Szenen und verbessert. Jeder, der das Original kannte, dürfte einige Änderungen mitbekommen.
Für jeden, der das Buch noch nicht kennt, hier der Klappentext:

Der Rebell
LESEPROBE

Der 16-jährige Oliver und seine jüngeren Brüder Christian und Michael überleben nur knapp ein Massaker. Ihr Vater ermordet nicht nur ihre Mutter, sondern auch zwei weitere Geschwister. Das Motiv scheint auf der Hand zu liegen: Untreue. Aber Oliver will daran nicht glauben, insbesondere, als auf Christian ein weiterer Anschlag verübt wird. Unter Verdacht steht ihr Großvater, der einzige angebliche Verwandte, der ihre Vormundschaft übernehmen soll. In seinem Haus werden mehrere Tote gefunden, doch die Leichen liegen bereits seit 70 Jahren dort. Die Fälle scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, allerdings will Oliver nicht an Zufälle glauben. Gemeinsam mit dem unerfahrenen Kommissar Daniel Kuhn und dem überreizten Matthias Habicht versucht er Parallelen in den Fällen zu finden. Doch schon bald wird klar, dass sie trotz Polizeischutzes nicht sicher sind, denn ihre Gegner scheinen nicht unter den Lebenden zu weilen …

Mehr über Oliver, die Mordnacht, seine Geschwister und vor allem Daniel, könnt ihr in der 94-seitigen Leseprobe nachlesen 🙂
Jeder, der mehr erfahren, in die Tiefen der Geheimnisse eintauchen und die Zusammenhänge erfahren möchte, kann sich das eBook kaufen, oder ab dem 18.06.2018 den Print.
Wer noch ein paar Tage mehr Zeit hat, bekommt bei mir auf Wunsch das Buch mit Illustration und Widmung.

QUEER gelesen – Mainz

Alle Jahre wieder … 🙂
Und auch dieses Jahr findet QUEER gelesen wieder in der Bar jeder Sicht in Mainz statt. Die Location könnte besser nicht passen, denn es ist das Kultur- und Kommunikationszentrum für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans* und Intersexuelle. Morgen, also am 20.04. geht das Programm, was bereits eine Woche zuvor mit Oliver Sechting, der seine Biographie “Der Zahlendieb” zusammen mit seiner Dokumentation “Wie ich lernte die Zahlen zu lieben“, eröffnet hatte, weiter.
Am Freitag lesen Antje Wagner und Tania Witte aus ihrer Anthologie “Uniorns don’t swim” und “bestenfalls alles”. Von Antje kenne ich “Unland”. Ihre Schreibe ist wirklich gut. Ich muss sagen, sie kann dicht und lebendig schreiben, dass man den Eindruck hat, wieder ein Teenager zu sein und in der Haut der Protagonistin zu stecken.
Am Samstag starten die Lesungen mit Laura Kuhn und  ihrem lesbischen Jugendbuch “We could be heroes”.  Dann geht es mit meinem lesbischen Steampunk-Krimi “Mord ohne Leiche” weiter. Auf Eike Bornemanns lebsischen Krimi “Im Schatzfieber” freue ich mich besonders. Nach einer Pause geht es mit dem schwulen Jugendbuch “Eis bricht langsam” von Dima von Seelenburg weiter. Seine Lesung ist um einen Tag voverlegt worden, denn der zweite Autor, auf den ich mich sehr gefreut habe, Kai Brodersen, fällt leider wegen Krankheit aus. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich das bedauere, denn ich kenne Kais Bücher und liebe die Nobbe-Krimis. Im Anschluss an Dima ließt Jobst Mahrenholz aus seinem schwulen Drama “Eine Ahnung von Pan”. Die Erzählungen von Jobst haben etwas besonderes. Für mich liegt es daran, dass er einfach viel erlebt, viel gesehen hat und ein wunderbarer, ausgeglichener Mensch ist. Den krönenden Samstags-Abschluss macht T. A. Wegberg aus seinem Trans-Jugendroman “Meine Mutter, sein Exmann und ich”. Auch T. A. Wegbergs / Jordans Bücher liebe ich seit seiner letzten Lesung.
Der Sonntag beginnt lecker – Futter!!! Nein, Autorenbrunch, woran gerne auch alle Interessierten teilnehmen können. Kostet halt ein paar Euronen 😉
Den Auftakt macht Maria Braig mit ihrem Trans-Roman “Spanische Dörfer”. Das Buch wird sicher sehr interessant sein, denn es greift die Flüchtlingsthematik auf. Weiter geht es mit einer  von Jules Kurzgeschichten zu ihrer Urban Fanty-Reihe “Nachtschatten”. Auch wenn die Reihe Nachtschatten im Allgemeinen nicht schwul, lesbisch oder trans ist, so gibt es doch einige queere nebencharaktere. Und die beiden Damen, die die Handlung der KG bestimmen, sind ein Paar. Bis zur Pause ließt Sameena Jehanzeb aus ihrem lesischen Fantasy “BRÏN”. Nach der Pause geht es mit Elea Brandts schwulem Fantasy “Unter einem Banner” weiter. Laut Jule gibt es bei dem Protagonisten ein paar Parallelen zu  meinen “Seelenlosen” 🙂 Nach Elea ließt Chris P. Rolls aus ihrer schwulen Shapeshifter-Reihe “Failed”. Den Abschluss des Festivals macht Annette Juretzki mit ihrem schwulen SciFi “Sternenbrand”. Darauf freue ich mich auch schon sehr. Ähnlich wie auf Krimis und Horror fahre ich auch auf SciFis ab 🙂
Hier noch mal die Übersicht:
Programm QUEER gelesen

Und von mir gibt es einen kleinen Auszug aus “Mord ohne Leiche”:

Penny riss mit einem Schrei den Kopf herum und schützte ihr Gesicht zwischen den Armen. Dicht neben ihrer Wange spritzen nasser Sand und Steinchen aus der Mauer und besprenkelte ihre Haut. Ein schwaches Wimmern kam über ihre Lippen. Sie schluckte Speichel. Im gleichen Augenblick spürte sie, wie er ihre Hände herunterschlug. Der Stich in ihren Knochen betäubte sie für einen Moment. Etwas erinnerte sie an den höllischen Schmerz, als ihr eine der Mangelwalzen die Knochen zerschmettert hatten.
Es tat unbeschreiblich weh, aber ihre Knochen schienen keinen Schaden genommen zu haben. Mit einem schwachen Wimmern wagte sie es, den Kopf zu drehen. Regen prasselte auf sie nieder und rann ihr in Mund und Nase. Angestrengt blinzelte sie in die Finsternis. Sie musste sehen, wem sie gegenüberstand. Aber es war zu dunkel, um mehr als seine vage Silhouette zu erkennen. Er war groß, breit und stark. Sicher ein Schläger. Bei dem Gedanken stockte ihr Atem. Konnte es sein, dass jemand verhindern wollte, dass sie etwas verriet?
„Lassen Sie mich gehen“, flüsterte sie. Oh Gott, es klang so jämmerlich in ihren Ohren. Er würdigte ihre Worte mit keiner Antwort. Ihr Atem beschleunigte sich. Diese Stille war furchtbar.
Warum sagte er nichts? Weshalb stieß er keine Drohungen aus, sondern wartete nur einfach ab? Er verhielt sich eigenartig. Trocken schluckte sie. Konnte damit aber ihre Angst nicht herunterwürgen.
„Hat …“ ihre Stimme brach. Sie musste erst Speichel sammeln, um weiterzusprechen. „Hat Fortesque Sie geschickt?“
Er schwieg.
„Was wollen Sie von mir?!“, schrie sie. Hysterie überschwemmte ihr Bewusstsein.
Etwas traf sie mit der Gewalt einer Maschine in den Magen. Die Stäbe ihres Korsetts brachen und bohrten sich durch das Miederhemd. Alle Luft entwich ihren Lungen und klarer, reiner Schmerz flutete ihren Körper bis in die Fingerspitzen. Hinter ihren Schläfen knisterte es. Fein, zugleich scharf, stach etwas durch ihren Kopf, dennoch blieb sie bei Sinnen.
Am Rande ihres Bewusstseins spürte Penny wärme Feuchtigkeit über ihr Kinn rinnen. Ihre Knie wurden weich und sie verlor den Halt.
Warum hatte sie nicht die wenigen Schritte bis nach Hause geschafft? Dort wäre sie in Sicherheit gewesen. Verzweifelte, bohrende Angst riss an ihr. Die Empfindung erschien ihr so lebendig, dass sie neue Kraft in sich fand. Sie musste sich wehren, es wenigstens versuchen.
Just in diesem Augenblich traf ein weiter Schlag den Bereich zwischen ihren Brüsten. Pennys Herz krampfte, bevor sie glaubte, dass es explodierte. Danach fühlte sie nichts mehr.

Der “neue” Rebell erscheint April 2018

Heute habe ich von HOMO Littera das neue Cover bekommen, den Link des Verlages und die Sicherheit, dass das Buch in Kürze erscheinen soll. Ich muss sagen, ich bin echt froh darüber, besonders weil Juliane mir auf QUEER gelesen das Okay gegeben hat, das Buch vorzustellen.
Natürlich liegt mein Fokus auf dem angekündigten Ausschnitt aus “Mord ohne Leiche” (Steampunk-Krimi / lesbian), aber ein paar Minuten bekommt auch der Rebell 🙂
Hier der neue Klappentext:
Ein Blick hinter die Spiegel reicht, und dein Leben wird sich für immer verändern …

Der Rebell ©HOMO Littera 2018

Der 16-jährige Oliver und seine jüngeren Brüder Christian und Michael überleben nur knapp ein Massaker. Ihr Vater ermordet nicht nur ihre Mutter, sondern auch zwei weitere Geschwister. Das Motiv scheint auf der Hand zu liegen: Untreue. Aber Oliver will daran nicht glauben, insbesondere, als auf Christian ein weiterer Anschlag verübt wird. Unter Verdacht steht ihr Großvater, der einzige angebliche Verwandte, der ihre Vormundschaft übernehmen soll. In seinem Haus werden mehrere Tote gefunden, doch die Leichen liegen bereits seit 70 Jahren dort. Die Fälle scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, allerdings will Oliver nicht an Zufälle glauben. Gemeinsam mit dem unerfahrenen Kommissar Daniel Kuhn und dem überreizten Matthias Habicht versucht er Parallelen in den Fällen zu finden. Doch schon bald wird klar, dass sie trotz Polizeischutzes nicht sicher sind, denn ihre Gegner scheinen nicht unter den Lebenden zu weilen …

Und ein Stückchen Leseprobe:
Ihr hysterisches Lachen endete in ersticktem Röcheln.
Die folgende Stille versetzte Oliver in abgrundtiefes Entsetzen. Nur das Geräusch von Metall, das Knochen zersplitterte, drang zu ihm. Das Monster zerfleischte sie. Der Anblick brannte sich in seinen Verstand. Er stöhnte. Seine Knie zitterten, zugleich fühlte sich sein Körper an, als würde Lava durch seine Adern strömen. Mit hämmerndem Herzen kauerte er sich tiefer unter die Anrichte und presste seine Fäuste auf die Ohren. Er biss auf seine Unterlippe und schmeckte Blut. Ihm wurde schwindelig. Mühsam zwang er sich zur Ruhe. Er musste fliehen, die Polizei rufen, doch er konnte sich nicht regen. Alles in ihm wehrte sich gegen den Anblick, die Geräusche und den Geruch. Er wagte nicht einmal, ins Wohnzimmer zu spähen – aber er musste, jetzt sofort, bevor auch er starb.
Vorsichtig sah er über die Küchenplatte. Noch immer rammte dieser Wahnsinnige sein Messer in ihren Leib. Deutlich hörte er, wie die Spitze sich in den Boden bohrte. Der Körper seiner Mutter lag vor der Terrassentür. Ihr Blut tränkte den hellen Teppich. Sein Vater kauerte wie ein Nachtmahr über der Masse aus zerschnittenem Gewebe und zerhackten Knochen. Er hob sich deutlich gegen die hellen Gardinen ab. Schwarzgrauer Dunst kräuselte sich um ihn. Stammte der von der brennenden Zigarette seiner Mutter?
Oliver reckte sich vorsichtig. Die Schwaden waren zu dunkel. Oder täuschte er sich? Mit bibbernden Fingern klammerte er sich an die Küchenplatte. Er würgte. Sein Vater, oder wer immer dieses Wesen sein mochte, hatte den Verstand verloren. Er war kein Mensch mehr.
Als dieser die Waffe hochriss, spritzte Blut auf Glas und Gardinen.
Olivers Mageninhalt schoss hoch. Er stieß ein unartikuliertes Geräusch aus und presste die Kiefer aufeinander. Doch zu spät – er erbrach sich. Schwäche breitete sich in ihm aus. Er musste weg, aber seine Muskeln protestierten. Unsicher kroch er aus seinem Versteck, rappelte sich auf und eilte in den Flur hinaus. Flucht war die einzige Chance, wollte er überleben. Obwohl er keine Schuhe trug, kamen ihm seine Schritte viel zu laut vor. Sein Vater würde ihn hören, und er wäre tot, bevor er die Haustür erreichte.
Ein Wutschrei, vermischt mit entsetzlicher Verzweiflung drang aus dem Wohnzimmer. Einen Herzschlag später vernahm er den schweren Gang seines Vaters – er war nicht mehr er selbst, hörte ihm nicht mehr zu. Dem durchtrainierten, cholerischen Mann hatte er auch nichts entgegenzusetzen. Nur Schnelligkeit konnte ihn jetzt retten.
Die Kisten und Koffer seiner Mutter standen noch im Flur. Seine Flucht wurde zu einem einzigen Ausweichmanöver. Verflucht! Genauso gut hätte der Ausgang einen Kilometer entfernt sein können.
„Olli …“ Die weinerliche Stimme seiner kleinen Schwester drang aus dem ersten Stock.
Elli? Sein Herz verkrampfte sich. Er konnte nicht fortlaufen, solange seine kleinen Geschwister noch im Haus waren. In seiner sinnlosen Raserei kannte sein Vater weder Freund noch Feind. Er würde vor den Zwillingen und Marc nicht Halt machen, ganz zu schweigen von Elli, die er hasste.
Oliver blickte nach vorne. Ihn trennten noch fünf oder sechs Schritte von der Haustür.
„Olli!“ In Ellis hysterischem Quietschen lag panische Angst, das Entsetzen, das auch er verspürte. Er musste seine Brüder und Elli in Sicherheit bringen. Abrupt änderte er seine Richtung und rutschte weg. Mit rudernden Armen kämpfte er um sein Gleichgewicht, stürzte aber auf ein Knie. Schmerz zuckte durch sein Bein.
„Chris, Micha …“, keuchte er und sah sich um.
Über den Wohnzimmerteppich huschten bizarre Schatten, schwere Schritte näherten sich.
Olivers Herz raste. Hass und Verzweiflung vereinte sich im Gebrüll seines Vaters. Die Stimme klang fremd. Begriff er, was er getan hatte?
Sicher nicht. Dieses Tier hatte keine Gefühle.
Oliver schauderte. Er versuchte, auf die Füße zu kommen, aber sein verletztes Knie gab unter der Belastung seines Körpers nach. Ein scharfer Stich trieb ihm Tränen in die Augen. Ärgerlich biss er die Zähne zusammen. Beim Boxen hatte er mehr weggesteckt.
Sein Atem stockte. Wie ein gestaltgewordener Albtraum stand sein Vater im Türrahmen des Wohnzimmers. Die weißen Manschetten an seinem Hemd waren rot verfärbt. Von seinen Händen troff Blut auf den Boden. Als er den Arm hob, umwehten ihn Rauchschleier.
Plötzlich zuckte sein Kopf hoch. Oliver fuhr zusammen und wich zurück. Trocken schluckte er, aber in seiner Kehle saß ein Kloß. Instinktiv drängte er sich in den Schatten zwischen Garderobe und Treppe. Aus phosphoreszierenden Augen starrte sein Vater in den Flur. Im nächsten Moment verengte er sie zu Schlitzen. Eisiger Schrecken breitete sich in Oliver aus. Hatte er ihn entdeckt? Mit einer geschmeidigen Geste strich sich sein Vater durch Bart und Haar. Tränen spülten helle Spuren in den schmierig roten Film auf seiner Wange und verliehen ihm einen maskenhaften Ausdruck. In der Rechten hielt er das lange Jagdmesser. Rauch kroch an seinem Arm herab und umwaberte die Klinge. Er schmetterte die Glastür gegen die Wand, Tausend Splitter fegten über die Fliesen.
„Vater …“ Oliver wich zur Treppe zurück.
Einen grotesken Moment entspannte sich die maskenhafte Mimik seines Vaters, die entstellten Züge erschlafften. Es hatte den Anschein, als würde er den Griff um die Waffe lockern. Regte sich doch ein Hauch Menschlichkeit in ihm?
„Olli!“, hallte es wieder von oben.
Elli, schweig!, schrie Oliver in Gedanken.
Das Gesicht seines Vaters verzerrte sich erneut. In seinem Blick glomm Erkennen, als hätte er begriffen, was der eigentliche Grund seiner verzehrenden Wut war: Elli!
„Lauf, Elli!“, rief Oliver.
Splitter knirschten unter den Sohlen seines Vaters. Oliver spürte seine Nerven bis in die Fingerspitzen elektrisieren. Entsetzt fuhr er herum. Abermals explodierte betäubender Schmerz in seinem Knie. Er humpelte, so schnell er konnte, die Stufen hinauf.
„Micha, Chris, bringt Elli und Marc raus!“
Die Holzkonstruktion bebte unter ihm. Vater!
Oliver nahm sich nicht die Zeit, zurückzusehen. „Raus hier!“
Er hörte Ellis hysterisches Weinen. Von den Zwillingen vernahm er keinen Laut. Tränen der Verzweiflung rannen über sein Gesicht. Sein Vater holte ihn unweigerlich ein, und seine Geschwister verließen sich blind auf ihn. Mit beiden Händen zog er sich am Geländer hoch. Die Luft brannte in seinem ausgetrockneten Hals, sengte durch seine Lungen. In einer Seite erwachte stechender Schmerz. Hinter sich hörte er keuchende Atemzüge. Gleich hatte sein Vater ihn eingeholt.
Oliver versuchte zu rennen, aber sein Bein protestierte. Er presste die Zähne aufeinander und ignorierte sein Knie, da sein Vorsprung schmolz. Das Monster war direkt hinter ihm. Etwas Kaltes fuhr ihm in derselben Sekunde über Schulter und Rücken. Er hetzte über die letzte Stufe, glitt aus und fiel.
„Scheiße.“
Oliver rollte zur Seite. Sein Vater war über ihm. Der Dolch kratzte unkontrolliert über das Holz und zog eine tiefe Furche in den Lack. Ohne nachzudenken, riss Oliver seinen Ellbogen hoch, und das Messer polterte ein paar Stufen hinab. Ein brutaler Hieb traf ihn unter dem Auge, sein Kopf schlug hart auf den Boden. Im letzten Augenblick konnte er sich dem Griff seines Vaters entwinden, rutschte dadurch aber über den Treppenabsatz, dessen Kante sich in seine Wirbel bohrte. Eine Faust traf ihn gegen die Brust und trieb ihm alle Luft aus den Lungen. Lichtblitze zuckten hinter seinen Lidern. Er erwartete die nächsten Schläge, die ihm sämtliche Knochen brechen würden, doch sie blieben aus.
Die Treppe bebte stattdessen erneut.
Oliver stemmte sich hoch. Ein paar Stufen unter ihm lauerte sein Vater, sprungbereit, das Messer wieder in der Hand. Ein unmenschliches Grollen drang aus seiner Kehle. Oliver wollte zurückweichen, aber sein Körper versagte. Das Monster würde von unten zustoßen und ihn vom Bauch bis zur Kehle aufschlitzen. Sein Vater duckte sich bereits wie ein Panther vor dem todbringenden Sprung.
Weg!
Nein, er musste sich wehren, ihn die Stufen hinabstoßen!
Jetzt oder nie.
Oliver klammerte sich an das Geländer und zog die Beine an. In diesem Moment stürzte sich sein Vater auf ihn. Er trat mit aller Kraft zu. Sein Vater stolperte rückwärts, kämpfte um sein Gleichgewicht und fiel die Treppe hinunter.
Oliver rutschte in den Gang zurück, quälte sich auf die Füße und lehnte sich zitternd an die Wand. Außer Gefahr waren seine Geschwister und er noch lange nicht. Die Konstitution seines Vaters überstieg seine bei Weitem. Was würde passieren, wenn dieser Irre hier oben ankäme? Er wollte sich davon keine Vorstellung machen.
Unter den wuchtigen Tritten seines Vaters bebte die Holz-Stahl-Konstruktion abermals.
Oliver blickte nach unten und fuhr zusammen. Sein Vater stürmte wieder herauf, die Klinge stichbereit . In seinen Augen lag nicht das geringste Erkennen.
Olivers Herz zog sich zusammen. Leben oder sterben? Die Antwort stand außer Frage. Er würde nicht kampflos aufgeben.
In direktem Stoß zuckte die Klinge Sekunden später in seine Richtung. So nicht! Bei der heftigen Attacke bot ihm das Monstrum eine offene Angriffsfläche. Oliver stützte sich am Geländer ab, nahm Schwung und rammte ihm erneut beide Füße vor die Brust. Betäubender Schmerz schoss durch seine Beine und den Rücken. Wieder polterte es, als der Irre die Stufen hinabtaumelte. Oliver wurde schwarz vor Augen. Hinter seinen Lidern flimmerte grauer Nebel, der sich kaum wegblinzeln ließ. Doch dafür hatte er keine Zeit.
Gott, wenn es dich gibt, hilf uns!, bat er stumm.
Angestrengt kniff er die Lider zusammen und zwang seine Erschöpfung zurück. . Als er die Augen öffnete, gewann die Wirklichkeit wieder Konturen. Das Messer hatte eine dunkle Spur kleiner Spritzer auf den Stufen hinterlassen und lag weiter unten. Eine Bewegung lenkte Olivers Aufmerksamkeit jedoch um. In den Schatten wogten Nebel auf, als sein Vater schwerfällig auf die Füße kam. In seinen Augen funkelte pure Mordlust. Wie Jack Nicholson …
Oliver schluckte trocken und wich wiederholt einen Schritt zurück, sodass er gegen die Wand stieß. Der Abstand zu seinem Vater hatte sich erheblich vergrößert, außer Gefahr waren sie dennoch nicht. Er vergeudete wertvolle Zeit!
Hektisch wirbelte Oliver herum und lief in den Flur. Die Kinderzimmertür flog auf und einer der Zwillinge sprang ihm in den Weg.
„Olli?“
Entsetzt zuckte er zurück, bevor er seinen Bruder umrannte. Michael prallte von ihm ab und blieb vor Marc und Ellis Tür stehen. Er weinte stumm. In seinen Fingern hielt er einen Schirm, den er als improvisierte Waffe schwang. Panische Angst flackerte in seinen hellen Augen, trotzdem sah er ihm entschlossen entgegen. Unsanft schubste Oliver ihn in sein Zimmer zurück. Gegen das Licht der Straßenbeleuchtung erkannte er die Silhouette Christians, der sich mit einem kleinen Holzhammer bewaffnet hatte. Instinktiv sprang auch er sie an und schlug zu. Es tat nicht weh, trotzdem zuckte Oliver. Aus der Abwehrbewegung stieß er seinem Bruder die Hand vor die Brust. Christian stolperte zurück.
„Raus hier!“, brüllte Oliver mit überschnappender Stimme.
Mit Tränen in den Augen und schmerzverzerrtem Gesicht wimmerte Christian. „Olli, was ist los?“
Auf der Treppe hörte er bereits seinen Vater. Unwirsch wies Oliver mit dem Kopf auf das Fenster. „Klettert auf die Garage! Ich hole Marc und Elli.“
Die Augen Christians weiteten sich fragend. „Aber …“
Hinter ihnen polterte es im Treppenhaus. Panik rann glühend durch Olivers Adern. „Flieh mit Micha! Ruft die Polizei!“
Ohne auf eine Antwort zu warten, zog er die Tür des Zimmers hinter sich zu und stürzte in den Nebenraum. Elli kam ihm weinend entgegengelaufen. Sie klammerte sich an ihn. Unsanft befreite er sich und warf hinter sich die Tür ins Schloss. Aus dem Zimmer der Zwillinge hörte er, wie das Fenster geöffnet wurde. Schritte im Kies auf der Garage folgten. Einen Augenblick später gellte ein Schmerzensschrei aus dem Garten. Michael begann zu weinen, Christian rief ihm zu und sprang selbst. Als sich die Stimmen der beiden entfernten, atmete Oliver auf. Nun musste er nur noch Marc und Elli nach draußen bringen. Doch bevor er den Gedanken in die Tat umsetzen konnte, schlug sein Vater bereits wieder gegen die Tür. Das Schloss hielt dem ersten Ansturm stand. Ein weiteres Mal würde seinem Vater dieser Fehler aber nicht unterlaufen.
Oliver stemmte sich gegen das Türblatt und tastete nach dem Schlüssel. Er fehlte. Verdammt …
Hitze und Kälte rannen durch seine Adern. Sein Vater drückte die Klinke hinunter. Wenn er sich dagegendrückte , waren sie geliefert. So viel Kraft hatte er nicht.
„Nimm Marc und versteck dich!“, hauchte Oliver.
Elli schüttelte vehement den Kopf. Sie krallte sich in seine Hose und rieb ihr fiebriges, feuchtes Gesicht an seinem Bein. Tränen rannen über ihre Wangen. Mit beiden Händen umklammerte sie seinen Oberschenkel.
„Elli, weg!“ Oliver versuchte, sich von ihr zu befreien. Doch ihm blieb nicht die Zeit, etwas zu unternehmen. Sein Vater warf sich erneut gegen die Tür, Holz splitterte.
Ich bin tot, wir alle sind tot!, schoss es Oliver durch den Kopf. Im nächsten Moment katapultierte die Wucht ihn durch den halben Raum. Er riss seine kleine Schwester von den Füßen und begrub sie unter sich. Elli schrie vor Schmerzen und Angst auf. Erschrocken rollte er sich herum und drückte sie von sich aus der Reichweite seines Vaters.
Der Anblick des blutigen Riesen raubte ihm allen Mut. Wie gelähmt starrte er seinen Vater an. „Nicht! Marc und Elli sind Kinder, du darfst sie nicht töten!“
Doch sein Vater war mit einem Sprung bei ihm. Hart griff er in seine lange Locken und verkrallte sich darin.
„Nicht …“
Stechender Schmerz zuckte durch Olivers Kopfhaut in seinen Nacken. Brutal riss sein Vater ihn herum und stieß ihn gegen Marcs Bettchen.
Nichts geschah. Kein Geschrei von Marc.
Oliver verlor den Gedanken, als er zu Boden fiel. Ihm wurde schwindelig und schlecht. Ein Faustschlag traf ihn zwischen den Schulterblättern. Er hörte seine Knochen brechen, während alle Luft aus seinen Lungen getrieben wurde. Durch die wirbelnden Nebel seiner Erschöpfung nahm er nur noch wenig wahr. Alle Empfindungen sanken zu einem betäubenden Nichts herab. Elli zerrte an ihm. Das Gefühl versickerte. Heiser weinte sie, schniefte, verstummte …
Warum schrie Marc nicht? Der Gedanke hinterließ nun eine glühende Spur, die ihn elektrisierte. Trotzdem reichte der Schrecken nicht, dass er sich hochstemmen konnte.
Kleine, heiße Kinderhände suchten nach Halt. Oliver zog Elli eng an sich und krümmte sich zusammen. Sie wagte nicht mehr, irgendeinen Laut zu verursachen. Das bebende heiße Bündel Mensch in seinen Armen war voller Leben und Angst.
Noch.
In der Sekunde drang die Klinge in sein gebrochenes Schulterblatt. Der Schock benebelte seinen Schmerz, nur, um einen Herzschlag später doppelt so stark zu explodieren. Oliver schrie. Es klang fremd in seinen Ohren. Ellis dünnes Weinen setzte ein, mischte sich in seine Stimme. Keuchend vergrub er das Gesicht in ihrem Haar, vor seinen Augen tanzten Blitze, etwas rauschte. War das sein eigenes Blut in den Ohren? Das Geräusch war so laut, dass es Elli übertönte und ihn in einen grauen Strudel aus Erinnerungslosigkeit zu reißen drohte.
Elli, kleine Elli …
Sein Vater zerrte ihn an den Haaren hoch. Der Schrei seiner Schwester drang tief in sein Herz. Oliver klammerte sich an sie. Wieder erinnerte er sich an Marc. Sein jüngster Bruder lag vollkommen ungeschützt in seinem Bett. Er wäre ein leichtes Opfer …
Blindlings tastete Oliver nach ihm. Seine Finger umklammerten das Holzgitter und berührten Marcs winzige Füße. Der Kleine war ihm so nah, zugleich aber unendlich weit entfernt. Sein kleiner Bruder wirkte völlig bewegungslos …
Warum schrie Marc nicht? Warum strampelte er nicht?
Tot …
Oliver konnte die Stimme in seinem Inneren nicht festhalten. Instinkte verdrängten den Verstand.
Fort.
In einem letzten Aufbäumen warf er sich nach vorne. Er spürte, wie ihm sein Vater dadurch die Haare büschelweise ausriss. Dumpf und fern fühlte sich der Schmerz an – fremd. Er fiel hart zu Boden, wobei er den weichen Körper Ellis unter sich begrub. Seine Schwester keuchte atemlos und weinte nun ungehemmt. Er hörte schwach ihren rasselnden Atem. Mit ihren kleinen Ärmchen kämpfte sie gegen sein erdrückendes Gewicht an. Mühsam zog er die Beine an den Leib. Es kostete ihn unendlich viel Kraft, aber sie bekam dadurch etwas mehr Freiraum.
Das Messer traf ihn wieder, aber nicht tief. Sein Vater zog es aus seinem Körper. Eine Woge betäubender Erleichterung raste durch seinen Verstand, nur um erneut in Agonie zu explodieren, als die Klinge wieder in ihn eindrang, wieder und immer wieder.
Oliver glaubte, die Schmerzwellen zu fühlen, die durch seine Nerven bis in die Fingerspitzen schossen. Seine Welt versank in blutigen Schleiern und panischer Angst, während er Elli unter sich barg. All seine Empfindungen stumpften ab. Der letzte Gedanke galt seinem Vater: Warum?

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Schattengrenzen 1 – Glasseelen und Nachtschatten 1 – Unantastbar für 0,99 €

Glasseelen 0.99 Euro

Die Fremde hielt die Lider gesenkt wie eine Schlafwandlerin, wandte sich um und ging wortlos den Flur entlang zum Treppenhaus. Genauso still folgte Camilla ihr auf nackten Füßen. Sie begegneten keiner Schwester, keinem Arzt oder Pfleger. Aus den Zimmern drang kein Laut.
Ihre stille Führerin stieg die Stufen hinunter. Camilla wagte nicht, auch nur ein Wort zu sagen, um das feine Band zu der Fremden nicht zu zerstören. Weshalb folgte sie ihr? Sie verstand nicht, warum. Erst recht schaffte sie es nicht, das Gefühl des Vertrauens einzuordnen, als wäre die Fremde ihr seit Jahren mit all ihren Geheimnissen wohlbekannt.
Der Gedanke irritierte sie. Camilla blieb stehen. Obwohl die Sicherheit, in der sie sich wähnte, unerschütterlich war, erkannte sie, dass etwas nicht stimmte.
In welchem Stockwerk lagen Theresa und sie? War das nicht die erste Etage gewesen?
Sie sah hinauf. Ihrem Gefühl nach stieg sie bereits seit drei oder vier Geschossen nach unten. Konnte es hier so viele Untergeschosse geben? Was wollte sie überhaupt hier?
Erst jetzt bemerkte sie die Veränderung. Die Wände bestanden nicht mehr aus dem typisch weißen Sichtputz, sondern aus gekalktem Mauerwerk. An manchen Stellen lagen die Ziegel frei, schwarzer Schimmel und Salpeter blühten. Feuchtigkeit hing in der Luft und brachte Modergeruch mit sich.
Camilla fröstelte. Das konnte nicht real sein.
©Glasseelen, Edition Roter Drache 2017

Ihr wisst ja, dass Glasseelen noch einmal (und vollständig überarbeitet) im neuen Gewandt bei Edition Roter Drache erschienen ist. Da Holger mir die Möglichkeit gelassen hat, das eBook selbst zu veröffentlichen, ohne dass es über den Verlag läuft, habe ich das auch getan.
Anlässlich zur LBM 2018 senke ich den eBook-Preis von Glasseelen auf 0,99 €. Dieses Angebot gilt allerdings nur bis Montag, den 19.03.2018.
Dasselbe gilt auch für die Preissenkung bei Nachtschatten 1, dem ersten Urban Fantasy (mit Engeln, Vampiren, Werwölfen, Magiern und Sidhe) von meiner Frau Juliane Seidel.
Bis dahin könnt ihr das Buch sehr günstig erwerben.
Wer keinen “Bock” auf digitales Lesen hat, darf sich aber auch sehr gerne die Printausgabe mit Illustration, Widmung und passenden Lesezeichen auf der LBM beim Verlagsstand von Edition Roter Drache kaufen. Bei Holger kostet das Buch die regulären 16,95 €. Aber ich verspreche euch, es lohnt sich. Wenn ich etwas kann, dann immer noch zeichnen 😉
Wer also in der eine oder anderen Weise auf Mystery-Thrill in Berlin hat, der darf sich sehr gerne bedienen 🙂

Klappentext Glasseelen:
Vor Camilla und Theresa stürzt sich ein Mann vom Dach des Pergamonmuseums zu Tode. Seine Augen lösen sich in Staub auf, und aus seiner Hand rollen blutige Augäpfel sowie ein antikes Fernrohr. War es Selbstmord?
9783946425311Theresa schwört, dass sie kurz zuvor auf dem Dach einen ungeheuren, missgestalteten Mann wahrgenommen hatte, der den vermeintlichen Selbstmörder gestoßen hat. Dabei gibt es eine unheimliche Parallele zwischen dem vermeintlichen Selbstmörder und den Opfern eines Serienkillers, der in Berlin sein Unwesen treibt: herausgeschnittene Augen.
Obwohl sich Camilla und Theresa unter der Betreuung der Polizei in Sicherheit wähnen, nimmt der Serienkiller sie ins Visier, und wenig später verschwindet Theresa spurlos. Ist sie geflohen, weil sie sich von Andreas Grimm, dem ermittelnden Oberkommissar, bedrängt fühlte, oder wurde sie Opfer des Serienmörders? Camilla versucht, ihre Freundin auf eigene Faust zu finden und dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Mit dem Namen „Sandmann“ bekommt sie einen entscheidenden Hinweis, doch der Killer ist nicht leicht zu überlisten. Von Panik getrieben, gerät Camilla in die Unterwelt der Hauptstadt und stößt dort auf rätselhafte Menschen.
Tief unter der Stadt wird währendessen wieder die ausgeweidete, augenlose Leiche einer Frau entdeckt – Theresa.

Hier noch ein weiterer Ausschnitt aus dem Roman:
Das Bild eines offenen Frauentorsos, in dem ein feines Räderwerk dargestellt wurde, dominierte ihr Sichtfeld. Mit sauberen Pfeilen und Seitennotizen wurden die einzelnen Zahnräder und Federn beschrieben. Camilla ergriff Chris’ Arm.
„Das ist nicht Amadeos Bibliothek“, hauchte sie. „Sie gehört dem Sandmann!“
Christoph starrte mit schreckensbleichem Gesicht geradeaus und klappte den Mund auf und zu.
In der gleichen Sekunde roch Camilla den dumpfen Leichengeruch, der sie auf ihrer Flucht begleitet hatte. Sie fuhr zusammen.
In einem der Spiegel, die das Licht ihrer Lampe verstärkten, reflektierte ein totenblasses, hageres Gesicht. Der breite Mund war nichts als ein lippenloser Riss, der nicht in der Lage war, die gewaltigen, fingerlangen Zähne zu verbergen. Seine Nase erinnerte an den Schnabel eines Raubvogels. Sie reichte bis zu seinem Unterkiefer. Aber das Schrecklichste waren die tief liegenden, schwarzen Augen, die jede noch so geringe Bewegung verfolgten. Boshafte Intelligenz glomm darin.
Camilla spürte es bis in die letzte Faser ihres Körpers. Das musste der Sandmann sein!
Dünnes Spinnwebenhaar bewegte sich, als er sich einen Schritt auf Chris und Camilla zuschob. Eine Strähne glitt über seine gewaltigen Schultern und fiel auf einen grotesk dünnen Oberschenkel hinab. Dieses Wesen war riesig. Es überragte Chris um einen Kopf.
Camilla wagte kaum, zu atmen. Sie mussten fort!
Den Weg nach vorn versperrte der Tisch und hinter ihnen näherte sich der Sandmann.
In ihrem Hals bildete sich ein harter Kloß, den sie nicht schlucken konnte. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, wie sich Chris’ Finger langsam der Öllampe näherten. Sie überschlug seine Möglichkeiten. Er konnte den Sandmann angreifen oder die Seiten in Brand setzen. Wozu er sich auch entschied, er musste sich beeilen.
Ihre Muskeln spannten sich zum Sprung über den Tisch. Aber Chris zögerte. Ihr Herz raste.
Der Sandmann hob seine Klauenhand und streckte sie nach ihnen aus. Seine Nägel berührten eine Locke an ihrer Seite.
Ihr Atem stockte. Im gleichen Moment schleuderte Chris die Lampe. Sie zersprang. Petroleum spritzte heraus und traf Gesicht und Oberkörper des Monsters. Tropfen der öligen Flüssigkeit fielen zu Boden, tränkten den Stoff jedoch nicht. Flämmchen tanzten über den monströsen Leib, ohne sonderlichen Schaden anzurichten. Träge flackerte sein Frack. Nur das feine Haar fing Feuer.
Sie nahm sich nicht länger Zeit, darauf zu achten, was der Sandmann tat. Mit einem Sprung hechtete sie über den Tisch.
©Glasseelen, Edition Roter Drache 2017

Hier der Klappentext von Jules Unantastbar:
nachtschatten01Menschen, Vampire und Werwesen haben etwas gemeinsam: Sie alle besitzen einen Schutzengel. Lily – eine der wenigen Auserwählten, die den ihren sehen kann – wird zu einer Jägerin ausgebildet, um gewöhnliche Menschen vor übernatürlichen Wesen zu schützen.
Als sie sich in Silas verliebt, der Mitglied einer geheimnisvollen Magiergilde ist, hat plötzlich jeder Geheimnisse vor ihr: Der hohe Rat, ihre Lehrmeisterin, Silas, sogar ihr eigener Schutzengel Adrian. Die seltsamen Vorfälle, die sich um sie herum ereignen, lassen sie und Silas schließlich auf ein Komplott aus Intrigen stoßen, das seinen Ursprung in Lilys Vergangenheit hat.

Nachtschatten 0.99 Euro
Zu guter Letzt:
Denkt daran, bald erscheint Der Relbell (der 2. Schattengrenzen-Band) bei bei HOMO Littera und Nummer 3 ist in Arbeit 🙂

Neuveröffentlichung: Der Rebell

Hallo zusammen,

wie üblich melde ich mich immer nur sporadisch, aber … *kleiner Trommelwirbel* … “Der Rebell” ist nun schon so weit, dass der Probedruck bei HOMO Littera angekommen ist (und natürlich noch mal gründlich geprüft wird). Eben habe ich noch mal meine Danksagung überarbeitet und an Romy geschickt, dafür hat sie den ehemaligen Rückklappentext in etwas echt schickes Verwandelt 🙂
***
Der 16-jährige Oliver und seine jüngeren Brüder Christian und Michael überleben nur knapp ein Massaker. Ihr Vater ermordet nicht nur ihre Mutter, sondern auch zwei weitere Geschwister. Das Motiv scheint auf der Hand zu liegen: Untreue. Aber Oliver will daran nicht glauben, insbesondere, als auf Christian ein weiterer Anschlag verübt wird. Unter Verdacht steht ihr Großvater, der einzige angebliche Verwandte, der ihre Vormundschaft übernehmen soll. In seinem Haus werden mehrere Tote gefunden, doch die Leichen liegen bereits seit 70 Jahren dort. Die Fälle scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, allerdings will Oliver nicht an Zufälle glauben. Gemeinsam mit dem unerfahrenen Kommissar Daniel Kuhn und dem überreizten Matthias Habicht versucht er Parallelen in den Fällen zu finden. Doch schon bald wird klar, dass sie trotz Polizeischutzes nicht sicher sind, denn ihre Gegner scheinen nicht unter den Lebenden zu weilen …
***
Na? Besser, oder? Wahrscheinlich kann ich euch auch bald das neue Cover präsentieren 🙂 Auch das passt um Längen besser als das alte.

Als kleine Anmerkung zur Neuveröffentlichung: Das Buch ist vollständig überarbeitet und Szenenweise verändert. Ich muss sagen, ich mag diese Version wirklich sehr gerne und bin stolz darauf 🙂 Besonders die Änderung bei den Zwillingen hat es mir vereinfacht, die beiden Jungs besser im 2. Band einzubeziehen.
Chris ist zwar immer noch ein AK (Arschloch-Kind), aber er ist auch ziemlich stark und später sehr zielstrebig und mutig, und Micha … er ist erwacnsener, aber auch definitiv zurückhaltender – aus nachvollziehbaren Gründen.
Im Folgeband erzählen Olivers Brüder, wie sie die Folgen der Morde erfahren mussten, dass es ganz und gar nicht einfach für sie war und wie ihre Umwelt die Bluttat reflektiert hat. Ebenso wird klar, wie Daniel damit umgeht und wie er den Kontakt zu Tom Hoffmann, dem Vater der Jungen wahrgenommen hat.

Hier noch ein kleiner Auszug aus dem ersten Kapitel zu “Der Rebell”:
***
Ihr hysterisches Lachen endete in ersticktem Röcheln.
Die folgende Stille versetzte Oliver in abgrundtiefes Entsetzen. Nur das Geräusch von Metall, das Knochen zersplitterte, drang zu ihm. Das Monster zerfleischte sie. Der Anblick brannte sich in seinen Verstand. Er stöhnte. Seine Knie zitterten, zugleich fühlte sich sein Körper an, als würde Lava durch seine Adern strömen. Mit hämmerndem Herzen kauerte er sich tiefer unter die Anrichte und presste seine Fäuste auf die Ohren. Er biss auf seine Unterlippe und schmeckte Blut. Ihm wurde schwindelig. Mühsam zwang er sich zur Ruhe. Er musste fliehen, die Polizei rufen, doch er konnte sich nicht regen. Alles in ihm wehrte sich gegen den Anblick, die Geräusche und den Geruch. Er wagte nicht einmal, ins Wohnzimmer zu spähen – aber er musste, jetzt sofort, bevor auch er starb.
Vorsichtig sah er über die Küchenplatte. Noch immer rammte dieser Wahnsinnige sein Messer in ihren Leib. Deutlich hörte er, wie die Spitze sich in den Boden bohrte. Der Körper seiner Mutter lag vor der Terrassentür. Ihr Blut tränkte den hellen Teppich. Sein Vater kauerte wie ein Nachtmahr über der Masse aus zerschnittenem Gewebe und zerhackten Knochen. Er hob sich deutlich gegen die hellen Gardinen ab. Schwarzgrauer Dunst kräuselte sich um ihn. Stammte der von der brennenden Zigarette seiner Mutter?
Oliver reckte sich vorsichtig. Die Schwaden waren zu dunkel. Oder täuschte er sich?
***
Derzeit arbeite ich am 2. Buch, dem direkten Anschluss an den Rebell. 336 Seiten sind schon geschafft. Nun bin ich gespannt, wie zügig ich vorankomme. Wenn ich das Roh-MS abgeschlossen habe, überarbeite ich alles noch mal gründlich und schicke es Romy zu.
Eine Änderung gibt es im Erzählstil zum ersten Buch: Es gibt nicht mehr nur Olivers Perspektive. Hier wechselt sie zwischen Daniel und ihm. Damit bekommt ihr einen besseren Einblick in Daniels Gedanken- und Gefühlswelt. Vor allem lüftet er einige seiner Geheimnisse und ihr erfahrt mehr über seine Vergangenheit.
Aber mehr dazu in den nächsten Posts 😉